[IV. Jahrg.
Novellen⸗Zeitung. Du bitteſt, muß man Dir ja gut ſein. Aber Du ſiehſt ſehr erhitzt aus, mein Goldkind,“ und ſie legte wieder die Hand auf ſeine Stirn:„Fieber haſt Du doch, ich werde Dir den Saft einer Apfelſine in ein Glas Zuckerwaſſer drücken.“
„Wenn Du villtt, liebe Tante, ſo werde ich Dir dank⸗ bar dafür ſein.“
Nun war Tante Boddel zufrieden, und der Triumph des völligen Sieges ſtrahlte in ihrem Geſicht auf; da wurde die Gartenthür des Saales geöffnet, tiefer Sand des Weges hatte das Rollen des Wagens gedämpft, und Helene trat ein, gefolgt von Reginald. Arthur fuhr bei dieſem Ge⸗ räuſch in die Höhe, befreite ſeinen Nacken von dem Arm der Tante und eilte ſchnell Helene entgegen, um ſie aufs In⸗ nigſte zu umarmen und zu küſſen. Reginald blieb im gelang ſie zu beſänftigen. Mit dem feſten Vorſatz, daß es dunklen Hintergrunde, es wurde ihm weich ums Herz; heute das letzte Mal ſein ſollte, erhob er ſich alſo, ging um Tante Boddel aber erhob ſich ſchnell, und ſchon aufs Neue den Tiſch herum, nahm die Hand ſeiner Tante, küßte ſie V ein wenig zur Eiferſucht gereizt, trat ſie auf das Ge⸗
zu Liebe hierher gekommen in dieſes Schmuzneſt, um für Dich zu ſorgen und ſich zu quälen, wenn Du Deine arme, alte Tante ärgerſt, daß ſie krank werden wird, das nennſt Du ohne allen Grund?“
Hier machte ſie eine Pauſe, aber Arthur, durch Erfah⸗ rung gewitzigt, ſchwieg ſtill, ſo ſchwer es ihm wurde, und ließ ſeine Ungeduld nur an den Tiſchbeinen aus, die er mit unzähligen Fußſtößen bedachte.
Arthur hatte ſich vorgenommen, nie mehr bei ſolchen Sachen nachzugeben, weil Tante Boddel dies jedesmal als großen Triumph betrachtet hatte, daher ſchnell bereit war denſelben zu erneuern und hierdurch den Aermſten bei aller Liebe zu ihm tüchtig quälte; aber er wußte auch, daß ſie fähig war, trotz ihrer Gutmüthigkeit ihm und den Ankom⸗ menden den ganzen Abend zu verderben, wenn es ihm nicht
und ſagte ſo überredend wie möglich:„Verzeihe mir doch, ſchwiſter-Paar zu und ſagte: liebe Tante.“„Nun, Helene, vergißt Du denn ganz Deine alte Er mußte aber doch nicht den rechten Ton getroffen Tante?“ haben, denn Tante Boddel ſah auf und blickte ihn forſchend Arthur ließ Helene los und ſchüttelte Reginald die an, ob er ſich auch ehrlich und gänzlich unterwürfe. Der Hand, während Helene die rechte Hand der Tante küßte Ausdruck des Geſichts gefiel ihr nicht ſonderlich, was na⸗ und ſie dann umarmte; in dieſem Augenblick aber weinte türlich war, da Arthur eine ſtolze, offene, edle Natur war, die kleine Helene, erſchrocken durch das Licht und die frem⸗ die Verſtellung nicht nöthig hatte und die dieſelbe daher den Menſchen, laut auf; ihre Mama eilte zu ihr. Da auch haßte. ſtürzte ſich Reginald auf Tante Boddel zu, bemächtigte ſich Sie ſchüttelte alſo das Haupt und ſagte:„Du meinſt ihrer rechten Hand und küßte ſie mit Inbrunſt, als könnte es nicht ſo, wie Du ſprichſt.“ er den Kuß, den ſie eben empfangen, von ihr wegtrinken. „Gewiß, Tantchen,“ erwiderte Arthur,„ich will Dich Tante Boddel aber, die nicht die Herzen und Nieren prü⸗ nie kränken; gib mir einen Kuß und laß uns wieder fen konnte wie der liebe Gott, fühlte ſich höchlichſt befriedigt Freunde ſein.“ durch Reginalds außergewöhnliche Artigkeit, und ihre ro⸗ Bei dieſen Worten umfaßte er ſie mit dem geſunden ſige Laune hielt den ganzen Abend an. Arm und küßte ſie, und Tante Boddel hielt es auch für Doch der Abend war nicht lang, erſt wurde die kleine das Klügſte nicht länger zu widerſtehen, ſie erwiderte daher Helene von beiden Damen zur Ruhe gebracht, und die den Kuß, hielt aber ſeinen Kopf feſt und ſagte:„Wenn Herrn öffneten die Poſttaſche und vertieften ſich in ihren
Feuilleton.
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(ters⸗Feſt, den Zweck hatte Lachen zu erwecken, ſo wenig auch ein ſolcher Stoff dazu geeignet erſcheint. der —— /₰ den Werfe es Xr z0ſ nd des F ä Don Juan, dieſe poetiſche Figur, deren ſich Molière, Mozart Ohne den Werken des Franzoſen u de Engländere Byron bemächtigte(3,rf., e Rpoſ. zu nahe zu treten, dürfen wir wohl annehmen, daß den Deut⸗ und Byron bemächtigten, um ſie auf verſchiedene Weiſe zu ver⸗ ſ 3an eiſ 3 Meiſt ,ernn Ker de eiſe zu ver⸗ ſchen der Don Juan vorzugsweiſe durch das Meiſterwerk ihres herrlichen und zu verewigen, iſt keineswegs eine reine Fiction, La⸗ zugeer re ds ſondern geſtützt auf eine wirkliche Perſo zidie in Sevilla ihren Landsmannes Mozart bekannt iſt. Wie müſſen daber unſere Lands⸗ voroüglichſten Wohnſitz und Aufenrha ſon, die in Sevilla ihren leute ſich wundern, daß der Opernheld keineswegs ſo unbußfertig vorzüglichſten Wohnſitz und Aufenthaltsort hatte und ein keines⸗ Bolle f. 8 54 dies ſo ergreikend ſchi auf wegs erbauliches Leben führte, ſondern ihren Wandel durch zahl⸗ zur Hölle fuhr, wie der Componiſt dies ſo ergreifend ſchildert, loſe Liebſchaften, verwebt mnit Verbracden aanu 840 95 5We⸗ dieſe Weiſe ein ſchmachvolles Leben durch einen ruchloſen Tod be⸗ . Verbrechen und Schandthaten, be⸗ endigend, ſondern daß er vielmehr im Geruche der Heiligkeit ſtarb,
fleckte. d, ſe ehn dir ee s :à.: 8— 3 e e egensſprü⸗ Molière bemächtigte ſich zuerſt dieſer Perſönlichkeit, um auf und daß ſein Andenken lange Zeit unter zablreichen Segensſpr
ſpeciellen Auftrag Ludwigs XIV. eine Faſtnachtspoſſe zu chen Unglücklicher geehrt wunde, dir nerhihn Lnderwnenwe ſchreiben, die unter dem Titel: Don Jua G 5 ſo wie daß daſſelbe in Sevilla noch jetzt, und wohl für ewige chreiben, die unter dem Titel: Don Ju oder das Po⸗ gen, ſo wie daß daſſe S. 9 3 Juan, oder das Pe Zeiten, erhalten wird!
Die Pekehrung Don Juans).
*) Paulin Niboyet, der liebenswurdige franzöſiſche Autor, der Bekehrung dieſes Wüſtlings beſtehen drei Verſionen, die wir un⸗ manchen unſerer Leſer durch ſeine früheren Schriften noch in angenehmer 5 m Erinnerung ſein wird, hat, nachdem er als franzöſiſcher Conſul mehrere Jahre in Sevilla lebte, die Erinnerungen an ſeinen dortigen Aufenthalt 6 einem kleinen Bändchen unter dem Titel: La Reine de l'Andalousie,
ouvenirs d'un séjour à Séville(Paris 1858. Leipzig, A. Durr) öffent⸗
b licht. Wir entlehnen obige Skizze dieſem Werke 33 dedenden wersſient⸗ führlicher darauf zurückzukommen
dem Nachfolgenden mittheilen wollen. In Sevilla lebte vor langen Zeiten— wann? läßt ſich nicht genau ermitteln— ein Edelmann, Don Miguel Fulano
Manara, den man aller Wahrſcheinlichkeit nach als das Urbild
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Ueber die beinahe wunderbare und ganz plötzlich erfolgte
ſern Leſern nebſt einigen andern Nachrichten von ſeinem Leben in 8
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