Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
90
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ſchon wieder gebrauchen, nur ſoll er ihn noch ſchonen und

ſtarke Erſchütterungen wie Reiten und Fahren vermeiden. Wie iſt dies Unglück geſchehen? Iſt er geſtürzt? Er ſpricht nicht gern davon, und ich weiß eigentlich

nicht, was ich denken ſoll. Er ſagt mir, daß er bei einem

Sprung über einen kleinen Graben auf

zurückgekehrt ſein müſſe, er habe am andern Morgen die Hufſpuren von Akbar deutlich in dem Fahrwege erkannt und bis zu dem Feldweg nach den Bergen verfolgt. Ar⸗ thur ſcheint alſo nicht zu wünſchen, daß man die Art und

den Ort ſeines Abenteuers erfährt, obgleich es gewiß ſehr

unſchuldig iſt.

Davon bin ich auch überzeugt, doch bin ich Ihnen für

die Notiz dankbar, da ich mich jetzt hüten kann, den guten Arthur mit ihm unangenehmen Fragen zu beläſtigen.

Während dieſes Geſprächs hatten die übrigen Reiſen⸗ den den Perron verlaſſen, auch Franz war mit dem Gepäck⸗ ſchein verſchwunden, um die verſchiedenen Koffer und Schach⸗ teln zum Wagen tragen zu laſſen, und jetzt ſah Reginald, daß er nicht nur Helene nach Schönau geleiten ſolle, ſon⸗ dern auch ein kleines Weſen von fünfviertel Jahr, das mit dem kleinen Näschen und den großen Augen ſeiner Mutter wie aus dem Geſicht geſchnitten war, wie die Welt zu ſagen pflegt.

Ach, ich habe verſäumt Ihnen mein Töchterchen vor⸗ zuſtellen, fuhr Frau von Sternburg fort,Helene, die Kleine. Sag'Diener mein Kindchen. So iſt es nicht recht! Wie das Kind verſchlafen iſt! Und wie die häß⸗ lichen Hutbänder ihm die Bäckchen roth gerieben haben, und es weint doch nicht! Dafür muß das Kind ein Küß⸗ chen haben, nicht wahr, liebes Töchterchen?

Und der kleine Menſch ſtreckte die Arme von ſich, wie um die Mutter zu umhalſen, und dieſe küßte ihn mit den geſpitzten Lippen auf das rothe Mündchen.

Novellen Zeitung.

der Dorfſeite ge⸗ ſtürzt ſei, dagegen verſichert Franz, daß er durch den Park

Welch köſtlicheren, erhebenderen und rührenderen An⸗

blick gibt es auf Erden, als wenn eine ſchöne Mutter ihr reizendes Kind liebkoſ't? In dieſem Anſchauen drängt ſich Alles zuſammen, was das Leben uns Süßes an Liebe bie⸗ ten kann. Wir fühlen uns wieder Kind, und die un⸗ ſchuldsvolle, überſtrömende Kinderſeligkeit, mit der auch wir einſt an dem Halſe einer zärtlichen Mutter hingen, um die Zeichen einer ausſchließlichen Liebe zu empfangen, füllt auf Momente wieder unſere Bruſt, um ſchnell dem innigen Wunſche Raum zu geben: O wärſt Du doch der beglückte Gatte und Vater, der dieſen glücklichen Familien⸗ kreis ſchließt! Und wenn nicht Neid unſere Seele erfüllt, wie wenig Phantaſie gehört dazu, ſich auf Augenblicke in die Gefühle des Fehlenden zu träumen.

der meinte: in dieſem armen Leben muß man jede Minute des Glücks, und ſei es nur eines erlogenen, gierig auf⸗ raffen, wie ein Geiziger nach der Goldmünze greift, die er im Staube der Straße blinken ſieht. Auch das war ſeine Philoſophie! Doch auch nur eine Minute dauerte das ein⸗ gebildete Glück Reginalds, das glotzende Anſtarren der Wärterin raubte ihm ſchnell alle Illuſion. Nun erſt ſah er und faßte er, wie ſchön, wie ausnehmend ſchön und lieb⸗ lich dies roſige Geſicht vor ihm ſei, gehoben durch die graue Seide ihres Anzuges; denn ſo lange ſie ihn anſah, hatte er nur in die wunderbar tiefen blauen Augen geſehen, und nun erſt genoß er mit Bewußtſein und mit dem Ueberblick des Kenners dieſe holde Vereinigung zahlloſer Reize, deren jeder einzelne in ſolcher Vollendung ſeine Beſitzerin ſtolz gemacht haben würde, während die Trä⸗ gerin, Helene, ſichtlich nicht den geringſten Werth auf ſie zu legen ſchien. Reginald war mit ſeiner Miſſion verſöhnt, in der un⸗ eigennützigſten Weiſe fühlte er ſich glücklich, dieſer Helene ſeinen Schutz gewähren zu können, obgleich ſie eine Frau von Sternburg war.

Auge nicht immer alle ängſtlichen Rückſichten verbergen, welche eine Stellung bedingte, die in Europa nicht ihres Gleichen hatte. Der Prinz zog ſich daher ſchon früh in ſich ſelbſt zurück, war ver⸗ ſchloſſen, nicht offen, weil er fühlte, daß ſeine Lage etwas Falſches, mit der Außenwelt Zerfallenes hatte, ohne daß er mit ſich ſelbſt darüber vielleicht ins Klare kommen konnte. Die Iuliereigniſſe im Jahr 1830 waren der einzige Augenblick im Leben des Prin⸗ zen, der geeignet war für ihn Ausſichten zur Aenderung ſſeiner politiſchen Lage zu eröffnen.

ſchwächt, daß an ein thätiges Auftreten nicht mehr hätte gedacht werden können. In demſelben Jahr erhielt er die längſt erſehnte Uniform und trat als Oberſtlieutenant in das 60 ſte Infanterie⸗ regiment, Graf J. Gyulai, ſpäter Prinz Guſtav Waſa. Die Aerzte warnten; man gab ſechs Monate zu, in denen ſich der Prinz, ſich ruhig verhaltend, ſichtbar erholte. Da widerſtand der Kaiſer nicht länger den ungeſtümen Bitten ſeines Enkels, der nie über ſeine Geſundheit klagte, ſich ärgerlich allen Mahnungen und ärztlicher Hülfe entzog. Man hat vielfach getadelt, daß man den Prinzen ſo bald ſich ſelbſt überließ, daß er ein Soldatenleben führen, ſich geſelligen Freuden und Genüſſen hingeben, das Ver⸗ gnügen der Jagd unbeſchränkt treiben durfte. Allein wie ſchwer

von neunzehn Jahren zu finden; hatte man doch den ihm früher auferlegten Zwang bitter bekrittelt! Der Herzog ergriff mit Un⸗ geſtüm die neue Laufbahn, verſchwieg Unwohlſein und Fieber, nahm keine Arznei, erkältete ſich, keines Naths achtend, zu wieder⸗ holten Malen und wurde zuletzt ſo ſchwach, daß man ihn förmlich für krank erklären und im Zimmer halten mußte.

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4- mnen. Er ging für ihn ſpurlos vorüber. Und in der That war ſeine Geſundheit damals ſchon ſo ſehr ge⸗

war es hier, die Mittelſtraße für einen lebensfrohen Jüngling

Die Julihitze hatte den Herzog förmlich erſchöpft; er war in Schönbrunn; die Erzherzogin Marie Louiſe war auf die Nachricht von ſeiner zunehmenden Schwäche aus Italien herbeigeeilt; in ihren und des Erzherzogs Franz Karl Armen ſtarb der junge, ſo hoffnungsvolle Prinz am 22. Juli 1832 früh 5 Uhr. Er. hatte in der letzten Zeit viel gelitten und rieft, nachdem er die Tröſtun⸗ gen der Religion erbalten hatte, wiederholt klagend aus:Ich gehe unter! Welch ein Drama, das mit dem Gedanken an die Heirath mit einer Kaiſertochter vor dreiundzwanzig Jahren bei Napoleon innerhalb jener vier Wände begonnen und auf derſel⸗ ben Stelle mit dem Tode des einzigen Sohnes dieſer Ehe endete!

Aus der Geſchichte. Die letzten Augenblicke Narls 1.

In Heneage Jeſſe'sliterary and historical memorials of London(2 Bde. 8.) findet man eine intereſſante Nachricht über die letzten Augenblicke Karls I. von England am Morgen ſeiner Hinrichtung, die aus einem im britiſchen Muſeum aufbewahrten ungedruckten Briefe entnommen iſt.Heute ſtarb Se. Maj. auf einem Schaffot in Whitehall. Seine Kinder waren geſtern bei ihm: dem Herzog von Gloueeſter gab er ſeine Georgskette, der Lady(der Prinzeſſin Eliſabeth) ſeinen Ring vom Finger und

ſagte ihnen, ſeine Unterthanen hätten Manches, das ſie ihren

Kindern ſchenken könnten: dies ſei indeß Alles, was er ihnen ge⸗ ben könne. Heute gegen 1 Uhr kam er aus St. James(Park) in einem langen ſchwarzen Mantel und grauen Strümpfen. Der

Dies that auch Reginald und that wohl daran; denn

[IV. Jahrg. NL 6)

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