Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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Jahrg. V

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Nr. 6.] Dritte fen, rief er den alten Franz an, der ſchon bei dem jungen Grafen in Berlin als Kammerdiener und Haushofmeiſter zugleich fungirt hatte.

Lieber Franz, werden Sie Comteſſe Helene erkennen unter der Menge von Menſchen, die mit dem Zuge an⸗ kommen?

O Jeſus Maria! war die Antwort,da hört man wohl, daß der Herr Lieutenant die gnädige Frau nicht ken⸗ nen!

Gnädige Frau! Reginald war wie vom Schlage ge⸗ troffen! Helene war verheirathet und er erſchrak darüber. Warum? Er hatte ja eben noch über eine unerwartete ſchwierige Situation philoſophirt, jetzt war er ihr entho⸗ ben, warum freute er ſich nicht? Er ärgerte ſich, ärgerte ſich, wie er meinte, nur über den unnöthigen Aufwand ſeiner Philoſophie, und hatte deshalb für Helene durchaus kein Intereſſe mehr. Aber die angeregten Auslaſſungen des braven Franz mußte er nun anhören.

Wenn der Herr Lieutenant ſie geſehen haben werden, dann werden der Herr Lieutenant nicht mehr ſo fragen. Ich glaube, ich könnt's dem Zuge anſehen der die gnädige Frau bringt, denn der kann gar nicht ſo anraſſeln wie ein gemeiner Zug. Und wenn die gnädigſte Comteſſe, ich wollte ſagen gnädige Frau v. Sternburg, nur den kleinen Finger aus dem klappernden Fenſter herausſteckt und ich erkennte ſie nicht, nu da verdient' ich ja gleich aus dem Schloſſe herausgejagt zu werden, und ich bitte doch den Herrn Jeſus alle Abende, daß er mich ſelig drin verſterben ließe.

Gottlieb brummte beifällig dazu und ſchwang die Rannaitſche über den Köpfen der Rappen. Reginald dachte: zum T mit dem Schwätzer, was geht mich ſeine Frau von Sternburg an! Laut aber ſagte er: Das iſt hübſch von Ihnen, lieber Franz, daß Sie ſo an⸗ hänglich an die Herrſchaft ſind.

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Franz drehte ſich bei dieſen Worten herum und erwi⸗ derte:Anhänglich, Herr Lieutenant? Nu das wäre doch grundſchlecht von mir, wenn ich nicht anhänglich an die Herrſchaft ſein wollte, von der ſchon mein Vater über V achtzig Jahre lang und ich über ſechzig Jahre bereits alle Tage mein ausreichend Brod bekommen habe, und manche Freundlichkeit und nie Schelte, wenn ich nicht ein Eſel ge⸗ weſen war; und da möchte die Herrſchaft ſonſt ſein wie ſie wollte. Aber wie ich unſeren guten, jungen Herrn Gra⸗ fen liebe, und das wiſſen ja der Herr Lieutenant ſelbſt, Sie haben oft in Berlin darüber geſpaßt, und da werden der Herr Lieutenant nicht bloß von Anhänglichkeit ſprechen, und aber die gnädigſte Comteſſe, wollte ich ſagen die gnä⸗ dige Frau, da möchten Sie nur einmal das ganze, Dorf ja die ganze Herrſchaft hören, ob's Einer iſt, der nicht durchs Feuer tauſend Meilen für ſie liefe. Fragen ein Mal der Herr Lieutenant den alten Gottlieb hier, der liebt nichts wie ſeine Rappen und ließ ſich lieber ſelber prü⸗ geln, als daß er denen was anthäte; aber wenn die gnä⸗ dige Frau krank wäre, Gott verhüt's, und der Sanitäts⸗ rath müßte ſchnell kommen mit ſeinen Tropfen und Kügel⸗ chen, da würde er im Carriere nach R. fahren und wieder zurück und ſich den Henker darum ſcheren, ob die ſchwar⸗ zen Teufel drauf gehen oder nicht. Gelt, Gottlieb?

Gottlieb brummte ein paar Worte in den Bart, die wiefreilich klangen, und als müßte er's beweiſen, erhiel⸗ ten die beiden Rappen ein paar Peitſchenſchmitze, welche Behandlung ſie ſo übel nahmen, daß ſie ſich mit Macht in die Zügel legten, ſo daß Gottlieb ſtramm halten mußte und auf dem von Laſtwagen belebten Wege ſich faſt ein Spur von Gefahr zeigte.

Das Geſpräch fand mithin ſein natürliches ſchnelles Ende, und Reginald war ſehr zufrieden damit, denn er wußte nicht, was er dem alten Manne, den ein Lob ſelbſt verletzte, ſagen ſollte, und er ſelbſt hatte genug gehört, um eine neue Richtung ſeiner Gedanken zu ſuchen. Da iſt es

ſehr ſchlecht gerathen ſein ſollen, ſo möchte ich in Ihrem Sinne Ihre Frage dahin beantworten, daß ich dieſen Lavater durchaus nicht für einen echten Chriſten halten kann.

O wie freut es mich, daß wir ſo übereinſtimmen, Herr Graf, rief Biſchoffswerder mit einem ſo innigen und faſt zärtlichen Aus⸗ druck ſeiner Stimme, als ob noch die größte Annäherung zwiſchen ihm und Mirabeau ſtattfinden könnte. Nicht wahr, Lavpater iſt

kein echter Chriſt? Es fehlt ihm zum echten Chriſten beſonders auch dies, daß er kein Preuße iſt. Man muß Preuße ſein, und ganz beſonders muß man preußiſcher Soldat ſein, um ſich im wahrſten Sinne des Wortes einen Chriſten nennen zu können.

Denn nur im Dienſte Seiner Majeſtät des Königs kann man

das reine Cvangelium Chriſti bekennen und ausüben. Ich war bisher der Meinung, daß Eure Excellenz aus Sachſen ſtammen, ſagte Mirabeau mit einer tiefen Verneigung. Aus dem Sachſen kann ein Preuße werden, wie aus dem

Saulus ein Paulus, und werden wir den Paulus nicht immerhin

für einen echten Paulus halten müſſen? verſetzte der General mit dem Anflug einer ſchwärmeriſchen Extaſe. Bin ich kein alter

Preuße, ſo ſetze ich mein Verdienſt darein, daß Gott geruht hat

den erſten Neu⸗Preußen aus mir machen zu wollen.

Wenn Lavater ein ſchlechter Chriſt iſt, begann Mirabeau wieder, ſo iſt er jedenfalls ein guter Jeſuit, wie es alle dieſe Teu⸗ felsbeſchwörer und Geiſtercitirer heutzutage ſind, welchen Namen ſie auch ragen mögen. Ew. Excellenz werden mich aber darin noch gnädigſt berichtigen oder beſtätigen köͤnnen. Denn ich habe in meinem Brief über Caglioſtro und Lavater, der jetzt die Ehre hat auf Ew. Excellenz Tiſch zu liegen, die Behauptung aufge⸗ ſtellt, daß Lavater ebenfalls ein Schüler Schrepfer's geweſen.

den Zweck, darüber aus Ihrem authentiſchen Munde eine Beleh⸗ rung zu empfangen.

Biſchoffswerder zögerte einen Augenblick, ehe er antwortete. Dann ſagte er ſo harmlos als möglich: Woher glauben Sie, daß ich über das Verhältniß Lavater's zu Schrepfer eine Auskunft zu geben vermag?

Weil Schrepfer auch in Sachſen gelebt hat, wo er die Ver⸗ bindung des Roſenkreuzer⸗Ordens mit der Freimaurerei bewerk⸗ V ſtelligt haben ſoll, erwiderte Mirabeau ganz unbefangen. Es wäre ja auch möglich geweſen, daß Ew. Excellenz in Ihrer Ju⸗ gend auch einmal in dem Kaffeehauſe verkehrt hätten, welches Ge⸗ org Schrepfer in Leipzig hielt. Man nimmt wohl gern einmal ſeinen Kaffee in einem oͤffentlichen Local ein und unterhält ſich V dabei auch mit Leuten, mit denen man ſonſt ganz und gar nichts zu thun hat. Denn das habe ich nie geglaubt, daß Ew. Excel⸗ lenz auch zu den Schülern Schrepfers gehören, wie hier und da

wahl⸗ in einigen Zeitungen und Monatsſchriften geſagt wor⸗ en iſt. Ich habe ihn einige Male in Leipzig geſehen, erwiderte Bi⸗ ſchoffswerder, in ein ernſtes Nachſinnen ſich verlierend. Es inter⸗ eſſirte mich an ihm, daß er früher preußiſcher Huſar geweſen und den ſiebenjährigen Krieg mitgemacht hat. Darum beſuchte ich auch ſein Kaffeehaus in Leipzig, denn ich ſchwärmte ſchon als jun⸗ ger Menſch für Alles, was mit dem Namen Preußens auch nur in der entfernteſten Verbindung ſtand. 2 Sein Kaffee, den er reichte, ſoll ſchwächer geweſen ſein als ſein Geiſterbeſchwörungs⸗Apparat, ſagte Mirabeau. Denn als Cafetier ſoll er einen jämmerlichen Vankerott gemacht haben,

V Mein Beſuch, den ich heute gewagt, Herr General, hat auch noch