86. Novellen⸗
„Warum Zornepiſtel?“
„Weil er ſich mit einer jungen Witwe verloben will, wie er geſtern uns trotz ſeiner Faulheit ſchrieb. Ich habe ihm ſein Unrecht in ausdrucksvollen Jamben vorgehalten
und fühle mich nun ordentlich moraliſch geſtärkt, denn in-
dem ich dieſe Zeilen zur Poſt gebe, muß ich, was ich mir vorgenommen, niemals eine Witwe zu heirathen, ſchon deshalb durchführen, weil ich mich ſonſt zeitlebens vor ſämmtlichen Kameraden aufs ſchmählichſte blamirte. Keine
Witwe zu heirathen war ſtets meine Philoſophie, und ehe
ich aufhörte, ein Philoſoph zu ſein, wollte ich doch lie⸗ ber——“
Reginald bemerkte nicht Arthurs bedeutungsvolles
Lächeln; vielleicht um den Freund nicht ausſprechen zu laſſen oder um ſein Lächeln zu verbergen, rief dieſer plötz⸗ lich und heftig:
„Wo nur der Schlingel, der Friedrich, ſteckt, daß er das Vorfahren des Wagens nicht meldet, und der alte Franz, der auch noch nicht in der Thür erſchienen iſt, um zu fragen, was mitgenommen werden ſoll. Der rechte Zug fehlt noch in der Wirthſchaft.“
„Du wirſt ihn ſchon hineinbringen; übers Jahr wird es anders ſein. Wir ſind verwöhnt durch militairiſche Pünktlichkeit.“
Da trat Franz ein, ein alter, weißhaariger Mann mit treuem ehrlichen Geſicht:„Herr Graf verzeihen, wenn ich zu ſpät komme, aber die gnädigſte Comteſſe Tante hielten mich auf, ſie hatten mir noch ſehr viel Aufträge zu geben.“
„Schon gut, lieber Franz, ich glaub's. Hol' den Mantel des Herrn Lieutenant und vergiß die Poſttaſche nicht.“ Zu Reginald gewendet fuhr er lächelnd fort: „Nun lebe wohl. Vergiß Deinen Brief nicht, damit Du ja niemals eine Witwe heiratheſt, und grüße Helene aufs Beſte!“
„Helene heißt Deine Schweſter? Ein ſchöner Name
Hoffnung oder Furcht ihn aufregt.
macht allein doch ſchon einen lieblichen Eindruck. Es ſoll geſchehen. Lebe wohl!“
Der alte Franz ſchlug die Wagenthür zu und ſtieg auf den Bock. Gottlieb ſchnalzte mit der Zunge. Die Rap⸗ pen zogen an und der Wagen rpollte durch die mehrreihi⸗ gen, uralten Lindenalleen hinaus auf die Chauſſee und zwiſchen den blühenden Apfelbäumen hin gen R.
Arthur ſah ihm nach, bis er den Blicken verſchwand, dann trat er in den kühlen Gartenſaal zurück, nahm die Gedichte ſeines zu früh verſtorbenen Landsmannes, des Grafen Moritz Strachwitz, in die geſunde Hand, und die Blätter des Buchs fielen von ſelbſt auseinander, und lange lange ſaß er ſo verſunken da.— Er war ſeit einiger Zeit träumeriſch geworden, der luſtige Garde⸗Officier.
Der denkende Menſch geht einem Unbekannten, der vor⸗ ausſichtlich in ſein Leben hineintritt, immer mit einer ge⸗ wiſſen Spannung entgegen, auch wenn keine gegründete Wie natürlich war dies Gefühl bei Reginald, der einer jungen Dame entge⸗ genfuhr, die als Schweſter ſeines genaueſten Freundes be⸗ rechtigt war ſeine Theilnahme und Aufmerkſamkeit in An⸗ ſpruch zu nehmen und dabei jene Schönheit beſaß, die grade auf ihn den mächtigſten Eindruck ſchon im Bilde ge⸗ macht hatte; dieſer Verpflichtung, jenen Anziehungskräften ſich hinzugeben, durfte er aber nur bis zu einem gewiſſen Grade folgen— welche ſchwere Aufgabe für einen jungen Mann, hier die richtige Grenze zu finden und zu be⸗ wahren!
Er hatte, früh aus dem elterlichen Haus unter fremde Menſchen verſetzt, ſehr zeitig denken, beobachten und com⸗ biniren gelernt, Fähigkeiten, die uns zu kleinen Propheten nicht der Offenbarung, ſondern der Berechnung machen. Auch jetzt ſagte er ſich ſelbſt vorher, daß ſeine Lage eine unerwartet ſchwierige wäre, wenn Arthurs Liebe die Farben zu dem entworfenen Bilde nicht zu hell und glänzend auf⸗ getragen hätte. Um ſich hierüber Gewißheit zu verſchaf⸗
Hingebung für das herrſchende Königshaus als in Preußen, ſagte Mirabeau mit einem gewiſſen enthuſiaſtiſchen Anlauf. Ich werde der preußiſchen Treue ein eigenes Capitel widmen in mei⸗ nem großen Werke über die preußiſche Monarchie, an dem ich hier arbeite.
Ich habe von Ihren Vorarbeiten und Studien ungemein viel Rühmliches gehört, ſagte Biſchoffswerder mit einer von neuem entgegenkommenden Freundlichkeit. Dieſe kleine Schrift über die Herren Caglioſtro und Lavater iſt wohl ſchon eine Probe daraus?
Mirabeau ſah ihn erſtaunt an und bemühte ſich durch ein Erforſchen ſeiner Geſichtszüge den eigentlichen Sinn dieſer Frage zu enthüllen. Biſchoffswerder aber blickte mit der größten Unbe⸗ fangenheit und Ruhe zu ihm herüber, und Mirabeau erinnerte ſich gehört zu haben, daß Fragen dieſer Art durchaus in der Ma⸗ nier des Generals lagen, indem er es liebte, ſich ganz unwiſſend und beſchränkt anzuſtellen und ſelbſt den Schein einer gewiſſen Einfalt nicht zu verſchmähen.
O, Herr General, erwiderte Mirabeau darauf, die Abhand⸗ lung über Caglioſtro hat durchaus noch keine Beziehung auf Preu⸗
ßen. Ich weiß es nicht, ob es auch ſchon preußiſche Caglioſtro's
gibt, wiewohl man allerdings annehmen kann, daß ſolche Ham⸗ pelmänner der Gaukelei und der Intrigue jetzt überall in der Welt auftauchen werden. Wo die Geiſter verrathen werden, ſind immer zugleich die Geiſterbeſchwörungen an der Tagesordnung. Der Caglioſtro, von dem ich in meiner Schrift handele, hat es al⸗ lerdings in dieſer Kunſt ganz beſonders weit gebracht. Bei ihm kann man ſich die Geiſter aus allen Jahrhunderten beſtellen, und er hat den römiſchen Kaiſer Marc Aurel, die große Semiramis,
Heinrich IV. und alle möglichen Herren und Potentaten erſcheinen laſſen. Nur dazu hat er es noch nicht gebracht, den deutſchen Philoſophen Leibnitz und den großen Kurfürſten von Branden⸗ burg zu citiren. Biſchoffswerder zuckte einen Augenblick leiſe zuſammen, ſah aber bald wieder eben ſo gleichgültig und friedlich aus, wie im⸗ mer, und ſagte, indem er ſeine Hände feſter ineinander faltete: Es kommt alles darauf an, ob man den rechten Glauben in ſich trägt. Für Den, der glaubt, iſt kein Ding unmöglich. Wer aber mit argem Herzen Wunder will, hat ſich ſelbſt ſein Gericht gegründet. Ich bin überzeugt, Herr Graf, daß Ibr in einem andern Sinne gewiß nicht über jenen Euren Caglioſtro geſprochen haben wer⸗ det. Und was meint Ihr denn von dem Herrn Diaconus Lava⸗ ter? Haltet Ihr ihn für einen echten Chriſten 2 5 Ich halte ihn bloß für einen Neidhammel Caglioſtro 8, ver⸗ ſetzte Mirabeau raſch. Dieſer Lavater wäre für ſein Leben gern ein Caglioſtro geworden, für den er auch in ſeinen Schriften ie größte Verehrung ausdrückt und den er bekanntlich gegen den Vorwurf des Betrugs vertheidigt hat. Aber Lavater, wie viel Schönes auch in ihm iſt, würde doch viel bedeutender da ſtehen, wenn er ſich hätte dazu entſchließen können ein Betrüger im gro⸗ ßen Styl zu werden. So aber ſchlägt ihm und den Adeyten ſei⸗ ner Art die deutſche Ehrlichkeit jeden Augenblick in den Nacken, und er iſt nur ein ſüßlich verzückter Chriſt, wo er ein Ritter und Held der Gaunerei, wie Caglioſtro, ſein könnte. Darum glaube ich auch, daß er ſtets mehr ſich als Andere betrogen hat, wenn er Wunder zu thun verſuchte. Lavater hat zum Oeftern dieſelbe Meinung ausgeſprochen, wie Ew. Excellenz, daß jeder wahre Chriſt Wunder zu verrichten vermag. Aber da ihm dieſe ſtets
—
fen, rief e
Grafen in zugleich f
„Liek unter de kommen!
O
„O wohl, de nen!“ „Gn t offen! Wanua? ſchwlerige ben, wart ſich, wie ſeiner Phi kein Inten des brave „Weu dann wer Ich glau Frau bri gemeiner wollte ſ Finger erkennte Schloſſe Herrn Je ließe.“ Go Kannait dachte: ſeine 8 „Das 1
hänglich
— ſohr ſchle⸗ Ihre Fra nicht für Dw d Viſch Rad ſein da und
dact auchN ganzi wahr Denn das r
Sach)
9 Saulu für eine dem A.
NM


