Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
85
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Nr. 6.] auf dem ſchmalen Fuß ließen mehr einen eleganten Künſt⸗ ler als einen Gamaſchenhelden vermuthen, hätte nicht eine gewiſſe Gehaltenheit, Strenge des ganzen Weſens, die nur dem preußiſchen Soldaten eigen iſt, den Anzug Lügen geſtraft.

Sein Alter war kaum zu erkennen; ſah man dies ernſte, ruhige Geſicht, ſo hätte man ihn mit 28 Jahren nicht zu hoch geſchätzt gehalten; ſah man aber dieſe Züge bewegt von dem Ausdruck heiterer Liebe und inniger Freundſchaft, mit dem er dem eintretenden Arthur jetzt entgegeneilte, ſo würde man Letzteren für den Aelteren hal⸗ ten, obgleich in Wahrheit Reginald 2 Monate früher, am 25. December, bei hochlöblicher Polizei als junger Staats⸗ bürger angemeldet wurde. Ueberhaupt war der Unter⸗ ſchied zwiſchen beiden Freunden bedeutend. Arthur war etwas kleiner, ſein längliches Geſicht hatte den ſchönen Teint ſeiner Mutter, aber die regelmäßig hübſchen, ernſten Familienzüge ſeiner väterlichen Ahnen; man hätte ihn, von dieſen Bildern umgeben, als echten Grafen Schön nicht verkennen können. Das feine dunkle Haar war ſchlicht ge⸗ ſcheitelt, der Anzug dunkel und anſpruchslos, nur der Kenner erkannte ſeine Eleganz im Schnitt und Stoff. Sein Weſen war beialler Lebhaftigkeit, ſelbſt Heftigkeit, doch ohne Leidenſchaft, während man bei Reginald die be⸗ zwungene, niedergehaltene Leidenſchaftlichkeit durch alle äußere Ruhe hindurchfühlte.

Wie befindet ſich Dein kranker Arm, lieber Arthur? kann er noch nicht von der Binde erlöſt werden? Du ſiehſt wirklich aus wie der heimkehrende Krieger auf dem bekannten Kupferſtich, den Hanne, das Stubenmädchen, ſo hoch ſchätzt.

Die Wahrheit zu ſagen, ſein Befinden iſt nicht be⸗ ſonders, doch ich fürchte, ich habe Dich im Schreiben ge⸗ ſtört, erwiderte der Herr des Hauſes.

Nicht im Geringſten, ich hatte eben geendet: Dein treuer Freund und Kamerad u. ſ. w. Doch Du woll⸗

folge.

tteſt mir erzählen, wie Du geſchickter, beſonnener, aufmerk⸗

ſamer Reiter es angeſtellt haſt, bei dem Sprung über den

kleinen Graben zu ſtürzen!

Heute nicht, alter Freund. Es ſind ja erſt drei Tage von Deinen vier Wochen Urlaub vergangen, und ehe Du nach Berlin zurückkehrſt, denke ich, wird der Arm geheilt ſein, und dann ſollſt Du auch wiſſen, was verur⸗ ſacht hat, daß ich ſolch ſchlechtes Kunſtſtück ausführte. Jetzt aber habe ich eine Bitte an Dich: willſt Du für mich nach R. fahren?

Mit Vergnügen. ich nicht reiten?

Nein, das geht nicht, Du ſollſt meine Schweſter ab⸗ holen. Ich erhielt eben durch Expreſſen die Nachricht von ihr, ſie kommt mit nächſtem Eiſenbahnzuge anz ich will nicht gern, daß ſie die Nachricht von meinem Sturz aus dem Mund der Leute hört, die ſtets übertreiben; ſie würde erſchrecken und ſich ganz unnützer Weiſe ängſtigen, darum bitte ich Dich

Du haſt Recht, und ich ſtehe Dir ganz zu Dienſten. Aber wie ſieht Deine Schweſter aus? Du weißt, ich habe ſie nie geſehen.

Das vergaß ich. Ganz wie das Bild meiner Mut⸗ ter, wenn man dieſen ſtolzen Ausdruck in das Sanfte über⸗ ſetzt.

Sie iſt ſo ſchön wie Deine Mutter?

Ich finde ſie noch ſchöner, ſie iſt noch jünger wie meine Mutter war, als ſie gemalt wurde; ſie iſt erſt zwan⸗ zig Jahr. Sie iſt auch milder, und beſonders der Zug um den Mund iſt ſo lieblich und gut und der Ausdruck ihrer Augen ſo ſanft und treu, daß man ſie lieben muß, wenn ſie dieſelben nur aufſchlägt.

Du beſchreibſt Deine Schweſter mit brüderlicher Liebe. Ich bin neugierig ſie zu ſehen und eile gern nach R., auch um zugleich dieſe Zornepiſtel an Kamerad Wald⸗ ſtrom zur Poſt zu geben.

Was ſoll ich dort thun? Kann

Der General that aber jetzt einige Schritte ihm entgegen und entfaltete dabei eine Leichtigkeit und Zierlichkeit der Bewegung, die mit ſeinem ſtarken Körper in dem überraſchendſten Contraſt ſtand und Mirabeau erinnerte, wie er oft gehört habe, daß Herr von Biſchoffswerder nicht bloß ein frommer und mit Geiſtern ver⸗ kehrender Mann, ſondern auch ein gewandter Jäger und einer der kühnſten Reiter und Pferdebändiger ſei.

Der General nöthigte ihn mit einer verbindlichen Handbewe⸗ gung, auf einem Divan Platz zu nehmen, während er ſelbſt einen weiten Lehnſeſſel, der dem Divan gegenüberſtand, mit vieler An⸗ muth und Würde einnahm. Seine kleinen grauen Augen ruhten dann einen Augenblick lang blinzelnd und lauernd auf Mirabeau. Erſt nach einer Pauſe fragte er ihn mit einer Stimme, die einen ungemein ſanften und harmoniſch gezogenen Klang hatte, womit er denn dem Herrn Grafen dienen könne?

Dieſe Anrede geſchah in franzöſiſcher Sprache, aber Mira⸗ beau ſtutzte, als dieſer Accent ſein Ohr berührte. Er erinnerte ſich jedoch zugleich, davon gehört zu haben, daß Herr von Bi⸗

ſchoffswerder von Geburt ein Sachſe war, und man hatte ihm oft

Pagt, daß es gerade dieſem Volksſtamme der Deutſchen am

ſcengrie werde, das Franzöſiſche rein und verſtändlich auszu⸗ prechen. 4 Ich wünſchte Eurer Excellenz eine Schrift überreichen zu

dürfen, deren Druck ſo eben beendet iſt, nahm Mirabeau mit dem

größten Anſtrich der Unbefangenheit das Wort. Es iſt meine

Schrift über Caglioſtro und Lavater, und da es ſich dabei um ge⸗

wiſſe Umtriebe handelt, von denen in dieſem Augenblick Frank⸗

reich und Deutſchland gleichmäßig heimgeſucht zu werden ſcheinen,

ſo glaubte ich der guten Sache der Menſchheit, zu nützen, wenn 4

ich meine Andeutungen vorzugsweiſe in Ihre Hände zu legen wagte. Dieſe Ihre Hand ruht in der Hand des hoffnungsvoll⸗ ſten Königs und wird der Politik Preußens gewiß bald ihren eigentlichen Nachdruck leihen.

Biſchoffswerder empfing die Schrift mit einer zuvorkommen⸗ den Bewegung und legte ſie, nachdem er ihr Titelblatt flüchtig angeblickt, neben ſich auf den Tiſch nieder.

Ich werde gewiß ſehr viel daraus lernen können, ſagte er dann mit dem Ausdruck einer faſt demüthigen Beſcheidenheit. Denn ich geſtehe, daß mir beide Erſcheinungen eigentlich gänzlich fremd ſind.

Dann ſank er wieder mit ſeiner gewichtigen Figur in die Tiefe des Lehnſtuhls zurück, ſchien jedoch jetzt einige Anzeichen in⸗ nerer Unruhe an ſich blicken zu laſſen, die Mirabeau zu Anfang nicht an ihm bemerkt hatte. Mirabeau fixirte ihn ſcharf und be⸗ merkte mit ſeinen Alles erſpähenden Augen, daß ein leiſer Schweiß auf der Stirn des Generals ſich anzuſetzen begann.

Er wittert den Wolf, der in den Schafſtall einbrechen will, dachte Mirabeau bei ſich ſelbſt. Es ſoll mich wundern, wie er meinen Stößen Stand halten wird. 4

Uebrigens habe ich gar keinen Einfluß, nahm der General wieder mit einem frommen Aufſchlagen ſeiner Augen das Wort. Ich ſtrebe bloß nach dem Verdienſt, der getreueſte Diener Seiner Majeſtät zu ſein, und das iſt Alles. 3

Er ſchlug bei dieſen Worten mit der Hand auf die Bruſt und ließ die Ordenskreuze und Sterne zittern, die an ſeiner militairi⸗ ſchen Gala⸗Uniform, die er noch von der Ceremonie des heutigen Morgens her trug, befeſtigt waren.

Ja, in keinem Lande der Welt findet man ſo viel Treue und