Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
76
Einzelbild herunterladen

ͦÿꝛꝛ::

Zeit verreiſen mußten, wollten ihm den Papagei entreißen! Merkwürdig! Freilich war das im Orient. Bei uns brauchen die Strohwitwen keinen Papageien, ſchon weil die Männer jetzt nie mehr ſo lange verreiſen!

Dr. Lioingſton's Entdeckungen im ſüdl. Afrika.

Wir wollen heute die Erzählung der Reiſebegeben⸗ heiten dieſes berühmten Mannes, die wir in Nr. 52 der Novellenzeitung begannen, fortſetzen und zu Ende führen.

Wer die Schwierigkeiten, die Dr. Livingſton bei Aus⸗ führung der ſich geſtellten großen Aufgabe ſeiner Reiſe über den ganzen Continent des ſüdlichen tropiſchen Afrika gehörig würdigen will, der darf nicht vergeſſen, die Unannehmlichkeiten und Beſchwerden in Rechnung zu ziehen, die er zu erdulden hatte, ehe er die Baſis ſeiner Opera⸗ tionen, Linyanti, die Hauptſtadt des ihm befreundeten Häuptlings von Makololo, erreichte, ohne deſſen Unter⸗ ſtützung jedes Vordringen nach dem Norden hoffnungslos geweſen ſein würde. Um von Kuruman, der Grenzſtation der Miſſionäre, als er zum erſtenmal nach Afrika ging, bis nach Linyanti zu gelangen, brauchte er mehr als ſechs Monate, obſchon ſeine Reiſe durch Frau und Kinder nicht mehr aufgehalten wurde. Als er im 19⁰ 16 ſüdlicher Breite ankam, gebot ein afrikaniſches Fieber, von dem ſeine ganze Reiſegeſellſchaft er ſelbſt und ein Knabe ausge⸗ nommen befallen wurde, dem Weiterreiſen Halt. Glück⸗ licher Weiſe war er zwei oder drei Tage vorher auf eine Zahl Buſchmänner geſtoßen, die ſich jetzt in ſeiner Noth ihm ſehr nützlich bewieſen. Der Knabe beſorgte die Och⸗ ſen und Dr. Livingſton pflegte die Kranken und ſuchte die

Novellen⸗Zeitung.

[IV. Jahrg.

Buſchmänner dadurch in guter Laune zu halten, daß er gelegentlich mit ihnen ausging, um ein Zebra oder einen Büffelochſen zu ſchießen. Krankheit war übrigens nicht die einzige Gefahr, die man hier zu fürchten hatte. Das üppige Wachsthum des Graſes bei dem nach der Regenzeit folgenden heißen Wetter hat ſtets eine eigenthümliche Wir⸗ kung auf Zugochſen. Sie fühlten ſich, aus Furcht von wilden Thieren unvermuthet überfallen zu werden, ſehr unbehaglich, und während des durch das Fieber verurſach⸗ ten Aufenthalts gab in einer Nacht der Anblick einer Hyäne die Veranlaſſung dazu, daß die ſämmtlichen Ochſen der Reiſegeſellſchaft ſich in der Nachbarſchaft in einen pfadloſen Wald flüchteten. Der Knabe folgte ihnen, doch der ganze folgende Tag und eben ſo die Nacht vergingen, ohne daß man den Knaben oder einen der Ochſen ſah. Am Morgen des zweiten Tages endlich, es war ein Sonn⸗ tag, kehrte der Knabe mit einigen Stück Ochſen zurück.

Es war ihm gelungen, dieſelben den Sonnabend Abends ſpät aufzufinden, und er war genöthigt geweſen, in der Mitte einer Gegend voll reißender Thiere die ganze Nacht

Wache bei ihnen zu ſtehen. Dr. Livingſton ſagt:Es iſt wundervoll, wie dieſer Knabe es möglich machte, ohne einen Compaß und in einer ſolchen Gegend den Rückweg zu finden.

Während ſeines letzten Beſuches am Vorgebirge der guten Hoffnung mit ſeiner Familie ſcheint Dr. Livingſton von dem dortigen Aſtronomen, Herrn Maclear, einigen Unterricht erhalten zu haben und mit den nöthigen In⸗ ſtrumenten verſehen worden zu ſein, die ihn in den Stand ſetzten, an wichtigen Punkten die geographiſche Lage auf⸗ zunehmen. Dieſelbe findet ſich in dem letzten Theile ſeiner Reiſe öfters angegeben; doch in dem tropiſchen Afrika iſt die Atmoſphäre ſo oft wolkig, daß die Gelegen⸗ heit, die geographiſche Lage aufzunehmen, ſehr ſelten iſt. Wenn die Atmoſphäre gewöhnlich hell wäre, ſo würde die

große Sonnenhitze bei Tage und der von der Ausſtrö⸗

kaum bemerkliche Pauſe gemacht wurde, regnete es bei dem Beginn des zweiten Actes ſchon ziemlich heftig. Der Held des Stückes, ein tapferer Ritter, hielt ſich daher durch den Bruſtharniſch nicht hinlänglich beſchützt, ſondern trat in ſeiner nächſten Scene mit einem aufgeſpannten Regenſchirme auf, was ſeinen Knappen, den Luſtigmacher, zu der improviſirten Frage bewog:Ei, Herr Rit⸗ ter, was iſt denn das für ein merkwürdiges Geräth, das Ihr da über dem Kopfe haltet? Worauf der Ritter antwortete;Das iſt eine Erfindung der neueren Zeiten, in welche die folgenden Acte uns verſetzen werden.

Das Beiſpiel, das der tapfere Ritter gegeben hatte, durften die Dirnen und Edelfräulein natürlich nachahmen, ohne der Feig⸗ heit beſchuldigt zu werden. Sie erſchienen daher, Eine nach der Anderen, unter einem ſolchen Schirmdache, das ſie mit der einen Hand hielten, während die andere das Gewand ſo wenig aufhob, als der Anſtand dies gebot, und ſo hoch, als die Sparſamkeitsrück⸗ ſichten es erheiſchten, ſollte der unter dem plätſchernden Regen hochaufſpritzende Sand die Stoffe nicht verderben

Nur die Localſängerin war nicht im Beſitze eines Regenſchir⸗ mes, und ſie trillerte daher mit wahrer Todesverachtung ein luſti⸗ ges Liedchen her, wobei von ihrem bloßen Halſe, der mehr Kno⸗ chen als Fleiſch zeigte, der immer heftiger gießende Regen in glitzernden Tropfen in die Höhe ſpritzte, eine vollgültige Entſchul⸗ digung der verdrießlichen Mienen und der geſchnittenen Geſichter, mit denen ſie in grellem Contraſt den muntern, neckiſchen Text ihrer Couplets begleitete, das innige Mitleid der drei Zuſchauer erweckend, die, mich eingeſchloſſen, ausgeharrt hatten.

So ging der zweite Act zu Ende, der Vorhang wurde nicht

und unmittelbar darauf verkündete ein Regiſſeur, die Vorſtellung müſſe für beendigt erklärt werden, da es des Wetters wegen un⸗ möglich ſei, ſie fortzuſetzen.

Das iſt ſehr begreiflich, ſagte ich zu einem der beiden Waſſerdichten, mit dem ich das Theater verließ,aber weshalb ſind die Leutchen zu dieſer Einſicht erſt nach dem zweiten und nicht ſchon nach dem erſten Acte gelangt, wo ihnen die Sache nicht minder klar ſein mußte?

Dieſen ſcheinbaren Mangel der Einſicht verſchuldet die hie⸗ ſige Theater⸗Conceſſion, entgegnete der Gefragte.Danach muß ein dreiactiges Stück, das vor Beendigung des erſten, und ein fünfactiges, das vor dem Ende des zweiten Actes in der Arena unterbrochen wird, im Stadttheater fortgeſpielt oder das einge⸗ nommene Geld an der Kaſſe zurückerſtattet werden; um nun aber dieſem doppelten Uebelſtande dem Geſetze gegenüber auszuweichen, war es für den Director gebieteriſche Nothwendigkeit, tant bien que mal, den zweiten von den fünf Acten zu Ende zu haspeln.

Nun, ſagte ich, von wehmüthigen Gefühlen über das er⸗ lebte Schauſpiel ergriffen,wo die Kunſt unter ſolchem Schutze ſteht, da muß ihr Gedeihen für alle Zeiten geſichert ſein! Dieſe Vorſtellung aber wird mir ewig unvergeßlich bleiben! a.

7 Literatur. / Leſefrüchte. (Aus: Werthold Auerbach's deutſcher Familienka⸗

etwa heruntergelaſſen, ſondern von beiden Seiten vorgeſchoben,

lender auf das Jahr 1858. Stuttgart und Augsburg. J. G. Cotta'ſcher Verlag.)

4

5.

mung der Thau die ſäblich! tenden Am 200 des Ei Réaum in die kann d die hon Sando den. 1 1000. ſich denn ſch die hitze ni und ſche

unten. u rühren, Adas Rir Wag ne loſe Ge ſenden gefähr ſehr k den ſch zlehen. Buſchme das ſein Ochſen vor An vor de verfol giftete nern e