Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
74
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fangen und nach ihm voll Verlangen von ihm wur⸗ deſt verlaſſen und Deinem Schmerz bliebſt überlaſſen ohne Gramverſcheucher ohne Zuſpruch edler Freunde, liebreicher und da ſaßeſt in Elend und Jam⸗ mer in der Einſamkeit Kammer nun aber Du einen Liebhaber gewonnen, einen liebreizenden anmuthſprei⸗ zenden ſo ſollſt Du dies achten als ein Glück und nicht des Genuſſes Augenblick bis morgen ungenutzt laſſen ſondern die Gelegenheit wohl erfaſſen. Zwei⸗ tens: da, wie jedes Geheimniß mir klar iſt auch Deines Gatten Treiben mir offenbar iſt ſo iſt mir kund wie er aller Orten und zu jeder Stund' mit lieblichen Ge⸗ ſichtchen ſcherzt und jasminduftige Mägdlein herzt wie in frohem Genießen auch ſeine Tage verfließen. Zwar liebt er Dich, ſo ſehr es nur möglich iſt zu lieben doch ſollſt Du nicht die Luſt von heut auf morgen ver⸗ ſchieben und wohl benutzen ſchon heut die Gelegen⸗ heit die Dir zum Genuß ſich beut. Es wäre doch ewig zu beklagen wenn Du wollteſt der Erdenluſt Dich entſchlagen in friſchen Jugendtagen! Drittens: wohl hat Said mich gekauft und gezahlt meinen Werth doch ſeine Hand hat mich nie genährt nur Du gabſt mir Waſſer und Speiſe und bemühteſt Dich um mich in viel⸗ facher Weiſe Du biſt's, die mich gehegt und mit Wohlthaten mich gepflegt drum Deinem Dienſt zu leben und tauſendfach für Dich mein Blut zu geben iſt mein einziges Streben.

Daraus magſt Du verſtehen, daß ich mich mit allen Kräften bemühen werde, Deine Geheimniſſe verborgen zu halten, und wenn Du jetzt noch nicht an die Wahrheit meiner Worte glaubſt, ſo wird Dich die Folge davon über⸗ zeugen. Deine Wohlthaten und meine Verpflichtungen zu vergeſſen, iſt mir völlig unmöglich; im Gegentheil werde ich, ſoweit ich vermag, bemüht ſein, Dir meine Dankbar⸗ keit zu beweiſen. Wahre Dankbarkeit iſt aber nicht bloß mit der Zunge, ſondern mit allen Gliedern zu leiſten, und

Novellen⸗Zeitung.(IV.

ich bin der Anſicht, daß, wenn man auch einmal von ſeinem Wohlthäter eine Beleidigung erfährt, man darum doch ſeine alten Verpflichtungen nicht vergeſſen darf. Sollte mich da⸗ her auch meine Herrin einmal übel behandeln, ſo werde ich doch ihre Huld und Gnade mir nie aus dem Sinne ſchlagen. Es ergeht mir vielleicht mit meiner Treue wie dem Papagei, deſſen in der Geſchichte von dem indiſchen Kaufmann und ſeiner Frau Erwähnung geſchieht und deſſen Aufrichtigkeit zuletzt offenbar wurde. Als Mahi⸗ Scheker dies hörte, fragte ſie:Was iſt das für eine Ge⸗ ſchichte? Der Papagei antwortete:Das iſt eine ſehr anmuthige Geſchichte, die ich Dir wohl erzählen möchte, wenn nicht das letzte Drittel der Nacht ſchon angebrochen wäre. Nun iſt es ſchon zu ſpät, um zu dem ſchönen Jüng⸗ linge zu gehen; ich bedaure, Dir ſo lange den Schlaf ent⸗ zogen zu haben. Geh' jetzt, leg' Dich zur Ruhe! So Gott will, erzähle ich Dir morgen Abend meine Geſchichte, und nachher gehſt Du dann zu Deinem Geliebten, dem Ziel Deiner Wünſche. In der vorigen Nacht iſt nämlich ſo ununterbrochen dachte ich über Deine Angelegenheiten nach bis zum Morgen kein Schlaf auf meine Augen gekom⸗ men, und jetzt habe ich ſo lange geſprochen, daß ich bis zum Umfallen matt bin.

Mahi⸗Scheker zog ſich darauf zu Schlaf und Ruhe in ihr Gemach zurück und legte ſich, ſo aufgeregt ſie auch war, nieder.

Am vierten Abende hatte ſie ſich ſchon vor Niedergang des Tages geputzt und geſchmückt, und kaum war es dun⸗ kel geworden, als ſie zu dem Käfig des Papageien trat und ihn an die Geſchichte vom indiſchen Kaufmanne erinnerte. Laß hören, ſprach ſie,was iſt das für eine Geſchichte?

Der Papagei hub an, und erzählte und erzählte, und als er geendet, ſah Mahi⸗Scheker, daß der Morgen bereits den Vorhang der Nacht zerriſſen hatte und des Tages leuch⸗ tendes Angeſicht ſchon die Welt erhellte. Ihr eigentlicher Wunſch blieb demnach auch dieſe Nacht unerfüllt, und ſo ging

flüchtig die Bekanntſchaft des ehemals ſo berühmten Tenoriſten der jränzöüſiſchen großen Oper, die Bekanntſchaft Duprez' ge⸗ macht.

Er war ja vor einigen Monaten hier in Berlin und brachte im Concertſaale einen Theil ſeiner OperSamſon zur Auffüh⸗ rung. Ein wunderliches Opernproduct!

Da haben Sie's! Die Deutſchen, die Eſſer des Sauer⸗ kohls, müſſen einen Magen haben, um Alles zu verdauen, denken die Franzoſen. Dumas der Vater plötzlich auf die Ueberſetzung der Schiller'ſchen Räuber gefallen iſt. Soll neulich die hieſige königliche Inten⸗

Räuber an einem beſtimmten Tage zu geben. von Belgien nach Berlin kommen. für uns Deutſche: Dumas hat die Gewogenheit, ſich Schiller's Räuber behufs einer Verarbeitung vorführen zu laſſen. Die Räu⸗ ber werden wirklich an dem bezeichneten Sonntage gegeben, und Alexander Dumas war am Abend wirklich nicht da! Und dieſer Duprez! tige Modell der Vergänglichkeit alles Irdiſchen. Man muß nur den Schwindel der Pariſer gekannt haben, als Duprez zuerſt Mitte der Dreißiger an der franzöſiſchen Oper als Nourrit's Nach⸗ folger debütirte. Nourrit, einſt Jahre lang Liebling der Pariſer, berühmteſter Darſteller des Auber'ſchen Maſaniello, räumte dem

Er werde dazu

Feld. Duprez debütirte als Arnold in RoſſinisTell.

nach der Arie im vierten Act ſtürmiſch das Fallen des Vorhangs

Die Deutſchen ſollen ſich auch freuen, daß Alex.

danz der Schauſpiele von Herrn Dumas angegangen ſein, die Denken Sie ſich nur die Ehre Wenn irgend Jemand, ſo iſt er das leibhaf⸗ Rivalen Duprez in vielleicht zu weichherziger Stimmung das

verlangte und die Oper aus Enthuſiasmus für Duprez nicht zu Urtheile uns Bürgſchaft leiſtet.

Ende hören wollte. Und jetzt nach zwanzig Jahren! Wie lange iſt Duprez ſchon eine Stimmruine; wie er Nourrit verdunkelte, den unglücklichen Nourrit, der ſich bald drauf in Neapel aus Trüb⸗ ſinn und ſicherlich tiefſem Heimweh nach den Bretern des ehema⸗ ligen Ruhms zum Fenſter hinausſtürzte: ſo ward er ſchon vor vielen Jahren von ſeinem großen Nachfolger Roger vollſtändig in V Schatten geſetzt. Dnprez kam dann, es mögen ſechs, ſieben Jahr her ſein, nach Deutſchland, ſicherlich in dem feſten Glauben, in dieſem Lande die beſte Reſtauration ſeines frühern Ruhms zu fin⸗ den. Aber das undankbare Hamburg pfiff die Stimmruine beim erſten Auftreten auf mörderliche Weiſe aus. Nun wirft ſich dieſer Duprez auf die Opernfabrication und präſentirt ſich den Berlinern. Aber der Reſt iſt Schweigen. Doch nun, Geehrteſter, hier an der Jägerſtraßenecke huſch in den Keller zu Niquet, wir wollen Du⸗ prez zeigen, wie man ſich in Berlin mit einem Paar Gauerſchen reſtauriren kann! Ich danke. E. M. v. S.

Bon Appetit*).

V. Die Landenge von Panama.

Die Verbindung zwiſchen den beiden Meeren, welche die mexicaniſche Regierung beſchloſſen hat, ſoll mittelſt zweier Linien

*) Wir können nicht umhin zu bemerken, daß wir manche Anſichten vor⸗

Id. Duprez d a d 1 Der ſtehender Zeilen nicht theilen. Da aber Herr Verfaſſer zu Aenderungen ſich Beifall überſchritt dermaßen alle Grenzen, daß das Publicum ſ

nicht verſtehen wollte, ſo glauben wir im Intereſſe unſerer Leſer zu handeln,

wenn wir dieſeSpaziergänge lieber unverändert als gar nicht mittheilen,

zumal der Name des Herrn Berichterſtatters für die Unbefaudeuheit ſeiner . Red.

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