Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
72
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roſigen Wangen zu hangen mit Blicken voll Ver⸗ langen. So lebt er in Freude und Luſt, während Du wegen ſeiner Abweſenheit in Melancholie hinbrüteſt. Ver⸗ ſchieben denn vernünftige Leute wohl den Genuß der Gegen⸗ wart auf die Zukunft, die unbeſtimmte? Morgen geſchieht wieder etwas; darum beluſtige und unterhalte Dich ſchon heute mit dem vornehmen Jünglinge! Wenn dann morgen Dein Gatte eintrifft, ſo bleibt Dir ja ſeine Geſellſchaft

auf immer.

Mit ſolchen trügeriſchen arme junge Weib, ſo daß es Erleichterung für ihren Herzensgram zu finden, ſelben Abend den jungen Mann zu beſuchen verſprach.

Von außen der Alten ſataniſche Liſt, Von innen drängte das eigne Gelüſt.

Kaum war es Abend geworden, als Mahi⸗Scheker ihre Juwelen anlegte und ſich putzte und ſchmückte. End⸗ lich kam der Augenblick, wo ſie ſich losmachen konnte, und nun wollte ſie ſich eben zu dem Jünglinge hinbegeben, als ihr Said's Abſchiedsworte einfielen, daß ſie nämlich, wenn ſie ja mit einem andern Manne in Verbindung träte, we⸗ nigſtens vorher mit dem weiſen Papagei zu Rathe gehen ſollte. Wie ſie ſich hieran erinnerte, ſprach ſie zu ſich ſelbſt:Rede ich mit dem weiſen Vogel von dieſem Ver⸗ hältniß, ſo wird er mich von meinem Geliebten zurückhal⸗ ten. Ein Mann nimmt ja immer für den andern Partei; der ſpäter gekaufte Papagei dagegen, das Weibchen, welches den Namen Muſcharik führt, iſt doch wenigſtens von meinem Geſchlecht und mir deshalb mehr zugethan. Es iſt vernünftiger, daß ich dieſem meine Herzensgeheim⸗ niſſe mittheile und von ihm die Erlaubniß zu gehen nehme.

Reden bethörte in der Hoffnung, vielleicht eine

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Sinn eingegebenen Worten den Mund öffnete. Mahi⸗Scheker, rief es aus,was hat denn Said, Dein Dich ſo treu liebender Gatte, an Herzlichkeit gegen Dich fehlen laſſen, oder welches Ver Dir von ihm bekannt geworden, daß Du ſo ſchnell einem

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noch den⸗ ſ heben können! Du Dich nicht vor den Menſchen, ſolche Scheußlichkeit einlaſſen willſt?

wort. Haſtig öffn

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72 Novelfen⸗eitung.[IV. Jahrg. N 5 V I Dein Gatte löſcht nun die Gluth ſeiner Liebe durch Reiſen; Mit dieſen Worten trat ſie unter den Käfig des Vo⸗ 5

er findet Unterhaltung und Vergnügen ſtets neue Län⸗ gels Muſcharik, trug ihr Herzeleid vor und erzählte Alles, ſe

der zu durchfliegen und hier Tulpenauen aufblühen- was geſchehen war. Kaum hatte das thörichte Thier Mahi⸗ ſe der Jungfrauen und dort Stirnen anzuſchauen klar Scheker's Rede gehört, als ihm die Adern des Feuereifers d und rein wie der Mondſichel Schein und dort an anſchwollen und es zu rückhaltloſen, wenngleich durchereinen T

T

Aber

gehen gegen die Treue iſt

Undern Dein Herz geſchenkt haſt? Gott ſei Lob und Preis,

Said iſt geſund und munter und wird bald heimkommen. O freuen, die Alte das Dich lieben, Deinen Gatten bringſt vor dem ganzen Lande.

Mahi⸗Scheker, ſo wolle nicht zulaſſen daß ſich die Dich haſſen und daß ſich betrüben die indem Du Schimpf und Schande auf Du en Blick nachher nicht von dem Erdboden er⸗ Fürchteſt Du denn Gott nicht? und ſchämſt daß Du Dich auf eine

reuen,

elbſt wirſt d

Mit tauſend Vorſtellungen dieſer Art ſuchte Muſcharik die Mahi⸗Scheker zurecht zu weiſen. Dieſe war aber ein⸗ mal in der Liebe zu dem ſchönen Jünglinge befangen und empfand daher die Vermahnung, ſo gerecht ſie war, ſehr unangenehm. Die Wahrheit iſt bitter, ſagt das Sprich⸗ ete ſie den Käfig, ergriff zornig die arme Muſcharik, ſchlug ſie heftig auf den Boden und

Auf flog ihre Seele, das Vögelein Vom Neſte des Leibes zu beſſerem Sein.

Mahi⸗Scheker war aber ſo erzürnt, daß ihr die Luſt, den ſchönen Jüngling zu beſuchen, vergangen war. Sie giug alſo in ihr Zimmer und blieb. In dieſer Weiſe verſtrich ihr die Nacht, und ungeduldig erwartete ſie den folgenden

Abend.

Als die machte Mahi⸗

Sonne untergegangen war,

Den kennen Sie doch, den Mann mit dem klugen Kopf und wirren Haar? Max Ring!

Max Ring, wirklich! Um Alles in der Welt, ſagen Sie mir nur, wie iſt der Herr auf die Idee gefallen, in Berlin eine neue humoriſtiſche Zeitſchrift, den Schalk, zu begründen, mit der er dem Kladderadatſch und den fliegenden Blättern glaubt Con⸗ currenz machen zu können?

Haben Sie die Probenummer geleſen, Nicht! Ich habe ſie durchblättert. Schade u treffliches Talent, das keinen ſtetigen Wirkungskreis an Fadaiſen abarbeiten muß. Seine- ſ immer eine Fülle von Humor. Aber der Text der Text! Jo blättre aufs Gerathewohl und finde folgende witzſprudelnde Rand⸗ gloſſe: Dingelſtedt hat vom Koͤnig Mapx einen Da ſieht man, daß es ein Nachtwächter zu etwas bringen kann, wenn er nur politiſch iſt! Ich machte das Heft zu 95

Wie, das ſteht im Schalk? Das hat ja ſchon wer weiß wie oft im Nundſchauer der Kreuzzeitung, wenn ich nicht irre, buchſtäblich ſo geſtanden. Wie ſchade, daß Max Ring's literari⸗ ſcher Credit das Opfer einer verfehlten Buchhändlerſpeculation werden muß! Max Ring iſt zu Beſſerem beſtimmt!

Sehen Sie dort Emil Brachvogel!

Alle Achtung vor dem, ein eigenthümlich lent iſt er doch, wie unklar und verworren auch zum grö ſein RomanFriedemann Bach ausgefallen.

Wiſſen Sie, daß er gerade dieſes Romans wegen von einer gewiſſen Partei heftig angegriffen, det iſt?

Ich habe davon gehört.

Herr v. Sorgenlos? m Herbert König's findet und ſich

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dichteriſches Ta⸗ ßten Theil

unedlen Moſt

Illuſtrationen verſprechen wie

n Orden erhalten.

um nicht zu ſagen, angefein⸗

Brachvogel bringt allerdings viel

aber dies ſtete Geſchrei, er k doch nur ob nicht jeder wahre große und bis auf einen beſtimmten Punkt hin leiben müſſe. Nur vor dem Einen bangt rt zu haſtig. Schon wieder ein Drama Intendanz eingereicht, und noch iſt die

nicht vernarbt. Es ſchüttelt ſich nicht s der Feder. Und wehe ihm, ſollte er ch einmal ſo paralyſiren wie mit dem

zu Tage, Autodidakt, iſt geradezu lächerlich. Als Dichter urſprünglich Autodidakt ſein und b mir: Brachvogel produci Simon de Caus der Wunde vomAdalbert alle Jahre einNarciß au den Erfolg dieſes Stücks no Adalbert. Was ſ gange von der k Einmal ha Stelle nur einen ſ aller Strenge den K. noch mehrjährigen Contr weil mir einfiel, wie ſchwer

agen Sie zu Narciß⸗Deſſoir's beabſichtigtem Ab⸗ öniglichen Bühne? be ich mich gefreut, echsmonatlichen Urlaub Künſtlerlaunen gegenüber auf Erfüllung des Acts hält, dann aber bin ich erſchreckt, Deſſoir erſetzt werden würde, wenn ſein Leiden wirklich mehr als Laune wäre! Und doch muß man letzteres faſt glauben. Denn ſollte Deſſoir gedacht haben, jetzt ſei der Augenblick gekommen, wo er unenibehrlich ſei? Mir wuͤrde dabei jener Lehrling einfallen, der tückiſch ob einer derben Zurecht⸗ weiſung meinte; ich will meinen Meiſter ſchon kriegen, ich eſſe heute Mittag kein Fleiſch nicht! Halt, ſehen Siedort komm ſie eben aus der Probe, ſie, von der es bald heißen ſoll: ſie geht dahin und ſingt nicht mehr. O Taubert, Taubert, Verfaſſer ſin⸗ niger Kinderlieder, wo läge deine neue OperMacbethe⸗ hätte nicht Johanna Wagner Pathenſtelle übernommen! Letzter Schwa⸗ nengeſang eines ſcheidenden dramatiſchen Genies! Entſchuldige Sie meine Schwäche! In dieſem wirklich ſchwah

daß man ihm an höchſter gewährt hat, alſo mit

Punkte bin ich