Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
68
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cht beſſern konnten

en Taugenichts ni achtzig

eil der eine Taugenichts die Als Said dieſe Worte Erzähle mir doch, was iſt

fromme Männer ein und daß im Gegenth Frommen in die Irre führte. hörte, fragte er ſeinen Vater: das für eine Geſchichte? die möchte ich hören und Chodja Said, der Kaufmann, erzählte:

Von dem Taugenichts und den achtzig Frommen.

Die Geſchichtſchreiber berichten, daß im Lande Hor⸗ muz ein gewiſſer Nachod lebte, der einen Sohn hatte. Als Letzterer in ſein dreizehntes Jahr getreten war, hatte er ſich ſchon allen möglichen S fand unter andern Greueln auch an dem Würfelſpiel Wohl⸗ gefallen. Alle ſeine Verwandten und Angehörigen ſchäm⸗ ten ſich deshalb ſeiner; endlich gab einer von ihnen dem Nachod den Rath, achtzig im freien Felde aufgewachſene und mit den Laſtern der Städte unbekannte fromme Män⸗ ner aufzuſuchen und ſie mit ſeinem Sohne in ein Haus einzuſperren. So, meinte er, würde aller Wahrſcheinlich⸗ keit nach ihr Umgang auf ihn einen guten Eindruck machen und er von ſeinem ſchlechten Wandel ablaſſen. Nach dieſem Rathe ſuchte nun Nachod achtzig fromme Männer auf, die er unter tauſend Verſprechungen reichlicher Beloh⸗ nung auf achtzig Tage mit ſeinem Sohne in ein Haus ein⸗ ſperrte, wo man ihnen Speiſe und Trank von draußen hin⸗ einreichte. Um es kurz zu machen: nach achtzig Tagen öff⸗ nete man die Thür und forſchte nach dem Zuſtande der Ge⸗ fangenen, ob die Frömmigkeit der Achtzig wohl auf den

Burſchen Eindruck gemacht und er von ſeiner Laſterhaf⸗

tigkeit abgelaſſen habe. Aber ſiehe da, die Frömmigkeit hatte auf den Burſchen keinen Eindruck gemacht, und um⸗ gekehrt hatte ſein Laſter auf die achtzig Frommen eine ſolche Wirkung gehabt, daß ſie ſammt und ſonders zu Sündern und Würfelſpielern geworden waren.

Novellen⸗Zeitung.

ünden und Laſtern ergeben und

Die Rönigin Marie Antoinette und der Herr von Paris.

Es iſt bekannt, daß in früberen Zeite richterHerr von Paris genannt wurde, e vielleicht auch jetzt bisweilen beilegt, obgleich er jenen Schrecken umgeben iſt wie chedem, und man auch ſ oft eine ganz falſche Vorſtellung von dem f) und der Rohheit des Vollſtreckers der hohen Juſtiz machte.

Samſon z.

Laufes der franzö war nicht nur ein Mann von und Religioſität, wie der folgende Zug bew Schriftſteller Roger de Beauvoir nacherzählen. Er ſagt:

Mein Freund, der rühmlichſt bekannte Maler Ziegl wünſchte Samſon kennen zu 1 ſeiner Bilder anzubringen. i und indem ich dieſe mit Vergnügen zuſagte, dachts ich auf irge einen Vorwand zur Beſchönigung unſeres Beſuches.

Mein Herr, ſagte ich empfangen worden waren,ich komme, richten. Ich ſchreibe für dieMode

nicht mehr vo

ſiſchen Revolution viele tauſend Köpfe fiele Bildung, ſondern auch von Gefü

um eine Bitte an ſie

n der Pariſer Scharf⸗ in Titel, den man ihm

7 4 onſt ſich toine ürchterlichen Weſen Verſehen ihren Fuß auf den

B., unter deſſen Händen während des blutigen eiſt, den wir dem

lernen, um deſſen Geſtalt auf einem Er bat mich um meine Begleitung, daher, als wir mit großer Artigkeit einige ArtikelBilder

und es iſt mir dabei ſehr wünſchenswerth, einen Aufe den nur Sie allein mir geben können. vermag, mein Herr, ſo ſtehe ich mit Vergnügen zu Dienſten, entgegnete Herr Samſon. AIſt es wahr, fragte ich nun,daß die Königin Marie An⸗ tte, als ſie die Plateforme des Blutgerüſtes betrat, aus Ihrigen, mein Herr, ſetzte und dann ſagte:Verzeihung, Bürger Samſon? Vollkommen wahr ¹ entgegnete er. Erinnern Sie ſich dieſes Auftrittes genau? Nur zu genau. Und mit dem Tone der Rührung fuhr er dann fort:Die Königin Marie Antoinette iſt geſtorben wie eine Heilige. Ich habe beſtändig zu Gott um Verzeihung für ihre Sinrichtung gefleht. Die Regiſter der Kirche von Saint⸗Laurent beweiſen, daß ich viele Seelenmeſſen für ſie leſen ließ. Ich habe die beiden fürchterlichen Jahrestage, den der Königin und den des Königs, nie anderwärts zugebracht als in der Kirche, das Geſicht mit einem Taſchentuche verdeckt. Herr Andry, der Arzt, weiß davon etwas zu erzählen. Im Jahre 1832 brachte man mich am 21. Januar wie einen Sterbenden zu ihm. Die

aus Paris, ſchluß zu erhalten, Wenn ich es

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mediciniſchen Phänomene, die ſich an dieſen beiden Tagen bei mir

[IV. Jahrg. Nr.

Mit dieſen Worten ſchloß der Kaufmann Said ſeine Erzählung und Ermahnung und küßte beide Augen ſeines gel u Sohnes Said. Dieſer nahm den Rath an, küßte ſeines oſtbe Vaters Hände und beſchäftigte ſich von nun an mit ſeinem am Gewerbe. Sein Vater gab ihm ein Grundeapital von das tauſend Goldſtücken, um damit ein Geſchäft zu beginnen ere dem er ſeine Tage widmete. Jeden Abend begab er ſich, 5 zu ſeiner Frau Mahi-Scheker, um mit ihr luſtig zu w ein. z

Eines Tages brachte man in den Bazar der Zeug⸗ 1 m händler einen Papagei, den ein Mäkler unter lauten An- A preiſungen umhertrug.Dieſer Papagei, rief er aus, zl iſt der Beredtſamkeit befliſſen ein Meiſter der Wohl⸗ ¹ d redenheit, der ſüßen gelehrt in des Korans Geheimniſ⸗ d ſen und bewährt in jeglichem Wiſſen. Tauſend Goldſtücke 1 hat ſind ſein Preis; wer ihn kauft, dem wird tauſendfaches Glück rat und wunderbare Gnadengaben zu Theil werden.

Als Said dies hörte, dachte er bei ſich:Ei, was mag lieb das für ein Papagei ſein! Er trat näher, und ſiehe da, oll es war ein Papagei, der ſchweigend in einem Käfig ſas Go⸗ und den viele Menſchen umſtanden. Da wunderte ſich ſül Said und ſprach:Um des Himmels willen, was für ein 1 Narr muß doch der Menſch ſein, der ſein Geld ſo ſehr für N nichts achtet, daß er es für dieſen Vogel hingibt! Denn D wenn er auch ſprechen kann und den Koran auswendig d V weiß, was nützt das Alles? Vögel verſtehen ja den Sinn 1 ihrer eigenen Worte nicht, und wenn dieſer da den Koran G recitirt und den Gebetvers herſagt, ſo legt das den Hörern he doch nicht die Verpflichtung zum Beten auf. Für ein be ſolches Thier tauſend Goldſtücke zu geben, iſt eine arge b Narrheit, ja eine große Sünde!

Als der Papagei dies vernahm, hub er an wie das Meer zu toſen und wie die Nachtigall zu koſen und

er ſprach:Ich lobe, Said, und preiſe Deine Klug⸗ heit und Dein Urtheil, das hochweiſe Deine Rede iſt 1 keine nichtige und Deine Worte treffen das Richtige. 2

Leuilleton. W

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