Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
55
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nimmt, ſoll auch durch das Schwert umkommen, ſagt die Schrift.

Sie ſagt auch: Aug' um Auge, Zahn um Zahn und Leben um Leben! ſagte Fiordaliſe, die von fern zuhörte, leiſe, aber feſt. 1

Habe ich meine Pflicht gethan, ſo bin ich bereit mein Schickſal zu erfüllen! meinte der junge Corſe.

Und was ſoll endlich aus Corſica und der Freiheit werden, wenn Jeder denkt wie Du? fragte der Geiſtliche ſchmerzlich.Ich habe meinen Vetter aufrichtig geliebt, aber der Haß gegen ſeinen muthmaßlichen Mörder iſt nicht ſo ſtark als die alte Todfeindſchaft gegen Genua, welche unſere Väter auf uns vererbten. Wird Dein Leben im Dienſt des Vaterlandes nicht beſſer verwendet als in der Vendetta gegen die Vicentis? Soll das Blut zwiſchen Euch nie aufhören zu fließen? Du tödteſt Giacomo und fällſt von der Hand eines ſeiner Brüder, darauf tödtet Fiordaliſens künftiger Gatte Deinen Mörder; er wird von einem andern Vicenti wieder ermordet und hinterläßt die Rache vielleicht einem unmündigen Sohne, der, wenn er erwachſen iſt, das blutige Trauerſpiel von Neuem beginnt.

Fiordaliſe war glühendroth geworden; ſie empfand einen ſtechenden Gewiſſensbiß bei der Vorſtellung, ihr künftiger Gatte werde nicht geneigt ſein der Bluträcher ihres Bruders zu ſein. Dennoch war ſie unfähig Pietro aufzugeben; ihre Seele hing mit ihrer ganzen Gluth an ihm.

Mattheo blieb ruhig; er ſagte ehrerbietig, doch ent⸗ ſchieden:Ich kann meinen Vater nicht ungerächt laſſen.

Der Geiſtliche hob lebhaft hervor, daß es ja nicht er⸗ wieſen ſei, ob Giacomo der Mörder wenigſtens mache es ſeine Betheuerung ſehr zweifelhaft.Wer weiß, welcher Hand der Allmächtige ſich bediente, um eine alte Blut⸗ ſchuld zu tilgen, fuhr er lebhaft fort.Dein Vater war bei Gott ein braver Mann, aber der Tod Lorenzo Vicen⸗

(t's durfte nach der Gerechtigkeit des Herrn nicht unge⸗

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rachen bleiben, denn es war ein böſe That.

Ich erinnere

Dritte Folge. 5

mich ihrer noch recht wohl, obgleich ich damals ein Knabe war. Lorenzo Vicenti und Marcantonio waren Neben⸗ buhler, und dieſer lauerte jenem, von Eiferſucht verblendet, auf und erſchoß ihn. Niemand, als unſere Familie, wußte, wer der Mörder war, und heute bin ich wahrſcheinlich der Einzige, der darum weiß. Des Gemordeten Bruder, der eine Ahnung haben mochte, war friedliebend, er ſchwieg und überließ Marcantonio der Strafe ſeines Gewiſſens, deſſen Vorwürfe ſo heftig waren, daß er jenes Mädchen nicht wiederſehn mochte; darum glaube ich auch nicht, daß Giacomo dieſe That gerächt hat er wußte ja nicht da⸗ von; wohl aber ſtrafte der Herr durch eine Hand, die wir noch nicht kennen, den Mord denn eben an jener Stelle war Lorenzo Vicenti gefallen. Willſt Du das Verbrechen auf Dich lenken, Giacomo zu tödten, wenn Du nicht ſicher biſt, daß Deines Vaters Blut wirklich an ſeinen Händen klebt? Mein iſt die Rache, ſpricht der Herr; der Thäter wird einſt entdeckt und beſtraft werden!

Mattheo war erſchüttert, und ſein Verwandter, der das Unheil der Vendetta abwenden und dem Vaterlande einen tapfern Streiter erhalten wollte, bot nun alle Mittel geiſt⸗ licher und weltlicher Beredſamkeit auf, ihn zum Frieden zu ſtimmen. Widerſtrebend gab endlich Mattheo nach, und am andern Tage ward dies den Vermittlern, Parolanti genannt, angezeigt. Giacomo und Mattheo kamen in Be⸗ gleitung ihrer Freunde zuſammen und ſchwuren nach altem Brauch in die Hände der Parolanti einen feierlichen Eid, einander nicht zu haſſen oder nach dem Leben zu trachten.

Pietro kam jetzt wieder oft nach Alando; Fiordaliſe ſah ihn zuweilen heimlich, und Beide wiederholten die Schwüre ihrer Liebe.

Sieh, Geliebter, ſagte einſt Fiordaliſe in ihrer ener⸗ giſchen Weiſe,ich habe meine Seele von der Klage um den gemordeten Vater gewandt, um ſie Deinen Liebes⸗ blicken hinzugeben. Ich kenne nichts, was mich Dir ab⸗ wendig machen könnte, es gibt keine Grenze für meine

hatte aber ſchon am Morgen, wo der Boden noch unwegſamer war, mit Artillerie manövrirt, als er ſeine Stellung bezog, und jedenfalls, da es auf dem ganzen Schlachtfeld geregnet hatte, traf ihn der Nachtheil des ſchwierigen Manövrirens während der Schlacht eben ſo ſehr wie Napoleon. Das Zaudern deſſelben bleibt daher eben ſo unerklärlich und unerklärt wie am 17. früh. War es Mangel an phyſiſcher Energie, oder lähmte das Bewußt⸗ ſein ſelbſt wenn er den unmittelbar ihm gegenüberſtehenden Feind

ſchlüge, ſein Heer immer noch gegen die nachrückende Uebermacht

höthig zu haben, ſeine ſonſt ſo kühne Entſchloſſenheit? Fing er, der ſonſt kaum an die Möglichkeit einer Niederlage dachte, ſeine Schlachten jetzt ſo ſpät an, damit die Entſcheidung mit dem ſpä⸗ ſen Abend erſt einträte, und bei nachtheiliger Wendung die Nacht in Abbrechen des Kampfes begünſtigte?

5 Halb zwoͤlf Uhr begann endlich der Angriff gegen den ſchwäch⸗ ſeen Theil der feindlichen Stellung, den linken Flügel; gleichzei⸗ tig begann eine Diverſion gegen das Schloß Goumont, eine ſtarke Stellung auf dem rechten Flügel der Engländer. Bereits um ein Uhr zeigte ſich in der Ferne bei Chateau St. Lambert ein Truppencorps. Es war Bülow's; Napoleon will es für Grou⸗ chy s Corps gehalten haben, was aber nicht gut möglich iſt, denn es befand ſich in ſeiner Hand eine Meldung von Grouchy, wonach dieſer ſich noch um zwei Uhr in Gembloux befand und nach Sart le Walhain aufbrechen wollte; von Gembloux über letztgenannten Ort nach Chateau St. Lambert ſind aber faſt acht Lieues auf da⸗ mals grundloſen Nebenwegen, und Grouchy konnte keinesfalls um ein Uhr bei St. Lambert ſein. Die Ungewißheit beſtand auch

mit der Meldung ſeiner Ankunft und der Bitte um weitere Be⸗ fehle. Außerdem erfuhr man von dem Huſaren, daß die geſammte preußiſche Armee bereits die Nacht vorher bei Wavre verſammelt geweſen ſei. 30,000 Mann friſche Feinde ſtanden daher zum un⸗ mittelbaren Eingreifen bereit, 60,000 andere waren nur drei Stunden entfernt! Napoleon konnte nur noch auf Grouchy rech⸗ nen, der jetzt, um ein Uhr, Befehl erhielt, von Sart le Walhain nach dem rechten Flügel Napoleons aufzubrechen und Bülowzu ecraſiren. Ob er im Stande war den Befehl auszuführen, wer⸗ den wir ſpäter ſehen.

Lobau wurde Bülow entgegengeſchickt, während ein fürchter⸗ liches Artilleriefeuer den Angriff Erlon's auf Wellingtons Linie

vorbereitete. Er mißlang aber trotz der Tapferkeit der Angrei⸗ fenden und ſie mußten 40 mit einem Verluſt von 5000 Mann zurückziehen. Der Sturm auf La Haye Sainte und Goumont

war ebenfalls fruchtlos geblieben. Nun änderte Napoleon ſeinen Angriffspunkt und wendete ſich gegen die feindliche Mitte, und es begannen jetzt die fürchterlichen Reiterangriffe, welche die engliſche Linie ſo erſchütterten, daß Wellington alle ſeine Reſerven außer der Diviſion Chaſſée in dieſelbe vorrücken laſſen mußte. Aber noch mehr waren die Kräfte Napoleons erſchöpft. Als Ney durch ſeinen Adjutanten Infanterie verlangt, da er mit ſeiner Reiterei die Linie Wellington's erſchüttern, aber nicht durchbrechen kann, erhält er zur Antwort:Infanterie? Wo ſoll ich ſie hernehmen? Soll ich welche machen? Bülow hat eine wichtige Diverſion gemacht. Er iſt ſchon früh aufgebrochen, aber eine in Wayre ausbrechende Feuersbrunſt hatte die Hälfte ſeines Corps hinter

nicht lange; man brachte einen preußiſchen Huſaren gefangen zu dieſem Orte feſtgehalten, und die grundloſen Wege geſtatteten dem

Napoleon, den Träger eines Briefes von Baͤlow an Wellington Reſte kaum fortzukommen. Zuerſt hatte er den Reſt ſeiner Trup⸗

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