Jahrgang 
01-26 (1858)
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wie bei uns andre Lieder. Sie ſind daher auf einen wirk⸗ lichen Lamento vorbereitet.

Fiordaliſe pries die Tugenden ihres Vaters und klagte innig um ſeinen Verluſt; ihre Sprache war voll anmuthi⸗ ger und kühner Bilder, erhob ſich aber zu einer wilden lei⸗ denſchaftlichen Gluth, als ſie Rache für ſeinen Tod forderte. Jede Strophe ſchloß mit einem dreimaligen Weh! das die Klageweiber im Chor nachheulten.

Jetzt kam die Todtenbrüderſchaft, und die Leiche wurde in den Sarg gelegt. An der Bahre erhob ſich noch ein⸗ mal ein lautes Geſchrei, hierauf ward der Todte in die Kirche gebracht, eingeſegnet und dann unter Klaggeſang begraben. Den Beſchluß der Feier machte das Todten⸗ banket, wozu das ganze Gefolge in das Trauerhaus gela⸗ den wurde und wobei großer Aufwand herrſchte. Ein reichliches Mahl und eine Menge Gäſte ehrt den Todten.

Der Schmerz der beiden Geſchwiſter wurde dadurch bedeutend erhöht, daß ihnen der Mörder unbekannt war und ihr Vater alſo nicht gerächt werden konnte. Sie muth⸗ maßten auf Giacomo, weil ſie mit ihm nicht in Freund⸗ ſchaft lebten, hatten aber keinen Beweis.

Dem Mörder Giacomo war es leid, daß er Marcan⸗ tonio ſtatt Sandiani getroffen. Er hütete ſich indeß ein⸗ zugeſtehn, ſeine Kugel habe jenem den Tod gebracht, und ſchwur mit gutem Gewiſſen, es ſei ihm nie eingefallen ſeine Hand gegen Peraldi zu erheben. Da er ſich vor Kurzem verheirathet hatte, war es ihm unbequem einen Bluträcher auf den Ferſen zu haben, und er wünſchte eine Ausſöhnung mit Mattheo. Die Freunde beider Familien legten ſich ins Mittel allein Mattheo mochte davon nichts hören. Er hegte, trotz des Eides von Giacomo, doch Verdacht gegen ihn und nahm ſich vor bei nächſter Gelegenheit einen Streit herbeizuführen und ihn zu tödten.

Fiordaliſe dachte mit banger Unruhe Pietro's. Er kam nicht, und vorläufig war das gut, denn er gehörte ja zu der feindlichen Sippſchaft wie ſollte es aber ſpäter wer⸗

den? Natürlich war nicht daran zu denken, daß Mattheo ihn zum Bruder aufnehme, und als Haupt der Familie hatte dieſer über ihre Hand zu verfügen. Auch war An⸗ gelo, ihr junger Verwandter, ein Hirt vom Monte Ro⸗ tondo, gleich nach dem Trauerfall zu ihnen gekommen, um ſeine Hülfe bei der Blutrache anzubieten. Fiordaliſe wußte, daß er ſie liebte, Mattheo war ihm zugethan, und hätte Pie⸗ tros Bild nicht ihr ganzes Herz erfüllt, die innige Erge⸗ benheit und das männliche Weſen des jungen Bergbewoh⸗ ners wäre nicht ohne Eindruck auf ſie geblieben. So war er ihr gleichgültig, und ſie fühlte ſich erleichtert, als er wie⸗ der heimkehrte. Die Zukunft hätte ihr noch ernſtlichere Beſorgniß eingeflößt ohne jene unerſchütterliche Zuverſicht, die neben der Liebe im Herzen jedes Weibes lebt.

Eines Abends trat mit dem üblichen Segenswunſch ein ältlicher Prieſter, der Vetter ſeines Vaters, in Mat⸗ theo's Hütte.

Beide Geſchwiſter boten das Mögliche auf, es dem willkommenen Gaſt behaglich zu machen. Fiordaliſe be⸗ reitete eilig die Abendmahlzeit und trug ſie dann geſchäf⸗ tig auf, nahm aber nicht Theil daran, denn die Sitte ver⸗ bietet es den Mädchen, Frauen und Kindern, mit den Män⸗ nern zu eſſen.

Das bleiche milde Geſicht des Curate erblaßte noch tiefer und der ſchmerzliche Zug, der leiſe um den Mund la⸗ gerte, trat deutlicher hervor, als Mattheo ihm die letzten Begebenheiten ausführlich mittheilte. Die Geiſtlichen Corſica's waren immer echte Söhne ihres Landes, das Blut ſeiner Väter wallte in dem Diener Gottes auf und heiſchte Rache an dem Mörder ſeines Vetters. Als ihm aber Mattheo von dem Leugnen Giacomo's und den Ver⸗ ſuchen zur Ausſöhnung erzählte, bezwang er ſich und ſagten: Sie haben Recht und Du mußt nachgeben. Die Blut⸗ rache iſt ein roher, barbariſcher Gebrauch, der unſer Land entvölkert, und Du mußt bedenken, daß Du der letzte

Zweig von unſerm Stamme biſt. Wer das Schwa

weiter die Treppe hinab und dem Ausgang entgegen, rief ein Po⸗ ſten dem andern zu: Liberté, und wie ein Echo ſcholl es weiter Liberté! bis der ſchöne Ruf an der letzten Gitterthüre verhallte: Liberté!

Da ſtanden vor einem Fiaker meine beiden Bürgen, Ferdi⸗ nand Hiller und der ſeinen Grundſätzen allezeit getreue, ſeinen politiſchen Glaubensgenoſſen immer hülfreiche Banquier, Herr Leopold Königswarter, und fort ging's mit verhängtem Zügel in die Freiheit.

Der ganze Rieſenproceß, der mit ſo viel Lärm angefangen, zerrann in nichts; Verſchwörung, gebeime Geſellſchaft, Correſpon⸗ dentenverbrechen, Alles ſank ins Waſſer. Die ganze Affaire ſchrumpfte zu einer polizeilichen Verfolgung zweier der mit uns verhafteren Franzoſen wegen ſchlechter Witze zuſammen. Das Polizeiminiſterium hatte ſeine Unfähigkeit, ſeine Unkenntniß der Perſonen und der Verhältniſſe bewieſen, und zu unſerer Genug⸗ V thuung wie zur Freude der altehrwürdigen Polizeipräfectur war es kurze Zeit darauf vom Schauplatze verſchwunden, um nicht

Wir hatten den Troſt, daß unſer Märty⸗ V

wieder aufzutauchen. rerthum doch zu etwas gut geweſen; icht alle Märtyrer können das von ſich behaupten. Meine Blumen und Blüthenbäume haben wohl die Stuben meiner guten Kerkermeiſter geſchmückt, meine zurückgelaſſenen Pa⸗ ſteten und Weinflaſchen ihre Abende erheitert. Möge ihnen bei⸗ des wohl bekommen ſein! Aber wer Amelie geweſen, nach der ich mich in meiner Einſamkeit, von der Inſchrift wie von einer Zauberformel gezwungen, geſehnt habe, konnte ich bis auf den heutigen Tag nicht erfahren. Oh Amélie! êtes-vous à-présent?

Aus der Geſchichte. Die Schlacht von Waterloo. Nach Charras).

Am Morgen des 18. Juni 1815 ſtanden ſich Wellington und Napoleon ſchlachtbereit gegenüber, Erſterer 70,000 Mann mit 139 Geſchützen, Letzterer 72,000 Mann mit 240 Kanonen, ſo daß eine kleine Uebermacht von Truppen, eine ſehr bedeutende an Artillerie auf franzöſiſcher Seite war. Die engliſche Stellung lehnte ſich mit dem Rücken an den Wald von Soignies, der gewiß

kein leicht zu verſtopfendes Defilé war, wie es Napoleon nachträg⸗

lich darſtellt, ſondern ein von einer gepflaſterten Chauſſee und drei

breiten Landſtraßen in der Rückzugsrichtung durchzogener Wald,

der, anſtatt einer Retirade ungünſtig zu ſein, beſonders geeignet war ſie zu decken. Der linke Flügel Wellingtons ſtand in der Luft, denn dort ſollten ſich die Preußen anſchließen, die Napoleon freilich fern, ſchon bei Namur und Lüttich, glaubte, die aber nur eine halbe Stunde vom Schlachtfeld waren. Daß er über ihr Verbleiben nicht unterrichtet war, war ſeine eigene Schuld; er klammerte ſich mit Leidenſchaft an der Vorſtellung feſt, daß die preußiſche Armee nach dem Tage von Ligny nichts mehr unter⸗

nehmen könnte, und daß Grouchy mit ſeinen 33,000 Mann ge⸗ nüge, 90,000 feſtzuhalten.

Napoleon zögerte auch heute wieder mit dem Angriff bis ge⸗ gen Mittag, angeblich weil der Boden zu naß war, um der Artil⸗ lerie zu erlauben mit Leichtigkeit zu manövriren. Wellington

*) Histoire de la campagne de 1815. Waterloo, par le Colonel

Charras.(Bruxelles 1858, Leipzig, A. Dürr.)

[IV. Jahrg.

kr. 4)

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