11. Jahr
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Der Signor da Leca war, wie ſein Freund Sandiani, ein eifriger Patriot und eben ſo tapfer im Kampfe gegen die Genueſen als freundlich gegen das Volk. Die große Liebe und Anhänglichkeit, welche faſt Jedermann für Beide hegte, hatten die jungen Leute zum Theil auch dadurch er⸗ worben, daß ſie die fremde, ausländiſche Tracht verſchmäh⸗ ten, in der die meiſten Signori ſtolzirten, und gewöhnlich das in Corſica übliche rothe Barett, die phrygiſche Mütze, wie die Pelone(Mantel) von braunem Tuch trugen, ob⸗ gleich dieſe ihre Kleidungsſtücke von beſſerem Stoff waren als die der gemeinen Corſen.
So lange ihr Weg derſelbe war, ritt Marcantonio neben dem jungen Herrn Giulio, der mit dem alten erfah⸗ renen Corſen, der manchen Strauß mitgemacht, gern plauderte, während ſeine Begleiter etwas raſcher vor ihnen herritten.
Es war indeß Abend geworden, doch ging der Mond eben auf; ſein falbes Licht erhellte die ſchneebedeckten Berg⸗ gipfel und umwob die dunkeln, zerklüfteten Felstrümmer mit abenteuerlichen Schattengeſtalten. Das Geſpräch ver⸗ ſtummte. Giulio ſang leiſe ein Liebeslied, während Mare⸗ antonio in düſterm Schweigen neben ihm ritt. Ihn frö⸗ ſtelte, er hüllte ſich dichter in den Pelone und betete in Ge⸗ danken ein Ave für die Seele Lorenzo Vicenti's, denn hier an dieſer Stelle war es, wo er ihn einſt getödtet. Eine hohe Felswand ſtrebte zur Linken empor und warf ihren Schatten über den Weg und den Alten, genau ſo wie vor dreißig Jahren.
Der alte Corſe wollte ſich dieſer trüben Erinnerung entſchlagen, er dachte an ſein ſchönes Kind daheim und an den tapfern Sohn, der ſich in den Reihen der Vaterlandsver⸗ theidiger befand; allein die blutige Scene ſtand unaufhör⸗ lich vor ſeinem innern Auge. Plötzlich fiel ein Schuß, von dem Echo tauſendfach wiederholt, und tödtlich getroffen brach der Alte zuſammen. Giulio kam ihm beſtürzt zu Giacomo hatte ihn in dem
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ungewiſſen Licht für Sandiani gehalten, mit dem er in einer Größe war, und, ohne es zu wiſſen und zu wollen, eine alte Blutſchuld gerächt.
Der Mörder war ſchnell entflohn.
Da Leca's Begleiter kamen auf den Schuß eilig herbei und brachten dann Marcantonio's Leichnam nach deſſen Hütte. Seine Tochter warf ſich in wildem Schmerz über den Todten und achtete auf feine Tröſtung; ihre Verzweif⸗ lung wurde noch geſteigert durch das Bewußtſein, daß ſie vor ihrem Vater ein Geheimniß gehabt.
Die Nachbarn ſandten Botſchaft an Mattheo Peraldi, und er kam zum Begräbniß, da im Winter nichts von Be⸗ deutung gegen die Genueſen unternommen wurde.
Marcantonio's Leiche lag auf einem Tiſch an der Wand, welcher die Tola genannt wird; ſein Haupt ruhte auf einem Kiſſen und war von der rothen Mütze bedeckt; das Leichen⸗ hemde verhüllte die tödtliche Wunde, und die tiefe Ruhe der erſtarrten Züge contraſtirte grell mit der grauenvoll wilden Scene um ihn.
Die befreundeten Frauen und Mädchen aus dem Dorfe und den benachbarten Orten waren zu der üblichen Todten⸗ klage gekommen.
Mit aufgelöſten Haaren, in ſchwarze flatternde Män⸗ tel gehüllt, ſchwangen ſie ſich im Kreiſe umher, ſtießen wilde Klagetöne aus, weinten, ſchluchzten, rauften die Haare, ſchlugen die Bruſt, warfen ſich an der Tola nieder und be⸗ ſtreuten ſich mit Staub. Dann ſprangen ſie wieder auf und begannen von Neuem mit den wildeſten Zeichen des Jammers. Plötzlich ſchwieg das Klagegeheul, und Alle kauerten ſich, den Kopf geſenkt und mit dem Mantel ver⸗ hüllt, auf die Erde nieder, und man hörte nur ihr tiefes Athemholen. Nun ſprang Fiordaliſe auf; ihre bleichen Wangen erglühten, ihre Augen funkelten und in wilder Begeiſterung ſang ſie ein improviſirtes Lied, den herkömm⸗ lichen Voreco. Die corſiſchen Mädchen und Frauen ſingen faſt nur Todtenklagen, und dieſe gehn von Mund zu Mund,
mir mit einem Worte und der Wahrheit getreu vielleicht ſofort die Freiheit erwerben können— aber durfte ich das?— ſah es denn nicht aus, als ſtrebte ich nach der Gunſt des Hofes? durfte ich, in welcher Angelegenheit immer, als ein Freund des Staatsſtreich⸗ hofes auftreten?— So war ich in der ſonderbaren Lage, mich vor
dem Verhörrichter zu einer Nothlüge gezwungen zu ſehen, wo mir
die volle Wahrheit unmittelbare Dienſte geleiſtet hätte.
In den auf das Verhör folgenden Tagen erlaubte man mir ſäglich eine Stunde lang unter freiem Himmel, zwiſchen zwei „Mauern, in einem zwanzig Schritte langen Gange zuzubringen.
Ech hoͤrte wohl, daß Leidensgefährten rechts und links von mir luſtwandelten, aber ich konnte ſie nicht ſehen; von menſchlichen
Weſen bekamen wir bloß den Wächter vor dem eiſernen Gitter am Ende der Allee und den andern Wächter auf der Höhe der Laterne, von wo aus er ſämmtliche in Sternform auslaufende Alleen über⸗ ſchauen konnte, zu Geſichte. Der Wächter am Gitter verkürzte
mir die Zeit mit Erzählungen aus der Belagerung von Danzig.
Bald kam auch die Erlaubniß, zweimal in der Woche wäh⸗ rend einer Stunde Beſuch zu empfangen. Man empfing dieſen in einem weiten Sprechſaale, der durch ein doppeltes Drathgitter in zwei Hälften getheilt iſt. In der einen Hälfte des Saales befin⸗ den ſich in kleinen Logen, die kaum zwei Perſonen faſſen können, die Beſucher; in der andern Hälfte, in entſprechenden Logen, die Gefangenen. Man ſieht ſeine Freunde nur in der Ferne und durch zwei Gitter; man kann ihnen nicht die Hand drücken, und es iſt einem zu Muthe, als wäre man durch Welten von ihnen ge⸗ trennt. Es iſt ein Gefühl, wie man es manchmal in einem ſchwe⸗ ren Traum hat: man will vorwärts, voll Sehnſucht nach einem geliebten Gegenſtand, aber man iſt gebannt, feſtgewurzelt, keiner
Bewegung fähig. Doch habe ich hinter dieſen Gittern manchen ſchönen Augenblick genoſſen. Wie dunkel auch der Raum gewe⸗ ſen, ich konnte doch die Thränen ſehen, die in übertriebener, darum nicht minder liebenswürdiger Beſorgniß um mein Schickſal floſ⸗ ſen. Da erſchien auch das wohlthuende, wohlwollende Geſicht Ferdinand Hiller's, daraus mir ſeine ganze ſchöne Symphonie „Es muß doch einmal Frühling werden“ wie aus einem ganzen Orcheſter in heiteren Fanfaren entgegengrüßte. Ich ſchwor es mir damals, ihm den Text zu einem Oratorium zu ſchreiben, nach dem ſich ſeine muſikaliſche Seele, die ſich nur in Compoſitionen großen Styles genügen kann, wie der Hirſch nach Waſſerquellen ſehnte, und ich habe mir Wort gehalten. Möge er mit ſeinem „Saul“ die Philiſter und prahlhänſigen Reclamegoliathe der Muſik ſchlagen;— da kam auch der Miniſter der Republik, Herr Frélon, um mir ſeinen juriſtiſchen Rath und Beiſtand, und die liebens⸗ würdige, geiſtreiche Madame Mohl, die Frau unſeres gelehrten Landsmannes und die Freundin der Madame Recamier, um mir die Hülfe ihrer zahlreichen Verbindungen anzubieten. Und wie viele andere liebe Freunde und Freundinnen!
Endlich kam auch der General⸗Advocat Herr Metzinger, den ich als eine Gerichtsperſon durch kein Gitter getrennt empfangen durfte. Er unterrichtete mich, daß nun die Sachen ſo weit ge⸗ diehen ſeien, um Freilaſſung gegen eine Geldcaution und auf Bürgſchaft eines franzöſiſchen Bürgers verlangen zu können. Sofort ſetzte ich das Geſuch auf, und nicht drei Tage vergingen, da— es war ſchon gegen Abend— da hörte ich mit wunderbar geſchärften Sinnen durch die dicke Kerkerthüre den herrlichen Ruf „Liberté!“— Die Riegel ſprangen und Liberté! ſcholl es deut⸗ lich in meine Zelle. Und wie ich auf den Gang eilte und immer


