Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
52
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Marcantonio war den ganzen Tag in den rauhen, un- Irre Dich nur nicht und nimm nicht dieſen aufs Korn das käme mir vorläufig ſehr ungelegen. Den Lohn erhälſt

wegſamen Bergen umhergeſtiegen und erreichte erſt am ſpäten Nachmittage die Höhle nahe an der Landſtraße, in welcher er ſein Pferd zurückgelaſſen hatte. Er warf ein wildes ſchwarzes Schaf, welches er erlegt, auf den Schnee, ſetzte ſich hinter ein Felsſtück und verzehrte ſein ſpärliches Mittagsmahl, das aus einigen Kaſtanien beſtand.

Ein Mann kam zu Pferde des Weges daher, bemerkte ihn hinter ſeinem Felsſtück aber nicht.

Giacomo Vicenti! murmelte der Alte, und ein un heimliches Gefühl beſchlich ſeine Seele. Vor vielen Jah ren war Giacomo's Vaterbruder von ſeiner Hand gefallen, weil er ſich um ein Mädchen bewarb, das Marcantonio liebte. Das Zuſammentreffen der Nebenbuhler war ohne Zeugen geweſen und wenige Perſonen wußten überhaupt von ihrer Feindſchaft; des Gefallenen friedlich geſinnter Bruder,⸗Giacomo's Vater, hatte daher Marcantonio nicht die Vendetta angeſagt. Jetzt war darüber längſt Gras gewachſen, Giacomo wußte nicht einmal etwas davon, doch hatte zwiſchen den Familien Peraldi und Vicenti niemals Freundſchaft beſtanden. Marcantonio mochte dem wilden Giacomo nicht begegnen, er fürchtete ihn nicht, hatte aber die Empfindung eines Schuldners, der einen Gläubiger trifft, welcher ihn mahnen könnte, und blieb ruhig in ſeinem Verſteck,

In demſelben Augenblick ertönte auch von der andern Seite Hufſchlag und ein reich gekleideter, noch ziemlich junger Herr kam, von Pietro gefolgt, herbei. Dicht neben Marcantonio traf er auf Giacomo, und Beide ſprachen leb⸗ haft mit einander. Der Alte langte leiſe nach ſeiner Flinte und lauſchte aufmerkſam.

Franceschi gab Giacomo den Auftrag, Leonardo San⸗ diani, einen jungen Edelmann, zu tödten.An Gelegen⸗ heit kann es Dir nicht fehlen! ſagte er.Sandiani jagt

oft in dieſen Bergen, auch jetzt eben ſah ich ihn von ferne

mit ſeinem unzertrennlichen Freunde, Giulio da Leca.

Du gleich nach der Arbeit.

Giacomo verſicherte, ſeine Kugel fehle nie ihr Ziel; er erhielt ein kleines Handgeld, und Beide ſchieden darauf zu⸗ frieden und in Würde, denn das Handwerk des Banditen, im Zuſammenhange mit der geheiligten Sitte der Ven⸗ detta, iſt auf dieſem ſonderbaren Eilande ein geehrtes und geſuchtes.

Marcantonio ging mit ſich zu Rathe, ob er den Ban⸗ diten niederſchießen ſolle; die Schuld, welche er gegen ſeine Familie hatte, machte ihn ſchwankend, und ehe er zu einem Entſchluß gekommen, war Jener aus dem Bereich ſeiner Kugel. Er beſtieg nun ſein Pferd und beeilte ſich Leo⸗ nardo aufzuſuchen, um ihn zu warnen.

Signor Franceschi hatte dieſelbe Urſache zum Haß gegen Sandiani, wie einſt Peraldi gegen Lorenzo Vicenti; er liebte die Schweſter Giulio da Leca's, welche ihm den Freund ihres Bruders vorzog. Doch hielt es Franceschi für bequemer einen Banditen gegen ſeinen Nebenbuhler zu dingen, als ſich ſelber von ihm zu befreien, Eins wie das Andre nichts Seltenes bei den romantiſchen Zuſtän⸗ den, die von jeher auf Corſica herrſchten.

In der blutigen Schlacht bei Calenzana hatte der Vater Leonardo's Marcantonio das Leben gerettet und dieſer die Verpflichtung gegen ſeinen Retter auf die ganze Familie Sandiani übertragen, welche eine der edelſten im Lande war. Er ſuchte haſtig Leonardo auf, fand jedoch nur deſſen Freund Giulio da Leca, der mit ſeinen Die⸗ nern allein heimkehrte. ten, wohin ihn ein Bote Clemens Paoli's gerufen, der da⸗ mals an der Spitze Corſica's ſtand.

Vorläufig war Leonardo alſo außer Gefahr, und Marc⸗ antonio verſchob die Mittheilung des meuchleriſchen An⸗

würde.

Feuil

Erzählungen eines Anſteten. (Schluß.)

Erſt drei Tage nach meiner Verhaftung wurde mir der Ver⸗ haftsbefehl zugeſtellt, der mir geſetzlich ſogleich bei meiner Verhaf⸗ tung hätte gezeigt werden ſollen, und erſt am fünften Tage wurde ich vor den Unterſuchungsrichter geführt. Er⸗ empfing mich in einer etwas düſtern Stube vor einem lodernden Kaminfeuer ſitzend, während hinter einem Gitter ein Schreiber mit der Feder in der Hand bereit war, das Weſentlichſte meiner Ausfagen auf⸗ zuzeichnen. Ich ſetzte mich auf einen am Kaminfeuer bereit ſte⸗ henden Stuhl, und das ganze Verhör nahm die Form eines freundſchaftlichen Zwiegeſprächs an. Ich wurde zuerſt über meine Verbindung mit dem Herzog von Rovigo und dem Grafen St. Prieſt, zwei eingefleiſchten Legitimiſten, und dann über meine Bekanntſchaft mit mebreren Orleaniſten ausgefragt und erkannte bald, daß Herr Maupas Republikaner, Legitimiſten und Orleani⸗ ſten auf das Naivſte in eine Verſchwörung verwickelt batte. Der

Inſtructionsrichter war ſehr erſtaunt, daß ich keinen der genann⸗ ten Herren jemals geſehen haben ſollte und daß ich auch nicht der

geringſten geheimen Geſellſchaft angehörte. Er ſchüttelte bedenk⸗

leton.

OSe

lich den Kopf, und ich ſah ihm an, daß das Schütteln nicht meinen Ausſagen, ſondern ganz und gar dem Polizeiminiſterium galt⸗ Er hatte ſchon mehrere, vielleicht die größere Zabl meiner Mitge⸗ fangenen gehört und war im Stande ſich eine Meinung zu bil⸗ den. Auch ſprang er bald von Verſchwörung und geheimer Ge⸗ ſellſchaft ab und kam auf Zeitungscorreſpondenzen. Ich wurde verlegen, denn ich wußte, um was es ſich bandelte. Die franzö⸗ ſiſche Polizei war vorzugsweiſe gegen jene Correſpondenten un⸗ gehalten, welche die Heirath des Kaiſers und bei dieſer Gelegen⸗ heit die Gräſin Montijo angegriffen, und dieſe beſonders ſuchte ſie zu entdecken, um ſie zuchtpolizeilich oder durch Ausweiſung zu beſtrafen. Nun ſchrieb ich um jene Zeit in der That, zwar nicht als regulärer Correſpondent, ſondern aus Freundſchaft für den Redacteur, von Zeit zu Zeit einen Bericht an eine gewiſſe nord⸗ deutſche Zeitung. Aber ich war vielleicht der Einzige unter allen oppoſitionellen Correſpondenten, der da glaubte nicht mit Hülfe perſönlicher, gegen die ſchöne Gräfin gerichteter Angriffe Oppoſi⸗ tion machen zu müſſen; ich wollte, daß man die Heiratb als eine Privatangelegenheit Louis Napolrons und die Gräfin Montijo als Weib behandele, und habe in dieſem Sinne ſogar für ſie und gegen manche Verläumdung eine Lanze gebrochen. So hätte ich

ſchlages auf ſein Leben, bis er von Corte zurückgekehrt ſein.

Leonardo war nach Corte gerit⸗

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