Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
45
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WV. Jahrg.

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Nr. 3.)

Dritte dann wieder zu dem Vater, um ihren ältern Begleiter, den er zuvorkommend in der gaſtfreien Weiſe, die nicht erſt nach Berechtigung und Namen fragt, empfangen hatte, vor⸗ zuſtellen. Fürſt von Lingen! Er war hier, er kam zum zweiten Male zu ihm! Wäre es nicht in Begleitung dieſer

Frau geweſen, die ihm ſtets als ein Bild reinen Friedens

erſchienen war, ſo hätte er glauben müſſen, er ſuche, wenn auch ſpät, von ihm Genugthuung für ſeine verläumdete Ehre! Wußte er aber davon?

Blitzſchnell, wie dieſe Gedanken durch die Seele des Freiherrn ſchoſſen, verſchwanden ſie auch wieder; der Ein⸗ druck, welchen die Ueberraſchung bei dem Namen auf ihn gemacht hatte, war vielleicht bemerkt worden, aber er hatte ihn ſchon beherrſcht und war gegen ſeine Gäſte der voll⸗ kommene Mann von Welt, der ſich in keiner Weiſe eine Blöße gibt. Er dankte dem Fürſten für den Antheil, den er an ihm genommen hatte, und bat Alle, bei ihm ein⸗ zutreten.

In dem wohnlichen, geſchmackvoll ausgeſtatteten Raume des Hauſes, der mit ſeiner modernen Einrichtung nicht ah⸗ nen ließ, welch eine wunderliche Verkleidung nach Muſtern aus dem himmliſchen Reich der Mitte ſein Erbauer ihm ge⸗ geben hatte, rollte nun der Freiherr für Serena den Seſſel in die ſchönſte Fernſicht. Aber ſie hatte längſt den rechten Entſchluß gefaßt, welcher allem heimlichen Weſen ein Ende machen ſollte.

folge.

Sie ſind mir freundlich und ich hoffe, daß auch

mein Name nichts darin ändern wird, ſagte ſie mit be⸗ wegtem Tone.Was für uns Beide die Vergangenheit

getrübt, das ſei, wie es Gott über uns verhängt und

geduldet hat, in Frieden gelöſt. Sie richtete ihr ſeelen⸗ volles Auge auf ihn, der von ihren Worten im höchſten Grade betroffen war. Die Ahnung der Wahrheit überkam ihn mit ſiegender Gewalt.

Sie ſind?

Ich bin Dorothea Marburg, ergänzte ſie ſanft, und

wie er, für einen Augenblick faſſungslos, keines Wortes mächtig war, trat eine momentane Stille ein. Blanca er⸗ kannte jetzt auf einmal und es fiel ihr wie eine ſchwere Laſt auf das Herz, daß hier noch ein ganz anderes Verhältniß walten müſſe, als das, welches ihr bisher als Urſache der Verſtimmung vorgeſchwebt hatte. Aber Dorothea erin⸗ nerte ſich, daß die Kinder nichts von der unglücklichen Ver⸗ gangenheit wüßten, und es erſchien ihr als heilige Pflicht, ihre Unbefangenheit nicht zu trüben. Sie führte daher mit neugewonnener Seelenkraft den gefährlichen Augen⸗ blick vorüber, ehe es zu weitern Erörterungen kam. Dieſe blieben einer paſſendern Zeit aufgeſpart.

Friede mit uns und mit Allen! ſprach ſie aber⸗ mals, und nur die Eingeweihten verſtanden ihre Betonung.

Amen! ſagte der Fürſt, und auch er reichte dem Freiherrn die Hand, welche Rudow mit tiefer Bewegung ergriff. Nur Alexis ſtand noch fern, das Auge auf den Boden geheftet.

Frieden auch mit uns, Graf Marburg! ſprach der Freiherr, und es machte einen erſchütternden Eindruck, den ſtarken Mann, welcher ſonſt auch in ſeiner Rede hart und ſcharf war, ſo weich zu hören. Er ſchien die Gegenwart ſeiner Kinder ganz vergeſſen zu haben oder nicht zu beach⸗ ten; vielleicht war es ihm recht, daß nun mit einem Male volles Licht, ſelbſt für ſie, tagte.Ich kann Ihnen nicht zumuthen, daß Sie Ihre Hand in die meinige legen ſollen, welche Ihnen ſo ſchweres Leid und Unrecht angethan hat. Aber wüßten Sie, auf welche nichtswürdige Weiſe ich ſelbſt zum guten Glauben, hier blickte er plötzlich auf, da ihn die Gräfin unterbrechen wollte, und ſein Auge ſuchte end⸗ lich ſeine Kinder, welche mit ängſtlichen Blicken an ſeinem Antlitz hingen. Alexis aber war ihm genaht und hatte, ob auch zögernd, dennoch ſeine Hand ergriffen.

Geben wir uns dieſen troſtloſen Erinnerungen nicht hin! nahm der Fürſt das Wort.Wir Alle wiſſen ja, wie es gekommen iſt und wünſchen aufrichtig Frieden

ſchichte und eine Antwort; Schwarzenberg, der Bregenzer Wald und eine Myſterie. Intereſſant ſind weiterhin die Schilderun⸗ gen der Saiſon 1856 in Baden⸗Baden; über die geſellſchaftliche Stellung und den Unterſchied der femmes entretenues und der femmes galantes werden feine Bemerkungen gemacht; dieWar⸗

veröffentlichten Holtei'ſchen Gedichte, ſo daß hier nun eine reiche

nung über das Spiel an den Banken des Herrn Benazet iſt be⸗

herzigenswerth.

Der zweite Band der Schrift führt uns irs Ausland: Von Paris nach Marſeille, ein Entſchluß; Marſeille und Notre⸗Dame

de la Garde, eine Wanderung; Von Marſeille nach Nizza, ein M in die Politik.

Der Inhalt der meiſten dieſer Skizzen bietet eine Vereini⸗ gung touriſtiſcher, novelliſtiſcher und politiſcher Elemente, wie wir ſie in Moritz Hartmanns gleichzeitig erſchienenenErzählungen eines Unſteten in verwandter Weiſe finden.

Literatur.

Schleſiſche Gedichte. Von Karl von Holtei. einem Gloſſar von Dr. Karl Weinhold. Ausgabe. Breslau, Eduard Trewendt. 1857.

Wie dieSchleſiſche Zeitung berichtet, erſchienen dieſe Ge⸗ dichte kurz vor Goethe's Tode und hatten ſich noch des lauten Bei⸗ falles aus dem Munde des Altmeiſters zu erfreuen. Die zweite

Mit Dritte vermehrte

fortgeſetzter Entſchluß; Nizza und ſein Winter, eine Art Tagebuch; onaco, Mentone und Roccabruna, ein Ausflug ins Land und

Abwechſelung lyriſcher und erzählender Elemente beiſammen iſt. Es iſt der Ton der echteſten Volksdichtung in ſeiner eigenthüm⸗ lichen naiven Lebendigkeit froher und wehmüthiger Stimmungen, der uns hier entgegenklingt; wir ſtellen dieſe Dichtungen an Werth unmittelbar Hebel's alemanniſchen Gedichten an die Seite, und ſchon die Widmung derſelben an dieſen ſüddeutſchen Vorgänger in der Volksdichtung wird ein Zeugniß dafür geben: An a Hebel. Dihch Du ſeltſamer Man' hatt' ihch im Sinne und Härze, Weil ich der wullte partu a Briefel wullt ihch Der ſchreiben,

und do wullt' ich Der ſchicken de ganzen ſchlä'ſchen Getichte;

Wullte ſprechen zu Dir: a' Häbel biſt De gewäſen

Für die Liederle hie! Denn nimmermeh' hätt' ihch geſungen

In där ſchlä'ſchen Weiſe, hätt's nich' aleman'ſche Getichte! Mit am Stäker vo Guld huſt Du mer'ſch Härze d'ergriffen, Huſt De mer'ſch ümgerührt im Leibe, huſt mer'ſch gebrochen, Huſt mer'ſch wieder korirt mit Deinem Flaſchel vull Balſam. Jemerſch, o Jemerſch, nee, nee, was biſt Du doch fur a' Tichter! In däm Büchel von Dir, do findt ma' Alles und Jedes,

Wie in der grußen Natur hots Winter drinnen und Summer,

Auflage erſchien 1850, die vorliegende dritte iſt mehrfach vermehrt,

namentlich durch die im Trewendt'ſchen Volkskalender jährlich

Härbſt und Fruhjohr, und Laub und Blitz, Sturm, Dunner und Rägen,

Urdenär abgemolt ſeyn Menſchen, Thiere und Wälder,

Und de Beeme die blihn, wie bir ſu räden de Menſchen.

Jemerſch, o Jemerſch, nee, nee, ma kan ſich nich' ſat an Dir läſen.

Siech, das wullt' ich Der ſa'n, ja ſchreiben und wullte Der ſch ſchicken,