Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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kehrend. Blanca bejahte es und erklärte, daß die Gou⸗ chard in der Stadt einen der fürſtlichen Beamten ge⸗ ſprochen habe. Noch dieſe Woche alſo! ſeiner Ankunft zu erfahren. Du willſt ihm danken für den Antheil, den er an Deiner Krankheit genommen hat?

Ja! erwiderte der Vater kurz, doch gleich, als thue es ihm leid, ſeine Tochter wieder in der alten, nur zu oft zurückkehrenden Weiſe abgefertigt zu haben, ſetzte er hinzu: Ich habe Viel mit ihm zu beſprechen!

Du kennſt ihn von früher gar nicht?

Da faßte der Vater, in unwillkürlicher Hingebung an das Gefühl, das ihn bewegte, ihre Hand, aber er ſchämte ſich auch gleich derſelben, die er noch eine Schwäche ſeiner Krankheit nannte, und ſagte nur:Ich habe ihn nie ge⸗ ſehen, wohl aber oft von ihm gehört. Dabei nahm ſein Auge den finſtern Ausdruck an, welchen die Kinder nur

Ich wünſche den Tag

allzu gut kannten, diesmal aber galt er dem Gedanken, der in ihm ſprach:Hätte ich doch nie von ihm gehört! und er verwünſchte die Nichtswürdige, welcher es gelungen war, ſelbſt ihn bei ſeinem klaren und ſcharfen Blicke zu be⸗ thören. Sie hatte aber nun ihren Lohn dahin!

Unterdeſſen war die Gondel, welche gerade auf die Inſel und das Tempelhaus zu gehalten wurde, ſo nahe ge⸗ kommen, daß ſie der Aufmerkſamkeit des Freiherrn nicht länger entgehen konnte. Er nahm das Fernrohr wieder zur Hand, durch welches er eben die Schönheiten des Land⸗ ſchaftsbildes bis zur Seeſpitze gen Mittag betrachtet hatte, und richtete es auf das nahende Fahrzeug, indem er ein Paar nicht eben freundliche Worte über den unbegreiflichen Beſuch fallen ließ. kleine Weile auf die Perſonen in der Gondel geheftet hatte, rief er plötzlich ſehr lebhaft:Kinder! Sehen Eure jungen Augen nicht, wer das iſt?

Als er aber das Glas kaum eine

Noveſlen⸗Zeitung.

hinab, welche zu dem Landungsplatze führte.

ſcherzhafter Wendung, wurde ihm zu Theil.

[IV. Jahrg.

Serena! ſagte die Jüngſte dreiſt aber in Blan⸗ ca's Bruſt bebte der Vorwurf, daß ſie gegen den Vater,

ob auch in der reinſten Abſicht, ein Spiel bewußter Täu⸗ ſchung ſpielten, und ließ ſie bereuen, daß ſie ſich dazu hatte bewegen laſſen.

Der Vater war aufgeſtanden und ging die Treppe Er grüßte mit dem Hut gegen die Gondel, welche, von ſtarkem Arme geführt, heran rauſchte; ihm wurde ein Gegengruß von der Dame und ihren beiden Begleitern. Zwei waren es: außer dem Jüngern, in welchem der Freiherr den Beglei⸗ ter Serena's im Gebirge, ihren Stiefſohn, wie er wußte, erkannte, war noch ein älterer Herr bei ihr.

Haben Sie mich auf dieſer glücklichen Inſel durch Zu⸗ fall entdeckt? rief Rudow der Dame, deren Bekanntſchaft zu ſeinen liebſten Erinnerungen gehörte, heiter entgegen, noch zehe die Gondel ans Land ſtieß.Kommen Sie, mich wie einen Schiffbrüchigen zu erlöſen? Oder gilt mir wirklich voraus bedacht Ihr lieber Beſuch? Tauſendmal herzlich willkommen!

Ein gleicher Gruß, freundlich und mild, aber fern von Der junge Mann, welcher das Ruder geführt, half ſeiner Mutter auf die Landungstreppe ſteigen, ließ aber dann dem ältern Herrn den Vortritt und grüßte mit glühendem Geſicht, glühend von der Anſtrengung der Fahrt und innerer Auf⸗ regung, zu den Mädchen hinauf, welche hinter ihrem Va⸗ ter auf den Stufen herabkamen.

Frau Serena! rief der Freiherr und reichte der Dame herzlich die Hand.Nun wollen wir uns doch bei wahrem Namen kennen lernen und nicht wieder ganz aus den Augen verlieren.

Das wollen wir! ſagte die Dame mit bewegter

Stimme, indem ſie ihre Hand in die ſeinige legte.Des⸗

halb komme ich zu Ihnen. Sie begrüßte die Schweſtern,

beſonders Blanea, mit großer Innigkeit und wandte ſich an

beträfen ſie auch bloß die Glacéhandſchuhe. Die Ausgabe für die Droſchke iſt ungewiß. Man bedient ſich ihrer meiſt nur bei

ausgezeichnet ſchlechtem Wetter, ſelten, wenn Regenſchirme, Ueber⸗

ſchuhe, Mantel und aufgeſchürzte Röcke genügen. Dabei ſind die

die weiten, geſchmackvollen Räume.

Zahlreiche Einladungen,

nicht nach dem Maßſtabe des Ranges und Reichthums, ſondern

Trottoirs vortrefflich, obſchon, wenn es regnet oder thaut, wegen b Dank fürgenoſſenes Gute in einer Etiketten⸗Viſite abgetragen

der Sturzbäder von Dächern und aus Traufen unbenutzbar. Dieſer Uebelſtand iſt polizeilich verboten. Doch hindert das nicht, daß er fortbeſteht, und nicht bei Privathäuſern allein. Andere

Koſten gibt es kaum, da man die Trinkgelder theils für unziem⸗- dern Orte der niederſchlagende Spruch:

nach der Wägung des Talentes, der Intelligenz und des Verdien⸗ ſtes füllen ſie. Ob fremd oder einheimiſch, entſcheidet eben ſo wenig, als ob am zweiten oder am äußerſten dritten Tage der und durch ſie die Bereitſchaft zur Annahme neuer Einladung ausgeſprochen worden iſt. Hier gilt nicht wie an manchem an⸗ 1Wardſt du freundlich

lich erachtet, theils durch einen Nachtgruß vergütet. Aber Erſatz aufgenommen, mußt ſo bald nicht wiederkommen⸗ Hier beißt es; für die Glacéhandſchuhe wird von der Einladung erwartet und Wer in meiner kleinen Welt ſich und Andern wohlgefällt, der mag deshalb nicht ſelten mit der Erſparniß des heimiſchen Souper ein

frugales Diner in Verbindung gebracht. Lobenswerthe Wirthſchaftlichkeit!

Welche eines Abends einer Dame einen Schrei des Unwil⸗

lens auspreßte, daß die Zukoſt zum Thee ſich auf Zwieback und Kuchen beſchränkte, die nahrhaften Sandwiche fehlten und das Souper erſt um elf Uhr erſcheinen ſollte. Freilich ſuchte ſie ſich am Kuchen zu erholen. dünn, undest modus in rebus, sunt certi denique fines.

Das heißt, wenn ich bitten darf?

Auch das Zulangen hat ſein Maß, auch die Unbeſcheidenheit ihre Grenze. milie, und ich höre, daß ſie noch die einzige iſt, welche annähernd ein offenes Haus machte. Die feine, geiſtvolle und liebenswür⸗ dige Frau iſt für ihre Freunde und Bekannte jeden Abend at

nome, wenn ſie chez elle iſt. In dieſem Wenn liegt das Unge⸗

wiſſe des Empfangenwerdens. Doch wäre ein Mehr hier wirklich ein zu Viel. Gaſtfrei öffnen ſich im Winter Woche für Woche

.

Doch ſchneidet die gute Sitte dieſen ſehr

Es gab in meiner Dresdener Zeit nur Eine Fa⸗

immer wiederkommen, wird ſtets freundlich aufgenommen. Sel⸗ ten wohl erſcheint in Dresden ein Künſtler von einiger Bedeu⸗ tung, ein Name von gutem Klange, ob männlich oder weiblich, der nicht hier Zutritt ſucht und findet und darin ein Recht auf Berückſichtigung ſehen kann. Deshalb ſind dieſe Kreiſe zwang⸗ los in ihrer Bewegung, friſch durch ihren Wechſel, anmuthig in ihrer Unterhaltung, eine Bereicherung des Wiſſens, eine Erheite⸗ rung des Geiſtes, ein Gewinn fürs Leben. 1

Und dieſes gaſtfreie Haus, dieſer Glanz⸗ und Höhepunkt der Geſellſchaft...2

Gleicht Vieles aus.... 1 3

Aus dieſem Bruchſtück ſchon erſehen unſere Leſer, daß Herr Woldemar Seyffarth nicht ohne Grund ſein BuchLob und Tadel

überſchrieben. Beides theilt er ſcharf und reichlich aus und gibt

gerade dadurch Gelegenheit, daß für und wider ſeine Meinunge manche Stimmen ſich erheben werden. 1 biz nes pointirten Buches ſind: Kempten und zwei Grabſteine, e/ Glaubensſache; Lindau und mein Hausnachbar, eine Stad

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5. 4

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Die ferneren Skizzen ſ11

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Rr. 3.

dann wieden j zuvorkol nach Bexech zuſtellen. weiten N Frau gewe erſchienen! auch ſvil Ehre! Tu Bligſch Fruberrn ſe nuc, welch femacht hat thn ſchon kommmene 2 Blöße gibt er an ihm zutreten. In der des Hauſee ließ, aus dem! geben hat u die ſch Cntſchlu machen ſo Sie mein Nam wegtem T getrüb geduldet! volles Au Grade d ihn mit S c ſchichte un und eine? gen der S Otellun kemmes g

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