mit der er den Streit um den See gehaekt, dieſelbe, ach! ſo liebenswürdige Dame iſt, Sie wiſſen wohl: Se⸗ rena! Nun wollten wir Beide geſchickt durch einen Zufall ſich begegnen laſſen— Beide ſollten nichts wiſſen. Auf der Inſel, weiter dort im See, wo es allerliebſt iſt und der Vater gern hinfährt an ſchönen Abenden, wenn wir ihn ru⸗ dern— dort! Wir hatten ſchon mit Alexis Alles verab⸗ redet— Blanca und ich. Der Vater ſollte ſich freuen, Serena, von der er noch oft geſprochen hat und die er uns immer als Vorbild aufſtellte, unvermuthet wieder zu ſehen, und dann war Alles vergeſſen und vergeben, auch wenn er nun erfuhr, daß es die Gräfin Marburg iſt, über die er oft ſo bitter und böſe geredet hat. Nun aber kam Alles an— ders— der Vater war auch krank— daß er aber ſo krank werden würde, daß Alles ſo ſchrecklich——“ Hier brach der Kleinen im erneuten Schmerze die Stimme, und der Fürſt ſuchte von Neuem, ſie durch freundlichen Zuſpruch zu beruhigen. Während er zu ihr ſprach, ſah er in der Thür des Herrenhauſes eine ältere Frau erſcheinen, welche offen⸗ bar forſchend nach allen Richtungen ausſchaute, gewiß nach Anna. Dieſe bemerkte ſie auch und ſprang voll Furcht vor der Botſchaft, die ihr werden ſollte, auf.„Madame Gouchard!“ rief ſie ihr entgegen eilend. Dieſe aber winkte, unverkennbar in beruhigender Weiſe. Der Fürſt, welcher der Kleinen langſam folgte, ſah, wie Anna ihrer Erzieherin ſtürmiſch um den Hals fiel. So war doch Hoffnung— wie er ſich die Zeichen deutete. Die Gou⸗ vernante, von Anna benachrichtigt wer er ſei, nahte ihm, um von der augenblicklichen Lage im Hauſe, für welche er ſich intereſſirte, Auskunft zu geben; ſie grüßte den Fürſten
mit der ruhigen und zurückhaltenden Sicherheit feiner Bil⸗ dung, die ſich nichts vergibt ſelbſt gegen die Vornehmſten, ohne doch die Rückſicht auf deren Rang zu verletzen, und gab auf ſeine angelegentliche Frage Beſcheid. Der Kranke hatte das Sacrament mit vollem Bewußtſein genoſſen und ſich— wie Frau Gouchard zu betonen ſchien— mit Gott
und der Welt verſöhnt! Da ſtand nun der Fürſt vor der Frau, von welcher er den Schlüſſel zu dem Geheimniß, das
ihn quälte, zu erhalten gehofft, aber er fühlte ſelbſt, daß
dieſer Augenblick nicht dazu gemacht ſei, und als ſie nach jener Mittheilung, welche ihr die wichtigſte war, noch hin⸗ zuſetzte, was ſie auch Anna ſchon troſtreich verkündet hatte, daß nämlich der Kranke wunderbar geſtärkt und beruhigt ſcheine und vielleicht ein milder Schlummer über ihn kom⸗ men werde, hielt Fürſt Lingen es für ſchicklich, ſich zu ent⸗ fernen. Er dankte der Erzieherin für ihre gute Nachricht, gab Anna die Hand und ermahnte ſie, ihr kindliches Ver⸗ trauen zu Gottes Allgüte, das nimmer zu Schanden wer⸗ den laſſe, zu bewahren; er ſetzte hinzu, daß er ſich als wahrer Freund des Hauſes, das auch von Herzen Verſöh⸗ nung wünſche, beweiſen werde, und ſchied., Ob ſeine letz⸗ ten Worte auf die Frau, für welche er ſie gewiſſermaßen als Antwort auf ihre vorige Betonung geſprochen hatte, einen Eindruck gemacht, konnte er nicht bemerken.— Sie kehrte mit der in jugendlicher Hoffnung neubelebten Anna in das Haus zurück, wo Blanca die Athemzüge ihres Vaters bewachte, nachdem der Pfarrer, von dem ſichtbaren Segen der heiligen Handlung ſelbſt erbaut, das Kranken⸗ zimmer verlaſſen hatte. Frau Gouchard fand ihn noch in dem Wohnzimmer des Hauſes, und Anna kynte noch aus dem Munde des ehrwürdigen Geiſtlichen neue Worte des Troͤſtes hören, welche ihr Herz innig erquickten. Das Ge⸗ bet der Kinder um das Leben des Vaters war erhört worden.
VI. In dem Waldſee lag, weiter hinab, wo eine breitere Waſſerfläche mit niedrigen buſchreichen Ufern ſich gebildet hatte, eine Inſel, deren anmuthige Natur ſchon von
frühern Beſitzern durch mancherlei Anlagen verſchönert 1f 3
Leſerkreis gewonnen hat, tritt ſo eben mit einer zweiten touri⸗ ſtiſchen Skizzenſammlung auf, die ſich der Zeit nach unmittelbar an jenes Buch anſchließt: Lob und Tadel über Geſehenes, 1855— 1857 Gwei Bände, Gotha, Hugo Scheube, 1857). Nach⸗ dem der Verfaſſer hier im erſten Artikel nochmals auf die genannte Expoſition Univerſel und deren Reſultate kritiſch zurückgekommen iſt, ſchildert er in der zweiten Abtheilung uns ſeine Wahrneh⸗ mungen in der Dresdner Geſellſchaft, die, in Geſprächsform ge⸗ geben, hier bruchſtückweiſe eine Stelle finden mögen: „Gibt es denn eigentlich in Dresden ein öffentliches Leben? Nein, ein wahres, echtes öffentliches Leben gibt es in Dres⸗ den ſo wenig wie einen wahren, echten Pöbel. Was es dort von öffentlichem Leben gibt, iſt ein bald größeres, bald kleineres, bald helleres, bald dunkleres, bald zierliches, bald ſchmuziges, aber immer ein Kneipenleben mit allen Paraphernalien eines ſolchen, mit Allem und Jedem, was darum und daran hängt. Von ſo⸗ genannten öffentlichen Orten in und außerhalb der Stadt exi⸗ ſtirt, Gott ſei es gedankt und geklagt! ein Peru und ein Mexiko, eine ungeheure Fülle. Aber da weiß der böſe Dämon der ge⸗ ſchloſſenen Geſellſchaften ſich einzuſchleichen, und es gelingt ihm, das Regiment zu führen.——— 3 Gleichwohl iſt es bekannt, daß viele Ausländer insbeſon⸗ dere engliſche und ruſſiſche Familien, Dresden zum Anfenthalte wählen. Nicht jedoch, um in den geſelligen Freuden der öͤffentlichen Orte zu ſchwelgen. Dresden bietet Anziehendes in Maſſe; eine Natur, wie wenige Städte ſie in gleicher Schönheit und Nähe nach allen Richtungen vereinen; ein Theater, welches vielleicht an der Spitze der deutſchen Theater ſteht; Bibliothek und Kunſt⸗
dentliche Gunſt der Umſtände zur Seite ſteht.
ſammlungen, weltberühmt und zugänglich; einen Knotenpunkt für den Verkehr; eine nicht überſpannte Theuerung der Bedürf⸗
niſſe; vortreffliche Erziehungsanſtalten und Meiſter⸗Lehrer in allen Fächern.
Namentlich ſind es die drei letzteren Rückſichten, welche die Wahl der engliſchen Familien beſtimmen. Andere mögen die Ruſſen anlocken, denn die engliſchen Gründe haben für ſie kein Gewicht, da in Rußland die Ducaten auf den Bäumen wachſen, Kunſt und Literatur blühen und die Jugend nachhaltig in der Furcht des Herrn erzogen wird. Habe ich aber geſagt, daß die Legion der geſchloſſenen Geſellſchaften die allgemeine Geſel⸗ ligkeit an den Rand des Unterganges dränge„ſo iſt damit einge⸗ ſtanden, daß es eine weitverzweigte partielle gibt. In dieſe durch das Organ der geſchloſſenen Geſellſchaften Zutritt zu erhalten, iſt nicht ſchwer. Auf wiederholte Einladung zu Bällen und Con⸗ certen darf freilich nur hoffen, wem eine beſondere und außeror⸗ Doch bedarf es in der Regel bloß des Fürwortes eines Mitgliedes, um— natür⸗ lich gegen Bezahlung— für die Dauer eines Monats ſich und den Seinigen die Erlaubniß zum Beſuche der ſtattfindenden Con⸗ certe und Bälle auszuwirken. Man nennt dieſe Erlaubniß eine Monatskarte, deren Verlängerung von Monat zu Monat„an⸗ ſtändigen“ Menſchen gewährt wird. Nur erwarte der Inhaber weiter nichts als wofür er bezahlt, Zulaſſung in die Räume der Geſellſchaft. Erwartet er freundliches Entgegenkommen, Beach⸗ tung ſeines Fremdſeins, ein Geſpräch über die Grenze: ſeit wann er in Dresden?— wie ihm Dresden gefalle?— woher er gekom⸗ men und wo er ſeinen Wohnſitz habe?— wie lange er ſich aufzu⸗
halten und wohin er zu gehen gedenke? oder zum Tanze die Hand
einer Dame, welcher er nicht vorgeſtellt worden,— ſo dürfte er
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— [Nr. 3.
[(IV. Jahrg.
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