Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
39
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(IV. Juhrg

eihn ſelſt nih dow dem Sohn heide doch i ic noch ſet mi Bitterkeit ich mir ich dem jungen und es entſpann em Wiederſehen, nnitz kam, mehr de Stiefmutter, n Alters voraus n und verhehlte ne Vorwiſſen des reben nothdürf⸗ in, welche darin, s Himmels ſah, hl kannte, durch

Die Mädchen wenn ich meine ngehört und icc, wie Sie viec⸗ erkannt, et nennit h habe mir ſeine och ſein Herz aus, das unchriſtliche nd wiederum die eftigen Kämpfen oll die Hand z in ſolchen Mo⸗ das finſtere Ge⸗ arme Frau thun? der Witlbe Mar⸗ ich die Vergangen⸗ ennt, mit ihr einen

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Nr. 3.]

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und ab, dann war ſein Entſchluß gefaßt.

Dritte Daß wir uns unbekannt ſchon geſehen, ahnt er nicht. Wie ſoll ich nun, welcher Alexis die Löſung der unſeligen Wir⸗ ren, die Verſöhnung, das Glück ſeines Lebens ja, wie er mir nicht ausgeſprochen, aber wohl zu ahnen gegeben hat, die Ehrenrettung ſeiner verſtorbenen Mutter in die Hand legen will, wie ſoll ich rathen und handeln?

In dieſem Meere von Zweifeln war es ein troſtreicher Stern, der mir den treuen, bewährten Freund meiner Kindheit und Aller, die meinem Herzen theuer geweſen ſind, zuführte, und ich mußte ihm mein ganzes, volles Herz in unbedingtem Vertrauen erſchließen. Wenn wir uns wiederſehen, bringen Sie mir vielleicht den glücklichen Gedanken, welchen Serena, dieſem Namen zum Spott, nimmer gefunden hätte.

Auf baldiges Wiederſehen!

D. M.

Der Fürſt las den Brief, welchen er zuerſt mit unge⸗ duldiger Eile, als ſei er noch in den Jahren jugendlicher Stürme, durchflogen hatte, zum zweiten Male ernſt und nachdenklich. Welchen Aufſchluß erhielt er hier? Wie war es möglich geweſen, auf die Engelreine Dorothea hatte Recht mit dieſem Wort! auch nur einen Schat⸗ ten von Verdacht zu werfen? Er rief ſich ihr Bild zurück, dies edle und hohe Bild, das den großen und glänzenden Hof eines mächtigen Monarchen, an dem ſie gelebt, wahrhaft verklärt hatte, inmitten der Intriguen und Frivolitäten, welche auch dort nicht fehlten, wie ein Weſen höherer Art in unnahbarer Lauterkeit verehrt worden war. Und ſie, die im Leben kein Pfeil der Bosheit getroffen, weil ſie in Wahrheit keinen Feind hatte, war im Tode ver⸗ dächtigt worden? Was konnte dieſen Rudow, deſſen Na⸗ men er nie gehört, dazu bewogen haben? Welche Lügen waren es, die ihn dazu befähigt hatten?

Fürſt Eberhard ging in ſeinem Cabinet zweimal auf Ob er dem Vertrauen Dorothea's entſprach, ob es in ihrem Sinne,

folge.

im Sinne Serena's war, gleichviel! Er glaubte es dem Andenken, dem Namen ſeines Freundes, ſchuldig zu ſein, hier den geraden Weg zu gehen. Nicht wie ein Alexander wollte er den Knoten wiederum mit dem Schwerte zer⸗ hauen, nicht in unchriſtlicher Blutrache, wie Dorothea ge⸗ ſchrieben, ein neues Unheil zu dem alten fügen aber eine grade Frage wollte er thun, und es galt jetzt nur noch, die geeignete Art und Weiſe zu finden, um das mög⸗ lich zu machen, ohne damit auf beleidigende Zurückwei⸗ ſung zu ſtoßen. Dorothea's Brief ſchien ihm endlich einen Weg zu zeigen. Die Erzieherin der jungen Mädchen ſollte in das traurige Geheimniß, welches dieſen vorent⸗ halten geblieben war, eingeweiht ſein. An ſie wollte er ſich wenden. Er war dort nicht bekannt, er hoffte, durch ſie wenigſtens einiges Licht zu erhalten und vielleicht auch den Freiherrn dadurch antreten zu können.

In dieſem Gedanken gab er Befehl, wiederum das Pferd, auf welchem er den letzten Ritt nach Lomnitz unter⸗ nommen hatte, zu ſatteln, und wie damals ohne Diener ritt er aus, den Weg nach dem Gute des Freiherrn, das auf der Nordſeite des Waldſee's lag. Er war nie dort geweſen, der Weg ihm unbekannt; ſo kam es, daß er im freien Felde, wo deren mehrere in der wohlangebauten Gegend ſich kreuzten, bei gänzlichem Mangel an Wegwei⸗ ſern eine falſche Richtung einſchlug und dadurch, ehe er im Dorfe, das er endlich erreichte, wieder Auskunft erhielt und nun ſein Ziel vor Augen ſah, zwei Stunden verlor, zwei koſtbare Stunden! Er hatte im Sinne, vom Dorfe aus, wo er abzuſteigen gedachte, ein Billet, das er zu Hauſe ſchon geſchrieben, an die Erzieherin, deren Namen er nicht einmal kannte, zu ſenden und ſie, ohne ſich zu nennen, um eine Unterredung in wichtiger Angelegenheit zu bitten: die weibliche Neugier, hoffte er, werde alle Be⸗ denklichkeiten überwiegen. Im Dorfe fand er das Wirths⸗ haus aber ziemlich öde, nur ein Paar Kinder ſpielten vor der Thüre, welche bei ſeiner Erſcheinung eiligſt davonlie⸗

durch den Uſus der Gefangenen garantirtes Verhältniß mit einer Maus oder einer Spinne verſchwand. Wie glücklich war ich, als ich endlich in einem Winkel eine Inſchrift entdeckte. Sie war ſehr lakoniſch und doch erzählte ſie mir in meiner Lage, an dieſem er⸗ ſten und allen folgenden Tagen, eine lange und rührende Ge⸗ ſchichte.

Oh Amélie! êtes-vous à-présent?

Oh mes amis!

Soo war mir der Refrain gegeben, der immer wieder und wieder auftauchte, wenn ich die Zelle durchſchritt oder bei einem Glaſe Wein denn der Leſer wird bald erfahren, daß ich im Geſängniß ein Sybaritenleben führte an die Freiheit und die anderen fernen Freunde und Freundinnen dachte.

Oh Amélie! ouù étes-vous à-présent! ſeufzte ich oft und fühlte eine unendliche Sehnſucht nach Amelie.

Plötzlich öͤffnete ſich ein kleiner Schieber, und wie ein Mär⸗ chen vom Tiſchlein decke dich erſchien auf einem Bretchen ein kleines Töpſchen mit Fleiſch, Suppe und einem großen Stück Brodes. Man tiſchte mir das Beſte auf, das nach der Regel des Gefängniſſes aufgetiſcht werden darf; aber der Topf und der höl⸗ zerne Löffel ſahen ſehr unappetitlich aus und ich vertröſtete mei⸗ nen Magen auf beſſere Zeiten, die auch bald kamen; denn ſchon am nächſten Morgen erlaubte man uns unſere Koſt vom Reſtau⸗ rant holen zu laſſen und dieſelbe mit civiliſirtem Meſſer, Gabel und Löffel zu verſpeiſen. Das Töpfchen an der Luke prüfend, entdeckte ich darüber ein kleines Loch in der Thür, in welchem ſich ein kleines Glas befand, das beweglich und ſo geſchliffen war, daß es wohl einen Einblick von Außen nach Innen, aber keinen Aus⸗ blick von Innen nach Außen geſtattete. Ich war alſo von dem

Hüter, deſſen dumpfen Schritt auf der Galerie ich hören konnte, beobachtet ein höchſt unangenehmes Gefühl ſelbſt für ein rei⸗ nes Gewiſſen. Abends kam dieſer Hüter herein, um die Gas⸗ flamme, die bis neun Uhr brennen durfte, anzuſtecken.

Schon am zweiten Tage erlangte ich die angenehme Ueber⸗ zeugung, daß man nicht gewillt war, uns hart zu behandeln. Man erlaubte mir an meine Freunde, freilich franzöſiſch und in ungeſiegelten Briefen, zu ſchreiben und ihnen meine Verhaftung anzuzeigen und aus meiner Wohnung Kleider und Wäſche kom⸗ men zu laſſen. Auf dieſe Briefe hin verwandelte ſich mein Ge⸗ fängniß bald und wie auf einen Zauberſchlag zugleich in einen Garten, in eine Bibliothek und in eine luculliſche Speiſekammer. Blumenſträuße und Töpfe kamen von allen Seiten; aus dem Gewächshauſe Daniel Stern's, des Verfaſſers der Februarrevo⸗ lution, kamen ſogar ganze Blüthenbäume, und ich war gezwungen, meine Fenſterluke Tag und Nacht offen zu halten, daß mich, wie Freiligrath's Schöne, Blumenduft nicht tödte. Zwiſchen Blumen und Bäumen ſtanden hohe Pfeiler aus Büchern aller Sprachen aufgeſchichtet und zwiſchen Blumen und Bücherpfeilern, hold verſteckt und wie Veilchen lockend, Weinflaſchen aller Zonen, zeitvertreiben⸗ de, herzerheiternde Genoſſen, und neben ihnen die materiellen Ge⸗ ſellen aus Chevet's Magazinen, Paſteten mit Gansleber aus Straß⸗ burg und Trüffeln aus Perigord. Da ſaß ich ein gefangener

Epicuri de grege procus..

Ja wer jene Tröſterin hätte ſehen können, die man in profa⸗ ner SpracheKaffeemaſchine nennt und die, von der Spiritus⸗ flamme erhitzt, vor mir auf dem Tiſche ſtand und Lieder und Märchen erzähle, der hätte mich auch für einen beatus ille qui pro-

eul negotiis nehmen können.