36 wmas ihm ſei— denn offenbar war ſein Leiden wieder ſchlimmer und der Gedanke lag nahe, daß die Nachricht, welche ihm die Tochter erzählt, einen böſen Eindruck auf iihn gemacht habe. Sie hatte keine Ahnung davon gehabt, daß er den Fürſten kenne, da ſie deſſen Namen nie von ihm gehört hatte. „Alſo er iſt hier!“ ſagte der Vater noch einmal, ohne ſeine ſchweren Augenlider zu öffnen.
„Kennſt Du ihn?“ wagte Blanca die furchtſame
Frage.
„Ich kenne ihn nicht und er weiß nichts von mir!“ V erwiderte der Vater. Nach einer Weile ſetzte er hinzu: V„Ich habe ihn nie geſehen— er iſt nun ſchon alt, nicht wahr?“
V Blanca bejahte es und verſuchte die Geſtalt des Für⸗ ſtten zu beſchreiben, in der Hoffnung, daß der Vater ſich nooch mehr ausſprechen werde; es ſchien nun doch, als ſei es nur ein körperlicher Schmerz geweſen, welcher ihn vor⸗ bin befallen hatte, unabhängig von der Mittheilung, die ſſie ihm gemacht.
Als ſie ſchwieg, ſagte der Vater:„Er iſt ſehr ſchön geweſen—“ und der körperliche Schmerz mochte ſich von Neuem melden, denn es zuckte wieder in ſeinem Antlitze und der Mund zog ſich krampfhaft zuſammen.
„Darf ich Dir nicht etwas reichen?“ fragte Blanca mit innig bittendem Tone.
„Verſchont mich mit euren Quackſalbereien!“ rief der Kater in ſeiner alten Weiſe kräftig und laut.„Was mir ft, weiß ich ſelbſt am beſten! Ich bin morgen geſund. Wo iſt Anna?“
„Bei Madame Gouchard— das heißt, nicht im eng⸗ en Hauſe, ſondern mit ihr unten. Willſt Du ſie
„Sie ſoll zu mir kommen.“— Blanca erhob ſich, die ſchweſter zu rufen, aber auf dem Gange ſiel es ihr auf einmal ein, daß der Vater Anna werde fragen wollen,
woher ſie die Nachricht über den Fürſten yac⸗
—
heiße Gluth überlief ihre Wangen. Konnte das Kino ven
Vater belügen? Hatten ſie ſich je eine Lüge erlaubt? Bei dem gefährlichen Spiele, das ſie trieben, waren ſie bis jetzt noch nie in die Verſuchung gekommen, ſich durch eine Unwahrheit vor einer vorzeitigen Entdeckung zu ſchirmen, und würden ſicherlich auch einer ſolchen Verſuchung wider⸗ ſtanden haben. War denn jetzt der Moment gekommen, grade jetzt? Die treue Erzieherin, welche ja um Alles wußte, ſollte nun Rath ſchaffen.— Blanca ſuchte ſie auf und fand Anna bei ihr; ſie geſtand, was ſie dem Vater, um ihn zu erheitern, erzählt hatte: es war heut das zweite Mal, daß ſie gegen den Vater etwas ausgeplaudert hatte, denn ohne ſie würde er vorläufig auch die Anweſenheit des Arztes nicht erfahren haben.„Es macht Ihnen ja nur Ehre, Fräulein Blanca,“ ſagte die alte Erzieherin.„Al⸗ les wird doch nur zum Guten führen. Ich denke, Du ſagſt es wahr und ruhig, wenn der Vater fragt, Annchen, wenn Du die Nachrichten über den Fürſten bekommen haſt. Iſt uns die fein angelegte Vermittelung geſtört worden, ſo führt uns vielleicht ein anderer Weg zum Ziele.“
Die Schweſtern kehrten zu dem Vater zurück, der ſchon ungeduldig ihrer harrend die Klingel in Bewegung geſetzt und dadurch noch vor ihnen die alte Wirthſchafte⸗ rin, die ſich immer in der Nähe hielt, zu ſich gerufen hatte.
„Biſt Du's, Lenore,“ redete er ſie mit ihrem Tauf⸗ namen an, wie ſie im Dienſt ſeiner Gemahlin genannt
worden war.—„Du kennſt den Fürſten von Lingen?
Er iſt hier.“
Die Heißner wußte es noch nicht und ſah ihn betroffen an. Ehe ſie antworten konnte, erſchienen die Schweſtern. Sie bemerkten ſchon auf der Schwelle, daß des Vaters Geſicht fieberhaft gefärbt war und ſein Auge in einem un⸗ heimlichen Feuer brannte; Beide nahten mit bangem Her⸗ zen ſeinem Bette, während die Heißner, ohne ihn zu fra⸗
Erzählungen eines Anſteten.
Der„Unſtete,“ wie er ſich ſelber nennt, von deſſen Erzäh⸗ lungen wir hier berichten wollen, iſt niemand anders als der Mann, von dem Heinrich Laube vor zehn Jahren ſchon, freilich im uneigentlichen Sinne, behauptet haben ſoll, er habe die ſchön⸗ ſten Gegenden von ganz Deutſchland paſſirt, der Dichter von Kelch und Schwert und der Reimchronik des Pfaffen Mauritius, Moritz Hartmann, ſeiner Zeit berühmt als der ſchönſte Kopf der Paulskirche, damals Geſinnungsgenoſſe Robert Blum’s, mit ihm zu den Octobertagen nach Wien beauftragt, dem gleichen Schick⸗ ſal aber durch die Flucht entgangen, ſeitdem in Frankreich, im Orient und wieder in Frankreich das Flüchtlingsdaſein führend, um deſſen willen er ſich, nicht ohne öffentliche Theilnahme, den „Unſteten“ nennen darf. Moritz Hartmann, der ſeinen literari⸗ ſchen Namen ſich zunächſt als Lyriker erwarb, iſt mit ſeinem„Ta⸗ gebuch aus der Provence“ zuerſt als Proſaiſt und Touriſt aufge⸗ treten; er tritt uns jetzt als Novelliſt entgegen. Hören wir ihn ſelbſt an, wie er dazu gekommen, die Leier mit dem Griffel zu vertauſchen, und laſſen wir uns einen Blick in ſeine reichen unſte⸗ ten Schickſale gefallen. Ein kleines, ſelbſt erlebtes hiſtoriſches
Feuilleton.
—O.e
Luſtſpiel erzählt er uns von ſeinem letzten Pariſer Aufenthalt nach der Rückkehr von den gefährlichen Touren in der Türkei und den Donaufürſtenthümern..
„Dieſer Gefahr wäre ich ſchwerlich entgangen, hätte ich die Aufzeichnungen unter denſelben Verhältniſſen fortgeſetzt, unter denen ich ſie angefangen; denn angefangen habe ich ſie in einer Lage, in der ich mir ſelbſt als todt und begraben habe erſcheinen können, abgelöſt von allen alten Banden, getrennt durch unüber⸗ ſteigliche Hinderniſſe von Allem, was mich an die Vergangenheit
knüpfte— ein lebendig begrabener, ſtiller Mann. Ich war aus
dem Vaterlande verbannt und als Verbannter im Zellengefäng⸗ niſſe eines fremden Staates. Alſo war ich durch viele Dante ſche Höllenkreiſe von meiner Welt geſchieden. Aber es gibt keinen Ort, der ſo geeignet wäre, alte Erinnerungen um ſich zu ſammeln, ſich mit einem gewiſſen Behagen in die Vergangenheit zu ergehen, wie ein pennſylvaniſches Zellengefängniß, und ich finde nicht, daß Dante Recht hat, und„die Erinnerung glücklicher Zeiten im Elend“ iſt nicht der größte Schmerz, ſondern ein Troſt und eine Art von Weiterleben im Jenſeits— a abitterloben. das ſein egefeuer, ſeine Hölle, wie ſein Paradies hat. B Hueen ſeine dor Maupas danke ich dieſe Erfahrung. Louis
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