Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
28
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28 Novellen⸗

Seeufer hinunter ſtieg und hier ſeine Gondel heut ſchon zum zweiten Male quer über die Waſſerfläche zurückführie.

Anna dagegen eilte der alten Frau, ihrer Gouver⸗ nante, welche ſie gerufen hatte, voraus durch die jenſeiti gen ſchönen Parkräume nach dem Wohnhauſe, welches etwas abgeſondert von den Wirthſchaftsgebäuden, von blühenden Gartenpartien umgeben lag. Ein kleiner Wa⸗ gen, mit einer blauen Leinwanddecke überſpannt, fuhr eben durch die Allee, welche von außerhalb nach dem Herren⸗ hofe führte, von dannen und Anna erkannte den Wagen des Arztes, welcher aus der nahegelegenen Stadt geholt worden war. Sie erſchrak aber im nächſten Moment

tröſtete ſie ſich mit dem glücklich leichten Blute der Jugend:

es konnte ja nur ein gutes Zeichen ſein, daß der Arzt ſo ſchnell wieder davon fuhr. Als ſie jedoch das Haus be⸗

trat, hörte ſie bald, daß der Vater, durch ihre Schweſter

dennoch von der Gegenwart des Arztes in Kenntniß geſetzt, in gewohnter Strenge, die keinen Widerſpruch duldete, auf deſſen ungeſäumte Entfernung gedrungen habe ſelbſt die alte Kammerfrau ihrer verſtorbenen Mutter, die Einzige, von welcher er ſich ſonſt Einiges gefallen ließ, war diesmal nicht im Stande geweſen ihn zu beſänftigen, und ſo hatte denn Blanca in troſtloſer Bekümmerniß mit dem Arzt Rückſprache genommen, ob er nicht wenigſtens in der Nähe bleiben wolle, um ſie mit ſeinem Rathe zu unterſtützen; der Herr Kreisphyſikus hatte jedoch im Ne⸗ benzimmer die Ausbrüche des Zornes und die beleidigen⸗ den Worte gegen ſeine ganze Wiſſenſchaft und ganz beſon⸗ ders gegen ihn ſelbſt vernommen und war darüber ſo bitterböſe geworden, daß er ſich durch Blanca's Bitten nicht hatte bewegen laſſen nur einen Augenblick länger zu verweilen, kaum daß er ihr noch ſeine Anſicht über das weitere Verhalten mit dem Kranken kurz hingeworfen hatte. Betrübt hörte Anna von der alten Heißner, ſo hieß die geweſene Kammerfrau, jetzige Wirthſchafterin, daß der Vater darauf ſelbſt Blanca von ſich gewieſen habe, und

Zeitung.

eilte dann unhörbaren Schrittes die Tre bei der Schweſter Troſt zu ſuchen. Sie fand Blanca ſtill weinend in ihrem Zimmer. Als die Kleine eintrat, beleb⸗ ten ſich die Züge der Aeltern und ein lichter Schimmer drang durch die Thränen, welche ihre Augen füllten, aber gleich erloſch dies glückliche Zeichen momentaner Vergeſſen⸗ heit wieder und ſie rief der Schweſter entgegen:Ach, Anna, was ſoll daraus werden? Er will ja Niemand um ſich dulden mich auch nicht mehr! Den Doctor hat er tödtlich beleidigt, der kommt nicht mehr wieder was

fangen wir in unſerer Noth an?

ppe hinauf, um

(Schluß folgt.)

gedicht von Hugo Helbermann.

Dodona.

1.

Am Fenſter die welken Ranken

Hat der Lenz Deines Hauchs berührt, Im Haupte die dunkeln Gedanken Haſt Du leiſe zum Licht geführt.

Die Müden, die Seelenkranken

Empfinden den Geiſt der Ruh'

Und flüſtern mit tiefem Danken: Dodona, das Heil biſt Du!

2.

Starrende Flüſſe thauen Wo Du im Kranz der Frauen

Phaſen dieſes denkwürdigen Abſchnittes der Geſchichte zu erwecken. Wodurch ſich aber das ganze Werk beſonders auszeichnet, das iſt

die ſtrenge Kritik, die der Verfaſſer gegen die Handlungsweiſe Napoleons ausübt, nicht nur in Beziehung auf dieſen kurzen Ab⸗ ſchnitt ſeines Lebens, ſondern auch in Beziehung auf ſeine ganze Regierungsgeſchichte. Wäre ein Deutſcher der Verfaſſer, ſo könnte er kaum mit größerer Leidenſchaftlichkeit geſchrieben haben, denn nach Eharras iſt der angeſtaunte Held des Jahrhunderts ein kurzſichtiger, durch perſönliche Leidenſchaften, namentlich durch ſeinen ungezügelten Ehrgeiz verblendeter Herrſcher, der ſelbſt ſeine glänzendſte Eigenſchaft, das Feldherrntalent, während der hundert Tage nicht bewährte; denn ſeine Unentſchloſſenheit, ſein Mangel an Energie, ſeine durchaus irrige Anſicht der Verhältniſſe vor dem Kampfe waren ſchuld, daß er zum Kampfe nicht über ſo viele Streitkräfte verfügen konnte, wie ihm, ohne zögernde Maßregeln, zu Gebote geſtanden haben würden. Aber auch wäh⸗ rend des Kampfes weiſt Charras Napoleon grobe Fehler nach und widerlegt zu dieſem Zwecke mit großem Unwillen zahlreiche An⸗ gaben der Memoiren von St. Helena, durch welche der geſchlagene Feldherr die von ihm begangenen Fehler auf andere Schultern zu wälzen ſucht, namentlich auf die Grouchy's, der nach des Verfaſ⸗ ſers Darlegung gegen den ihm mehrfach gemachten Vorwurf des Verrathes als gerechtfertigt erſcheint. In wenigen Worten zu⸗ ſammengefaßt, lautet das Urtheil, weshalb Napoleon bei Water⸗ loo geſchlagen wurde: Verkennung oder Unkenntniß der Verhält⸗ niſſe, namentlich rückſichtlich des herrſchenden Geiſtes der Truppen und der Völker; Ueberſchätzung der eigenen, Unterſchätzung der feindlichen Truppen, namentlich ihrer beiden Feldherren. Blücher und Wellington; Zögerung, Unentſchloſſenheit, Mangel an

Energie bei den Anordnungen während der verſchiedenen Kämpfe vom 16. bis 18. Juni, Fehler, die zum Theil ſo groß und augenſcheinlich waren, daß ſie ſogar den mehrfach ausgeſproche⸗ nen und bei andern Gelegenheiten bewieſenen ſtrategiſchen Grund⸗ ſätzen widerſprachen. Klarheit und Gründlichkeit ſind rühmens⸗ werthe Vorzüge des Werkes. a.

Miscellen. Wie man zum großhreuz eines Ordens gelangen könnte.

Es war während des Feldzuges, der in Mecklenburg und Holſtein in den Jahren 1813 und 1814 gegen das detachirte Corps Davouſt's geführt wurde, als der zu dem Hauptquartier des Kron⸗ prinzen von Schweden gehörige Train der Bagage⸗ und Bureau⸗ wagen, unter denen ſich auch einige Equipagen des Kronprinzen unter Aufſicht ſeines Kammerdieners befanden, ganz unerwartet von einem feindlichen Trupp überfallen wurde, der ſich, Gott weiß wie, hinter die Linie der Alliirten verirrt hatte. Die Franzoſen

mochten über das Zuſammentreffen vielleicht eben ſo verwundert ſein, wie die ſchwache Escorte der Bagage und die diverſen Schrei⸗ ber und Bedienten, welche ſich im Schooße der Sicherheit glaub⸗

ten und zum Theil nicht einmal bewaffnet waren. 3 Es entſpann ſich ein kurzes und ſehr unblutiges Geſecht,

und der erwähnte Kammerdiener des Kronprinzen war ſo glück⸗

lich, dabei eine ſilberausgelegte Piſtole ſeines königlichen Herrn und Gebieters auf einen Franzoſen abzufeuern, der im Vorbei⸗ ſprengen einen neugierigen Blick in den Wagen fallen ließ, in

IV. Jahrg.

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