Novellen
Die Gräfin würde mir einen ſolchen Schritt nicht ver⸗ geben.“
„Sein Sie ganz fuhig,“ verſetzte der Fürſt, welcher ſich durch das Benehmen des jungen Mannes verletzt fühlte, mit der ſichern Würde, die ohne viel äußere Mittel ihren Eindruck nie verfehlt.
„Ich habe Ihnen eine Bitte vortragen wollen,“ ſagte Alexis unter dieſem Eindruck mit aller Beſcheidenheit. „Der Zufall hat Sie mit den Schweſtern am See zuſam⸗ mengeführt, welche ſich Ihrer Discretion vertraut haben. Ich bitte Sie, daß Sie der Begegnung gegen die Gräfin nicht erwähnen. Gewiß erlaſſen Euer Durchlaucht mir
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die Gründe für dieſe Bitte— wenigſtens vor der Hand
— bis alle Verhältniſſe ſich geklärt haben.“ „Wenn ich mich auch nicht durch ein Verſprechen binden
kann, das mir, als einem alten Freunde des Hauſes Lom⸗
nitz, übel anſtehen würde, ſo wiederhole ich Ihnen doch: ſein Sie ganz ruhig.“
Sie waren eben in die Perſpective des Waldſchloſſes gelangt, nach welchem der gebahnte Weg ſich nun im kur⸗ zen Bogen wandte, und der Graf, nachdem er auf die be⸗ dingte Zuſicherung ſich ein wenig verneigt hatte, lud den Fürſten ein, die innere Einrichtung des Hauſes in Augen⸗ ſchein zu nehmen; als dieſer jedoch es ablehnte, empfahl er ſich ihm, weil er durch ſeine Begleitung nicht länger läſtig fallen wolle, und legte, während der Fürſt langſam dem vergrabenen Fußſteige zuritt, im erneuten Laufe die kurze Strecke nach dem Waldſchloſſe zurück. Hier wußte er das Stallgebäude zu öffnen, und wie er ein vollendetes Mit⸗ glied des Jockey⸗Clubbs war, bedurfte er, wenn er ſich ſelbſt helfen mußte, keines fremden Beiſtandes in der Sorge für ſein Pferd. ging er raſchen Schrittes nach dem Seeufer hinab.
Nachdem er es ſicher untergebracht hatte,
1⸗Zeitung.
IV.
Es war in den ſpätern Stunden des Vormittags. Der Graf befragte ſeine Uhr, als er die Gondel losgeket— ttet und von dem Ufer abgeſtoßen hatte. Er durfte frei⸗
lich nicht mehr darauf rechnen, noch zur Tafelzeit nach Lom⸗ nitz zurückkehren zu können, aber ſeine Stiefmutter war daran gewöhnt, daß er ſeine Freiheit durch keine Rückſicht beſchränkte, und wartete ihrerſeits zu keiner Tageszeit auf ſein Kommen oder Gehen, ſelbſt hier nicht, wo er ihr Gaſt war. Hatte er ſie doch ſelbſt darum gebeten!
Mit großer Gewandtheit führte er die Gondel quer über den See, legte hier in einer der umbüſchten Buchten an und ſtieg dann die Schlucht empor, welche zwiſchen zwei Waldbergen auf die freie Hochebene führte, wo er das Ziel ſeiner Wanderung fand: die weit offene Pforte in der Mauer eines Parkes, aus welcher ein Weg in anderer Rich⸗ tung feldeinwärts lief. Ungeſcheut betrat er den umheg⸗
ten Raum; er wußte wohl, daß der Grundherr, auch wenn er ſein Kommen gemißbilligt hätte, ihn doch weder über⸗ raſchen, noch bemerken konnte, denn er ſaß gelähmt in ſeinem Zimmer und konnte den Lehnſtuhl nur mit fremder Hülfe verlaſſen; den weitläufigen Park ſeines ſchönen Be⸗ ſitzthums hatte er vielleicht in dieſem ganzen Sommer noch nicht betreten. Alexis ſchritt raſch die wohlbekannten Pfade entlang, bis er einen jener lichten, mit einzelnen Baumgruppen beſtandenen Wieſenräume erreichte, welche die engliſche Gartenkunſt ſo natürlich nachzubilden weiß. Am jenſeitigen Rande derſelben ſtand eine„Cottage,“ ſo treu den britiſchen Muſtern, daß man ſich in eine der innern Grafſchaften des vereinigten Königreichs verſetzt glaubte. Der Pfad, welchen Alexis verfolgte, war im weiten Bogen um die freie Stelle gelegt, Alexis aber beſann ſich nicht lange, ſondern ſchritt quer über den kurzgeſchorenen Raſen nach dem Hauſe, wo ſich bei ſeinem Nahen eine Thüre öff⸗ nete und ein junges Mädchen ihm entgegen eilte. Wäre der Fürſt zugegen geweſen, er würde augenblicklich die Jüngſte
müſſen wir dann alsbald auf das„junge Deutſchland“ Laube, geb. 1806, Anaſtaſius Grün, desgl., Halm, desgl., Sternberg, desgl.
In chronologiſcher Reihe zählen wir weiter auf: Th. Mundt, geb. 1808, Griepenkerl, geb. 1810, Freiligrath, desgl., Gutzkow, geb. 1811, Benedix, desgl., Auerbach, geb. 1812, Hebbel, geb. 1813, Dingelſtedt, geb. 1814, Geibel, geb. 1815, Freitag, geb. 1816, Hackländer, desgl., Prutz, desgl.,
Herwegh, geb. 1817, Karl Beck, desgl., Bodenſtedt, geb. 1819.
Den zwanziger Jahren entſtammend zählen wir als die Jüngſten, ſoweit die zur Hand liegenden Quellen uns nicht ver⸗ laſſen, folgende auf: Moritz Hartmann, geb. 1821,
Alfred Meißner, geb. 1822, Oscar v. Redwitz, geb. 1823, Rudolph Gottſchall, desgl.
übergehen:
von Bernhard Schlicke.
Brachvogel und Otto Roquette dürften den letzten ſich zu⸗ nächſt anſchließen.„„
Ueber die Geburtsjahre der Dichterinnen ſchweigen natürlich Geſchichte und Galanterie.
Aus der Gegenwart. Leſefrüchte*).
Es iſt etwas unſaglich Bezauberndes umd das Werden“ ſol⸗ cher Mädchenſeelen. Dies üppige Keimen, Blühen und Entfalten in dieſen jungen Geſchöpfen zu beobachten, ehe die alles gleich ma⸗ chende, ſogenannte geſellſchaftliche Erziehung ſie mit jenem glsän⸗ zenden Lack überzieht, der jede Eigenthümlichkeit verwiſcht, iſt ga entzückend. Da iſt noch nichts zurecht gelegt und geordnet, d
iſt ein reizendes Chaos: die ſchwellenden Knospen künftich Wünſche und Träume, das junge Grün fröhlicher Hoffnung q Alles liegt ſo wild durcheinander wie in dem Schürzchen eie Kindes, das ſich im Walde den Schooß voll Blumen gepflückt Leider währt bei den Meiſten dieſe für Vater⸗ und Mutten ſo intereſſante Periode nur ſehr, ſehr kurze Zeit. In den de) unſerer Mädchenpenſionen ſorgt man dafür, daß ſolcher Frü wet reichthum in ein anſtändiges Bouquet zuſammengebunde ges das von allen Seiten präſentirt werden kann. Da w' geyt Drath genommen, und Alles recht feſt umwickelt und 3. Boh⸗ geſchnürt, und will ſich eine oder die andere Blüthenknospe nicht *) Aus: Sabbathfeier.
Roman von Eliſe Polko.
Leipzig, Verlag 1858.
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