Jahrgang 
01-26 (1858)
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nehmen, bot ſich für heute keine Möglichkeit. Alexis ver⸗

Novellen⸗Zeitung.

ließ ſie nicht mehr: auch er war gewandt in leichter Unter⸗

haltung, denn jung, wie er war, hatte er ſich in den höch⸗ ſten Kreiſen bewegt, wozu ihn ſeine Geburt und ſeine Charge in dem auserleſenſten Truppencorps der Garden berechtigte; auch hatte er, wie es ſchien, viele Reiſen ge⸗ macht, und der Fürſt mußte zugeſtehen, daß ſein Urtheil, wenn ſchon kein tiefes und gründliches, immer von einem gebildeten Geiſte zeugte. Nur die Spottſucht, die Scheu, ernſte Eindrücke zu bekennen, trat überall hervor, aber der Fürſt kannte ja die Quellen ſehr genau, durch welche dieſe Kennzeichnung moderner Zeit ihre Nahrung empfängt, und er ſelbſt hatte wohl am wenigſten das Recht ſie zu verur⸗ theilen, da auch ihn ſelbſt die Jahre nicht völlig davon be⸗ freit hatten.

Er benutzte endlich einen kleinen Stillſtand, um ſeinen Beſuch abzubrechen. Die Gräfin hatte das nicht erwar⸗ tet und ſah ihn mit einem fragenden, halb vorwurfsvollen Blicke an, aber er empfahl ſich in aller Form, bat um Ver⸗

zeihung, daß er, auf ſeine alte Freundſchaft mit ihrem Va⸗

ter fußend, ganz als Freund ohne Berückſichtigung der con⸗ ventionellen Form und Stunde erſchienen ſei, und lehnte die Bitte der Gräfin, ihr den Tag zu ſchenken, mit einer Entſchuldigung ab.

Sein Pferd war, wie er befohlen hatte, noch geſattelt, der Schaden am Zügel vorher ſchon nothdürftig, nun aber dauerhaft ausgebeſſert. In gemeſſenem Schritt ritt er vom Hofe, nachdem er von dem jungen Grafen, welcher

mit ihm gekommen, Abſchied genommen hatte, und erſt draußen auf freiem Felde, als er wiederum die nähere Rich⸗ tung einſchlug, ließ er den Rappen eine ſtärkere Gangart

annehmen. und er ſuchte, was er geſehen und gehört hatte, in eine be⸗ ſtimmte Form zu bringen. name der Brief irgend ein Ueberraſchungsſpiel zu ihrem Geburtstage, wozu die beiden Schifferinnen, wahrſcheinlich

Der Wald rauſchte nun wieder um ihn her

Serena war Dorotheens Bei⸗

Töchter eines ehrbaren Nachbarn, mit dem Grafen Alexis

die Arrangements getroffen; die hellblaue Schleife, welche er dieſem ebenfalls überantwortet hatte, ſollte wahrſchein⸗ lich dabei auch eine beſtimmte Rolle ſpielen; Alles hübſch ſpießbürgerlich in der Ordnung und die Parole eben der nom de guerre: Serena. Aber wer hatte dieſen ihr ge⸗ geben? Das Verhältniß zwiſchen Dorothea und ihrem Stiefſohne war durchaus nicht ſo bürgerlich geordnet, als das Abenteuer am Ufer des See's ihm jetzt erſchien.

Als er damit beſchäftigt war, ſich Alles genau zurück⸗ zurufen, was ihm in Wort, Blick und Ton zwiſchen Bei⸗ den auffällig geweſen war, hörte er hinter ſich ein Pferd ſchnauben und als er ſich umwandte, ſah er einen Rei⸗ ter in geſtrecktem Lauf den graden Waldweg durchbrauſen; er erkannte augenblicklich, daß es Graf Alexis war, und er trat, von einem unwillkürlichen Gefühl getrieben, feſter in die Steigbügel, zog den Zügel ſtraffer an, wie Einer, der einem feindlichen Angriffe begegnen will. Er wandte ſein Pferd und ritt dem Ankommenden in kurzem Schritte ent⸗ gegen. Ob der ſcharfe Ritt ihm galt oder vielleicht nur dem Waldhauſe, wo er ſeine Verbündeten, die jungen Da⸗ men, über das Schickſal der geraubten Pfänder beruhigen wollte, war zweifelhaft, aber der Fürſt hoffte wenigſtens auf eine Erklärung mehr.

Alexis kam auf einem edlen Vollblutpferde mit der vollendeten Sicherheit eines guten Sportsman daher, er ſah bildſchön aus in der Aufregung, welche ihm der Ritt und wohl noch eher der Anlaß gab. Als er dem Fürſten ſich näherte, mäßigte er ohne ſichtliche Anſtrengung die Sprünge ſeines Thieres und erreichte ihn im leichten Ga⸗ lopp.Durchlaucht erlauben mir wohl noch ein Paar Worte? fragte er, gemeſſen grüßend.

Sehr gern auch mir iſt es lieb, Sie nochmals zu ſprechen

Wiſſen Sie, wer die jungen Damen geyweſen ſind, welche Sie auf dem See geſehen haben?

Theater⸗Geſchäftsbüreau in Berlin mit den in Paris erſcheinen⸗ den Theaterſtücken ſchnell bekannt wird, zu einer Ueberſetzung, welche in Altona, Nürnberg, Augsburg und dem Friedrichs⸗Wil⸗ helmſtädter Theater in Berlin bereits mit Beifall gegeben wor⸗ den und in Braunſchweig, Rendsburg u. a. Orten zur Darſtel⸗ lung angenommen iſt. Der zweite Ueberſetzer, ungefähr zur ſel⸗ bigen Zeit, war Herr Dr. Wollheim(Leonhard), der jedoch das Manuſcript aur dem Hamburger Stadtrheater mittheilte, weshalb es nur auf dieſem Theater zur Aufführung gelangte. Der Dritte, welcher das Drama ins Deutſche übertrug, war Herr von Küſt⸗ ner; er ſah das Stück im Auguſt d. J. in Paris und wurde laut des Vorworts zu ſeiner Fiammina von dem Stück und der aus⸗ gezeichneten Vorſtellung ſo angezogen, daß er es auf den Wunſch des Autors mit mannigfachen Veränderungen, auf deutſches Ge⸗ müth und deutſche Sitte berechnet, überſetzte. Dieſe Ueberſetzung iſt bereits auf dem Burgtheater in Wien, dem Königl. Theater in Berlin, dem Leipziger und Würzburger Stadttheater mit glück⸗ lichem Erfolg in häufigen Wiederholungen aufgeführt und geht in nächſter Zeit auf den Hoftheatern von München, Dresden, Hannover, Darmſtadt, Koburg und Deſſau, ſo wie auf den Stadt⸗ theatern von Köln, Frankfurt a. M. u. a. in Scene. Nachdem vorſtehende Ueberſetzungen von den meiſten Bühnen ſchon ange⸗ nommen, entſchloß ſich der Intendant des Stuttgarter Hofthea⸗ ters, Herr von Gall, noch zu einer vierten, deren Aufführung in Folge der beſagten Umſtände wohl nur auf wenige Theater und hauptſächlich nur auf das Theater, das er leitet, beſchränkt ſein dürfte. zweier bekannten Schriftſteller als Ueberſetzer, ein nicht gewöhn⸗

licher Fall.

Das Stück erfreut ſich ſonach zweier Intendanten und

Eine eigenthümliche Erſcheinung ferner, welche die Auffüh⸗ rung dieſes Stücks begleitet, iſt die, daß die Kritiken und Urtheile, wenn ſchon großentheils günſtig, doch auf das Schroffſte von ein⸗ ander abweichen und die entgegengeſetzteſten Contraſte bilden. So rühmen mehrere, ja die meiſten, z. B. die Oeſtreichiſche Zeitung in Wien, die ſittliche Tendenz des Stücks als einen beſonderen Vor⸗ zug deſſelben, während andere, z. B. in Berlin, das Stück unſitt⸗

lich nennen. Welche haben nun Recht? Für die Erſteren ſprechenes

folgende Gründe: ri.. Einer dramatiſchen Handlung, beſonders einer ernſteren

Gattung, liegt meiſt ein Conflict, ein Zuſammenſtoß, ein Vergehen,

ja im Trauerſpiel ein Verbrechen zu Grunde, das eine Verwicke⸗ lung und die Kataſtrophe herbeiführt. Dies Vergehen beſteht in dieſem Drama darin, daß Fiammina, ein großes theatraliſches

Geſangstalent, im Alter von 17 bis 18 Jahren, von Triumphen

und Ovationen berauſcht, von Ehrgeiz und Ruhmſucht verführt, ihren Mann und ihr Kind verlaſſen hat. Bald fühlt ſie ſich je⸗ doch bei den glücklichſten Erfolgen unglücklich und allein und will zu ihrem Gatten und Kinde zurückkehren; erſterer, ein Mann von ſtrengen Grundſätzen, weiſt ſie jedoch von ſich, wodurch ſie factiſch von ihrem Manne getrennt wird. Sie kehrt zur Kunſt zurück und nimmt in dem feindlichen Theaterleben, ſich verlaſſen und ohne Schutz fühlend, die Freundſchaft eines der edelſten Männer und Kunſtenthuſiaſten, des Lord Dudley, an, der ihr pergebens ſeine Hand hietet, weil ſie als Katholikin von ihrem Gatten nicht

getrennt werden kann. Wie wenig jedoch das edle, rein menſch⸗

liche Gefühl in ihr erſtorben iſt, beweiſt, daß, als ſie nach Paris kommt und inmitten ihrer Triumphe ihren erwachſenen Sohn ſieht, die ganze Gewalt der Mutterliebe in ihr hervorbricht und

Nr. 2.

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