22 Novelſen⸗Zeitung.
verneinte die ihrige, nahm auf die ſtumme Einladung der Gräfin, welche ebenfalls aufgeſtanden war, wieder Platz und ließ ſich in ein leichteres Geſpräch ein, das die Ver⸗ gangenheit nicht mehr berührte. Alexis ſtand vor Beiden und war eine geraume Weile ein ſtummer Zuhörer. Seine lebhaften ſchwarzen Augen blitzten von der Stiefmutter zu dem Fürſten und wieder zurück, er hatte die Hand nach⸗
läſſig in die Bruſt ſeines eleganten Sommerrocks geſteckt
und gab das Bild vollkommenſter Sicherheit des Beneh⸗ mens. Wie hätte ihm dieſer alte Mann imponiren können, wenn er auch die vor Napoleons Gewalt erblichene Krone eines ehemaligen Reichsfürſten trug und ſeines Vaters Freund geweſen war, welcher dieſen in ſeinen altrömiſchen
Ideen von Autorität und väterlicher Machtvollkommenheit
beſtärkt hatte! Eine Pauſe trat ein.„Wiſſen Sie,“ wandte ſich Alexis, um ſie zu füllen, an ſeine Stiefmutter,„daß Ihre
Solitüde durch eine fremde Invaſion entweiht worden iſt?“
Die Gräfin ſah ihn fragend an. damit? das Waldhaus?“
„Gewiß! Ein Ritter— ſeine Deviſe kann ich leider nicht bezeichnen— hat dort einige Volten à tort et à tra— vers über Pfad und Wieſen geritten und auch nach Nor⸗ mannenweiſe eine kühne Seefahrt beabſichtigt, in der Gondel—“
„Was meinſt Du
„Das bin ich geweſen, lieber Graf, doch aus unſchul⸗
diger Neugier, ohne alle bösliche Abſicht.“
Bei dieſer lächelnden Eröffnung des Fürſten flammte eine jähe Röthe in dem Geſichte des jungen Grafen auf, doch ſchien es keine Verlegenheit über ſeine unbeſonnenen Aeußerungen zu ſein, denn ſein Auge richtete ſich ſtolz und fragend auf den Gaſt, während die Gräfin eher für ihn be⸗ fangen war.
„Ich wurde durch den Bau im Walde, von dem ich gar nichts wußte, überraſcht,“ ſagte der Fürſt, mehr zu der Gräfin gewendet, in leichter Erklärung.„Da konnte
ich mir nicht verſagen, die ſchöne Umgebung bis an den See in Augenſchein zu nehmen und ſtieg allerdings ab, weil— die Gondel meine Aufmerkſamkeit auf ſich zog. Mein Pferd machte ſich den Moment der Freiheit zu Nutz und wenn es Wald⸗ und Wieſenfrevel begangen hat, ſo bitte ich um Verzeihung.“
Die Gräfin neigte ſich, auf den Scherz eingehend.„Es war ſchon bei Lebzeiten meines Vaters eine Idee, welche der Graf anregte,“ ſprach ſie dann ernſthafter,„an den ſchönen einſamen See mitten im Walde ein Jagdhaus zu
bauen. Mein Vater wollte es auch— und der Graf, welcher ſelbſt, wie Sie wiſſen, gern architektoniſche Zeich⸗ nungen entwarf, hatte ſchon alle Riſſe dazu fertig, als die Krankheit meines Vaters die Ausführung hinderte. Wir wohnten dann nicht hier und ich habe den Plan meines Mannes erſt ſpäter aufgenommen und ausgeführt. Ich hoffe, daß die Anlage auch Ihren Beifall hat.“ Dem Fürſten, welcher zu beobachten verſtand auch ohne directe Blicke, war es nicht entgangen, daß Alexis in leb⸗ hafter Spannung war. Jedenfalls hatte die Thatſache für ihn ein beſonderes Intereſſe und der Gedanke lag nah, daß eer den Brief an Serena geſchrieben und in die Gondel ge⸗ legt hatte, welchen die Schifferin, ohne Zweifel Serena ſelbſt, hatte abholen wollen, woran ſie durch den Fremden gehindert war. Jungfräuliche Scham hatte ſie dann ver⸗ mocht, Brief und Namen zu„desavouiren“ und das Bil⸗ let, das ihr zartes Geheimniß enthielt, im Vertrauen auf ritterliche Großmuth, vielleicht auch auf vorſichtigen In⸗ halt der Schrift, in den Händen des Fremden zu laſſen. Es ſchien dem Fürſten, als müſſe er dieſem Vertrauen ent⸗ ſprechen, indem er kein Wort über den Vorfall erwähne, V bis er mit Alexis allein ſei. Das Wappen, das er auf dem Billet geſehen hatte, war das Marburgiſche geweſen und hatte ihn eben veranlaßt, den jungen Damen im Kahne zu erklären, daß er den Brief in Lomnitz niederlegen werde; von Alexis' Anweſenheit hatte er damals nichts gewußt,
denfalls iſt die eigentliche Cultur der Obſtbäume am früheſten in Kleinaſien geübt worden. Schon Moſes erließ zweckmäßige Ge⸗ ſetze in Bezug auf die Obſtzucht. Von den Pomaceen finden wir im alten Teſtamente den Apfel und die Quitte erwähnt. Der Propbet Joél ſagt(1, 12):„Die Granatbäume, Palmbäume, Apfelbäume und alle Bäume auf dem Felde ſind verdorrt.“ Und in den Sprüchen Salomo's(25, 11) heißt es von den Quit⸗ ten:„Ein Wort, geredet zu ſeiner Zeit, iſt wie goldene Aepfel in einer ſilbernen Schale.“ Die Quitten werden überhaupt oft von den orientaliſchen Dichtern goldene Aepfel genannt, denn ſie erlangen in ihrem Vaterlande, Kleinaſien und Syrien, ein viel ſchöneres Anſehen und feineren Geſchmack, als bei uns.
Auch bei den Griechen ſtand die Obſtzucht ſchon früh in einer gewiſſen Blüthe. Unter den Bäumen, die Homer im Obſtgarten des Laërtes aufzählt, finden wir den Apfel-, Birn- und Quit⸗ tenbaum erwähnt. Auch die Geſetze Drako's gedenken bereits des Obſtes; die Erfindung des Pfropfens wurde bei den Athenienſern dem Eumolpus zugeſchrieben. Durch ihre wohlſchmeckenden Birnen war die Inſel Thaſos berühmt, welche mit friſchen und getrockneten Früchten beträchtlichen Handel trieb. Eine bedeu⸗ tende Vermehrung an neuen wohlſchmeckenden Aepfel⸗ und Bir⸗ nenſorten erhielten die griechiſchen Gärten durch Alexanders aſia⸗ tiſchen Feldzug. Die Quitte ſtand auch bei den Griechen in hohem Anſehen und ſpielte, wie in der orientaliſchen Poeſie, ſo auch bei den griechiſchen Dichtern und in der griechiſchen Mytho⸗ logie eine große Rolle. Die Quitte war der Liebes⸗ oder Gold⸗ apfel, der Apfel der Eris. Vielleicht ſind auch unter den goldenen Aepfeln der Hesperiden Quitten zu verſtehen, wenn man nicht lieber mit Humboldt und Anderen die Citronen dafür halten will.
Der griechiſche Name der Quitte Kydonion, woraus der deutſche entſtanden iſt, deutet auf die bedeutende Cultur derſelben in der Gegend der Stadt Kydon auf der Inſel Kreta, wohin ſie aus Aſien gewandert war. Solon verordnete den jungen Eheleuten am Hochzeitstage eine Quitte zu eſſen.
Die Römer waren bekanntlich große Gartenliebhaber und pflegten auch mit großem Eifer die Obſtzucht, namentlich ſeit ſie durch ihre aſiatiſchen Feldzüge ihre Gärten mit den edlen Obſt⸗ ſorten Kleinaſiens bereichern konnten. Plinius zählt bereits 41 Birnen⸗, 36 Aepfel⸗, 6 Quitten⸗ und 3 Mispelſorten auf. Die Birnen waren bei den Römern, wie noch jetzt in Italien, belieb⸗ ter als die Aepfel, da ſie ſüßer und mehr zum friſchen Genuſſe ge⸗ eignet ſind. Die Quitten ſtellten die vornehmen Römer zu Pli⸗ nius' Zeit des Wohlgeruchs wegen in den Zimmern auf— eine Sitte, die ſich noch jetzt in Italien findet— oder legten ſie in ihren Schlafgemächern auf die Häupter der Hausgötter. Die Mispeln ſind nach Plinius' Angabe von Macedonien, wohin ſie aus Kleinaſien gekommen waren, nach dem macedoniſchen Kriege nach Italien verpflanzt worden.
Die alten Deutſchen hatten zu Tacitus' Zeit ſchon Obſtgärten und Obſt machte einen Theil ihrer Nahrung aus, aber wahrſcheinlich kannten ſie nur Aepfel, und zwar wenig edele Sorten, die ſich mit den köſtlichen Früchten Italiens nicht meſſen konnten; daher nann⸗ ten die Römer die deutſchen Aepfel wilde Aepfel(poma agre- stia), wobei man freilich nicht an unſere wildwachſenden oder Holzäpfel denken darf. Schon der Name Apfel, der deutſcher Urſprungs iſt, ſcheint anzudeuten, daß der Apfelbaum i Ne⸗ land urſprünglich einheimiſch iſt, während die Name ſche, Kirſchen u. ſ. w. auf ihre Einführung durch die Römer Vr
IV. Jahrg.
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