Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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ſandten⸗Salons hindurch. der großen Welt, welche aber auch ihn vollkommen ehrte, ſeinem Geiſt, ſeiner höheren Anſchauung der Verhältniſſe alle Gerechtigkeit widerfahren ließ, beſonders weil er ſo unabhängig ſtand und weder Gnaden noch Ehren ſuchte! Mein geliebter Herrmann!

Hier übermannte der Schmerz um ten die arme Frau, deren Augen bei der Lobrede, hielt, ihren alten Glanz wieder gewonnen hatten, jetzt in den aufquellenden Thränen verdunkelte. ſagte ihr ein paar innige Worte des Antheils, welche zu⸗ gleich auch ſeine Anerkennung des Freundes enthielten. Im Innern war er aber beſchämt über ſeine Zweifel an ihr, welche ihn vor wenig Seeunden beſchlichen hatten; wenn ſich ihr Herz nach dem Tode des Gemahls ſo verirrt hätte, wie er es noch eben doargwohite ſo wäre ſie nimmer fähig geweſen, ſo von ihm zu ſprechen.

Dies Leben in den erſten Kreiſen hat gewiß ſein

hohes Intereſſe, fuhr wieder gefaßt hatte,und wer es ſchilt, daß es für Geiſt und Gemüth Nichts bietet, der kennt es nicht oder hat wohl ſelbſt weder Geiſt noch Gemüth mitgebracht, daher nichts geſucht und gefunden, als leere, herzloſe Pracht und ſinn⸗ berauſchendes, flaches Treiben. Sie lächeln? Ich weiß, Sie ſind kein Freund des goldnen Strudels, wie Sie es oft nannten, aber haben Sie uns nicht ſelbſt Aehnliches ge⸗ ſagt? Ich lächelte nur, Sie ſo völlig zur Fahne der Hof⸗ geſellſchaft geſchworen zu finden, da ſie ſonſt die Einſam⸗ keit liebten und zuweilen ſelbſt die kleinen geſelligen Ver⸗ eine der Nachbarſchaft mieden.

O ich liebe die Einſamkeit noch und ſo ſehr ich den Kreiſen, in welchen ſich Herrmann gern bewegte, Ge⸗ rechtigkeit widerfahren laſſe, war mir doch immer herzer⸗ quickend wohl, wenn die blauen Höhen des Waldes wieder vor mir aufſtiegen und ich in unſer liebes Arnsleben ein⸗

die ſie ihm der ſich

G

Novellen⸗Zeitung.

Herrmann fühlte ſich wohl in

den verlornen Gat⸗

Der Fürſt

[IV. Jahrg.

fuhr. Drei Winter haben wir übrigens nur in Berlin verlebt, dann kam die Krankheit meines Vaters, von welcher er nicht wieder hergeſtellt wurde. Ich war einen ganzen Winter in Lomnitz bei ihm und bewog Herr⸗ mann, welcher hier ein zu trauriges Leben geführt hätte, in dieſer Zeit, ſeiner angegriffenen Geſundheit wegen, ein milderes Klima zu ſuchen. Er war in Meran und Vene⸗ dig, wo er auch Ihre Spur gefunden hat, wenn ſchon eine ſehr verjährte. Der alte Niccolo Bulgari hat von Ihnen erzählt

Dies lebendige Fremdenbuch! Herrmann hat mir von

Er iſt nun todt. dort, weil er meinen Melſeplan er⸗ fahren zu haben glaubte, Leſchrieben und mir den trauri⸗ gen Verluſt mitgetheilt, der ihn nach der Heimath zurück⸗ rief. Der Brief iſt aber viel und lange umhergeirrt, ehe er mich getroffen hat. Sie haben Unrecht gethan, Doro⸗

thea, nicht früher an Herrmann zu ſchreiben.

die Gräfin ſort, nachdem ſie ſich

Sollte ich ihn aus dem ſchönen Lande, wo er Gene⸗ ſung fand, an ein Krankenlager rufen, da er doch nichts mehr helfen konnte?

Aber Ihnen tragen helfen, wie es ſein Wunſch war und er gethan hätte, wäre ihm nur eine Ahnung geworden.

Er kam noch immer zurecht, mir tragen zu helfen, und

hat es redlich gethan ſo lange er es vermochte!

Ihre Stimme zitterte wiederum, aber ſie gab ſich der Schwäche nicht hin, ſondern faßte ſich kräftig, um noch das Schwerſte, das ſie betroffen, dem treuen Freunde ihrer Kindheit und Jugend zu berichten.

Sie wiſſen, wann ich Herrmann verloren habe? fragte ſie.Acht Jahre ſchon! Wiſſen Sie auch, auf welche Weiſe? O ja, wenn man Ihnen geſchrieben hat, ſo müſſen Sie auch das wiſſen, aber den Zuſammenhang

den kennt die Welt nicht und den kann ich auch nur Ihnen vertrauen, da es mir Herrmann in ſeiner letz⸗ ten Stunde geſtaktet hat. Wenn Eberhard zurück kommt

nur Ihm.

feuilleton.

Die geiſterſeherin.

In ihrer früben resford im Linnigſten Freundſchaft ihrer Schwärmerei einander das ſtürbe, wenn es möglich wäre, dem Andern erſcheinen ſollte. Jahre verfloſſen, die Lady hatte ſich vermählt, ward Witwe und hatte wahrſcheinlich das in der Jugend gegebene Verſprechen ver⸗ geſſen, als ſie plötzlich auf ſehr eindrucksvolle, ja entſetzliche Weiſe daran erinnert wurde.

3 Es war am 19. Auguſt 1704, als Lady Beresford ganz ge⸗ ſund und ohne daß Jemand die geri ingſte Niedergeſchlagenheit an ihr bemerkte oder ſie ſelbſt ſich einer ſolchen bewußt war, zu Bett ging. Nach einiger Zeit erwachte ſie aus dem erſten Schl lafe und ſah zu ihrem großen S taunen Lord Tyrone vor ihrem Bett ſtehen

Während ſie noch verwirrt und verwundert hinſtarrte, theilte ihr die Geſtalt mit, ſie ſei der Geiſt Lord Tyrone's, er genieße der Seligkeit und ſei nur gekommen, ſein in der Jugend gegebenes Verſprechen zu erfüllen. Um ſie zu überzeugen, daß es kein Traum ſei, ſchrieb er ſeinen Namen in ihre Brieftaſche, ſchlang die Vor⸗

Jugend lebten Lord Tyrone und Lady Be⸗ tsverhältniß und gaben in

Verſprechen, daß, wer zuerſt

häͤnge d durch einen großen Ring, ließ die Spur ſeiner Hand auf den Kleidern zurück und drückte endlich, als fernern Beweis ſeines nächtlichen Beſuches, mit ſeinem Finger ihrem Handgelenk ein un⸗ pertildbara Zeichen auf. Sodann prophezeite er, ſie werde wie⸗ der beirathen, in ihrer Ehe ſehr unglücklich ſein und in ihrem 42. Jabre bei der Geburt eines Kindes duirgen Sie ſchlief bald died er ein; als ſie am Morgen erwachte, traten die Erlebniſſe der Nacht mit einem Male vor ihre Erinnerung. Sie konnten nicht, wie ſie anfangs aubtè⸗ die Schattenbilder eines Traumes ſein; da waren die durch den Ning Leſchlungenen Vorhänge; da war die Spur einer Hand auf den Kleidern, das ſonderbare Zeichen auf ihrem Handgelenk, ſo unvertilgbar, daß ſie es nachher immer durch ein ſchwarzes Sammetband verbergen mußte. Wenn nach ſolchen Beweiſen noch ein Zweifel ſtattfinden konnte, ſon ward er beim Frübſtück durch einen Brief be ſeitigt, welcher Lord Tyrones Tod meldete. Wir wollen nicht eine intereſſante Geſchichte da⸗ durch ſtören, daß wir angeben, wie alles Uebernatürliche d arin zu beſeitigen ſei, ſondern lieber zeigen, daß und bereits eine klare Einſicht in die Zukunft beſaß. Der Wahr⸗ ſager, welcher Cäſar's Tod auf die Iden des März vorausſagte, war kein beſſerer Prophet.

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