Dritte Folge.
Novellen-Zeitung.
8 erena Fürſt, von der Nachricht überraſcht, ſie anblickte, konnte er 4 1 bemerken, daß ſie erröthete. Ein Blitz zuckte durch ſeine — Seele— leicht empfänglich für mißtrauiſche Gedanken, Novelle wie er war, konnte er ſich eines heißen, quälenden Aufwal⸗ von lens im Blute nicht erwehren. Welch ein Abgrund that Bernd von Guſeck. ſich vor ihm auf!
ſ„Auf längere Zeit oder bleibend?“ that er die neue (Fortſetzung.) Frage. „Es hat ſich Viel verändert, wenn auch nicht in„Er ſteht im Dienſt,“ antwortete die Gräfin, wodurch
dieſer Umgebung, ſeit wir uns zuletzt geſehen haben!“ ſie die Frage gleich beantwortete, und zögernd ſetzte ſie
ſprach Dorothea mit weichem Tone und richtete ihr ſanf⸗ hinzu:„Sie ſollen Alles hören— ich danke Gott, daß er Macht tes Auge auf ihn, als ſuche ſie bei ihm das wohlthuende Sie zurückgeführt hat. Sie waren ja ſchon der kleinen Mitgefühl des Freundes, das ſich in Wort und Blick aus⸗ Dorel ein gütiger Freund und ſind es der erwachſenen Do⸗
ſprechen müſſe. rothea geblieben; ich hoffe, Sie werden ſie auch jetzt, als „Ich habe Ihrer mit Trauer gedacht, als ich die⸗Nach⸗ ältere Frau, in ihrer Rathloſigkeit nicht verlaſſen.“ richt empfing,“ erwiderte er mit Herzlichkeit.„Sehr ſpät Als ältere Frau! Sie war eben dreißig Jahre, kaum
erfuhr ich Alles, da mich die Briefe aus der Heimath erſt drei Jahre älter als ihr Stiefſohn, deſſen Name ihr das nach langem Umherkreuzen trafen— ein Verſehen meines Blut in die Wangen getrieben hatte. Des Zuhörers Blut Secretairs, welcher ſie falſch beſtellt hatte. Der gute Va⸗ empörte ſich bei dem Gedanken, der immer unabweislicher ter war mein Troſt— ich ahnte nicht, daß er ſchon früher an ihn herantrat. Doch beſaß er zu viel Selbſtbeherrſchung, heimgegangen war; der Brief, welcher mir das melden um ſich nur durch eine Miene zu verrathen. ſollte, wie ich nun erſt bei meiner Heimkehr nach Deutſch⸗„Sie werden in mir immer einen wahren Freund fin- 61 land erfahren habe, iſt nie in meine Hände gekommen, ſon⸗ den,“ ſprach er. 5 dern gänzlich verloren gegangen.“ Die Gräfin blickte einen Moment vor ſich nieder, als „Sie hatten ſich ſo ganz vom Vaterlande losgeſagt,“ wolle ſie ſich ſammeln. Dann begann ſie ihre Erzählung.
entgegnete Dorothea, und in ihrem Blicke ſchien ein milder„Dreizehn Jahre ſind es her, ſeit Sie nicht mehr in Vorwurf für den Freund ihres Vaters zu liegen. unſere Gegend gekommen ſind. Wir hofften immer noch, Haar,„Das habe ich niemals gethan!“ erwiderte er warm Sie würden zu unſerer Hochzeit wieder kommen, Herrmann
—„aber,“ ſetzte er beſonnen hinzu,„der alte Wander⸗ war ſo feſt davon überzeugt— und der Vater glaubte in trieb, der mich in meinen jüngern Jahren beſeelte, war von jedem vorfahrenden Wagen den Ihrigen zu hören. Sie Neuem in mir erwacht, als ich im Vaterlande Alles ſo waren aber ſchon fern im Auslande und hatten ſogar allen glatt und ruhig dahingleiten ſah und meinen Marburg— brieflichen Verkehr mit Ihren Freunden abgelehnt— ich mit Ihnen— glücklich wußte, ſo daß ich dem Drange nach⸗ weiß, Sie ſchrieben ungern, Herrmann hat mir oft davon er⸗ gab, alle die ſchönen Stätten claſſiſchen Bodens, die wir zählt und Sie immer entſchuldigt, denn ich, das geſtehe ich Beide in der Jugend mit den begeiſterten Träumen dieſer Ihnen, war oft recht böſe auf Sie.“ Konnte der Fürſt glücklichen Zeit durchſchweift hatten, wieder zu ſehen.— eine ſchönere Anerkennung ſeiner Selbſtverleugnung finden, Sie ſollen mir nun Alles erzählen, denn ich bin nur den als dies harmloſe Wort? Würde ſie es geäußert haben, äußern Thatſachen nach unterrichtet,— wenn es Ihren wenn er ſie je ſein Gefühl hätte ahnen laſſen? Gram nicht allzuſchmerzlich erneut, Dorothea!“„Wir hatten Lomnitz verlaſſen,“ fuhr ſie fort,„und „Es wird meinem Herzen wohl thun, ſich auszuſprechen lebten in Thüringen, des Sommers auf dem Lande, wo — gegen den lieben Freund,“ erwiderte ſie und reichte ihm Herrmann das ohnehin reizende Arnsleben ſo verſchönert von Neuem die Hand.—„Sie reiſten von Morungen ab, hat, daß Sie es kaum wieder erkennen würden; im Win⸗ SHimmnelfahrtstag, wiſſen Sie noch?“— Er wußte das ter wohnten wir zuweilen in Gotha, meiſt aber in Berlin, nicht mehr ſo genau als ſie.—„Herrmann gab Ihnen und was werden Sie von Ihrer linkiſchen Dorel ſagen? noch das Geleit bis Dresden, um Alexis in dem Inſtitut— auf Herrmanns Wunſch machten wir ein Haus, ſahen wieder zu ſehen und ſich von Allem zu unterrichten.“ viel Geſellſchaft bei uns, wo ich zu meiner eignen Beſtür⸗ „Wo iſt Alexis jetzt?“ warf der Fürſt ein.„Er muß zung repräſentiren mußte; auch waren wir bei Hofe vorge⸗ faſt zum Manne herangewachſen ſein.“ ſtellt und rauſchten dann mit dem großen Strome durch „Alexis iſt hier,“ antwortete die Gräfin, und als der alle Feſtlichkeiten des Carnevals in den Miniſter⸗ und Ge⸗
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