Novellen⸗ Zeitung.
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Adolf Böttger.
Kurfürſt Friedrich der Weiſe. Johanns Begehr und Friedrichs Rath Iſt ein Befehl und eine That. T
Ein ſchön Ding iſt's, ſagt Gottes Wort,
Friedrich und ſein Narr. Wenn Brüder eins ſind fort und fort. 1— dade ſucht mit Rath Ihr beizuſtehn, Auf einen Stuhl von Sammt geſtreckt, Müßt Ihr beim Narren zur Schule gehn!“
Die Tafel war juſt abgedeckt, Lag ganz behaglich Hofnarr Klaus 4 Und zehrt' im Geiſte noch vom Schmaus.
Da trat ein Hofmann keck ihn an: Friedrich der Weiſe, „Wie gehr's, Herr Tiſchrath Lobeſan?. Sprich, hält der Kurfürſt je etzt noch Ruh?“ erwählter deutſcher Kaiſer. 4 Scheel dreht ſich Klaus dem Höfling zu: „Willſt doch ein kluger Mann ſein, Graf, Kaum ruht im Sarge Kaiſer Max, 8 Und fragſt mich ob der Fürſt im Schlaf? So warben fremde Kronen ſtracks 2, Wenn er dies thät ganz ungeſcheut, Ane Deutſchlands Kaiſerkrone: daſe Wer wachte dann für Land und Leut'? ie Lilie Frankreichs ſtrebt bedacht, ſprach „ Ein Fürſt. darf keine Ruh' ſich gönnen, Due Spaniens Karl, dort Englands Macht tes Au 5 Auf daß wir Faulen ſchlafen können.“ Wetteifernd nach dem Throne. Mitgef Der Hofherr ſchilt den luſt' gen Helden—.. ige V Und läßt ſich ſtracks dem Fürſten melden. Zu Frankfurt doch im hohen Saal ſprechen 5 Es kehrt der Narr und ſchmunzelt fein: Verlacht der deutſchen Fürſten Wahl 35 „Jwe i Stiefeln H oftuft, tretet ein!“— Die Stämme fremdgewachſen; richt em Der Graf, ſich vor dem Kurfürſt beugend, Voͤn Mund zu Munde ging's und lief's erfut. Die tiefſte Demuth ihm bezeigend, Und wie aus einem Herz zen rief 8: ühr Schwatzt viel von Reich und Regiment,„Die Krone ſei dem Sachſen!“— nach lan 5 9 9 Seere V den dedneauſnehndr d der Triedrich der Weiſe hört das Wort, V krue Daß es am End' weit beſſer wär' Das ihn ernennt zum deutſchen Hort, er war Wenn Seine Hoheit ſond 8 Weilen Zum Herrn der böchſten Weihe;— heinge Das Land thät mit dem Bruder theilen. Emwünde, Liet im Augeſicht d ſpricht ſollte, Der Kurfürſt bört ihn lang' geduldig, Stehl er vom wnftii auf und ſprich land e . Doch bleibt er ihm die Antwort ſchuldig, Zur wahlerprobten Reihe: dr e. Ruft ſeinen Narren Klaus bülei„Das Zepter in des Adlers Klau'n 3 Und weiht ihn in den Vorſchlag ein. Wollt ihr hochherzig mir vertraun, 98 Dann ſpricht er ruhig:„Narr, wie nun? Habt Dank für dieſe Würde: entgegn Gib deinen Rath, was ſoll ich thun?“ Schwach iſt mein Haupt, ergraut mein Haar, orwu 4 Der ſtützt ſich ſch munzelnd auf den Stock: Die Krone wäre mir fürwahr d 3„Gevatter, gib mir deinen Rock, Nur eine goldne Bürd.— 4 1 Und zwar den liebſten!“— pal „„Wohl, es ſei!““—„Ihr Fürſten! ſeid den Bienen gleich, trieb, d * Flugs ſchnitt der Narr den Rock entzwei Wählt den zum Kaiſer für das Reich, Muem In gleiche Hälften; nimmt die ein', Der ſorgt und ſchafft ohn’ Ende; dlatt Kriecht mit dem einen Arm hinein Ihm widmet dankbar ſonder Ruhn, 3 un Und ſtellt vor ſeinen Herrn ſich hin. Wie's Bienen ihrem Weiſel thun, un Ihr — Der fragt:„„Was ſoll der Tollheit Sinn?““ Herzinnig Haupt und Hände! a, a 99 Und deutet ihn zur Thür hinaus. R Ba Doch unerſchrocken lächelt Klaus:„Ein feurig Herz, ein friſcher Blick gli 4 „Gevatter! laß in Ruh' den Stock! Lenki unverzagt des Reichs Geſchick, Aüat Wie mir anſteht der halbe Rock, Läßt nicht vom Blitz ſich blenden: Sief So., Fritz, wird dir es auch anſtehn, Den jungen Aar aus Oeſtreichs Haus, dußer Wiüſtd du zur Ländertheilung gehn!“— Den Karl von Spanien wählet aus, Grar Der Kurfürſt, ſeltſam überraſcht, Ihm wollt die Krone ſpenden!“ Welch wahres Wort der Narr erhaſcht,— 5.5. 7 Nickt freundlich ihm:„Du Narr haſt Recht! Stumm ſahn die Fürſten lang ſich a⸗— geg 9 Dann brach der Beifallſturm ſich Bahn d In einem Lande ſteht es ſchlecht, d freudig ſcholl's im Kreiſe: von N Woſelbſt der Fürſt iſt nur ein Kind, Und frelldig ſchol 8 uni reiſe⸗ Rhei. Hi Hat Räth;, die unerfahren ſind.„Der Herrſcher an dem deutſchen Rhein. m Mein und des theuren Bruders Land Der fünfte Karl ſoll Kaiſer ſein,„ nicht Hält ein Gott wohlgefällig Band!. Ein Friedrich will's, der Weiſe! noch d Wie man's zu trennen ſich befleißt,— wieder Nur feſter wird es, ſtatt es reißt. V c.„ Buch der Sachſen. Originaldichtungen aus der ſächſiſchen Geſchichte von Adolf Böttger. Leipzig, Gieſecke& Devrient. 1858. ſt duu


