Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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bourgeois verſtand auch wie ein Bürger zu rechnen. Alexander Dumas verkaufte ſein Privilegium unter der Bedingung, daß nur ſeine Dramen zur Aufführung ge⸗ langen dürften. In dieſem Théatre Historique wurde dann die Geſchichte nach Dumas'ſcher Weiſe den Pariſern vor⸗ geführt, das heißt die guten Pariſer wiſſen von der Ge ſchichte heute gerade ſo viel, als ob das Théatre Historique nie exiſtirt hätte. Außer der Geſchichte Napoleons wiſſen die Pariſer nicht viel, und ſtände nicht die Porte St. Martin auf dem Boulevard oder der große Palaſt in Verſailles, ſo würde man vielleicht bei vielen Leuten vergebens nach Ludwig dem Vierzehnten fragen. So abgeſchmackt dieſe Behauptung auch klingen mag, ſo hat ſie doch die Mög⸗ lichkeit für ſich, und ich darf von der franzöſiſchen Bil⸗ dung ſelbſt das Unmöglichſte glauben, ſeitdem mich ein hieſiger Journaliſt, Director eines der geleſenſten pariſer Eſprit⸗Blätter, gefragt hat, obzwiſchen der preußiſchen und deutſchen Sprache ein großer Unterſchied beſtände. Ich habe vor Anfang der Oper noch gerade ſo viel Zeit, über die pariſer Gelehrſamkeit ein Weiteres zu ſagen. Der ge⸗ neigte Leſer der Novellen-Zeitung kann ſich nicht denken, welche Vorſtellung ſich der Pariſer von unspauvres Alle- mands macht. Wir ſind alle blond und ſentimental, ſpielen Guitarre und bringen der Liebſten Abends eine Serenade, als ob gar keine Polizei oder im ſchlimmſten Falle ein Nachtwächter bei uns erxiſtirte. Auch iſt es noch gar nicht lange her, daß man in Paris nicht mehr glaubt, wir trügen zu Hauſe alle lange Zöpfe. Was endlich die Organiſation unſeres Vaterlandes betrifft, ſo ſchweben die Franzoſen gänzlich im Dunkeln, und ein geachteter franzöſiſcher Schriftſteller,Hippolyte Caſtille hat erſt kürz lich in einem Bändchen ſeiner Galerie,Friedrich Wilhelm der Vierte betitelt, die kühne Behauptung ausgeſprochen, in Preußen exiſtire die Gemeinde nicht und die preußiſchen Unterthanen ſeien eben Sclaven eines Gutsherrn, welcher h Gutdünken ſchalte und walte.

Was man in Paris nicht alles lernen kann!

Das Théatre Historique wurde nach Dumas' Ruin im Jahre 1852 in das Théatre Lyrique umgewandelt. Das Haus war bei der heutigen Oberon⸗Aufführung ziemlich voll, und Dank der Logenſchließerin, deren Gunſt ich mir durch den Ankauf eines Textbuches um den doppelten Preis zu erwerben wußte, bekam ich einen guten Platz.

Es ſcheint, dieſer Oberon iſt ein Meiſterwerk! ſagte mein benachbarter Franzoſe zu meinem Freunde.Gewiß, antwortete dieſer.O, was die Muſik betrifft, da ſind die Deutſchen einzig in ihrer Art!

Dieſes Geſtändniß aber ging der National⸗Eitelkeit dieſes Herrn ſo nahe, daß er ſofort für ſich beſänftigend hinzufügte:

Du reste ils n'ont que cela.Und fuhr er fort, es iſt nicht erſtaunlich, daß es in Deutſchland gute Muſiker gibt. Die Muſik iſt reine Gemüthsſache, und Deutſch⸗ land iſt eine ſo melancholiſche Gegend. Mein Nachbar zur Linken, ein bejahrter Herr, warf dem Redner durch die Brille einen verächtlichen Blick zu, nahm eine gehörige Priſe aus der Tabaksdoſe und ſetzte ſich in dem bequemen Seſſel zurecht, denn eben erfolgten hinter dem Vorhange die feierlichen drei Hammerſchläge als ein Zeichen, daß die Ouverture beginnen ſollte. Obſchon die Muſiker heute die Ouverture ſchon zum ſieben und vierzigſten Male ſpiel⸗ ten(die Proben ungerechnet), leiſteten ſie doch nur ſehr Mit⸗ telmäßiges, aber das Publicum verlangte da capo, und bereitwillig wiederholte das Orcheſter das Finale.

Der Vorhang geht auf. Eine prächtige Walddeco⸗ ration, in welcher Oberon ſchlummert, umgeben von dem tanzenden Corps de ballet.

Was ſoll ich aber von der Aufführung ſagen?

Huon wird von einem ausgeſungenen Tenoriſten zur Darſtellung gebracht. Eine gewiſſe Gefühlständelei, ein leiſes Zittern der Stimme, welches den meiſten franzö⸗ ſchen Sängern eigen, ſoll die Empfindung erſetzen. Mein

Blendend geiſtreicher Mann! murmelten ſie untereinander, und im nächſten Feuilleton einer kleinen Zeitung las man: Dichtergeſpräche, eine Begegnung mit G. v. Letten, dem Verfaſſer der Neckarnips.

Literatur.

Die jungen Pelzjäger im Gebiete der Hudſon⸗Bay⸗ Compagnie. Ein Naturgemälde zu Luſt und Lehre für die rei⸗ fere Jugend gebildeter Stände. Von Karl Müller. Mit acht Kupfern in lithographiſchem Farbendruck. Breslau, Ver⸗ lag von Eduard Trewendt. 1858.

Vom ſelben Verfaſſer erſchienen im ſelben Verlage zu den Weihnachtszeiten der letzten Jahre ähnliche JugendſchriftenRobin⸗ ſon in der Wildniß,die jungen Büffeljäger, die jungen Boers u a., die mit anerkennenswerthem Geſchick alle möglichen und zunmöglichen Abenteuer, die in dem Jagd⸗ und Reiſeleben trans⸗ atlantiſcher Wildniſſe erlebt oder erfunden ſind, an das Schickſal ein paar junger Burſchen knüpften, ſo, daß unſere gleichalterige Jugend mit jedem neuen Weihnachten in neue gefährliche und merkwürdige Situationen ſich hineinträumen konnte. Heuer wird die Phantaſie der jungen Wißbegierigen in die nordiſchen Jagd⸗

reviere, in Eis, Schnee, Stromſchnellen und winterliche Wälder

ſpazieren geführt, und ſchon wer nur die beigegebenen bunten Bilder durchblättert, wird eingeſtehen müſſen, daß es keine ſeltſa⸗ meren und keine unglaublicheren Situationen geben kann, als die, welche aus Thier⸗ und Menſchenleben den zukünftigen Bürgern dieſes Jahrhunderts hier aufgetiſcht ſind. Druck und Ausſtat⸗

tung ſind ganz in der trefflichen Weiſe der vielverbreiteten früheren Werke ausgeführt.

Jahrbuch für die deutſche Jugend von Iſidor Proſchko. Prag und Leipzig, Verlag von J. L. Kober. Dieſes elegant ausgeſtatteteAlbum des petits enfantas zeichnet ſich durch eine ſorgfältige Auswahl kleiner Fabeln, Ge⸗ dichte und Erzählungen vor vielen ähnlichen Erſcheinungen vor⸗ theilhaft aus.

Pharus am Meere des Lebens. Anthologie für Geiſt und Herz aus den Werken deutſcher und ausländiſcher Schrift⸗ ſteller älterer und neueſter Zeit. Nach den Materien alphabetiſch

geordnet und herausgegeben von Carl Coutelle. Vierte ver⸗ mehrte Auflage. Iſerlohn 1858. Julius Bädecker.

Eine neue ſehr elegant ausgeſtattete Auflage des bekannten Werkes.

Dernières Chansons de P. S. de Béranger(1834 1854). Paris, Perrotin. 1857.(Ceipzig, Alphons Dürr.) Ein dem Buche beigedruckter Brief des Dichters an den Ver⸗ leger nennt dieſe letzten Lieder Béranger's: chansons de ma vieillesse, qui n'auront peut-ètre d'autre mérite que de com- pléter les mémoires chantants de ma vie. Béranger iſt 1780 ge⸗ boren, ſo war er alſo 54 Jahre, als der Abſchnitt ſeines Lebens begann, den dieſe Geſänge begleiteten. Die Hauptepoche ſeiner Be⸗ deutung war vorüber, nachdem die Julirevolution die ihm verhaßten

Bourbonen, die ihn berühmt gemacht, geſtürzt hatte und damit das

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