Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
10
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10 Novellen

Ich dachte es mir, Durchlaucht, erwiderte der Reit⸗ knecht, zufrieden, daß er ſich nicht getäuſcht hatte, mit Ehr⸗ erbietung.Es war bekannt, daß Durchlaucht in Mo⸗ rungen angekommen ſeien.

Und geſtern erſt war der Fürſt auf ſeiner Beſitzung eingetroffen! Er verſchmähte es, weitere Fragen zu thun, wie gern er ſich auch über Manches Auskunft verſchafft hätte. Nur nach der Erbauung des Waldſchloſſes erkun⸗ digte er ſich noch und erfuhr, daß es vor zwei Jahren erſt vollendet worden ſei, obgleich die Frau Gräfin den Bau ſchon in dem Jahre nach dem Tode des Herrn Grafen habe anfangen laſſen; es ſei darüber ein Proceß geweſen mit dem Gutsnachbar, welcher den See ſtreitig gemacht habe, wenigſtens die Uferſtrecke, doch habe die Frau Gräſin ge⸗ wonnen und nun ſei Alles in Ordnung, wenn gleich die andere Herrſchaft böſe darüber ſei.

Wer iſt das? konnte ſich der Fürſt doch nicht ent⸗ halten zu fragen, da der Waldſee, wie er aus früherer Zeit wußte, auf der Grenze dreier Rittergüter lag, denen ſeine Benutzung gemeinſchaftlich zuſtand.

Der Herr Baron von Rudow, klang der Beſcheid. Es war dem Fürſten ein unbekannter Name; die Güter mochten wohl während ſeiner Abweſenheit in andere Hände gekommen ſein. Er brach die weitern Mittheilungen, zu welchen der Diener Luſt zu haben ſchien, ab, indem er ſein Pferd in Galopp ſetzte und nicht eher anhielt als im Hofe des Schloſſes von Lomnitz.

Nicht abſatteln, befahl er, indem er abſtieg und dem Reitknecht den Rappen überließ.

Ein Diener kam ihm entgegen, durch welchen er ſich anmelden ließ. Er war ſich eines Rechts bewußt, zu ſo ungewöhnlich früher Stunde der Gräfin ſeinen Beſuch machen zu können, wenn es auch zuerſt nicht in ſeiner Ab⸗ ſicht gelegen hatte. Ehe jedoch der Diener die Steintreppe vor dem Eingange des Hauſes erreichte, öffnete ſich oben ein Fenſter und eine wohlbekannte Geſtalt erſchien, mit

Zeitung.

freundlichem Angeſicht herabgrüßend; ſie verſchwand gleich wieder, um ihm entgegen zu eilen. Da bedurfte er denn keiner weiteren Anmeldung. Der Diener blieb zurück, ſeine Herrin empfing den Ankommenden auf der Höhe der Treppe und reichte ihm mit herzlichem Wort die Hand, welche er ebenſo drückte. Dorothea war in den dreizehn Jahren wenig gealtert, ihre Stimme hatte noch immer den zum Herzen dringenden Klang, nur ihr Auge ſchien von dem früheren Glanze, der es ſo ſchön machte, ſehr viel ver⸗ loren zu haben. Sie führte den Gaſt in das Zimmer, das er vor Zeiten oft genug betreten hatte. Beim erſten Schritt über die Schwelle glaubte er in jene Vergangen⸗ heit zurück verſetzt zu ſein, denn es war an der Einrich⸗ tung des Zimmers auch nicht das Geringſte verändert: dort ſtand der alte geſchmackloſe Schreibſchrank noch, um den er den Vater Dorothea's oft geneckt hatte, der unbe⸗ queme Lehnſtuhl, in welchem dieſer zu ſitzen pflegte, weil jeder andere wie der Fürſt geſpottet ihn ver⸗ ſchmähte, der altväteriſche Schenktiſch mit dem Aufſatz, deſſen Glasthüren mit grünſeidenen Vorhängen verklei⸗ det waren Alles an ſeinem gewohnten Ort. Der Reich⸗ thum des Schwiegerſohnes, der beſſere Geſchmack der neuen Zeit waren ohne allen Einfluß geblieben; Dorothea's Pietät hatte offenbar nach dem Tode ihres Vaters keine Veränderung geduldet, und ſeit ſie, nun ſelbſt Witwe, ihren Wohnſitz wieder in Lomnitz genommen hatte, ſchien ſie ſich in der alten Umgebung wieder ganz heimiſch zu fühlen. Sie äußerte ſich darüber, als ſie den über all' jene Gegenſtände ſtreifenden Blick des Fürſten bemerkte und verſtand. Er gab ihr Recht und Beide ſaßen ſich nun gegenüber, wie in früheren Jahren für ihn nur zu oft! In einer der tiefen und breiten Fenſterniſchen, welche in die unförmlich dicken Mauern gebaut waren, ſtand der Ar⸗ beitstiſch der Gräfin mit ihrem Seſſel; von außen her, wo dichter Epheu auf dieſer Seite ſich an der Front des Schloſſes ziemlich hoch emporgerankt, hatte vor Alters ein

Der Umſtand aber, daß danach weder der Kaiſer, noch, unſern Vorlagen zufolge, Kurf. Auguſt und Landgraf Wilhelm zu Heſſen, an einen natürlichen Tod des Don Carlos glauben wollten, beweiſt, wie wenig Gutes ſie Philipp II. zutrauten. Hätten die Herren, wie wir, Ranke und Raumer nachleſen können, ſo würden ihre Zweifel an die Glaubwürdigkeit des ehrlichen Pfinzing wohl beſeitigt worden ſein, da die auf dem Wege hiſtori⸗ ſcher Kritik gewonnenen Reſultate mit Pfinzing's Erzählung übereinſtimmen.

Iſt dieſe letzte Bemerkung, aus der Feder des Herrn v. Weber, vielleicht ironiſch gemeint?

Aus der Gegenwart. Ein äſthetiſcher Thee*).

Als Lettens kamen, Margareth hatte ſich nur durch den beſtimmt ausgeſprochenen Wunſch ihres Mannes bewegen laſſen, an dieſer größeren Geſellſchaft Theil zu nehmen war es ſchon ziemlich ſpät. Georg liebte es, auf ſich warten zu laſſen. Der große, hellerleuchtete Saal zeigte verſchiedene Gruppen. An dem runden Tiſche in der Mitte ſaßen die beſtimmten Vorleſer, die Bücher neben ſich. Die Kugellampe beleuchtete lauter fatiguirte oder hochrothe Geſichter. Frau Kronau⸗Steffeck, in gelbem Atlas mit grüner Sammetcoiffüre, ging unruhig und zerſtreut von Einem zum Andern, fragend ohne die Antwort abzuwarten

*) Aus: Sabbathfeier. R v liſe 2. ipzig, Ver von Bernhard thſ erga oman von Eliſe Polko. Leipzig, Verlag

und antwortend ohne die Frage verſtanden zu haben. Etwas iſolirt in der Nähe des Ofens ſaßen die beiden fremden Genies mit langen Haaren und Bärten. Sie gehörten zu der erhabenen Claſſe derer, die den Glacéhandſchuh zu verachten pflegt und es mit Stolz zur Schau trägt, daß ihre Muſe anſtarkem Bier undbeizendem Tabak Vergnügen findet.

Valexie langweilte ſich neben einem jungen Herrn, der ihr mit einem maiven Lächeln geſtand, daß er ſich nie merken könne,

wer den Don Juan in Muſik geſetzt. Ihr ganzes Geſicht ver⸗

klärte ſich wahrhaft, als die Thür ſich öffnete und die Erwarteten erſchienen. Lebhaft eilte ſie ihnen entgegen, und der Dandy, gerade in einem ſehr geiſtreichen Satze unterbrochen, wandte ſich, ſichtlich beleidigt, mit ſeiner Weisheit an eine geduldigere Andere.

Mancher Blick folgte den beiden Frauengeſtalten, als ſie jetzt nebeneinander durch den Saal gingen. Frau von Letten truge in Penſée⸗Moiré⸗Kleid mit ſchwarzen Spitzen, eine Spitzen⸗ mantille ließ ihren tadelloſen Nacken und ihre ſchönen warm gefärbten Schultern durchſcheinen. Von dem Hinterhaar fiel eine Art ſchwarzen Halbſchleiers herab, von zwei Perlennadeln ge⸗ halten. Valerie trug ſeegrüne Seide, Hals und Arme ganz ver⸗ hüllt von weißen Spitzen, eine kleine Korallenſchnur, ein Geſchenk ihrer verſtorbenen Mutter, umſchloß ihr linkes Handgelenk. Ihr Haar rieſelte heute in vielen feinen Locken faſt bis auf die Schul⸗ tern herab, ein perlenbeſetzter Kamm hielt das reiche Hinterhaar zuſammen, und ein ſehr ſchönes Bouquet friſcher Fuchſia's voll⸗ endete die duftige und elegante Toilette.

Undinenhaft! ſagte Herr von Letten halblaut, ſindem er 66Ne Hand küßte.

(IV. Jahrg.

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