Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
8
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II.

Die Wanderung mußte denn zu Fuß angetreten wer⸗ den, wenn der Rappe nicht, beſchämt über ſein unſchickli⸗ ches Benehmen, zurück kam oder am Schloſſe ſtehen geblie⸗ ben war, um ſich wieder beſteigen zu laſſen. ment zauderte der unberittene Cavalier, der noch in der Gondel ſtand, was er mit dem Briefe in ſeiner Hand an⸗ fangen ſolle. Ihn zu erbrechen, fiel ihm nicht ein, auch würde er ihn wieder an ſeine Stelle gelegt haben, wenn er nicht zu feſt überzeugt geweſen wäre, daß die junge Dame mit den leuchtenden Augenſternen, welche unter ihrem breitran⸗ digen Sommerhut einen wahren Glanz verbreiteten, wirk⸗ lich bei dem Briefe intereſſirt, unzweifelhaft jene Serena ſei. Sie war ja offenbar nur deshalb mit ihrer Schweſter

ſelbſt rudernd zu Waſſer gekommen, um ſich den Brief von

der Stätte, die jetzt, wo das Waldſchloß unbewohnt war, wohl kein Menſch beſuchte, abzuholen. Hätte ihre kleine Schweſter den Fremden, welchen nur der Zufall hierher geführt hatte, nicht gereizt, hätte ſie ſelbſt, da er doch ein⸗ mal halb in das Geheimniß gezogen war, ſeiner Ritter⸗ lichkeit vertraut, ſo würde er dieſem Vertrauen entſprochen und ſich vielleicht zum Beſchützer des zarten Geheimniſſes, welches doch ſeine Gefahren haben mußte, gemacht haben. Jetzt aber beſchloß er, ſie wenigſtens dadurch zu beſtrafen, daß er die beiden Pfänder mit ſich nahm, wie er ihnen ge⸗ ſagt hatte; mochten ſie eine Verſtändigung mit ihm ſuchen. In Lomnitz erfuhren ſie ja, wer er war.

Mit dieſen Gedanken beſchäftigt verließ er die Gon⸗ del und eilte nach den Gebäuden zurück, wo er hoffte, daß ſein Rappe vielleicht vor irgend einem Stalle, Einlaß be⸗ gehrend, ſtehen geblieben ſei. Dem war aber nicht ſo und der Hufſchlag, den er auf dem Wege verfolgen konnte, be⸗ lehrte ihn, daß das Pferd keineswegs dahin zurückgelau⸗ fen war, von wo es heut in aller Morgenfrühe unter ſeinem Reiter gekommen, ſondern daß es das Ziel, welches dieſer ſich geſetzt, auch ohne ihn weiter verfolgt hatte. Er wußte,

Noveſſen⸗Zeitung.

Einen Mo⸗

[IV. Jahrg.

daß es nicht allzuweit mehr entfernt war, und ſeine Uhr

wie ſeine Kräfte muſternd beſchloß er dann, den Reſt des Weges zu Fuß zurückzulegen, auch in der Abſicht, den Ein⸗ druck, welchen ſein mit leerem Sattel und zerſprengtem Zü⸗ gel ankommendes Pferd in Lomnitz machen mußte, durch ſeine Erſcheinung alsbald zu entkräften. Er dachte nicht daran, daß man ihn nicht für den vielleicht verunglückten Reiter halten konnte. Während er rüſtig ausſchritt, hörte er im Walde, und wie es ihm ſchien in der Richtung des Waldſees, den er vor Kurzem verlaſſen hatte, einen Schuß

fallen.

Das wird Er ſein! ging ihm der Gedanke durch den Kopf, und die Melodie:Du ſchönes Schiffermäd⸗ chen, welche er vor Kurzem oft hatte ſingen hören, be⸗ ſchäftigte ſein Gedächtniß.Schifferin und Jägersmann. Wollen hoffen, daß er keine Mordgedanken gegen den Räu⸗ ber ſeiner Liebeszeichen hegt. Nur die Schleife was will er ihr mit einer getragenen Schleife ſagen? Er zog das lichtblaue Band hervor, es war offenbar ſchon getra⸗ gen. Gab er es ihr zurück? Brach er vielleicht mit ihr und war es ein Scheidebrief, vor welchem der Fremde jetzt die Liebende noch eine Weile bewahrt hatte? Hier ſtand

der ſtill und nahm vor ſeiner eignen Romantik lachend den

grauen Hut ab. Langſamer, denn der raſche Gang griff ihn doch an, wie er jetzt fühlte, ſetzte er dann die Wande⸗ rung fort, welche ihm bald unerträglich weit dünkte. End⸗

lich erreichte er den Ausgang des Waldes, und Lomnitz mit⸗

ſeinen freundlichen Häuſern im Dorfe und dem grauen hohen Viereck ſeines Schloſſes lag vor ihm. Jetzt ſtand er von Neuem ſtill, aber ein tiefer, faſt wehmüthiger Ernſt malte ſich in ſeinen Zügen. Dachte er daran, welche Ge⸗ fühle jedesmal ſonſt ſeine Bruſt hatten aufſtürmen laſſen, wenn er, aus dem Walde in das Freie gelangend, zuerſt jene graue Steinmaſſe, drohend und unförmlich, aber für ihn ein Feenpalaſt, über die Flur herſchauend erblickt hatte? Oder ſchämte er ſich jener Gefühle jetzt? Hatte ſeine Er⸗

Wie viel koſtet wohl in Frankreich ein ſolcher Stoff?

weiß ich, daß dergleichen oft ſehr theuer bezahlt wird, zu theuer! Möchte Ihre Nuhe nie dadurch gefährdet werden, daß ſie er⸗ fahren, wie theuer!

Verwundert ſtaunte ſie mich an, ſchüttelte dann das reizende Köpfchen und folgte hüpfend ihrem Tänzer.

Offenbar hatte ſie den Sinn meiner Worte durchaus mißver⸗ ſtanden, aber ſelbſt wenn ſie ihre wahre Bedeutung geahnt hätte, würde ſie ſich die Ballfreude dadurch ſchwerlich haben ſtören laſſen.

a.

Aus der Geſchichte. Nochmals Hiſtoriſches über Don Carlos.

Es iſt der von Schiller idealiſirte Infant von Spanien, über den Miniſterialrath von Weber in ſeinem ſchon erwähnten Werke Aus vier Jahrhunderten. Mittheilungen aus dem Haupt⸗ Staatsarchive zu Dresden(Erſter Band. Leipzig, Bernhard

Tauchnitz. 1857) veröffentlicht hat. Die Notiz ſchon, wie das

Dresdner Archiv zu ſpaniſchen Nachrichten kommt, wird nicht unintereſſant ſein.

Im 16. Jahrhundert, wo es noch keine regelmäßig erſcheinen⸗

den gedruckten Zeitungen gab, wo ſtehende Geſandtſchaften, d) eren

Depeſchen die Fürſten von mehr oder minder wichtigen Eriigninſſen

in Kenntniß hätten ſetzen können, nur ausnahmsweiſe ſtattfandenn, mußten die Fürſten, ſich nach andern Hülfsmitteln umſehn. Shie

hielten ſich daher an verſchiedenen Orten Correſpondenten; wid

3 finden darunter Leute in den mannigfachſten Lebensſtellungen, Ich weiß es nicht, Sennora, entgegnete ich;wohl aber

Kaufleute, Officiere, Gelehrte, ſelbſt ein studiosus kommt unter denen vor, welche dem Kurfürſt Auguſt von Sachſen, in deſſen Regierungszeit der Tod des Don Carlos von Spanien fällt (1568), Mittheilungen ſendeten. Wir finden u. a. auch Abraham Bock(ſpäter einer der einflußreichſten Räthe Kurfürſt Auguſts) als Zeitungsſchreiber engagirt. Er ging nach Vollendung ſeiner Studien zu Leipzig im J. 1555 auf 4 Jahreder Sprach und

Studien halber nach Frankreich und erhielt vom Kurfürſten 50 fl. als Unterſtützung mit der Bedingung,daß er was ſich in

Frankreich und andern der Gegend Orten vor Zeitungen zutragen

und vorlaufen werden, berichte.

Die vorliegend veröffentlichten Documente geben namentlich

peuts Zeugniß für den perſönlichen Haß zwiſchen Alba und Don Carlos.

Hubert Languet, einer der fleißigſten Correſpondenten Kur⸗

fürſt Auguſts, meldet am 22. Febr. 1568, Carlos habe nach den

Niederlanden ohne Wiſſen ſeines Vaters gehen wollen; was er dort zu thun beabſichtigt, ſei nicht bekannt. Vor zwei Monaten habe er(Languet) einen vornehmen wohlerfahrnen glaubwürdigen Spanier geſprochen, der ihm mitgetheilt, er wiſſe gewiß, Carlos haſſe Alba auf das kebhafteſte; Alba habe kurze Jen vor ſeiner Abreiſe aus Spanien Carlos einige ſchöne Früchte in einem ſilbernen vergoldeten Gefäß überſendet; Carlos habe ſie aber, als

ſie ihm übergeben worden, ohne ein Wort zu ſagen, weggeworfen Als man Alba dies mitgetheilt, ſolle er geſagt haben: Für mein Leben genügt mir der König, den ich jetzt habe.

Charakteriſtiſch iſt folgende Nachricht von der Gefangen⸗ nehmung des Prinzen. 4

[Nr. 1.

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