zum Lande rollten, leicht geſchaukelt wurde. merkte er auf der zweiten Sitzbank, auf welche er nicht ge⸗ achtet, noch einen zweiten Gegenſtand, der allerdings Ab⸗ ſichtlichkeit verrieth. Es war eine kleine Schleife von licht⸗ blauem Seidenbande, mit einer Kopfnadel, wie ſie von Damen getragen wird, in einer Fuge der Bank ſorglich feſt⸗ geſteckt, damit ſie der Wind nicht hinweg wehe. Auch bei dem Billet konnte nun der Fremde, als er die Gondel be⸗ ſtieg, dieſelbe Vorſicht wahrnehmen und ſeine Züge gerie⸗ then in eine lebhafte Bewegung, nicht dem Gemüth, ſon⸗ dern dem herzloſeſten Spott entſprungen. Hier war er einem ſüßen Geheimniß, das die Waldeinſamkeit verhüllte, auf die Spur gekommen! Kein Zweifel: auf dieſer ver⸗ borgenen Stätte wechſelten zwei Liebende ihre Briefe und ſtummen Zeichen der Neigung! Er fühlte nicht die min⸗ deſte Regung, das fremde Geheimniß zu ehren, ſondern zog ohne Scheu die Nadel mit dem ſchwarzen Knopfe aus dem Billet, das mit ihr angeſpießt war, damit es die Zephyre des Waldes nicht den Undinen der kühlen Fluth zur Belu⸗ ſtigung zuführen möchten. Als er das feine Couvert um⸗ kehrte, fand er nur den Namen: Serena. Das gab dem Abenteuer noch mehr Romantik. Wer war dieſe Serena, deren Namen in ebenſo ſerenen Buchſtaben auf dem Blatte ſtand, daß man nicht errathen konnte, ob es ein Männlein oder ein Fräulein geſchrieben? Wenn es ein Mann war, wie kam er zu den ſpießenden Nadeln, wie zu der Schleife? Und war es eine Frauenhand, was hatte eine andere Frau auf ſo phantaſtiſchem Wege zu ſchreiben?„Vielleicht zwei ſchwärmeriſche Mädchenſeelen, friſch der Penſion ent⸗ ſchlüpft, welche ſich auf ideale Weiſe hier, bei gänzlichem Mangel an Realitäten für des Herzens Bedürfniß, eine unſchuldige Intrigue dichten.“ Er hatte den Schlüſſel zu ihrem Geheimniß in der Hand, aber ſo weit ging ſeine Rückſichtsloſigkeit doch nicht, das Siegel zu brechen, das er nun aufmerkſam vor ſein Auge zog. Beim erſten Blick auf den goldflimmernden Lack wurde er überraſcht. Das Wap⸗
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Novellen⸗Zeitung.
Jetzt be⸗
pen— wahrhaftig! In dieſem Moment traf ein leichter Schrei ſein Ohr und wie er betroffen wie ein auf friſcher That ertappter Dieb aufſah, erblickte er auf dem Waſſer, wenige Schritte von der Bucht entfernt, einen kleinen Kahn, in welchem zwei Mädchen ſaßen, die ſein Anblick wahrſchein⸗ lich erſchreckt hatte. Ein Ruder ſchwamm im Waſſer, ſie hatten ſich wohl ſelbſt gefahren und der Größern von Bei⸗ den mochte vor Schreck über den fremden Mann, den ſie plötzlich beim Umbiegen um die Waldecke entdeckt, das Ru⸗ der aus der Hand gefallen ſein— wenigſtens ſtand ſie, wie es ſchien, rathlos im Kahne, die Kleinere neben ihr fiſchte mit ihrer Stange nach dem forttreibenden Holz und brachte dadurch das ſchmale Fahrzeug in eine unſichere, ſchwankende Bewegung, daß es zu kreiſen anfing.„Das wird Serena ſein, die ihren Brief abholen will!“ war des Fremden erſter Gedanke, und er wäre kein Mann der großen Welt geweſen, wenn er nur einen Moment länger eine Verlegenheit gefühlt hätte.
„Verzeihung, daß ich Sie erſchreckte!“ rief er den Mädchen zu, deren Kleidung ihn zweifelhaft ließ, welcher Welt ſie angehörten.„Halten Sie an— Sie werden umſchlagen! Das Ruder treibt hierher, laſſen Sie nur Ihren Kahn auch herangehen. Ich habe vielleicht eine Indiscretion begangen?“ Er hielt den gefundenen Brief den Mädchen entgegen und ſah zu ſeiner innern Genug⸗ thuung, daß er das Erröthen, welches die Ueberraſchung hervorgerufen hatte, durch ſeine Andeutung bis zur bren⸗ nenden Purpurgluth entzündete. Aber Beide erglühten, die Kleine mit den langen braunen Zöpfen faſt noch tiefer als die Aeltere, deren claſſiſch edle Geſichtsbildung und ſchöne Geſtalt des Fremden Kennerblick ſchon bewundert hatte.
„Landen Sie vertrauensvoll!“ ſetzte er hinzu, als das junge Mädchen ein Paar leiſe Worte erwiderte, die er nicht verſtand. Er trat an den Bord der Gondel und bückte ſich hinüber, um das Ruder, das näher getrieben war, aus
dem Waſſer zu nehmen; der Kahn der Mädchen wurde un⸗
chen Unternehmungen ſtets zur Ertheilung von nommen wurden, und erkannte einen Fiſcher, Stunden zuvor von Talcahuana zu meinem hatte.
Signalen mitge⸗ der mich wenige
zu.„Das iſt kein Douanier, ſondern ein Fiſcher!“
„Es iſt ein Douanier,“ erwiderte der Contrebandirer trotzig.
Douaniers tragen ſolche Meſſer, wie der eines hatte.“ es ein Fiſcher iſt.“
ich werde Meſſen für ihn leſen laſſen.“ „Du wirſt ihn anſehen!“ ſchrie Rivallon wüthend.
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ſeiner Wohnung gebracht werde, und wenn Du Dich weigerſt, zei⸗ gen wir Dich dem Alcaden an.
zu Mitſchuldigen eines Mordes machen.“
ſtieß er einen gellenden Schrei aus und warf ſich über den Todten 1 Er hatte in ihm ſeinen Bruder erkannt!
„Tome!“ rief er. 3 an und ſage mir, daß ich Dich nicht ermordet habe!“
er öffnete ſeine Weſte und ſah nach der Wunde. „Her das Licht!“ rief er flehend.„Ganz nahe her!— C
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Schiffe gefahren
„Unglücklicher, was haſt Du gethan!“ rief ich dem Paſcher
„Die Fiſcher ſind beinahe ſämmtlich unſere Freunde, und nur die „Aber ſo ſieh doch nur her,“ ſagte ich;„überzeuge Dich, daß „Ich will ihn nicht anſehen,“ entgegnete der Paſcher,„aber
„ ü m„Du wirſt ihn anſehen und uns ſagen, ob Du ihn kennſt, damit er nach
. Dich Alcade Wir konnten wohl bei einer 4* Paſcherei die Hand im Spiele haben, aber wir wollen uns nicht
Mit dieſen Worten zog er den Paſcher gewaltſam zu der Leiche, kaum aber hatte er einen Blick auf dieſelbe geworfen, da „Tome! Mein armer Bruder, ſieh mich
Und er ſtreichelte die Wangen Tome’s, er küßte ſeinen Mund,
iiſt nicht todt!— Es kann nicht ſein!— Ach, helft mir doch ihn
forttragen— auf mein Bett legen— einen Arzt holen!“
„Ein Arzt iſt hier. Aber wo wohnſt Du?“
„In Hualqui.“
„Iſt das nahe?“
„Ganz nahe; aber kommt doch! Kommt!“
„Der arme Narr!“ flüſterte der Lieutenant mir zu. Aber
weshalb ſollen wir nicht eben ſo gut einen Todten wie einen Ster⸗ benden tragen?“
Unſere Leute hoben daher den Todten auf, deſſen Kopf der Bruder zärtlich und ſorgfältig trug.„Madre de Dios!“ rief er glücklich aus.„Er athmet!— Ich habe es gehört!“
Und in der That hatte er ſich nicht getäuſcht. Der Doua⸗ nier ſtieß einen leiſen Klagelaut aus, und nun war das Entzücken des Mörders eben ſo wild und ungezügelt wie früher ſein Schmerz. Die Klugheit gebot uns jetzt, zur Bewahrung des Geheimniſſes, von der unſere eigene Sicherheit abhing, den Verwundeten an
Bord unſeres Schiffes zu bringen, um ihm dort die nöthige Hülfe angedeihen zu laſſen.
Wir erreichten unſer Schiff, und mit der größten Behut⸗ ſamkeit wurde der Verwundete in eine Hängematte gelegt.
1 Ich verband ihn, und einige Tage darauf lebte er noch, doch
ein heftiges Wundfieber ließ wenig Hoffnung zu ſeiner Erhal⸗
tung. Indeß war bis dahin das Geheimniß glücklich bewahrt worden.
dennoch hörte ich ihn eines Abends mit ſeinem Bruder eifrig re⸗ r den. Wozu jetzt noch mein Verbot aufrecht halten? Nahete doch
IIV. Jahrg.
Ich hatte dem Verwundeten das Sprechen ſtreng verboten;
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