4h daß vor Fahrgleiſen Nenden Ge⸗ 8, er ſah jetz der dur großen Ueber⸗ Walddſhloß, faft und Stal⸗ das Laub ge⸗ derborgen ge⸗ end ſeiner Ab⸗ davon geſagt. Jeit auch erſt ader Richtung aſt der Fuß⸗ usgange fort⸗ ein nach de vor ihm lag, s offenbar enſter konnte darin— *der gan⸗ Geräuſch im V 1 Das Schloß Morgenſonne en ſie feſtlich e der Reitet Auf den jahrt theilte, e ganze An⸗ wie er ſpot⸗ leine Schlof alle Ehre, ebung paßte,
Der Nelter in auf dem
ballen auf den Abgrund des Meeres verſenkt, als ihn um ein
Nr. 1.]
Kieswege, der ſich nach der hintern Front zog, gemächlich weiter. Hier überraſchte ihn eine prächtige Waldwieſe, die er nicht kannte, weil die ganze Bodenfläche, auf welcher das Schloß mit ſeinen Gebäuden ſtand, erſt dazu gelichtet war und der ſonſt wohl geſchonte Forſt mit ſeinen Rieſenbäu⸗ men und dem dichten Unterwuchs Alles, was ſeine Tiefe oft nur wenig Schritte vom Fußſteige barg, geheimnißvoll verhüllt hatte. Die Wieſe bildete das ſchönſte natürliche Parterre, das man ſich denken konnte, nur war ſein Gras⸗ wuchs zu unziemlicher Höhe aufgeſchoſſen und eine Menge bunter Blumen ſchimmerte durch die grünen Halme. Außer dieſen wilden Kindern der Flora war aber ringsum kein anderes zu erblicken, nirgends eine Gartenanlage, oder auch nur ein Blumenbeet, wie ſie die Hand des Kunſtgärtners wohl in Raſenparterres zur Augenweide in der Nähe der Veranda, die hier nicht fehlte, geſchickt anzubringen pflegt. Es war aber in der ganzen Umgebung die Hand der Kunſt nur an den trefflich gehaltenen beiden Wegen zu bemerken, welche die Wieſe wie zwei breite gelbe Bänder, da, wo ſich die uralten Bäume wieder zu beiden Seiten ſchloſſen, um⸗ ſpannten. Der Hintergrund war durch hohes Schilf und Rohr geſchloſſen, durch welche ein Waſſerſchein blitzte. Darüber hin ragten waldbekränzte Höhen empor, an denen eben eine ſchneeweiße Möve, von der Sonne angeſchienen, ihren Flug nahm. Auch das mußte der Reiter noch ſehen, er wußte wohl, daß hier ein Waldſee lag, aber er hatte ihn nur auf der Karte der Gegend, nie mit Augen geſehen und ſetzte ſein Pferd in raſchen Galopp, um das Ufer zu errei⸗ chen. Seine ironiſche Anwandlung, der Satyr ſeiner jungen Jahre, hatte ihn wieder verlaſſen und er gab ſich dem Eindruck willig hin, den das ſchöne Landſchaftsbild auf ihn machte. Der See war nur von geringer Breite, aber langgeſtreckt, und lieh der Gegend einen unbeſchreib⸗ lichen Reiz. Nur am diesſeitigen Ufer auf eine kleine Strecke mit Schilf umkränzt, hatte er einen klaren Waſ⸗ ſerſpiegel, der das Blau des Himmels mit ſeinen ſchim⸗
Dritte folge. 5
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mernden Wölkchen und die jenſeitigen Höhen wiederſtrahlte, an deren Fuß ſich die Fluth in vielen kleinen Buchten ſchmiegte. Langſam ritt der Fremde am Ufer hin. Der Weg führte dicht an demſelben entlang und gewährte zu bei⸗ den Seiten eine hübſche Anſicht, hier nach dem Wald⸗ ſchloſſe, das über die ſtrotzende Wieſe blickte, und dort nach dem See und ſeinem Kranze belaubter Hügel. Am Rande des Hochwaldes, der, wie geſagt, die grüne Grasflur ein⸗ ſchloß, bog ſich der Weg wieder zurück, hier aber bemerkte der Reiter, was ihm vorher das Schilf verdeckt hatte, eine Landzunge, die in den See vorſprang und den ſumpfigen überwachſenen Waſſergrund von freier Fluth trennend eine Bucht umſpannte, in welcher eine leichte, zierliche Gondel, an einen Pfahl gekettet, ſich wiegte. Der Pfahl war in Roth und Weiß bandförmig angeſtrichen und eine Flagge von gleichen Farben wehte von ſeiner Spitze. Landesfar⸗ ben waren das nicht, es mochten die Wappenfarben des Grundbeſitzers ſein. Der Reiter hielt an dem Halſe der Landzunge einen Moment ſtill und ſah in die Gondel hinab, in welcher ein Paar Ruder lagen und auf der vorderen Sitzbank, er täuſchte ſich nicht, ein Briefeouvert; ſein Auge war immer noch ſcharf genug, das Siegel zu be⸗ merken, das nach oben gekehrt war. Wo Alles ſo verlaſ⸗ ſen und einſam war, keine Spur von Bewohntſein ſich zeigte, wie kam der Brief in die Barke? War es nur ein leeres Couvert, das man beim Leſen fortgeworfen hatte und das nun zufällig hier liegen geblieben war? Eine un— bezwingliche Luſt, die Aufſchrift zu leſen, überkam ihn— es war nicht bloße Neugier: Alles, was dieſem Grund und Boden angehörte, hatte für ihn ein tiefes Intereſſe, und er gab der Regung nach. Mit einer Gewandtheit, die ſeinen Jahren alle Ehre machte, ſchwang er ſich vom Pferde, ſchlug deſſen Zügel um den nächſten Aſt, damit es nicht fortlaufe, und ſtieg die in den feſten Uferrand eingelegten Holzſtufen zu dem Landungsplatz hinab, wo die Gondel von den kleinen Wellen, die unter ihr in raſtloſer Folge
der Wuth, Drohungen,— dann Klagelaute, die endlich ſchwächer und ſchwächer wurden.
„Wahrlich,“ ſagte unſer Lieutenant mit dem Tone der Rüh⸗ rung,„hat dort ein Mord ſtattgefunden, ſo möge uns Gott unſeren Antheil daran verzeihen! Lieber hätte ich den Seiden⸗
Menſchenleben verkauft— wäre dieſer Menſch auch ein Doua⸗ nier.— Kinder, zurück an das Ufer! Vielleicht können wir noch Hülfe bringen, und würden wir auch darüber confiscirt!“
Kaum ſteuerten wir das Boot wieder dem Lande zu, als eine Stimme uns anrief:
Jaul„DOhe! Hierher!— Ich bin gefangen wie der Fuchs in der Falle!“
Die Stimme ertönte ſo kräftig, daß ſie nur einem Geſunden angehören konnte, und voller Freuden ſprangen wir an das Land. Ohne Säumen eilten wir auf die Stimme zu und fanden den Con⸗ trebandirer mit Blut bedeckt unter ſeinem todten Pferde liegend.
„Alle Wetter,“ rief er, indem er ſich mit der Hülfe unſerer Matroſen emporrichtete,„ich dachte doch gleich, daß Ihr nicht taub ſein, ſondern mir zu Hülfe kommen wüurdet.“
„Weshalb riefſt Du aber nicht eher nach Hülfe?“ fragte Lieutenant Rivallon. *i nun, ich dachte, er möchte noch nicht ganz todt ſein, Euch dann erkennen und Euch Unannehmlichkeiten bereiten.— Meine Lage war nicht angenehm, aber da ich wußte, daß der Douanier noch übler daran war, wartete ich geduldig, bis er den letzten Seufzer ausgeſtoßen hatte.“.
Während wir von Unwillen und Entſetzen ergriffen ſchwie⸗ gen, fuhr er mit der größten Gleichgültigkeit und indem er zugleich
ſeinen Anzug wieder in Ordnung brachte, fort:„Denkt Euch nur; als er mich feſtnehmen wollte, ſagte ich zu ihm: Du ſcher⸗ zeſt wohl? Aber er ſcherzte nicht, ſondern zog unter ſeinem Poncho ein Meſſer hervor, das eben ſo lang war wie meines, und geſticu⸗ lirte mir damit über den Namen des Geſetzes. Ich ließ ihn an⸗ der Waare zu entkommen. Als er das bemerkte und ſah, daß ich ihm auch entkommen würde, ſtieß er meinem Pferde ſein Meſſer in die Bruſt. Da gerieth ich außer mir, mein treues Thier, meinen Wuwerläſfigen Freund, zu verlieren, ſtieß ihm meine Klinge in die Bruſt und gab meinem Bio⸗Bio die Sporen. Er ſprengte da⸗ von, aber ſchon nach wenigen Sätzen brach er zuſammen und be⸗ grub mich unter ſich, ſo wie Ihr mich fandet.— Mein armer Bio⸗Bio!— Doch nun iſt die Sache abgethan! Adios alſo!“
„Warte einen Augenblick,“ rief Rivallon, indem er ſeinen Arm ergriff.„Du wirſt mit uns zu dem Unglücklichen kommen, der dort liegt. Vielleicht iſt er noch nicht todt, und Du kannſt uns ſagen, wohin wir ihn bringen ſollen.“ 1
„Nein!“ entgegnete er.„Ich liebe es nicht, das anzuſehen, was ich gethan habe, wenn ich ſo arbeite. Uebrigens iſt es ſeine eigene Schuld! Weshalb trieb er mich zum Aeußerſten, indem er meinen armen Bio⸗Bio tödtete. Adios!“ 4
Doch Rivallon, der eine eiſerne Fauſt hatte, hielt ihn feſt und ſchleppte ihn zu dem Douanier, den unſere Leute bereits auf⸗ gefunden hatten.
„Todt!“ rief ich, indem ich meine Hand auf ſein Herz legte. Dabei ſchien es mir,
ohne den leiſeſten Pulsſchlag zu fühlen. Dabe rir, als wären die Züge des Unbekannten mir nicht fremd. Ich ließ einen Matroſen eines jener⸗Lichter anzünden, welche bel derglei⸗
fangs gewähren, um meinem Maulthiertreiber Zeit zu laſſen, mit.


