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Nr. 25.)
Literariſche Beſprechungen.
Culturgeſchichtliche Novellen. Von W. H. Riehl. Zweiter unveränderter Abdruck.— Stuttgart und Augsburg. J. G. Cotta'ſcher Verlag. 1856.
Riehl, der Autor einer„Naturgeſchichte des Volkes,“ der Social⸗Politiker, der die Zuſtände der deutſchen Natio⸗ nalität in den Beziehungen auf„Land und Leute,“„die
bürgerliche Geſellſchaft“ und„die Familie“ mit ſo künſtle⸗
riſch charakteriſirender Feder darzuſtellen verſtanden hat, tritt hier als Dichter, als Novelliſt vor uns. Es iſt auch hier die Culturgeſchichte, die er in der Geſchichte ſpeciell zu verfolgen bemüht iſt; er ſelbſt ſpricht ſich über die Aufgabe, die er hier ſich geſtellt hat, folgender Maßen aus:„Unſer hiſtoriſches Gefühl verträgt es nicht mehr, daß man uns große Staats⸗ und Kriegsactionen im Römane genrehaft ausmalt. Der Dramatiker, der ſich der idealeren Form des Verſes bedient, den die Bühne zwingt, nicht auszu⸗ malen, ſondern ſein Gebilde breit, in großen Umriſſen an⸗ zulegen,— der Dramatiker darf uns einen im Aeußern ungeſchichtlichen Wallenſtein oder Egmont bieten. Der Novelliſt dagegen, in der realiſtiſchen Proſa ſchreibend, gibt unſrer hiſtoriſchen Bildung eine Ohrfeige, wenn er mit dem Anſchein, als erzählte er wirkliche Geſchichte, welt⸗ bekannte Thatſachen umkehrt und, nach Bedarf der Com⸗
poſition, große Männer klein zuſchneidet und kleine in die
Größe zieht. In der Tragodie begehren wir Wahrheit
„3 4 4. der hiſtoriſchen Idee; im Roman und in der Novelle neben
dieſer innern Wahrheit auch noch eine äußere des geſchicht— lichen Coſtüms, Die alten hiſtoriſchen Romane, welche uns weltgeſchichtliche Ereigniſſe, die ſich allenfalls drama— tiſiren ließen, epiſch in Proſa erzählen, ſind uns darum jetzt trocken und hohl geworden oder unwahr. Mir dünkt, die Aufgabe der hiſtoriſchen Novelliſtik liege nach dieſer Seite darin, auf dem Grund der Geſittungszuſtände einer gegebenen Zeit freigeformt Charaktere in ihren Leidenſchaf⸗ ten und Conflicten walten zu laſſen. Der Boden, worauf
Dritte folge.
ſich die erfundene Handlung bewegt, ruhe auf den Pfeilern
der Zeitgeſchichte; die Luft, worin die athmen, ſei die Luft ihres Jahrhunderts; die Gedanken, da— von ſie bewegt werden, ſeien ein Spiegel der weltgeſchicht⸗
lichen⸗Ideen ihrer Tage. So läßt ſich die innere Wahr⸗
heit der hiſtoriſchen Idee und die genrehafte Treue des hi⸗ ſtoriſchen Coſtüms vereinigen; aber auch nur ſo. Der Dichter kann ein durchgebildetes Kunſtwerk hinſtellen, dem das cunturgeſchichtliche Detail eine gibt, deren das Drama entbehren muß, welches nicht bloß geſchichtliche Zuſtände ſchildert, ſon⸗ dern in ſeinem Kern des höchſten ſittlichen Inhaltes voll ſt,⸗ u. ſ. w.
Wir haben lange nicht die verſchiedenen Drama's und des Romanes, die Miſchung der Kunſtarten mehr und mehr verwiſcht worden ſnd, in ſolcher Schärfe und Gründlichkeit ausgeſprochen zefunden. fengeſetzt, wie es die der Plaſtik und der Malerei ſind. Das Drama hat es mit den allgemein gültigen, den rein tenſchlichen, den abſtract idealen Bezügen des Lebens und her Geſchichte zu thun, während der Roman in dieſen die
—
Aufgaben des
erdichteten Perſonen
handgreifliche Friſche — ein Kunſtwerk,
gerade in unſerer Zeit der
Die Intentionen beider ſind einander entge⸗
Beſondernheiten und das Detail, die ſpeciellen und indi⸗ viduellen Eigenthümlichkeiten aufzuſuchen hat. Aber ge⸗ rade von dieſer Vorausſetzung ausgehend, müſſen wir andrerſeits hinzufügen, daß nur das Drama die Geſchichte zu ideal vollkommenem Kunſtwerk bemeiſtern könne, wäh⸗ rend der Roman im ſtrengſten Sinn nur als Roman der ſeignen Zeit ſeine Aufgabe vollkommen erfüllen, weil er nur für dieſe unantaſtbare Quelle und bis in jede Einzelheit authentiſch ſein kann. Der geſchichtliche Roman kann die vergangenen Zeiten nie in ihrer ganzen Originalität her⸗ aufbeſchwören, ſondern ſie nur ſchildern, wie ſie dem Dich⸗ ter mehr oder weniger getreu erſcheinen, wie die Bildung ſeiner Zeit die Bildung einer vergangenen ihm anzuſchauen verſtattet. Darin aber gerade liegt andrerſeits wiederum das Intereſſante des hiſtoriſchen Romanes, daß er eine der unſrigen fremdartige Welt zu ſchildern hat, daß er in dem Contraſte vergangener Epochen mit der gegenwärtigen ſeine Hauptwirkung finden darf. Indem er individuali⸗ ſirt und im Detail die Gegenſätze verſchiedener Bildungs⸗ phaſen uns vor Augen führt, iſt der heutige realiſtiſche Ro⸗ man im Allgemeinen als ein geſchichtlicher zu bezeichnen, und die Novellen von Auerbach, Gotthelf, Keller, Höfer, vor allem Gutzkow's Ritter vom Geiſte verdienen den Titel der culturgeſchichtlichen Poeſie ganz ebenſo wie die ge⸗ ſchichtlichen Romane von W. Alexis, L. Schefer und Walter Scott, wie Otto Müller's kürzlich erwähnter„Stadtſchult⸗ heiß,“oder wie Riehl's ſpeciell„culturhiſtoriſch“ genannte Novellen.
Der vorliegende Band enthält acht Erzählungen aus den verſchiedenſten Zeiträumen, jede in einer beſonderen Färbung durchgeführt, wie ſie unſere Bildung den behan⸗ delten Epoche zuzuſchreiben pflegt und wie ſie kaum ein Anderer als dieſer geiſtvolle kenntnißreiche Culturhiſtoriker in ſo eigenthümlicher und conſequenter Haltung zu veran⸗ ſchaulichen fähig iſt. Wenn Riehl's energiſche Bildung und ſeine echt künſtleriſche Gabe der Charakteriſtik in allen dieſen Arbeiten in ziemlich gleicher Kraft zur Geltung kommt, ſo daß wir die Freude dabei⸗ genießen, ſeine Feder ſtets in hiſtoriſche Farben getaucht zu ſehen, faſt in jeder Zeile den eigenthümlichen Abſtand des Geſchichtlichen von unſeren Geiſteselementen herauszufühlen, ſo iſt dagegen der poetiſche Werth dieſer acht verſchiedenen Bilder auch wieder ein verſchiedener. Wird dieſer poetiſche Werth, in gewiſſem Sinn, nicht gerade im Gegenſatze zu dem zu fin⸗ den ſein, was wir ſo eben als das culturhiſtoriſche Ver⸗ dienſt bezeichneten? Wenn dieſes darin beſteht, das Fremd⸗ artige herausgefühlt zu haben, ſo wird jenes ſeine Krone darin ſuchen müſſen, dieſes Fremdartige uns zu vermitteln, das Entferntliegende uns nahe zu führen, durch das Beſon⸗ dere und Abnorme die allgemeine Empfindung des Er⸗ götzens, der Rührung, kurz, des poetiſchen Genießens in ſeinen verſchiedenen Tonarten in uns zu erregen. Solchen
Reiz empfanden wir vorzugsweiſe bei den Erzählungen „der Stadtpfeifer“ und„Ovid bei Hof,“ dort mehr in
ſentimentaler, hier mehr in humoriſtiſcher Stimmung. Die erſtere iſt eine jener einfachen, in aller Anſpruchsloſig⸗ keit ergreifenden Darſtellungen, wie ſie nur ein wahrer Dichter zu ſchaffen vermag. Dem beſchränkten, in ſeiner Bie⸗ derkeit rührend beſcheidnen Handwerker unter den Künſt⸗ lern, wie Riehl ſelbſt ſagt, dem Bauer unter den Muſikern,


