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verdeckten mit ihrem Zauberteppich die Scheidewand von vielen Jahren.
Mit der Grazie eines gebildeten Geiſtes, mit einer wunderbaren Miſchung von gläubiger Hingebung und hei⸗ terer Ironie ſagte Erzſi:„Laß die gnädige Frau. Nenne mich wieder Erzſi, wie einſt, als wir zuſammen ſpielten und allerhand dumme Streiche ausführten.“
„Darf ich das?“— rief Pali—„aber Du biſt nicht mehr jene Erzſi. Du biſt groß geworden; Deine Schön⸗ heit hat ihre Verheißungen erfüllt, aber nicht für mich haben ſich Deine Reize entwickelt. Ach, ich habe nicht jene Erzſi wiedergefunden, die einſt weinend an meinem Hals hing, als ich fortzog, um den Schattenbildern Ehre und Ruhm nachzujagen.“
„Ja freilich, Pali, die Zeiten haben ſich geändert; da-⸗ mals waren wir bei unſrer Armuth reich, glücklich.“—
„Und jetzt?“ unterbrach ſie Pali.—„Ja, ich wußte es, daß Du nicht glücklich biſt, Deine Thränen ſagten mir es, die Bläſſe, die mein Lied auf Deine Wange hauchte, als ich Dich im Glanz der Diamanten ſtrahlend wiederſah. Lange kämpfte ich mit mir, ob ich Dich aufſuchen ſollte— aber noch einmal mußte ich Dich ſehen, von Dir wollte ich hören, daß Du auf immer für mich verloren biſt.“
Mit feuchtem Auge, mit flammenden Lippen, von den Flügeln der Hoffnung getragen und mit dem Ungeſtüm ju⸗ gendlicher Leidenſchaft geſtand Pali in kurzen exaltirten Worten ſeine Liebe.
Erzſi blieb regungslos an die Kiſſen gelehnt und ihre Augen hefteten ſich glanzlos auf den Teppich zu ihren Fü⸗ ßen— ſie fühlte, daß der Augenblick gekommen, wo ſie ihre Freiheit gegen die Anforderungen einer romanhaften Lei⸗ denſchaft vertheidigen müſſe; ſie liebte Pali nicht, ſie liebte in ihm nur das Bild ihrer Kindheit, und das hatte ſie weich gemacht, daß ſie auf Augenblicke ſich ſelbſt vergaß. Sollte ſie ihn zum Spielball ihrer coquetten Künſte machen?
Noveſſen⸗Zeitung. 4
Lieblingshelden meiner Träume.
[(III. org.
Nein— denn jene Erinnerungen hatten die beſſere Saite ihres Gemüths berührt.
Pali verſtummte endlich vor ihrem kalten, abwehren⸗ den Blick. Mit ſanftem Scherz wies ſie ſeine Liebe zurück und auf die edelſte Art bot ſie ihm ihre Freundſchaft an.
„Ich kann, ich darf Dir nicht angehören,“— ſchloß ſie.—„Niemals und auf keine Weiſe kann ich die Dei⸗ nige werden. Ich glaube nicht mehr an die Bilder⸗ und Ich kenne jetzt die Män⸗ ner; anſtatt des Glückes, das ſie uns verſprechen, geben ſie uns Erniedrigung und Treuloſigkeit. Eure Liebe iſt nichts als eine Huldigung, die ihr euch ſelbſt darbringt. Auch von Dir würde ich einſt verlaſſen und verrathen werden. Hingeriſſen von Deinen Gefühlen macht Dich Dein gutes Herz unfähig, die Gründe zu begreifen, die mich abhalten
Deine Liebe zu erwidern.— Zwinge mich nicht Dich zu
lieben, denn ich ſehe das Ende ſchon vorher, und es hieße nur eine neue Schwäche meinen Vergehungen beizugeſellen. Laß uns gute Freunde ſein, wir können uns dann ohne Kummer, ohne Gewiſſensbiſſe trennen, wir haben kein Glück zu betrauern und keine getäuſchten Hoffnungen uns vor⸗ zuwerfen!“
„Die Welt, in welcher Du Dich bewegt, hat Dein Herz erkältet.— Aber ich kann nicht anders, ich liebe Dich dennoch, ich liebe Dich mit der Anbetung, die über alle Schmerzen ſiegt, über die Verachtung und die Gewißheit,
auf immer verſchmäht zu ſein“— rief Pali mit einer Stimme, die von dem nach dem Herzen drängenden Blut halb erſtickt ward. 2
„Genug“— ſagte Erzſi, indem ihr Auge wehmüthig und erſchüttert auf ihm ruhte, und mit bezaubernder An⸗ muth ſein Haar aus der glühenden Stirn ſtreichend— „ich habe genug geſündigt, verſuche mich nicht! Wenn Du mir Dein ganzes Leben weihteſt, was kann ich Dir bieten? Eine verwelkte, zerknitterte Blume, würde ich nur einen traurigen, flüchtigen Schatten auf Deinen Weg werfen.
Literatur.
Ueberſicht der Halleſchen Waiſenhaus⸗Arzneien nach ihren allgemeinen Wirkungen. Herausgegeben von Dr. J. N. Weber, prakt. Arzt u. ſ. w.— Halle. Buchhandlung des Waiſenhauſes. 1857.
In Commiſſion der
Dieſes Büchlein hat die Abſicht, die von Dr. Chriſtian Friedrich Günther im vorigen Jahrhundert erfundenen und da- mals als„Halleſche Waiſenhausarzneien“ weit verbreiteten Ge⸗ heimmittel jetzt, wo andere derartige Arcanen ſo großen Abſatz finden, von neuem in Credit und in Verkauf zu bringen. Es war namentlich Essentia dulcis oder Goldtinctur und das mit ihr verwandt ſein ſollende„ſchwarze Pulver“, was den Ruf dieſer Medicamente erhöhte, die im Ganzen, als kleine Hausapotheke, im Preiſe von 10— 30 Thalern, die Essentia dulcis ſpeciell im Preiſe von 1 Thlr. für das Loth, reſpect. in concentrirter Gabe für das Quentchen hier ausgeboten werden. Eine„Vor⸗ erinnerung“, von Dr. G. Kramer, Director der Francke'ſchen Stif⸗ tungen, unterzeichnet, gibt uns Kunde von der Entdeckung dieſes Heilmittels. Es heißt:
„Die Halleſchen Waiſenhaus⸗Arzneien genießen ſeit andert⸗ halb Jahrhunderten einen weitverbreiteten und wohlbegründeten Ruf. Ihre Zuſammenſtellung und Entdeckung fällt in die Zeit der Gründung und erſten Entwickelung der ſegensreichen Stif⸗ tungen A. H. Francke’s. Sie ging hervor aus demſelben Geiſte, der dieſe hervorrief, dem Geiſte ungefärbter Liebe zum Nächſten und unerſchütterlichen Glaubens an die Barmherzigkeit und Durch⸗ hülfe des Herrn. Der Erfinder derſelben, Chriſtian Fried⸗
rich Richter, der Verfaſſer nicht weniger durch ihre tiefe Innig⸗ keit ausgezeichneter, zum Theil noch heute viel geſungener Kirchen⸗
lieder, der treue Freund und Mitarbeiter Francke’s, war der erſte Arzt im Waiſenhauſe. Die damals häufig unter den Bewohnern
derſelben vorkommenden ſchweren Krankheiten und Todesfälle
und die dabei vielmals empfundene ärztliche Rathloſigkeit trieben
ihn an, unter brünſtigem Gebet und ernſtlichem Anrufen des
Herrn, unabläſſig ſolche Mittel zu ſuchen, durch welche der Noth der Kranken kräftig geholfen werden möchte. Seine Be⸗ mühungen wurden durch den beſten Erfolg reichlich geſegnet. Das Reſultat derſelben war die Zuſammenſtellung jener Arzneien, welche er theils aus den früher bekannten Mitteln auserlas, theils ganz neu erfand, und die ſich alsbald in unzähligen Krankheits⸗ fällen als höchſt wirkſam erwieſen. Die erſte Stelle unter ihnen nimmt die Essentia dulcis oder Goldtinctur und das mit ihr aufs nächſte verwandte ſchwarze Pulver ein. Dieſe werden aus dem reinſten Golde durch einen ſehr merkwürdigen und um⸗ ſtändlichen chemiſchen Proceß gewonnen, zu deſſen endlicher und ſicherer Auffindung durch die ſichtliche Führung des Herrn geleitet zu ſein der fromme Entdecker vielfach mit demüthiger Dankbarkeit ausſpricht. Die mannigfaltigen und oft wahrhaft wunderbaren Wirkungen dieſer Arzneien, von denen Richter ſelbſt aus den erſten 10 Jahren ihres Gebrauchs eine große Anzahl(kurz vor ſeinem in der Blüthe der Jahre erfolgten Tode) theils in einer be⸗ ſonderen Schrift(Merkwürdige Exempel ſonderbahrer durch die Essentiam duleem von anno 1701— 1708 geſchohener Curen ꝛc.
Halle 1708), theils im zweiten Theile ſeines aucenhrlichen oft⸗
mals aufgelegten Werkes„Die höchſtnöthige ienntniß des Menſchen ac.“(Halle 1791, 18. Ausg.) bhnK gemacht
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