Jahrgang 
01-26 (1857)
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392 Noveſſen⸗Zettung.[III. Jahrg. R.

ſchwoll bei den Tönen wehmüthig, ſehnſuchtsweich, und in Armer Pali! Schmerz, heißer Schmerz quoll wie ein ihm

den Augen der ſchönſten Dame glänzte eine Thräne ſo Lavaſtrom durch Deine Seele! Du ſahſt den ſchönſten tig

heell und rein, wie der Diamant, der an ihrem Halſe Stern Deines Lebens erbleichen. Yan

funkelte. NNooch einmal mußte er vor die Menge treten. Mit blei⸗ er

1 Es war eine Dame in den Logen des erſten Ranges, chem Angeſicht ergriff er das Inſtrument. Er hatte nicht u

mm deren Herzen die Geſtalten erzeugende Kraft der Töne mehr den Muth, nach jener Loge zu blicken. Ein Gedicht nd die Schattenbilder glücklicher Tage heraufbeſchwor. Wie der Trauer erklang: das Gebet der verzweifelten Liebe. Knal der erſte längſt vergeſſene Frühling kam es über ſie, die Immer trauriger, immer klagender wurden die Töne, bis Aurc Töne taſteten wie die erſten Sonnenſtrahlen nach der Tiefe er ſich plötzlich, einige ſtarke Accorde greifend, unterbrach, verz

und weckten dort ein längſt gefeſſeltes, eiſig eingefrornes ein Tändeln mit den Tönen begann, wie das Spiel des

Leben. Die Heimath, das herrliche Magyarenland mit all' †Gauklers mit ſcharfen Meſſern; unheimlich miſchte ſich das lons

ſeiner Poeſie lag vor ihr; uralte Erinnerungen, Kinder⸗ wildeſte Jauchzen und die entſetzlichſte Trauer. Durch die ſie n ſpiele und Träume tauchten vor ihr auf, wie eine Fata buntſcheckigen Wirbel und tollen Sprünge, durch das Geif morgana vor den Blicken des Wüſtenwanderers, aber auch neckend höhniſche, teufliſche Gelächter klang es zuweilen Prüt eben ſo ſchnell wieder zerfließend. wie der verzweiflungsvolle Jammer einer verlornen Seele, den l Sie beugte ſich über die Brüſtung der Loge nach dem die aus der Tiefe des Grabes zu Gott auſſchreit. die ö Künſtler; in den Lineamenten ſeines Welei 85 ſie Die Geige verſtummte. Ein unheimliches Geſühl, liche,

Züge, die ſie ehemals gekannt und geliebt hatte. Sie halb Grauen halb Bewunderung, ergriff die Zuhörer und und! kannte dieſe Augen, die mit abenteuerlicher Wehmuth aus R Be ſſ. und dem bräunlichen Antlitz leuchteten. Pali! rief die Stimme Ke der vbiläaie Ene uaete ſ dern 05 e der liegt, in ihrem Herzen, aber die Stimme war ein kalter, ſchnei⸗ Kenner wahrer Ruſik wendete ſich verwundert ah bei dieſen

dämoniſchen Klängen, bei dieſen losgelaſſenen, geſpenſti⸗ 1

ddender Vorwurf! 3 G ſtalte

. 6 Capricen und rüngen.

Ja, es war Pali. Ihre Blicke begegneten ſich und ſchen Cay Sp 3 t. 223 d Aber Pali hatte ſie ſogleich erkannt. Ein Blitzſtrahl der Freude Pali's Ruf war gegründet; nach e. Weiden 9 Vuch 3 zuckte aus ſeinen Augen, einige Secunden zitterte krampf⸗ Entſagen unter dem liebloſen Kunſt⸗ und Lebensgetriebe an die 3* haft die Hand, welche den Bogen führte, aber die Moll⸗ ſah er ſich plötzlich anerkannt und geſucht, geliebt und be⸗ und r 8 J.. 1. 3 e 2.

töhne klagender Sehnſucht heiterten ſich in die jubelndſte Dur⸗ wundert. Aber alle Anerkennung und Huldigung. nach dine veeiſe auf; verſtohlen ſuchte ſein Auge noch einmal die Loge der er vor kurzem noch gegeizt Halte, die ihn vor eu wegt Errzſ''s, ein ſtolzer, kalter Blick begegnete ihm, wehmüthig Tagen noch berauſcht haben würde, ließ ihn jetzt kalt un gew ließ er die Töne in einem kurzen Nachſpiel ausklingen. gleichgültig. Es war Erzſi 8 Bild, das, plötzlich vor ihm derfl Eine Pauſe trat ein. Pali fragte einen Herrn in aufgeſtiegen, ſein Herz erfüllte und jeden andern Gedanken röthe ſeeiner Nachbarſchaft nach jener Dame in der 3. Loge. verdrängte. len ei Ruhig, aber mit einem ſonderbaren, vielſagenden Lächeln Pali war damals fortgezogen mit dem Entſchluß, zu don V antwortete dieſer:Jene Dame iſt eine unſerer berühmte⸗ ringen, ſo lange ein Hauch des Lebens in ihm ſei, um Erzſi rutig ſtten Schönheiten, die bekannte Gräfin L.; ſie lebt von einſt ſein nennen zu dürfen. Er arbeitete, er hoffte, und ten, V ihrem Manne getrennt und iſt mit dem Fürſten C. litrt. durch alle Widerwärtigkeiten und Mühen des Wegs lächelte 2. au 4 9 n Ferwealrbide ein zunuüehiger I aregar Schwoſten Pidoen Zur Länder⸗ und Völkerkunde. Juſti zum Frühſtück ein und empfahl ſich beim Abſchiede ihrem Gebete L e 7 f, 4 3 ſucht an. Am Abend des nämlichen Tages fand die falſche barmherzige Die letzte Witwenverbrennung in Indien. lber. Schweſter Aufnahme in dem Hauſe eines Bauern, der ſie mit Die ewſetzliche Sitte, daß ſich in Indien die Witwe auf dem ſich o ſeinen Töchtern, zwei jungen hübſchen Mädchen von funfzehn und Scheiterhaben. der die Leiche ihres verſtorbenen Gatten verzehrte, Schn Kaachtzehn Jahren zuſammen zur Ruhe gehen ließ.. lebendig verbrenner. ,ſſen mußte, iſt ſeit 1829 durch die eng⸗ d In Folge eines Zuſammentreffens unglücklicher Umſtände, liſche Regierung gänzlich eſchact. nachdem dieſelbe ſchon eine Lufſ denen Vidocg bei aller Vorſicht nicht ausweichen konnte, wurde er Reihe von Jahren vorher bemuͤht geweſe war, ſie durch wiederholte Aeng aufs neue verhaftet und diesmal in den Bagno von Toulon ge⸗ Verordnungen auszurotten. eN 1 dſ pracht. Hier kam er mit den berüchtigtſten Verbrechern zuſammen. Das lette dieſer barbariſchen Opfer ün der Nähe von und Er konnte es bei dieſen verworfenen Menſchen nicht aushalten, Bombay ſtatt, und zwar unter empörenden. Nebenumſtänden, M ergriff die Flucht und ſuchte ſich auf ehrliche Weiſe fortzuhelfen, welche wahrſcheinlich zum beſchleunigten Verbotedeeſes abſcheu⸗ zahlre indem er unter angenommenem Namen allerhand Geſchäfte trieb. lichen Gebrauches beitrugen. Scheitelh'de ihte Mehr als ein Banquier, ſagte er ſelbſt,erinnert ſich viellecht Die junge Brahmine ſchritt gegen den Sche erhchfen heran, viede noch an die Zeit, wo der Name Blondel, den ich damals führte, auf dem bereits die Leiche des von ihr bewemnten zatten dg. Fhre verzu nicht ohne Credit auf dem Platze war. Tritte waren feſt, ihre Stirn ruhig und ſie trug den Kpf hoch. binei Die Polizei ſpürte ihm indeß raſtlos nach und entdeckte end⸗ Ein pomphafter Zug folgte ihr, zahlreiche Prieſter umgqhen ſie, ſe zu lich, wo er in Paris wohnte. Als die Agenten ihn verhaftet hatten und die Muſik ſpielte in heitern Weiſen. whaufen enen Aber und ihn fortführten, entſprang er unterwegs, wurde aber auf Der Vorſchrift gemäß mußten an dem Scheiteihauſane liſche dee einem Dache wieder eingeholt und nach dem Bicetre gebracht, wo Beamte die ſchon früher wiederholt an ſie geriihte 93 Sisb ſie den di er auf das ſtrengſte bewacht wurde. Um dieſe Zeit machte er der das Opfer freiwillig vollbringe, zum letzen Male thusdrucke nt⸗ denſt Polizei den Vorſchlag: bei ihr Dienſte zu nehmen. Der Polizei⸗ wortete darauf ihrJa! mit ſo triumphitendene ſchienen digts Ihrg direckor Henry ging darauf ein, meldete ſein Anerbieten Heren wollte 14 den unläubgen d de ihr zu zweife zeic N nerg b Pasquier, und von dieſem Augenblicke an wurde Vidocg der Ver⸗ wie viel erhabener ihre Religion ſeii.. A 1 4 hadlurr der ehrlichen Leute. 4 Inzwiſchen kniſterte das Feuer; die Prieſter ſchürten die Flam⸗ 1 men; die Suttieh umarmteihre Verwandten, vertheilte ihre Schmuck⸗ . ſachen unter ihre Freundinnen und ſtürzte ſich, geſtoßen durch n Brahminen, in das Feuer. Doch kaum fühlte ſie ſich von den en V ſetzlichen Zungen der Flamme beleckt, als der Schmerz in ihr den Aer 1