ließ, verſtanden. Man hatte es ihn überhaupt in der letz⸗ ten Zeit oft und deutlich genug fühlen laſſen, daß er der mit dem Kainszeichen belaſteten Kaſte angehöre.
Erzſi wollte von alledem nichts wiſſen, ſie bat und weinte, daß er wiederkommen und bei ihr bleiben ſollte. Da ſich Pali beharrlich weigerte, ſo erklärte ſie endlich, ſie wolle das Schloß verlaſſen und mit ihm gehen.
„Nein!“— rief Pali—„Du wirſt nicht mit mir gehen, ich muß allein in die Welt hinaus. Die Sonne würde gar bald Deine weiße Haut ſchwärzen und der Fie⸗ berhauch der Pußte würde Dich verzehren. Aber höre: als ich heute fortgejagt wurde und nicht wußte wohin, lief ich endlich ins Dorf hinab. Ich ging zu Marzi und er⸗ zählte ihm, daß ich von hier fort wollte; er ſchüttelte zwar den Kopf, ſagte aber endlich doch, daß ich es recht machte. Er erzählte mir dann von ſeinem Vetter Sipos, der auch fortzog und in der Fremde ein großer Mann geworden iſt, und vom Bunko, der mehr Geld ſich ergeigt hat, als zehn Magnaten zuſammen in ihren Taſchen haben. Siehſt Du, auch ich will fortziehen nach der großen Stadt, von der Dein Vater immer ſpricht, und will ein reicher Mann, ein Herr werden. Dann komme ich wieder. Wird meine Perle mich dann noch kennen?“ fragte er ſchelmiſch, ſie kindlich zärtlich anblickend—„und dann werde ich nicht mehr geſchlagen!“— ſagte er keck lachend.
Aneinander geſchmiegt ſaßen die glücklichen Kinder noch lange und ſchwatzten und träumten. Geheimnißvoll flü⸗ ſterten über ihren Häuptern die Linden, wunderbar duftete der blühende Flieder und die Sterne zitterten wie glän⸗ zende Freudenthränen.—
„Erzſi, wir haben zu lang' geplaudert,“ ſagte Pali. „Sieh, es will ſchon Tag werden, wir müſſen ſcheiden. Ich will nicht, daß Dein Vater erfährt, daß ich hier geweſen bin; hörſt Du, Erzſi.— Nicht wahr, Du bleibſt mir gut?“— ſetzte er leiſe, ihr dabei ins Auge blickend, hinzu.
Novelſen⸗Zeitung.
„Ja, Pali, ich werde immer an Dich denken und die Mutter Gottes alle Tage bitten, daß ſie Dich beſchütze. Komm bald zurück, laß Deine Erzſi nicht lange allein.“
„Lebe wohl“— ſagte Pali ſie an ſich ziehend. Erzſi brach in Thränen aus, leidenſchaftlich ſchlang ſie ihre Arme um Pali's Hals, heiß ſchmolzen ihre Lippen zuſammen— zu einem erſten Kuß! Der reinſte, ſchönſte Augenblick zweier Menſchenleben war gekommen und— vorüber!
Mitten im herben Abſchiedsweh war der Kuß Erzſi's der Hauch, der in des Knaben Herz die unbewußte Liebes⸗ gluth zur flammenden Leidenſchaft anfachte, zu jener ſelig— unſeligen Leidenſchaft, die den Menſchen veredelnd empor⸗ trägt zu den höchſten Heiligthümern des Lebens, oder ihn entnervend, tödtend, hinabwirft in Elend und Ver⸗ zweiflung.
Sie trennten ſich endlich und während Pali dem Dorfe zulief, hob ſich ſeine Seele mit Seufzen und Jauchzen über die Gegenwart empor zu abenteuerlichen Plänen und Hoff⸗ nungen. Arm, im Begriff noch verlaſſener zu werden, als er ſchon war, träumte er von einem Glanze und einer Herrlichkeit, womit er Erzſi überſchütten wolle, ohne doch jemals Glanz und Herrlichkeit geſchaut zu haben.
Einen Büchſenſchuß von den übrigen Häuſern des Dorfes entfernt ſtand eine Hütte; ſie war aus gekreuzten Baumäſten und Bretern aufgerichtet und mit Lehm oder Erde überworfen; anſtatt der Thüren und Fenſter hatte ſie nach vorn und gegen den Himmel Löcher, um die Menſchen hinein und den Rauch herauszulaſſen.
Als ſich Pali der Hütte näherte, hörte er die Töne einer Geige; er ging langſamer, denn jene Töne fanden ein Echo in ſeinem Herzen. Sein liebendes Herz verſtand jetzt dieſe klingenden Flammenſtröme, die bald ruhig und lang⸗ ſam, txaurig und geheimnißvoll wie ein altes ſüßes Wie⸗ genlied dahinflutheten, bald in kühnen Cascaden mit dem Feuer und der Freude der Leidenſchaft aufrauſchten. An⸗
Feuilleton.
—S.e
Vidocq's Abenteuer.
Vidocq, da der Tod des Mannes, der ihn trug, die Erinnerung ſeines merkwürdigen Lebens wieder auffriſchte. Vidocg war be⸗ kanntlich ſeiner Zeit einer der gefährlichſten Verbrecher und der am
Wegen Schriftenfälſchung in Unterſuchung, floh er während
1 der Schreckensherrſchaft von Paris nach Brüſſel, wo er verhaftet Durch alle Zeitungen lief in den letzten Wochen der Name
in das Gefängniß zu Lille gebracht.
häufigſten entwiſchten Sträflinge und zeichnete ſich zuletzt vor vielen ähnlichen Virtuoſen dieſes Lebenszweiges, der von begabten
Mitgliedern zu einer Höhe des Raffinements wie irgend einer aus⸗ gebildet iſt, dadurch aus, daß er, als er gar keine Möglichkeit mehr ſah der Polizei zu entrinnen, dieſer den Vorſchlag machte, zu ihr überzugehen und dem bisherigen Feinde ſeine Talente zu widmen. Im Jahre 1812 gründete er die berühmte Sicherheits⸗ brigade, eine geheime Polizeibehörde, der er bis 1824 vorſtand. Bei den letzten Regierungen verfiel er in Ungnade und hatte in jüngſter Zeit, wie die Zeitungen berichten, ein Bureau geheimer Spionage auf eigne Fauſt für den Privatgebrauch eingerichtet.
Im Uebrigen auf eine Skizze ſeines Lebens im Jahrgang 1854 der Nov.⸗Ztg. uns berufend, theilen wir hier eines ſeiner pikanten Abenteuer aus ſeinem Verbrecherleben zum Theil mit den eignen Worten ſeiner Memoiren mit.
wurde. Er machte die Gendarmen betrunken und erlangte mit leichter Mühe die Freiheit wieder. Aufs neue verhaftet, wurde er Hier machte er abermals einen Fluchtverſuch, deſſen nähere Umſtände er folgendermaßen beſchreibt:— „In der dritten Nacht war Alles fertig und wir beſchloſſen uns fort zu machen. Acht Gefangene krochen durch das Loch und kamen ins Freie, ohne von der Schildwache bemerkt zu werden. Wir übrigen Sieben looſten darum, wer ihnen zuerſt folgen ſollte. Der Zufall begünſtigte mich und ich zog meine Kleider aus, um beſſer durch die Oeffnung zu kommen, die nicht ſehr weit war. Als ich mit dem halben Leibe durch war, blieb ich plötzlich ſtecken und konnte nicht mehr vorwärts kommen. Wie meine Gefährten dies merkten, wollten ſie mich wieder zurückziehen, allein ſo ſehr
ſie ſich auch anſtrengten, wollte es ihnen doch nicht gelingen. Zu⸗
letzt konnte ich es nicht mehr aushalten und ſah mich genöthigt⸗ die Schildwache um Hülfe anzurufen. Der Soldat ſtürzte auf mich los, ſetzte mir das Bayonnet auf die Bruſt und drohte mi
auf der Stelle niederzuſtoßen, wenn ich die geringſte Bewegung
[III. Jahrg.
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