Jahrgang 
01-26 (1857)
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Rufes, indem ſie ſich ſelbſt vor Gericht einer Schuld an⸗ klagte, von der ihr Gewiſſen ſie freiſprach. Die Enttäu⸗ ſchung folgte dem Fehler auf dem Fuße. Sie begehrte nichts, als in der Nähe des geliebten Mannes das Glück reiner Freundſchaft zu genießen, und glaubte, ſich durch ihren Schritt ein Recht auf die Erfüllung dieſer Träume erworben zu haben. Sie mußte ſtatt deſſen erfahren, was

Clariſſa an Lovelace erfuhr, daß ihre empfindſamen

Wünſche mißverſtanden und verſpottet wurden, und daß ihr Benehmen nur die Zudringlichkeit männlicher Leidenſchaft ermuthigt hatte. Um ihr Herz von der Bitterkeit der Täu⸗ ſchung und ſich ſelbſt vor den Anforderungen des ungeſtü⸗ men Werbers zu retten, blieb ihr nichts übrig als zu fliehen. Sie wandte ſich nach Braunſchweig. Da jedoch trafen ſie, um ihre Lage noch prekärer zu machen, ſchwere pecuniäre Verluſte. Sie war genöthigt für ihre Subſiſtenz zu ar beiten. Von Geſchicklichkeit und Geſchmack unterſtützt, verfiel ſie auf die Fabrication künſtlicher Blumen und ſie delte ſich mit dieſer Induſtrie nach Kaſſel, der damaligen Hauptſtadt des Königs von Weſtfalen, über. Die Luxus⸗ bedürfniſſe des Jérome'ſchen Hoflebens brachten ihr Ge⸗ ſchäft in Schwung, und unter dem Einfluß einer Zeit, die ſo viel Vergangenes vergeſſen machte, vergaßen ſich auch die Gerüchte und verſtummten die Verläumdungen, zu denen ihr früheres Leben Anlaß gegeben hatte. Aber ihre Buße war noch nicht vollendet. Was für ſo viele Andere ein Ge⸗ genſtand der Freude war, die Vertreibung der Franzoſen, die Rückkehr des Kurfürſten und ſeines Hofes, war für die Arme ein neuer und harter Schlag. Eine Welt und eine Geſellſchaft tauchte nun wieder auf, die nicht gemeint war den Thorheiten ihrer Jugend Amneſtie zu bewilligen. Fa⸗ milienhaß und der Stachel der Verletztheit verband ſich mit der tugendrichterlichen Laune des Publicums, um von Neuem über Charlotte die Acht auszuſprechen. Von aller Welt gemieden, ſah ſie auch ihren Erwerbszweig danie⸗ derliegen. Hülflos, arm, krank und der Verzweiflung

Roveſſen-Zeitung.

[III. Jahrg.

nahe, folgte ſie jetzt, und diesmal zu ihrem Glück, einer Eingebung deſſelben empfindſamen Herzens, das die Quelle ihres Unglücks geweſen war. Sie erinnerte ſich des Freun⸗ des von Pyrmont und eröffnete ſich demſelben in einem Briefe. Ihr Vertrauen hatte ſie nicht getäuſcht. In der zarteſten Weiſe trug ihr dieſer zunächſt Rath und Hülfe an, und bis ans Ende ihres Lebens gewährten ihr fortan die Briefe deſſelben den Genuß eines Glückes, welches die Träume ihrer Jugend mehr als erfüllte.

Schon im Jahre 1816 hatte Humboldt in Frankfurt die Freundin wiedergeſehn. Immer hatte ſeitdem von Zeit zu Zeit eine briefliche Mittheilung das Verhältniß in Gang gehalten. Er beſchloß jetzt, nun er völlig von Geſchäften frei war, es gefliſſentlicher zu pflegen und es förmlich zu einem Theil ſeines Lebens zu machen. Durch zwei im Frühjahr 1822 von Burgörner aus raſch hintereinander geſchriebene Briefe ermunterte er die ſchüchterne Zurück⸗ haltung der Freundin. Ihre Antwort bewies ihm von Neuem, daß er ſich hier ein Glück und einen Genuß berei⸗ ten könne, den er um Alles nicht von ſich weiſen dürfe. Durin, daß ein weibliches Gemüth ihm die erſten Empfin⸗ dungen der jugendlichen Bruſt heilig und vertrauensvoll bewahrt hatte, erblickte er eine Gabe des Schickſals, die es werth ſei, dankbar entgegengenommen zu werden. Wenn das Schickſal, ſchrieb er an Charlotte,ſo et⸗ was für zwei Menſchen aufbewahrt hat, muß man es nicht hinwelken laſſen, ſondern erhalten und in Vereinigung bringen mit allen äußeren und inneren Verhältniſſen. Er machte ihr alſo den Vorſchlag, einen brieflichen Ver⸗ kehr eintreten zu laſſen, der die Stelle perſönlichen Um gangs erſetzen könne. Mit jenem faſt pedantiſchen Sinn für verſtändige Regelmäßigkeit, der ihn von den philologi⸗ ſchen Studien in die Geſchäfte und von den Acten ins Leben begleitete, ſetzte er die Ordnung des Briefwechſels feſt, richtete er das ganze Verhältniß ein, wie man ein Hausweſen einrichtet. In die ernſte Verſtändigkeit und das

und daß ſie das thut, iſt alsbald ein Ereigniß. Otto bringt Briefe auf die Poſt, und das Tagebuch hat eine Notiz darüber.

Marco ſchläft gut oder ſchlecht, iſt artig oder nicht, und wir ſehen es im nächſten Buche gedruckt! 1 In dieſer Weiſe iſt der Anfang des dritten Bandes der Reiſe⸗

ſkizzen von Ida v. Düringsfeld entſtanden, der den Separattitel

führt:Aus Kärnten. Prolog zu: Aus Dalmatien. Prag, C. Bellmann. 1857. f die Reiſe. Heirathsgeſchichte unſeres ehrenwerthen Weinhändlers Lange auf der Schuhbrücke miterlebt haben, hätte gedacht, daß er ſie jemals Zur geneigten Beſprechung eingeſandt als Kritiker gedruckt vor

ſich ſehen würde! Oder als Herr Buchhändler Trewendt eines ſchönen Sommerabends auf der Breslauer Promenade ſeine Zünd⸗

hölzchen anbrannte, um den kleinen Schwan von Kallide zu be⸗ leuchten, wäre es ihm im Traume eingefallen, daß er damit Stoff

zur Reiſebeſchreibung einer unſerer beliebteſten Schriftſtellerinnen: Aus Kärnten herbeiſchaffen würde? Es liegt wirklich Energie

in dieſer Weiſe, die Wirklichkeit idealiſirt anzuſchauen, und wenn es irgend in unſerer Literatur Vertreter desidealiſirten Realis⸗ mus gibt, ſo kann die Frau Baronin darauf Anſpruch machen, die abſolute Vollendung dieſer Richtung zu ſein. Wie jener be⸗ rühmte Humoriſt von ſich ſagte: man braucht nur den Muth zu haben, Dummheiten zu ſagen, um Witze zu machen, ſo kann die ſchleſiſche Hahn⸗Hahn von ſich ausſprechen: ich brauche nur den Muth zu haben, banal zu ſein, um ſtets intereſſant zu ſcheinen! Und daß ihre Bücher nicht intereſſant wären, wird keiner ihrer vielen Verehrer und Verleger einzugeſtehen jemals ſich veranlaßt ſehen. Ich kann es zwar nicht leugnen: wenn man ſolch ein Buch lieſt,

Die Verfaſſerin gehtaus Breslau auf Wer von uns Allen, die wir vor fünf Jahren die

ſo ärgert man ſich ſtets, daß man das lieſt, und denkt immer: nun endlich wird doch das Eigentliche kommen, aber enfin man lieſt es doch, und wenn man ſich trotz des Aergers dabei nicht intereſſirte, ſo würde man es ja nicht leſen, und ſollte denn Ida v. Düringsfeld nicht geleſen werden? In den erſten Capiteln der neuen Reiſeſkizzen iſt nun wirklich ſehr wenig Geſcheutes, d. h. geſcheut von unſerem ſchwer⸗ fällig bornirten, plebejiſchen Standpunkte, auf dem wir glauben, um etwas Wichtiges zu ſchreiben, müſſe man etwas Wichtiges er⸗ lebt haben, und um etwas drucken zu laſſen, müſſe man etwas ſchreiben, das gedruckt zu werden werth ſei. Die Hauptſache von dem, was die Frau Verfaſſerin über das große bunte Breslau mit⸗ theilt, haben wir ſchon erwähnt. Was ſie über Wien berichtet, gibt uns doch auch kein Bild des dortigen ſocialen und geiſtigen Verkehrs; die Literaturgrößen wenigſtens, die ſie dort erwähnt, V mögen gegen ſie perſönlich am zuvorkommendſten geweſen ſein, ſind aber wohl nicht die hauptſächlich Epochemachenden. Hervor⸗ ragend iſt eine Begegnung mit dem tiefſten der engliſchen Humo⸗ riſten. Es wird erzählt: Otto kam, nachdem wir bereits mehrere Tage hier geweſen, eines Morgens ganz überraſcht an und ſagte: Weißt Du, wer mit uns hier iſt? Thackeray! Thackeray, der ſeit zwei Jahren einer meiner Lieblingsſchriftſteller geworden, das wäre eine wahre bonne fortune geweſen. Ich glaubte nicht recht daran. Der Kellner, der zart und ſtill iſt, vielleicht weil ein Kropf ihn betrübt, wurde gerufen und befragt.Nein, ant⸗ wortete er ſanft belehrend:Zackeray heißt er nicht, ſondern Tackeray; aber ein engliſcher Schriftſteller iſt es, und ein ſehr Ich ſchrieb alſo auf fran⸗

freundlicher Mann; nur viel aus.

Nr.

gereift ein St Knaben aufricht ſchaft, jene ſu und die heit ſa⸗ Abſich ihr ein keines. er war ihrem Genuß halb ve Herzene es, daß Lebens kein Ar verbrüc eignen darf mi weiblich wickelun delt; de Augenb rin der nicht d finn ge der, 1 ders al fen hin ſchöner gangen verſtand Es zöſſſche bat, mi