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en Wirkſamkeit
und Triviali⸗ nerei, wie über eſtaurations⸗ n Idealismus, aſſenſchaft jener t auf dem
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berangeſtrengter emals während teigung in ihm er Muße ſeiner rdrückt worden. k und Ziel des n zurückeſtellt orden.„Meine ge Wochen nach Bolzogen,„geht htende Exiſtenz, in das Weltge⸗ nuch am meiſten lte doch mitten erlaſſen wird.“ ß war die Art adſchäftsvollen cte ſe Nit
d Geſchäftsloſ⸗ Ganzen zuſam⸗ 1 den Stunden unlich der gehei⸗ nen Befitzer un⸗ Geſellſchaft ein⸗ nüßig und ge⸗ en praktiſchen
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Nr. 24.] Dritte
oft nahm er diejenigen Beſchäftigungen wieder auf, die ſeinen Geiſt mehr feſſelten als Staatsverträge und Verfaſ⸗ ſungsentwürfe. Zwiſchen Actenſtößen und diplomatiſchen Noten dachte er dem Geheimniß der Sprache nach und be⸗ deckte manches Blatt mit einem ungeſutht entſtehenden Sonett. In Wien, in Berlin, in Frankfurt hatte er im⸗ mer wieder ſeine Agamemnonüberſetzung vorgenommen. Auch im Hauptquartier verließen ihn nicht die Alten; auch unter dem Geräuſch der Waffen lauſchte er den Klängen helleniſcher Dichtung.„Ich leſe,“ ſchreibt er aus Prag, „den Homer und ſehe die Koſacken.“„Ich habe geſtern,“ ſchreibt er aus Freiburg,„den ganzen Abend ruhig in den Alten geleſen, zu denen ich immer und im Grunde täglich zurückkehre. Alles Schöne liegt in der Vergangenheit; ich ſuche, wie ein Andrer, und mehr vielleicht, für die Ge⸗ genwart und Zukunft zu arbeiten, allein es bleibt eine ei—
ſerne Zeit, in der wir leben, und nicht bloß wir, ſondern
alles Moderne. Sie kann würdigen Stoff zum Wirken geben, aber zum Genuß bedarf man etwas Tieferes und Höheres.“ Nur zu oft, während die Diplomaten ſeine
kalte und ſchneidende Rede fürchteten und während ſein
ſarkaſtiſcher Humor mit den Schwächen der vornehmen
Geſellſchaft ſein Spiel trieb, war ſein Herz in Gefühlen
der Liebe und Sehnſucht aufgelöſt. Aus dem Glanz der Salons und aus dem Lärm diplomatiſcher Feſte träumte er ſich zu den Seinigen und zu den Menſchen hinweg, die
ihm durch frühe Begegnung für immer theuer geworden
waren. Faſt immer während dieſer bewegten Periode
von ſeiner Gattin getrennt, lebte er doch durch einen faſt keinen Tag unterbrochenen Briefwechſel in Geiſt und Em- Er hörte nicht auf, mit Caroline
pfindung mit ihr fort. von Wolzogen zu correſpondiren. Er befand ſich auf dem Congreſſe zu Wien. Er war, wie er ſelbſt ſagt, zerriſſen
von Sorgen, Geſchäften und Zerſtreuungen. Da brachte ſich ihm durch einen Brief jene Freundin ins Gedächtniß,
mit welcher er in ſeiner Univerſitätszeit in Pyrmont drei
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ſelige Jugendtage verlebt hatte. Aber ſechs und zwanzig Jahre waren nicht im Stande geweſen, das Bild zu ver⸗ löſchen, welches ſich damals ſeiner Seele eingeprägt hatte. Keine Zerſtreuung und kein Geſchäftsdrang konnte ihn ver⸗ hindern, der treu Anhänglichen, Hülfsbedürftigen, Ver— trauenden zu antworten. Die Lage Europa's, die Verfaſ⸗ ſung Deutſchlands, die Intereſſen Preußens beſchäftigten ſeine Gedanken: mit Freude und Rührung ergriffen ihn in demſelben Augenblicke„die Bilder der Vergangenheit und Jugend.“ Er ſei, geſtand er der Freundin, noch jetzt derſelbe und noch jetzt gleich einfach wie damals. Er lebe, dem Gebote der Pflicht gehorchend, in verwickelten Ver⸗ hältniſſen; ſeiner Neigung ſeien ſie wenig angemeſſen, ihm würde ein ſtilleres Leben bei weitem mehr zuſagen. In⸗ nig hänge das Bild der Freundin mit allen Gefühlen ſeiner Jugend und eines ſchöneren Zuſtandes Deutſchlands und der Welt in ſeinem Geiſte zuſammen.„Ich habe,“ ſchließt er,„eine große Liebe für die Vergangenheit; nur was ſie gewährt, iſt ewig unveränderlich, wie der Tod, und zugleich, wie das Leben, warm und beglückend.“
Hätte es aber für ſein Intereſſe an der Briefſtellerin noch eines Reizes bedurft, ſo wäre derſelbe reichlich in den eigenthümlichen Schickſalen derſelben enthalten geweſen. Es waren die Schickſale eines weiblichen Weſens, deſſen Reizbarkeit der herrſchenden Krankheit des Zeitalters zum Opfer gefallen war und das für die empfindſame Ueber⸗ ſpanntheit, die durch Erziehung und Lectüre in ihr genährt war, durch ein Leben büßte, ſeltſamer und romanhafter als der Roman der Clariſſa. Kurze Zeit nämlich nach jener Pyrmonter Begegnung hatte Charlotte Diede ſich ohne Neigung verheirathet. Nur fünf Jahre hatte die kinderloſe Ehe gedauert, als ſie ſelbſt durch einen Entſchluß der Verzweiflung die Verbindung auflöſte. Ihr Herz hatte ſich während der Ehe einem jungen Manne zugewandt, für den es ſich geſchaffen glaubte. Es gab nur Einen Weyg, ſich zu befreien. Charlotte brachte das Opfer ihres
Billethandel en détail an den Schauſpielhäuſern hat er begonnen, ſpäter das Geſchäft en gros betrieben, macht auch gar kein Hehl daraus, daß er, wenn ihm gutes Honorar gezahlt wird, für Dieſen und Jenen im Theater Claque beſorgt. Bei dem früheren Billet⸗ bandel iſt er in vielen Hotels und hohen Häuſen aus⸗ und einge⸗ gangen, daber gibt er ſich ſtets das Anſeben, als verkehre er oder beſitze er unter den Vornehmen viele Gönner. ſein ungewaſchenes Geſchwätz, im Uebrigen hält man ihn ſich gern zehn Schritt vom Leibe. Denn bekanntlich, wo das ehrliche Spiel aufhört, da fängt ein anderes an 1
Sdie drücken dem alten Herrn für die Worte freundſchaftlich die Hand.
Diesmal hat der Herr ſeinen Meiſter im Spiele gefunden. Er verliert hintereinander. Er hat keine Luſt mehr zu verlieren. Er will ſich ſeines Spielers entledigen. Er ſtichelt ſo lange mit Redensarten, bis ſein Gegner die Karten aus eignem Antriebe auf den Tiſch wirft. 3
„Nun, wenn Sie nicht mehr wollen, meint der Herr mit größter Keckheit und hängt auch die Weſte zum Hute und Fracke an den Nagel. Wie ein Gewürmchen ſchlängelt er ſich zu Ihnen: ob Sie ihm nun die Ehre anthun und ein Spiel annehmen möchten!
Sie wiſſen nicht, wie es plötzlich kommt, Sie fühlen heftige Magenbeſchwerden. Sie haben zum erſten Male ein Glas Apfel— wein getrunken. Das für Sie ungewohnte Getränk muß wohl
ie Wirkung ausüben. en'Ah ſo, ja dann kann ich es allerdings nicht verlangen. Thut mir aber ſehr leid. Nun hoffentlich ein anderes Mal.“ Sie empfehlen ſich, da Mitternacht bereits nahe iſt. Als Sie
ſo laſſen Sie es bleiben,“
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Man lacht über
ihm den Rücken zugewendet, meinen Sie, flüſtern:„Den hätte ich wollen!“... Draußen auf der Straße erſt iſt Ihnen wohler, als da drinnen! E. M.
er müſſe Ihnen nach⸗
Aus der Gegenwart. J. v. Düringsſeld und Thackeray.
Was für eine glückliche Schriftſtellerin iſt doch die Frau Baronin v. Rheinsberg! Andere Leute halten es für eine höchſt ſchwierige Sache, etwas zu ſchreiben, das ſie des Druckens für werth halten; ſie mühen ſich ab, um einen geſcheuten Gedanken zu haben; ſie durchſtöbern die Welt, um Stoff zu finden; ſie legen ſorgfältigſt auf die Wagſchale, was ihnen und Anderen intereſſant, was von den Dingen wichtig und was unwichtig iſt:— die Ver⸗ faſſerin von Schloß Goczyn hat das Alles nicht nöthig; es gibt für ſie nichts Legsreres als die Art ein Buch zu machen; ſie braucht gar nicht Stoff zu ſuchen, ſie iſt immer bei Stoff, ſobald ſie bei ſich ſelbſt iſt; es braucht ihr nur etwas zu begegnen, ſo iſt es auch gleich etwas Wichtiges, und was nicht wichtig genug wäre, ge⸗ ſchrieben und gedruckt zu werden, begegnet ihr nie. Warum das bei andern Leuten nicht ſo der Fall iſt?— wer kann das erklären? Es iſt ſo einmal die Prädeſtination ihrer Natur, und dieſe Natur i*ſt ihr beneidenswerther Vorzug. Sie braucht ſich nur irgendwo zu befinden— und irgendwo befindet man ſich ſtets, und der Gedanke dieſes Befindens wird bei ihr ſogleich zur Originalität. Es iſt Wetter— und irgend ein Wetter iſt doch ſtets, und ſie hat einen Einfall darüber. Sie ſetzt ſich in den Eiſenbahnwaggon,


