Jahrgang 
01-26 (1857)
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Noyelſſen⸗Zeitung.

Thränen kalt blieb, ihre Bitten überhörte.

techniſche Erfahrungen. bi ſowohl nach ihrer Form als auch nach den Meiſtern und ſagt:ein

Man nennt die verſchiedenen Pfeifenköpfe

372[III. Jahrg. Nr. geflochten ſind. Ihr Geſicht iſt weich, rund und kindlichUnd wenn er ſo gut wie ein Engel war, ſo bleibt er den: in der Form, dennoch haben ihre Züge etwas Scharfes und doch immer ein Zigeuner, fuhr er dann fort;Du weißt Kind

1 Beſtimmtes. Ihre ſchöne Haut glatt und atlasartig; die nicht, wie theuer mir jener Meerſchaumkopf war, welchen verw. leichten bläulichen Tinten, die ihre ſchmachtenden Augen mir dieſer Tölpel zerbrach und weshalb ich ihn prügeln des 4 6 umgeben, verkünden ein leidenſchaftliches Temperament, und fortjagen ließ. Es war ein Sattelknopf von Eiſerler), Nrrhi aaus dem ihr eine ſtürmiſche Zukunft erwachſen wird. Mit er erinnerte mich an die ſchönſte Zeit meines Lebens, an derte einer lebhaften, durch Einſamkeit und Einförmigkeit ihrer einen braven Mann und nun erzählte er mit der Breite Hauſe Umgebung erregten Phantaſie, mit einer Wärme des Ge⸗ und Geſchwätzigkeit des Alters, wie er einſt auf der Jagd dürfen fühls, die an Leidenſchaft grenzte, verband ſie eine na⸗ dieſen Pfeifenkopf vom Erzherzog Karl zum Geſchenk er⸗ ableit kürliche Empfänglichkeit für Lebensgenuß und Freude. halten habe. Erzſi hörte dieſe Geſchichte nicht zum erſten freun Seeiit dem Tode ihrer Mutter wuchs ſie herauf wie die Mal, denn oft und gern ſpiegelte ſich der alte Herr im zer Le Blume des Gebirgs, einſam und nur dem Schutz der gü⸗ Abendſonnenſchein jener glanzvollen Tage ſeines Hoflebens. er dar tiigen Vorſehung überlaſſen. Sie hatte das Köpfchen aufEil mein Täubchen ſchloß er endlich ſeine Rede, ald! ddie kleine, zart geformte Hand geſtützt und ſchaute ſinnendDu wirſt nun bald die Kinderſchuhe ausgezogen b die hinnaus auf die ſtillen Wälder, auf die lachende Ebene, die haben, und da will es ſich denn doch nicht mehr ſchicken, ihren? iim weißen hellen Sonnenlicht da lag. Die Thräne, die daß Du Dich mit ſolchem Geſindel herumtreibſt. Saͤinn aaus dem ſchönen braunen Kindesauge über die lebensfriſche Was der Vater mit den letzten Worten ſagen wollte, fübren Wange pellte, verrieth, daß einer jener erſten Regenſchauer verſtand Erzſi nicht; ſie wußte nur, daß Pali ohne ſeine zu Sch does Lebens am jugendlichen Herzen vorübergezogen war. Schuld fortgejagt worden war; hatte doch nicht er, ſon- einzige

In der Maienzeit des Lebens trocknen dieſe Thautropfen dern ſie den Kopf zerbrochen, und daß der treue Bube die 4

noch ſo ſchnell, ſpäter ſchwerer und immer ſchwerer! Strafe auf ſich genommen, darüber trauerte ſie. trriht

Erzſi*), ſchmollſt Du noch immer? unterbrach end⸗ Und was war denn jener Pali, dieſer Zankapfel, der Lehre

lich der Herr Papa das Stillſchweigen.Ich will nicht Zwietracht zwiſchen Vater und Tochter hervorrief? wo d

hoeffen daß Deine Thränen dieſem Kölyök*r) gelten. Pfui! Vor ungefähr neun Jahren hatte der Graf, als er eines um n 3

b eine junge Dame wird wegen eines Zigeunerbuben weinen! Tages von der Jagd zurückkehrte, unten am Walde ein nen

Pali war ſo gut, entgegnete Erzſi wehmüthig auf halbverhungertes und erſtarrtes Zigeunerweib mit einem Sd die wegwerfende Rede des Alten; ſie wollte weiter ſprechen, Knaben gefunden. Gerührt von dem elenden Zuſtande f. wen zwang aber das Wort in die Bruſt zurück; ſie hatte ja und von der Schönheit des jungen Weibes, brachte er ſie zuüc heute ſchon den Vater ſo ſehr gebeten und ihm geſchmeichelt: mit auf das Schloß; aber ſchon nach einigen Tagen ſtarb den n er ſolle den Buben wieder zu Gnaden aufnehmen. Umſonſt hier die Frau in Folge der erduldeten Strapazen. Mit nerkſ aber waren all' ihre Bitten, ihre Schmeichelreden. Der Sio Vater blieb feſt; es war das erſte Mal, daß er bei ihren I*) Das Verfertigen der Meerſchaumpfoifen gehört in Ungarn fnden

unter die bildenden Kuͤnſte und erfordert eine gewiſſe Genialität und

oder da

9

dürch d

*) Erzſi heißt im Ungariſchen Eliſabeth. Karimäs von Nagy oderein Sattelknopf von Nägele, wie man ſich hen **) Ein Schimpfwort: junger H...! von einer Landſchaft von Ruysdael ſpricht, u. ſ. w. ſorzujr züje . Wird w

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Anen H.

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Berliner Plaudereien.

Dunkle Exiſtenzen.

II.

Sie ſitzen im Opernhauſe auf Ihrem Parquetplatze. Ein wenig in den Zwiſchenacten zu plaudern dünkt Ihnen Bedürfniß. Es hat Ihnen ein an der Ecke ſitzender Herr mit der ausgeſuch⸗ teſten Zuvorkommenheit ſeinen Theaterzettel angeboten; die gegen⸗ ſeitige Artigkeit erfordert, daß Sie ihm einen Theil der Unter⸗ haltung widmen.

Das muß ein Mann ſein, der Carrieère gemacht hat oder zu machen gedenkt, vielleicht Attaché einer Geſandtſchaft, am Kammergericht angeſtellt, jedenfalls Sohn eines reichen Vaters

zierlichen Locken) iſt mit Hülfe des Brenneiſens vorzüglich geord⸗ net; ein blauer Frack mit blanken Knöpfen liegt wie angegoſſen am Körper, und wenn Sie nun gar die geſprenkelten Beinkleider, die feinen Stiefelchen betrachten, ſo glauben Sie ein lebendig ge⸗ wordenes Bild aus dem Modejournal vor ſich zu ſehen. Wenn ſich der Herr von ſeinem Platze erhebt, ſich mit unnachahmlicher Grazie mit dem Rücken an die Brüſtung der Parquetloge lehnt und die Zuſchauer des erſten Rangs muſtert natürlich fehlen die Glacéhandſchuhe und der Operngucker nicht wahrlich, der Menſch verdiente ausgehauen und als Muſterſtatue ſeiner Zeit im Muſeum aufgeſtellt zu werden!

Reizendes Geſchöf! wirft er hin und betrachtet eine junge Dame des erſten Ranges.Allerliebſtes Mädchen, finden Sie es nicht auch?!

oder einer reichen Tante iſt, denken Sie. Sie theilen ſein Entzücken mit der Bemerkung, daß die Dame ſgen Sie können die Eleganz ſeiner Toilette, die Eleganz ſeiner viel ſtille Anbeter zählen müſſe, da ſich die Gläſer von allen güt Tournüre, die Feinheit ſeines Umgangstons nicht genug bewun⸗ V Seiten nach dieſer Gegend des erſten Ranges richteten. 3 S dern. Wohl möglich, daß ſich in den Fauteuils des erſten RangesJa, reizendes Geſchöpf, kenne die Dame ſchon länger, iſt füten noch reicher gekleidete Herren wiegen, die aber nach Ihrem Dafür⸗ die Nichte Sr. Excellenz, des Herrn, ſehe efaſt allabendlich im ſügon halten ſich ſalonmäßiger benehmen könnten, gewiß nicht! Theater, bin auch ſehr oft im Htel des Herrn, erwidert er, als terſch Das Haar(Sie wünſchen ſich nur den vierten Theil der intereſſire ihn die Menge der ſtillen Anbeter nicht im mindeſten. Llerne