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Nr. 23.]
Literariſche Beſprechungen.
Ausgewählte Novellen von Ferdinand Kürn⸗ berger.— Prag. Carl Bellmann's Verlag. 1857.
Wir haben von Ferdinand Kürnberger in den letzten zwei Jahren eine Tragödie„Catilina“, die ein nicht unbe— deutendes hiſtoriſch⸗poetiſches Talent, aber völligen Mangel an dramatiſcher Technik verräth, und einen Roman der Meidinger'ſchen deutſchen Bibliothek„der Amerika⸗Müde“ beſprochen, den wir als ein ſehr intereſſantes, talentvolles und für die literariſchen Tendenzen der Gegenwart höchſt bezeichnendes Buch begrüßen konnten. Wir ſahen darin einen energiſchen Ausdruck des Beſtrebens, die Romantik des Gefühlslebens, das Vordrängen der Subjectivität zu überwinden und des objectiven Lebens, der Thatſachen der beſtehenden Welt praktiſch und künſtleriſch ſich zu be— mächtigen; dem Dichter ſelbſt durften wir ein ſo kräftig draſtiſches Darſtellungstalent zuſprechen, daß wir nur wün⸗ ſchen konnten, er hätte daſſelbe in ſeiner einfachen Rein⸗ heit wirken laſſen, um der allgemeinſten Anerkennung ſicher zu ſein. Mit Spannung griffen wir deshalb zu dem vor⸗ liegenden Bande ſeiner auserwählten Novellen; mit Be— dauern aber müſſen wir geſtehen, in denſelben noch viel mehr als im„Amerika⸗Müden“ des Verfaſſers Fehler, viel weni⸗ ger aber ſeine Vorzüge zu entdecken. Wenn in der Dar⸗ ſtellung jenes Buches ſchon mancherlei logiſch abſtracte, nicht zu vollem Verſtändniß durchgearbeitete Begriffe ſtörend waren, Ueberreſte einer früheren Entwicklungsſtufe des Verfaſſers, die Eierſchalen ſ. z. ſ., die bei der Entpuppung aus der Romantik an ihm haften geblieben waren, ſo finden wir dergleichen Unreife und Incorrectheit in dieſen Novel⸗ len noch viel mehr, ohne daß dabei jene realiſtiſche Schilde⸗ rungskraft, oder ſelbſt der kraftvolle Ausdruck individueller Stimmungen wie dort zu einer beſonderen Geltung kämen.
Am meiſten poetiſch iſt die erſte und älteſte der mitge— theilten Gaben,„Das Kind mit dem Briefe“, im Jahre 1847 verfaßt, in der ebenfalls jener Widerſpruch des inne⸗ ren Gemüthslebens mit der Außenw Widerſpruch, Löſung findet; unpaſſend iſt nur der Titel zu nennen und ttwas alltäglich auch die Illuſion, die hervorgebracht wer⸗ den ſoll, indem ein Traum als wirkliches Erlebniß er— zählt wird.
„Die Verſuchung der Armen“, geſchrieben 1852, iſt eine Dorfgeſchichte im criminaliſtiſchen Genre, die daran zu leiden ſcheint, daß der Verfaſſer uns nicht erſt die äußere und innere Situation ſeines Helden ſchildert, die ihn aus
leriſche That iſt.
ſeines Lorle ſei bereits hier oder dort, unter
elt das Motiv iſt, ein der hier im kleinen Genrebilde ſeine friedliche
ſeinen Verhältniſſen drängt, ſondern daß er alsbald die
Verſuchung in gewiſſen Principien von Freiheit und Eigen⸗ thum an ihn herantreten läßt, ohne daß wir fühlen, wie verführeriſch ſie für ihn ſpeciell ſein müſſen. Die Aus⸗ drucksweiſe iſt hier nicht nur oft eine unreife, incorrekte und unklare, ſondern geradezu bisweilen durch Sucht nach poe⸗ iſcher Verbildlichung und bedeutungsvoller Vertiefung bis un die Grenzen des Sinnes hinaufgeſchraubt, bei denen das Gegentheil des Sinnes anfangen ſoll. Warum z. B. ſagt uns der Verfaſſer nicht ganz einfach, daß wir uns in eine Frühlingslandſchaft verſetzen ſollen, anſtatt uns durch fol— gende Phraſen blenden zu wollen:„die Auen lagen da wie
Dritte focge.
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prächtige Vergolderwerke im himuliſchen Schaufenſter der Schöpfung. Man griff das Licht ordentlich, ſo leuchtete es an den Säumen des Waldes, auf dem grünenden Raſen und im funkenſpritzenden Schmelzwerk des Fluſſes, der hier, an tauſend Steinen und Blöcken gebrochen, mit flammendem Fackeltanz der Sonne entgegen ſprang!“
Noch weniger Geſchmack vermögen wir der folgenden Geſchichte abzugewinnen:„Das große und das kleine Loos.“ Dergleichen kleine moraliſirende Parabeln müſſen mit der anekdotenhaften Leichtigkeit erzählt werden, mit der z. B. Guſtav Nieritz ſie Leſern aller Bildungsſtufen ſchmack— haft zu geben weiß. Dieſe prätentiös ausführende, ten⸗ denziös verallgemeinernde Darſtellung paßt nicht zu dem banalen Stoffe, daß Jemand, der durch Glück zu Reichthum gelangt, ihn meiſt nicht mit Verſtand zu bewahren weiß. Auch hier wieder welche Unbegreiflichkeiten im Ausdruck! Statt zu ſagen: er erkannte ſie, heißt es:„das Auge, der Brennpunkt der menſchlichen Individualität, entſchied ihm auch die ihrige!“ Und gleich weiter:„Bei ſeinen Worten ſtand das Mädchen nicht weniger erſtaunt, verwirrrt und beſinnungsvoll(!) ihm gegenüber. Aber ſein männlich voll⸗ endeter Kopf zeigte unverwandelbar das einſtige Bild; ſie erkannte ihn ſchnell,— ein Lächeln ſchien ihm zu ſagen, wie die Grazie ſelbſt es nur in Silberblicken ihrer Gott— heit webt!“
„Die Braut des Gelehrten“, die wir ſchließlich noch aus den acht Novellen hervorheben wollen, iſt ein recht ſchlagender Beleg für die Anſicht, die wir öfter hier vertra⸗ ten, wie der Stoff an ſich ſo ganz und gar nicht den Werth einer Dichtung beſtimmt, wie das Erfinden oder Herbei⸗ nehmen der Fabel etwas ſo ganz Gleichgültiges, Aeußerliches iſt, und wie erſt die letzte Ausführung die wahrhaft künſt⸗ Man hat Auerbach einen Vorwurf zu machen gemeint, indem man behauptete, die Geſchichte anderem auch in Balzac's scènes de la vie privée bearbeitet und daher von ihm entnommen. Andere wieder ſagten, die Erfin⸗ dung dieſer Geſchichte ſei ja keine Kunſt, da ſie ja in Schle⸗ ſien vor ſo und ſo viel Jahren geſchehen ſei, wo der Herr Profeſſor Soundſo auf der 4 euſcheuer in ganz ähnlicher Art ſich ſeine ſchöne Frau geholt habe. Dieſe Anekdote ſcheint Herr F. Kürnberger vernommen und dadurch Ver⸗ anlaſſung gefunden zu haben, Lorle's und Reinhart's Liebe zu ſchreiben, wie ſie wirklich geweſen ſein ſoll. Wie dem auch ſei, jedenfalls wird uns hier in den ſchleſiſchen Ber⸗ gen, die übrigens ein wenig zu ſehr als Alpen aufgefaßt ſind, eine Verlobungsgeſchichte erzählt, die mit der„Frau Pro⸗ feſſorin“ Auerbach's ſowohl als des Breslauer Herrn eine gewiſſe Aehnlichkeit hat, zugleich aber auch mit beiden die Verſchiedenheit bietet, daß der junge Held nicht, wie in jenen beiden Begebniſſen, Profeſſor der Malerei, ſondern hier ein Gelehrter iſt. Dennoch aber iſt der Grundgedanke, die be⸗ wußte moderne Cultur, in Berührung zu ſetzen mit der lie— benswürdigſten natürlichen Naivetät, beiden gemein. Wie verſchieden aber die Durchführung! Was wir im„Amerika⸗ Müden“ ſchon tadelten, tritt auch hier hervor, daß der Dichter die principiellen Begriffe, die ihm die Hülfs⸗ und Richtlinien in der Entwerfung ſeines Gemäldes ſein durf⸗ ten, ſtatt der Handlungen und Thatſachen der Dichtung, ſelbſt nur zu ſehr in den Vordergrund treten läßt. Und


