Jahrgang 
01-26 (1857)
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Novellen

dieſe principiellen Begriffe, in welcher ſchwerfälligen und zu⸗ gleich ſchiefen Deduction!Geiſtesgegenwart! ruft der Held aus,ein göttliches Wort, ein wahrhaft erſchöpfen⸗ des Wort! Es ſollte der eigentliche Deutſchausdruck ſein für das, was wir Totalität nennen! Und hier ſehe ich den entſcheidenden Unterſchied. Die Bildung unſerer äſtheti⸗ ſchen Theecirkel hält ihren Geiſt theoretiſch gegenwärtig, im koketten Spiel der Selbſtbeſchauung, der Selbſtvergöt⸗ terung: dieſer Geiſt kann zuſammenbrechen wie ein Karten⸗ haus im Luftzug fremder Verhältniſſe. Schiller's Tell aber (der eben citirt war) und unſere Vittore(übrigens keine in Schleſien gebräuchliche Abkürzung!), die ſind von ihren Alpen erzogen zur praktiſchen Geiſtesgegenwart. Ob auch beſchränkt, ſcheinen ſie mir dadurch vorbereitet für alle wahrhaft menſchlichen Lebenslagen. Zu Hauſe, in der Fremde, in der Stadt, auf dem Lande, überall wo ſich überhaupt nur ein wirklicher Inhalt zeigt und nicht ein paradox ironiſches Schattenſpiel, da ſtellen ſie ihren Mann, da iſt ihr Geiſt gegenwärtig! u. ſ. w. Als wenn die Da⸗ menunſerer äſthetiſchen Theecirkel(der junge Mann iſt

»Zeilung.[III. Jahrg. ein Breslauer) keinepraktiſche Geiſtesgegenwart beſäßen! Schätzen Sie ſich glücklich, Herr Kürnberger, wenn für ſolche Verläumdung, die in der That grundlos iſt, nicht noch Rache an Ihnen geübt wird!

Von den vielen kühnen Bildern dieſer Novelle wollen wir nur noch eine Stelle hervorheben:Das Moos und der alte Herr, der vorausging, hörten nichts von dem war⸗ men, wonnevollen Geflüſter, womit die Allmacht des Ge⸗ fühles ihr weichſtes und blühendſtes Roſencolorit über die unmittelbare Nähe eines ſchwarzen Abgrundes(?) legte. Der Jüngling ſah mit Entzücken in Vittore's Antlitz das V Eis des Schreckens hinwegrieſeln und die erſten ſchüchter⸗ nen Lächelblumen emporſprießen unter ſeiner Hand u. ſ. w. V Es ſteckt in Ferdinand Kürnberger eine nicht gewöhn⸗

liche Geſtaltungskraft; er iſt nicht eines von den leichten gefälligen Talenten, die ſich begnügen, mit dem Mittelmä⸗ ßigen unverdienten Beifall zu erwerben; aber der von ihm eingeſchlagene Weg iſt nicht der richtige, um Außergewöhn⸗ liches zu leiſten und den Ruf, den er ſchon gewonnen, zu befeſtigen. R. Giſeke.

Allgemeiner Anzeiger.

Verlag von F. A. Brockhaus in Leipzig.

DerNene Pitaval in zweiter wohlfeiler Auflage.

Der nenue Pitaval.

Eine Sammlung der intereſſanteſten Criminalgeſchichten aller Länder aus älterer und neuerer Zeit. Heraus⸗ gegeben vom Criminaldirector Dr. J. E. Hitzig und

Dr. W. Häring(W. Alexis). Zweite Auflage.

Erſter Theil. 12. Geh. 1 Thlr. Die hiermit beginnende zweite wohlfeile Auflage der

Erſten Folge desNeuen Pitaval iſt im Preiſe um die Hälfte

ermäßigt gegen früher. Alle Buchhandlungen nehmen Un⸗ terzeichnungen an und iſt daſelbſt das bereits Erſchienene ſo wie ein ausführlicher Proſpect vorräthig.

Bei Jung-Treuttel in Paris erschien und ist durch Alphons Dürr in Leipzig zu beziehen:

LES MONDES NOUVEAUX

Voyage anecdotique dans. l'Océan Paciftque

par Paulin Niboyet. Un joli volume in 18. Preis ½ Thlr.

Niboyets Name ist dem gebildeten deutschen Publicum bereits durch andere Werke wir nennenla Chimère, zo- man; und Elim, histoire d'un poëte russe vortheilhaft be- kannt. Sein neuestes Werk ist ganz besonders geeignet, ihn allen denen, die von Zeit zu Zeit gern nach französischer Lec- türe greifen, lieb und werth zu machen. Mit der ihm eigenen Eleganz des Styles und Lebendigkeit der Darstellung schildert er im angeführten Werke seine im Jahre 1848 angetretene Reise nach Chile, Peru, den Marquesas- und Sandwichs-Inseln

und Californien, und was er während derselben erlebt und wahrgenommen. Es ist kein trockner Reisebericht mit stati- stischen, klimatologischen, nautischen oder sonstigen Notizen, der geboten wird, es ist vielmehr eine Reihe gleich anziehen- der Bilder aus dem Natur- und Völkerleben, die in pittoreskem Wechsel an unserm geistigen Auge vorübergeführt werden.

In Carl Bellmann's Verlag in Prag iſt ſo eben erſchie⸗ nen und in allen guten Buchhandlungen zu haben:

Jahrbuch Deutſcher Belletriſtik auf 1857. Des Albums der Erinnerungen 3. Jahrgang.

Mit Beiträgen

von Fr. Bodenſtedt, Ida von Düringsfeld, Em. Geibel, R. Gott⸗

ſchall, Bernd v. Guſeck, V. Hansgirg, M. Hartmann, F. Hebbel,

Th. Herzog, U. Horn, W. Müller von Königswinter, L. Pfau,

Th. Pisling, O. Prechtler, H. Pröhle, L. J. Semlitſch, A. v. Sternberg, J. N. Vogl, S. Kapper.

Herausgegeben von Siegfried Kapper. Mit dem Bildniſſe Emanuel Geibel's. 21 Bogen Schiller⸗Format, eleg. geh. 1 Thlr.

Für die Abnehmer derErinnerungen. Oeſterreich. belletriſtiſche Monatſchrift 20 Ngr.

So eben erschien in Paris und ist bei Alphons Dürr in Leipzig zu erhalten: 4

V 1 ELa(Question d'Argent- V Comédie en 5 actes

V Alexandre Dumas ſils.

4 In-12. Preis 20 Ngr.

Redigirt unter Verantwortlichkeit von Alphons Dürr in Leipzig. Verlag von Alphons Hürr in Leipzig. Druck von Gieſecke& Devrient in Leipzig⸗