den Straußes einlud, um ihm einen ſyſtematiſchen Vortrag über Pflanzenkunde zu halten.“ Humboldt ſah in„Her⸗ mann und Dorothea“ die geſammte Quinteſſenz ſeines ei⸗ genen Weſens. Es iſt die Menſchheit und das Schickſal, was uns in dem Gedicht entgegentritt. Daſſelbe behan⸗ delt die Frage, wie das allgemeine Ziel der Menſchheit mit der natürlichen Individualität eines Jeden vereinbar iſt. Und die Antwort, die Humboldt⸗Goethe'ſche Antwort iſt dieſe. Vereinbar iſt Beides durch die Beibehaltung und Ausbildung unſers natürlichen und individuellen Charak⸗ ters, dadurch, daß man ſeinen geraden und geſunden Sinn mit feſtem Muth gegen alle äußeren Stürme behauptet, ihn jedem höheren und beſſeren Eindrucke offen erhält, aber
jedem Geiſt der Verwirrung und Unruhe mit Macht wider⸗
ſteht. Die moraliſche Charakterbildung als die unerläß⸗ liche Grundlage politiſcher Cultur, die bildende Kraft des
weiblichen Geſchlechts, die fortſchreitende Veredlung des
menſchlichen Geſchlechts, geleitet durch die Fügung des Schickſals,— das ſind die Themata, welche Humboldt mit Recht aus dem Goethe'ſchen Gedichte herauslieſt. Er iſt
gleich ſehr von dem äſthetiſchen Werth wie von dem menſch-⸗
lichen Gehalt deſſelben ergriffen. Es erſcheint ihm eben des⸗ halb als ein Abſolutes, als ein Kanon und Organon zum Verſtändniß der Kunſt und der Menſchheit überhaupt. Der Urheber ſolch eines Gedichts„iſt in einem höheren Grade als irgend ein anderer wahrhaft menſchlich zu nennen, weil kein anderer noch zugleich in ſo mannigfaltigen, hohen und ungewöhnlichen und doch ſo einfachen Tönen zu unſe⸗ rem Herzen ſprach.“ Er iſt ebenſo ein Maximum dichteri⸗ ſcher Vortrefflichkeit:„in keinem alten Dichter wird man dieſe hohe, feine und idealiſche Sentimentalität, in keinem neueren, verbunden mit dieſen Vorzügen, dieſe ſchlichte
Natur, dieſe einfache Wahrheit, dieſe herzliche Jinigkeit
antreffen.“
Roueſlen-Zeitung.
(III. Jahrg.
war nur eine Ausführung dieſes Einen Textes. Der Name Schiller's war darin nicht zu finden. An Schiller nichts⸗ deſtoweniger ſandte er das Manuſcript und beauftragte ihn mit der Veröffentlichung deſſelben. Immer iſt es uns als eins der unwiderſprechlichſten Zeugniſſe für die Reinheit und Liebenswürdigkeit von Schiller's Charakter erſchienen, daß dieſer die Schrift des Freundes mit vollkommen un⸗ parteiiſcher Billigung empfing. Er hatte allerdings auch Tadel darüber auszuſprechen. Aber dieſer Tadel bezog ſich theils auf die Form, theils auf dasjenige gerade, worin er ſeinen Einfluß auf den Freund zu erkennen glaubte. Keine Spur von Empfindlichkeit war dieſem Tadel beige⸗ miſcht. Das, ohne Zweifel, war eine in der Literatur ſel⸗ tene Erſcheinung. Aber ſeltſamer war es, daß Humboldt dieſe Geſinnung bei Schiller vorausſetzte, nicht minder ſelt⸗ ſam, daß er jetzt faſt mit denſelben Worten den Dichter⸗ genius Goethe's charakteriſirte, mit denen er früher von dem Genius Schiller's geſprochen hatte. Zwei ſolche Ideale jedoch ſchienen nebeneinander nicht Platz zu haben. Die Art, wie jetzt Goethe als ein Non plus ultra poetiſcher Größe dargeſtellt wurde, war entweder eine Degradation Schil⸗ ler's, oder es mußte ein Mittel ausfindig gemacht werden, den Zurückgeſtellten doch wieder ſo auszuzeichnen, daß die Priorität des Ranges zwiſchen Beiden unentſchiedeu blieb. Am ſicherſten wäre dies erreicht worden, wenn Humboldt ein Schiller'ſches Werk in derſelben Weiſe analyſirt hätte, wie jetzt das Goethe'ſche. Allein der Wallenſtein war noch im Entſtehen begriffen, und als er vollendet war, hatte Humboldt ſeine äſthetiſch-philoſophiſche Epoche bereits hinter ſich. Der Ruf zu einer größern Wirkſamkeit, die Anſprüche des Vaterlandes waren an ihn ergangen und zogen ihn in die weiteren Kreiſe des öffentlichen Lebens.
(Schluß folgt.)
Mit ſo unbedingter und ſo uneingeſchränkter Bewun⸗
derung ſprach Humboldt von Goethe. Das ganze Buch
Brüſſel erſcheint und von Alphons Dürr in Leipzig debitirt wird, ſetzt dieſe Aufgabe zeitgemäß fort und iſt dazu mit den aus⸗ ſchließlichen Privilegien verſehen. Wir erwähnen bei dieſer Gelegenheit einer ähnlichen Sammlung, der Collection Hetzel et Levy, in Paris erſcheinend, die weniger Romane, als vielmehr andere poetiſche Producte, einen Band nicht überſchreitend, ausgibt und unter anderen Emile Augier's Theater und Victor Hugo's Poeſien umfaßt. Die vorliegende Nouvelle Collection Hetzel kündigt zunächſt Romane an von Marie Aycard, Champfleury, Louiſe Collet, E. Deſchanel, P. Féval, Leon Gozlan, A. Maguet, Alex. Dumas, L. Reybaud, Theophile Gautier ꝛc.
Elie Berthet, der Verfaſſer dieſer erſten 5 Bändchen, charak⸗ teriſirt Eduard Schmidt⸗Weißenfels in ſeinem Werke„Frank⸗ reich's moderne Literatur“(Berlin, C. Heymann. 1856) wie folgt:
„Elie Berthet gehört mit zu den talentvollſten Novelliſten Frankreichs; vornehmlich cultivirt er den Familienroman auf eine Weiſe, wie es ein großer Theil der engliſchen Schriftſteller gethan; alle ſeine Perſonen haben etwas Strenges und Scharfgezeichnetes, ſie ſcheinen außer der Geſellſchaft zu ſtehen und lediglich zu dem Gemälde zu paſſen, in welches ſie Berthet hineinverſetzt hat. In Folge deſſen haben Berthet’s Romane einen eigenthümlichen Reiz, wenn ſein Stillleben der Gemälde auch oft aus der behaglichen Ruhe in eine gewiſſe Monotonie hinüberführt. Der Natur dieſer Art Familienromane gemäß, halten ſie ſich meiſt fern von den Städten und dem geſellſchaftlichen Geräuſch; Berthet ſchweift in
den Provinzen umher, ſucht ſich vielleicht irgend ein altes Schloß aus und führt nun in einer holländiſchen Malerei die dort lebenden Perſonen vor, eigenthümlich und oft bizarr, wie ſie in der Pro⸗
vinz ſind. Dieſe Ruhe in der Darſtellung und die originelle Charakterzeichnung ſeiner Perſonen bilden ein weſentliches Ver⸗ dienſt dieſes Autors, der, beſcheiden und ohne Exaltation, mit Vorliebe das Provinzleben ſchildert, anziehend, originell und mit der Behaglichkeit eines Walter Scott. Ein reizendes Tableau von einer, ſo zu ſagen, außer der Welt ſtehenden alt⸗gascogneiſchen Adelsfamilie malt er in der Novelle„La tour de Castillact, die zuerſt 1853 in dem Feuilleton der Indépendance Belge er⸗ ſchien. Seine früheren Romane„Le pacte de Famines,„la mine d'or“,„la croix de l'affüt“ und andere ſind nicht minder anziehend.“
Miscellen.
Mannigfaltiges.
Daß Burmann Gedichte ohne r ſchrieb, iſt bekannt; ebenſo ſchrieb Jemand im Jahre 1812 in der„Zeitung für die elegante Welt“ dine Erzählung, worin kein r vorkam. Im Jahre 1813 erſchien ein höchſt mittelmäßiger Roman von Dr. Franz Rittler unter dem Titel:„die Zwillinge,“ woraus das r verbannt war. Auffallender aber iſt es, daß nach der Verſicherung des Dr. Manek die Weiber der Tſchukſchen das r nicht ausſprechen können(Jour⸗ nal für Land⸗ und Seereiſen 1814, St. 5, S. 46), und daß in der Sprache der Kaffern der Buchſtabe r gänzlich fehlt. QDeserip- tion physique et historique des Cafres, sur la côte méridionale
de l'Afrique, par Louis Alberti, Amsterdam 1811.)
————
Au berger Wi wei Jo deutend an dro Miidin beſproe und fü
bezeicht einen e des Ge zu üben der beſ mächtig draſtiſe ſchen k heit wi zu ſein liegend dauern, als ſm, ger abe tellung wacht zu waren, Verfaſ alls der vir der, en nach dungsi Stimm
Am hheilten 1847 p en Gey Liderſ


