Jahrgang 
01-26 (1857)
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den alten Stoffes und Beſitzes, ſondern im Auffinden und Erzeugen eines neuen. Die Begeiſterung der Production ſprühte in den Worten ſeines Mundes und aus den Flam⸗ men ſeines Auges. Sein ganzes Weſen war dabei; mit ſeiner Liebenswürdigkeit verſchmolz ſeine Größe; er war in den glücklichſten Momenten ſeines Geſprächs mit keinem unter allen Menſchen zu vergleichen.

In ſolchem Geſpräch nun erging ſich, ja erfüllte ſich recht eigentlich das Verhältniß der beiden Freunde. Es ruhte auf dem Grunde der alten perſönlichen Vertraulich⸗ keit. Vertraut wie die Männer waren die Frauen. Beide Familien lebten wie Eine; ſelbſt ihre Wohnungen hatten ſie mit dem Eintritt des Winters näher an einander gerückt. Meiſt zweimal des Tages, ganz regelmäßig des Abends ſah man ſich. Sich ſehen hieß: ſich ſprechen, und oftmals zog ſich das Geſpräch bis tief in die Nacht. Es waren uner⸗

ſchöpfliche Themata und ſie wurden von Beiden mit nie er-

ſchöpftem Intereſſe behandelt. Leicht und wie zufällig, immer ungeſucht, mochte das Geſpräch beginnen, es waren ja die Stunden der Erholung für Beide, und auch die Frauen waren zugegen, um ihren Antheil zu geben und zu nehmen. Der tiefe Ernſt Schiller's blieb jeder heiteren Wendung zugänglich; an Humboldt war im perſönlichen Verkehr eine muntere Jovialität, ein neckiſches Herauswen⸗ den des Lächerlichen ſogar hervorſtechend. Bald jedoch war irgend ein Punkt von tieferem Intereſſe berührt. Wir hören, wie Humboldt mit der ihm eigenen redſeligen Um⸗ ſtändlichkeit auf ihn eingeht. Wir dünken uns zu ſehen, wie Schiller den gleichen und ruhigen, aber tiefen Strom der Gedanken und Empfindungen an ſich vorüberläßt, dann aber mit einem plötzlichen Griff aus ſeiner Tiefe zu ſchöpfen und das Bewegliche zu feſſeln verſteht. Aus dem unfertigen Ideenmaterial Jenes ſpringen unter der Hand Dieſes fertige Geſtalten und beſtimmte Gebilde hervor. Aus Rede und Wechſelrede drängen ſich geformte Ideen hervor; ſie ſtellen ſich zuſammen, ſie ordnen und gruppiren ſich. In Verwir⸗

Noveſſen⸗Zeitung.

rung hat die Unterredung begonnen, nach allen Seiten hin iſt ſie übergeſtrömt; nun ſammelt ſie ſich in engerem Bett, nun wird ſie in wenigen glänzenden Worten und glückli⸗ chen Bildern gefangen, Und nun wieder, wenn der begei⸗ ſterte Fund gelungen iſt, wendet ſich das Verhältniß. Mit lebendiger Empfänglichkeit, mit willig eingehendem Sinn hat Humboldt die Gedanken des Andern erfaßt. Aber noch fehlt ihnen die Beſtimmtheit. Er umgibt ſie mit neuen Bedenken, er wendet ſie prüfend und vergleichend von Neuem hin und her. Er nöthigt zu weiteren Abſonde⸗ rungen und Ausſcheidungen, zu feſteren Begrenzungen, zu feineren Unterſchieden. Sein Geſpräch, wie Schiller an Körner ſchreibt,weckt jede ſchlummernde Idee und nöthigt zur ſchärfſten Beſtimmtheit. Man ruht erſt, wenn man am Ziele iſt und mit feſtem Blick den Gedanken in reinem Umriß ſich abheben ſieht.

Für Schiller's geſammte Lebensrichtung war dieſer Umgang Epoche machend, weil er ihn nach der mehrjähri⸗ gen philoſophiſchen Durchgangsperiode von Neuem für ſeinen dichteriſchen Beruf zur Entſcheidung brachte. Hum⸗ boldt aber, der an ſich ſchon, wie ſein Biograph es mehr⸗ fach beſtimmt ausſpricht, ſich nicht immer als eine Natur von eiſerner, ſtets auf ein praktiſches Ziel ausgehender Arbeits⸗ rraft bewies und in jenen Jahren namentlich häufig an einer Zerſplitterung ſeiner Kraft und dem Uebermaß von Anre⸗ gungen gelitten hatte, ſo daß er einmal ſehr bezeichnend von ſich ſagt, es fehle ihmzum Planentwerfen ganz und gar an Muße, während er gerade vor Muße nicht zum Arbeiten und vor Plänen nicht zum Ausführen kam, auch er wurde durch den Drang des Schiller'ſchen Feuergeiſtes zum Produeiren fortgeriſſen. Er ſchrieb eine ausführliche Abhandlung überJacobi's Woldemar, die ſeinen Ge⸗

genſatz zu dem dilettantiſchen Genialitätsphiloſophen und ſeine eignen Idealitätsanſchauungen klar darlegte. Zu an⸗ deren anthropologiſchen Abhandlungen, die ſein Verhält⸗ niß zur Naturphiloſophie bezeichneten, ward er durch Schil⸗

ſtellung in Paris auf einige Zeit herzuleihen, beſteht aus den Mit⸗ gliedern des Inſtituts: Ingres, Ary Scheffer, E. Delacroix und Henriquet Dupont und aus den Zöglingen und Freunden Paul Delaroche's: Labouchère, H. Delaborde, C. Jalabert, L. Roux, H. Gérôme, C. de Ganay, E. Pereire, Ad. d'Eichthal und Goupil unter dem Vorſitz von Horace Vernet, und ſchon aus dieſen Namen läßt ſich leicht erkennen, welcher hohen Achtung Paul Delaroche ſich als Künſtler und Menſch erfreute. Dieſer Com⸗ miſſion gingen von allen Seiten die günſtigſten Antworten zu und nur die Stadt Nimes verweigerte es, das GemäldeCromwell

und Karl I., das ſie von Paul Delaroche beſitzt, für dieſe Aus⸗

ſtellung einzuſenden. Von den ſchönſten und wichtigſten Ge⸗ mälden des Künſtlers fehlen in dieſer Ausſtellung nur zwei, näm⸗

lich das eben erwähnte, das ſich in Nimes findet, und dann

Charles I insulté par les soldats de Cromwell, welches letztere, als zum Nachlaſſe eines kürzlich verſtorbenen Engländers gehörend, jetzt unter Siegel liegt und daher nicht erlangt werden konnte.

Dieſe intereſſante Ausſtellung findet in einer Reihe von Sälen ſtatt, die ausdrücklich zu dieſem Zwecke auf dem zum Palais des Beaux⸗Arts gehörenden Terrain gebaut und mit dem Hémicyele in Verbindung geſetzt worden ſind, wo Paul Delaroche die be⸗ rühmteſten Maler aller Länder der letzten drei Jahrhunderte mit ſeinem Pinſel von neuem verewigt hat. So iſt dem Freunde der Kunſt die Gelegenheit geboten, in der Zeit von einer oder zwei Stunden die Arbeiten und Fortſchritte des großen Künſtlers vom Jahre 1822 bis 1856 zu ſehen und zu ſtudiren.

Der Ertrag der Einnahmen von dieſer Ausſtellung iſt für die Hülfskaſſe der Association des artistes beſtimmt, zu deren Präſidenten Paul Delaroche gehörte.

Was nun die ausgeſtellten Gemälde betrifft, ſo zeigt ſich, wenn man dieſelben in der Reihenfolge betrachtet, wie ſie ent⸗ ſtanden ſind, das mit dem glücklichſten Erfolge gekrönte Streben des Künſtlers nach einer immer größeren Vervollkommnung recht deutlich. Als Paul Delaroche bei der Kunſtausſtellung im Jahre 1822 die Aufmerkſamkeit des kunſtliebenden Publicums auf ſich zog, ſtand er ganz unter dem Einfluſſe der geſchichtlichen Romane von Walter Scott. In ſeinem Filippo Lippi, Jeanne d'Arc, Saint Vincent de Paul, La Mort de Carrache, Miß Macdonald, ſo wie in ſeinen geiſtreichen Compoſitionen Richelieu's und Ma⸗ zarin's ꝛc. zeigt er ſich nicht als Geſchichtsmaler, wie man ihn ge⸗ wöhnlich verſteht, ſondern weit mehr als einen geſchichtlichen Maler, der ſich durch die Leitung ſeiner Ideen und die Natur ſeines Talentes dazu angetrieben fühlt, den Menſchen ſo zu malen, wie er iſt, und in deſſen Seele und Körper die guten Eigenſchaften ſehr oft mit den böſen im Streite liegen. Einen weit höheren Standpunkt nimmt er inCromwell regardant le cadavre de Charles I,Jane Gray,les enfans d'Edoard,Stafford allant au supplice undCharles I insulté par les soldats de Cromwell ein, wo er dieſe wirklichen Scenen ſo ganz wahr dar⸗ geſtellt hat, wie dieſe Art der Malerei es fordert, ohne der Ge⸗ ſchichte ihre Würde zu rauben. Das Meiſterſtück Delaroche s in dieſem Genre iſt aberLa mort du Due de Guisess denn dieſes Gemälde läßt nichts zu wünſchen übrig. Der Anblick des auf dem Fußboden ausgeſtreckten todten Herzogs imponirt durch ſeine Majeſtät ſeinen elenden Meuchelmördern in ſo hohem Grade, daß ſie, über ihre eigene Feigheit beſchämt, zweifelhaft zu ſein ſcheinen, ob ihr Opfer ſich nicht erheben und ſie verfolgen wird..

Wie ſich von ſelbſt verſteht, muß der Geſchichtsmaler zugleich

(III. Jahrg.

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