IIl. Jahrg.
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Nr. 23.]
In Frankfurt a. d. Oder und in Göttingen ſtudirte Humboldt die Rechte, wobei er aber nebenbei der Alter⸗ thumswiſſenſchaft, der Aeſthetik und dem Studium der da⸗ mals Epoche machenden Kantiſchen Philoſophie großen Ei⸗ fer widmete. Von Göttingen aus machte er unter Anderem jenen Ausflug nach Pyrmont, der jene wichtige Beziehung zu ſeiner„Freundin“ anknüpfte. In Göttingen fand er ferner zu ſeinen claſſiſchen Studien große Anregung durch den berühmten Philologen Heyne, mit deſſen Tochter, der Gattin Georg Forſter's, der junge Mann in Briefver⸗ kehr und ein inniges Freundſchaftsverhältniß trat. Da⸗ durch wurde allmählich auch ſein Verhältniß zu Forſter ſelbſt angebahnt, der ihn wieder mit F. H. Jacobi bekannt machte, ſo daß er hier in den der Berliner Aufklärung ganz entgegengeſetzten überſchwänglichen Genialitätskreis gerieth. Doch ging er auch hierin nicht mit ganzer Seele auf. Der Trieb nach Selbſtbildung war es, was ihn ſtets über den mit ihm in Berührung tretenden Erſcheinungen erhielt.„Ich hatte damals,“ ſo ſchreibt er 40 Jahre ſpäter an Charlotte Diede,„eine Art von Leidenſchaft, intereſ— ſanten Menſchen nahe zu kommen, viele zu ſehen und dieſe genau, um mir in der Seele ein Bild ihrer Art und Weiſe zu machen. Die Hauptſache lag mir an der Kennt⸗ niß. Ich benutzte ſie zu allgemeinen Ideen, claſſificirte mir die Menſchen, verglich ſie und ſtudirte ihre Phyſiognomie, kurz, machte daraus, ſo viel es gehen wollte, ein eignes Studium.“
Reiſen durch das weſtliche Deutſchland, nach Paris und in die Schweiz gaben ihm Gelegenheit, ſolche Studien in weitem Umfange zu machen. Als ein Zeichen ſeines ſcharfen Blickes und ſeiner von keiner Illuſion beirrten Menſchenkenntniß erſcheint es uns, daß er Lavater von vornherein als einen Charlatan erkannte.
Im Jahre 1790 kehrte H. nach Berlin zurück, um als Referendarius am Kammergericht zu arbeiten, in welcher Stellung er jedoch mit der damaligen Reaction unter
Dritte Folge.
Friedrich Wilhelm II. gegen die Zügelloſigkeit der ſ. g. „Aufklärer“ bald in Conflict gerieth. In ſolchen Zeiten ohne Gemeinſinn und Eifer für das Allgemeine zieht der Einzelne ſich auf ſich ſelbſt zurück. Epikurismus war die durchgehende Stimmung der Zeitgenoſſen, und nirgends mehr graſſirte dieſer Epikurismus in allen Formen und allen Schattirungen als in der Hauptſtadt. Humboldt auch war an ſeinem Theil von dieſem Geiſte angeſteckt, und er war es um ſo mehr, als er mit feinen Sinnen für den Genuß organiſirt, mit einer intenſiven Empfindungskraft ausge⸗ rüſtet war. Es iſt überreichliches Zeugniß da, daß er auch den Sinnengenuß nicht verſchmähte. Hatte er doch eine Bekanntſchaft gemacht oder erneut, die in dieſer Beziehung claſſiſch iſt. Er war in Berlin der Freund des jungen Gentz geworden. Nur freilich, daß er vor der Wüſtheit dieſes durch die Ruhe ſeines Temperaments, durch die lei⸗ denſchaftsloſe Kühle ſeines Weſens geſchützt war. Und ge⸗ ſchützt war er vor der Gemeinheit und Frivolität des Ber⸗ liner Lebens überdies durch den Adel ſeiner Natur, durch die überwiegende Richtung auf die Gegenſtände des höhe⸗ ren intellectuellen und Empfindungslebens. Jener Epiku⸗ rismus des hauptſtädtiſchen Lebens nahm daher in ihm die edelſte Form an, die er überhaupt haben kann. Begü⸗ tert wie er war, beſchloß er, nicht dem Staate, ſondern ſich ſelbſt zu leben. Das war jener auf das Privatleben und auf die Einzelexiſtenz ſich hinrichtende Egoismus, wie er in Zeiten der Erſchlaffung und des Verfalls der öffentlichen Dinge ſo häufig ſelbſt die Beſten ergreift. Aber er ergriff ihn, wie er nur die Beſten ergreifen kann. Er beſchloß, ſich zu leben, indem er ſeiner Bildu ug zu leben beſchloß. Der„kleine Wirkungskreis“, in den er ſich jetzt zurückge⸗ zogen hatte, erſchloß ſich ihm zugleich mit dem Himmel ehe⸗ licher Liebe. Dürfen wir der Erzählung der Herz trauen, ſo war es jener ſentimentale Freundſchafts⸗ und Vered⸗ lungsbund in Berlin, der ſich um ſein Glück verdient machte. Enthuſiaſtiſch hatte er ſeinen Berliner Freundin⸗
dächtniß gehörig an und vergaß zur Unterſtützung deſſelben nicht,
dem Reſte Wein im Kruge gehörig zuzuſprechen.
„Nun, Gevatter, warum ſprecht Ihr denn nicht? ſprecht Euch nur aus, frei von der Leber weg— ſollte mir lieb ſein, von mneinem Jungen auch mal was Gutes zu hören!“ begann der Gaſtwirth Peter etwas ſpöttiſch.
„Gevatter Peter,“ aantwortete Jänos,„holt nur erſt noch eine Halbe Wein, dann wollen wir gleich davon ſprechen.“
Der Wirth ſtand auf, wenn auch nicht mit der Schnelligkeit eines dienſteifrigen Kellners, ſeinem Gevatter hinlängliche Zeit zum Nachdenken laſſend, ehe er zurückkehrte.
„Na, Gevatter Jänos, iſt Euch etwas eingefallen?“ fragte er, indem er den Weinkrug vor den Gaſt hinſetzte.
„Gleich, gleich, Gevatter,“ verſetzte dieſer und ſuchte ſeine Auseinanderſetzung zu beginnen, j dem andern durch einen derben Schluck aus dem Weinkruge zu erkräftigen; darauf ſtopfte er ſich, da er nicht fortzukommen ſchien, mit würdevoller Bedächtlichkeit ſeine Pfeife, zündete ſie eben ſo be⸗ ſonnen an und begann nun wieder zu ſprechen, ohne jedoch aus der Einleitung kommen zu können; er ſah ſich endlich trotz alle⸗ dem und alledem genöthigt, ſeinem Taufpathen alle und jede Lute Eigenſchaft abzuſprechen. Er ſuchte alſo das Thema durch lne andere humoriſtiſche Wendung zu ſeinen Gunſten zu be⸗ handeln 4—
„He, Gevatter, was für luſtige Streiche machte denn Euer
Sohn auf dem letzten Jahrmarkte zu Szentes?“
„Was für luſtige Streiche, weiß ich nicht; ſoviel aber weiß ich, daß er auf einem Pferde hinritt und mit zweien zurückkam; zum Kaufen aber hatte er keinen Zehnkreuzer in der Taſche.“
„Nun, nun, ſie hab'n ihn ja nicht erwiſcht. Aber nichtwahr, auf der Kirchweih zu Szanta war er auch— dort hat er ſich doch nicht etwa als eine Memme gezeigt? he? da hat er ſich doch brav aufgeführt?“
„Ei freilich, Gevatter, dort hat er bloß ſo einen armen
ſlowakiſchen Leinwandhändler zum Krüppel geſchlagen!“
„Na, das iſt auch ein großes Unglück!'s iſt dem Kerl ſchon recht geſchehen, warum geht er auf die Kirchweih! Allein nachher hat ſich mein Pathchen doch hier daheim gut benommen!“
„Verſteht ſich, vergangenen Herbſt ſchickte ich ihn naus auf unſer Feld, um zu ſäen— und ich warte heute noch, daß der ihm damals zur Ausſaat übergebene Weizen aufgehen ſoll!“ antwortete
der Vater.
edoch nicht ohne ſich einmal nach
„Ja, wie? wie ſo denn?“ fragte Gevatter Jänos verwundert, ohne zu begreifen.
„Er fuhr ins Dorf, verkaufte das Ausſaatgetreide an den Juden und eggte das leere Feld ein.“
„Nun aber, das iſt Schlechtigkeit, Herr Gevatter— meiner Treu, das ſag' ich ſchon, ſo was iſt Schlechtigkeit; ſeinen eigenen Vater ſo zu betrügen! nein, das iſt ein Hallunkenſtreich!— Wenn er nach Hauſe kommt, ſo ſchickt ihn nur mal zu mir, ich werde ihm mal den Kopf gehörig waſchen!“
„S wär' ſchade, wenn er wieder käme!“
„Und wenn's Wort nichts mehr hilft, ſo wird der Peitſchen⸗ ſtiel was helfen! Schickt ihn halt nur zu mir, ich will ihn
lehren!“
„Glaub's nicht, daß außer Guten führen könne!“. „Na, grämt Euch nur nicht ſo ſehr, Gevatter Peter,“ ant⸗
dem Herrgott ihn Jemand zum
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