Jahrgang 
01-26 (1857)
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nen von Thereſe Forſter geſchrieben. Dieſe Freundinnen nun kannten ein weibliches Weſen, dieſer nicht unähnlich und wie geſchaffen für ihren Freund. So hatte ſich ihnen Caroline von Dacheröden, die Tochter des Kammerpräſi⸗ denten von Dacheröden, der, ein Verwandter des Coadju⸗ tors Dalberg, in Erfurt lebte, in ihren geiſt⸗ und gemüth⸗ reichen Briefen gezeigt. Sie riethen ihrem jungen Freunde, ihre Bekanntſchaft zu machen. Humboldt ging auf die Pläne der Frauen ein und war bald ein Gefangener in dem von zarten Händen geſponnenen Netze. Denn nun über⸗ nahm es Caroline von Lengefeld, damals noch die Gattin des Legationsrath von Beulwitz, die Angelegenheit weiter zu führen. Sie gehörte gleichfalls dem ſentimentalen Ber⸗ liner Kreiſe zu; ſie und ihre Schweſter Charlotte, die Braut Schiller's, waren mit Caroline von Dacheröden auf's Innigſte befreundet. Hin und her beſuchten ſich die Freundinnen in Weimar und in Erfurt. Sie lebten na⸗ mentlich an dem letzteren Orte mit Dalberg, der hier als Statthalter reſidirte, ein geſellig höchſt angeregtes und heiteres Leben, in dem es weder an Geiſt noch an Empfind⸗ ſamkeit fehlte. Hierher kam im December 1789 Humboldt von Mainz. Bald lebte er ſich in den Dalberg'ſchen Kreis ein. Er fand in Caroline Dacheröden mehr, als er erwar⸗

tet hatte. Selbſt bei flüchtiger Bekanntſchaft hatte Schiller

ſie für eine ungewöhnliche und idealiſche Erſcheinung voll Adel und Feinheit erklärt; ein gewiſſer Glanz an ihr hatte ihn geblendet. In Weimar, wohin die Schweſtern von Lengefeld mit ihrer Freundin und in Humboldt's Beglei⸗ tung zur Weihnachtszeit eine Reiſe machten, entſchied ſich die Verbindung, die für dieſen das ganze Leben hindurch eine Quelle des ſeltenſten Glücks ſein ſollte. Noch im Fe⸗ bruar 1790 finden wir Humboldt in Erfurt. Mancherlei Pläne gingen damals mit ſeiner Verlobung Hand in Hand. Sie knüpfen ſich an Mainz und an Dalberg an. In⸗ zwiſchen mußte er in Berlin ſeine juriſtiſche Laufbahn be⸗ ginnen. Endlich war ſein Probejahr zu Ende gegangen.

Rovellen»Zeitung.

Mit dem Titel eines Legationsraths verließ er den öffent⸗ lichen Dienſt, um ſich und ſeiner jungen Liebe zu leben.

Die im Juli 1791 Verbundenen zogen ſich auf ein Gut der Frau, nach Burgörner, in der Nähe von Mannsfeld, zurück. Von hier aus edirte er ſeine erſten Schriften: Ideen über Staatsverfaſſung, durch die neue franzöſiſche Conſtitution veranlaßt(1791) undvon den wahren Grenzen der Staatswirkſamkeit(1793). Er, der ſchon früher mit Forſter um deſſen politiſcher Anſichten willen gebrochen hatte, tritt hier dem revolutionären franzöſiſchen Geiſte diametral entgegen, und doch iſt auch ſeine Idee in gewiſſem Sinne radical und revolutionär: er will nur nicht, daß der Staat, wie in der franzöſiſchen Centrali⸗ ſation, das geſammte Nationalleben verſchlinge, ſondern daß er im Gegentheil auf ein Minimum beſchränkt werde und der autonomen Volksentwicklung freien Spielraum gebe. Wann, ſo ruft er aus,wird der Mann aufſtehen, der für die Geſetzgebung das iſt, was Rouſſeau für die Er⸗ ziehung?

Im Uebrigen blühten in Burgörner und Auleben, an⸗ geregt durch den benachbarten Hallenſer Wolf, die philo⸗ logiſchen und claſſiſchen Studien, bis Humboldt, veranlaßt durch Karoline v. Wolzogen, in nähere Bekanntſchaft mit Schiller trat. Er hatte, um Weimar, Jena und Halle in der Nähe zu haben, ſeinen Wohnort in Erfurt genommen;

Februar 1794 ſiedelte er, um Schiller ganz nahe zu kom⸗ men, nach Jena über, und hier knüpfte ſich nun eines jener idealen Verhältniſſe an, von denen wir in unſerem heutigen Leben wohl kaum ein Beiſpiel haben, da nur große claſſiſche Zeiten ſie erzeugen können, und über die man mit Recht urtheilen darf, daß durch ſie jene Blüthe⸗ periode uns nicht weniger werth wird, als ſelbſt durch die unſterblichen Werke ihrer Heroen!

Bei dieſer Begegnung erſt lernte Schiller die geiſtige Art und das Weſen Humboldt's von Tage zu Tage rich⸗ tiger erkennen, nun erſt gab er ſich demſelben hin und machte

wortete Jänos, indem er ſeinen Krug völlig leerte;mein Path⸗ chen wird ſchon noch ein rechtſchaffenes Menſchenkind ich will dafür ſorgen!

Darauf nahm Jänos Abſchied, ſtieg zu Pferde, und indem er ſich im Sattel noch einmal umwandte, rief er im Abtraben nochmals ſeinem Herrn Gevatter Peter zu:

Ich ſag' Euch,'s wird noch ein rechtſchaffenes Menſchen⸗ kind!

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Zwei Jahre ſind vergangen. Gevatter Jänos ritt auf den

Pußten herum, oder vielmehr da er, was wir oben zu erwähnen

vergeſſen, ein Schäfer war, er trabte auf einem Eſel einher, So ungern er es auch thun mochte, endlich lenkte er das geduldige Grauohr nach einer

indem er ſeine Heerden weidete.

jener ominöſen Beſſerungsanſtalten des Menſchengeſchlechts, die

Gottlob jetzt auch in Ungarn immer ſeltener werden und die man

in der Sprache der Proſa und des alltäglichen LebensGalgen nennt; er hielt ſein Thier an, blickte traurig auf das drohende Gerüſt und auf den daran Gehenkten und ſeufzte:

Schade um den Jungen, mein Pathchen! Es hätte noch ein ganz braver Menſch aus ihm werden können!

Zur Länder⸗ und Völkerkunde. Der Raiſer von China.

Unter den jetzigen Umſtänden bieten die folgenden Nachrichten über den Hof in Peking und die Organiſation des Reichs der Mitte einiges Intereſſe dar.

Der gegenwärtige Kaiſer, Hien Fung, beſtieg im Jahre 1851, 46 Jahr alt, den Thron. Hien Fung iſt der ſiebente Kaiſer der herrſchenden oder tartariſchen Mandſchu⸗Dynaſtie, die im Jahre 1644 in der Perſon des Tſchun Tſchi auf den chineſiſchen Thron gelangte. Nach Angabe chineſiſcher Geſchichtsſchreiber datirt die Gründung des himmliſchen Reichs 3000 Jahre vor Chriſto.

Die Familie des regierenden Kaiſers beſteht aus vier Söhnen und einer Tochten Der Aelteſte, Rih Weih und Thronerbe, iſt jetzt 19 Jahr alt. Game Mutter ſtarb in Folge ſeiner Geburt. Der

junge Prinz ſoll eine gute Erziehung erhalten haben, doch er ſpricht einen eben ſo tiefen Haß gegen die Ausländer, wie ſein Vater, aus. Der zweite Sohn Yih Schun iſt 15 Jahr alt; der dritte, 7 Jahr alte Prinz nennt ſich Yih Tſchu; der vierte iſt Dih Tſung. Die Tochter des Kaiſers, welche eine ſehr ſchöne und gebildete Prinzeſſin ſein ſoll, zählt 15 Jahr. Sie wurde im vorigen Jahre mit einem Neffen des Kaiſers, Prinz Ting Tſin Wang, vermählt, welcher in dem Rufe ſteht, eine ausgezeichnete Erziehung erhalten zu haben. Der Kaiſer hat drei Brüder Yung Trum, Mien Wang und Mien Hin. Der Letztere wurde unter der vorhergehenden Regierung degradirt, aller ſeiner Würden entſetzt und von dem Hofe verbannt. Er war angeklagt, ſich einer geheimen Geſellſchaft angeſchloſſen zu haben, um ſich des Throns zu bemächtigen. Zwanzig ſeiner Mitſchuldigen in der Hauptſtadt und ſechshundert in den Provinzen wurden gefoltert und hinge⸗ richtet... 4) Die Miniſter des Kaiſers bilden eine beſtimmte Kategorie und beſitzen eine ſehr große Macht. Es ſind deren vierzehn, die in zwei verſchiedene Claſſen getheilt find. Die erſten und wich⸗

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