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A. Bro haus.“——
uck dem Pu⸗ Denker jenes großen Kreiſes in edelſtem Sinne vereint Alexander v. Humboldt, der am 17. September 1769 zu
Bekanntſchaft wirkender Geiſter gemeinſam hat, ſo nimmt er, abgeſehen Berlin das Licht der Welt erblickte. Ihren Vater, der im
n Leſerinnen von ſeinen rein wiſſenſchaftlichen und namentlich ſprachli⸗ ſiebenjährigen Kriege Major und Adjutant des Herzogs Lectüre deſ⸗
en iſt, in die 1.. 3 5—. 2
einen vorſ wie kein Anderer iſt der Vertreter des ideellen Humanis⸗ Beide Brüder genoſſen auf dem väterlichen Schloſſe Tegel, iſete Biick mus, der das Evangelium jener Dichter⸗ und Denkerkreiſe dicht bei Berlin, und in dieſer Reſidenzſtadt ſelbſt durch die
war, auf dem Boden der Wirklichkeit, des praktiſchen berühmteſten Lehrer, wie Kampe, Engel, Dohm, eine aus⸗ V Staatslebens. Er wie kein Anderer(nur Varnhagen von V gezeichnete wiſſenſchaftliche Vorbereitung, die aus dem da⸗ b
chen Verdienſten, in einer anderen Hinſicht eine ganz origi⸗ Ferdinand von Braunſchweig, nachher Königl. preußiſcher nelle, ganz eigenartig Epoche machende Stellung ein. Er Kammerherr war, verloren ſie ſchon früh, im J. 1779.
kliche Char⸗ „ die ſie ſo rannte Gattin d Humboldt s dieſen ſelbſt Beſtrebungen, nten zum Mi⸗ hrten mach⸗ ſcheidungs⸗ nehr als einem n Namen ſich em Leſer jener
Enſe iſt ihm darin an die Seite zu ſtellen, da der Sophiſt V mals bedeutendſten Berliner Bildungskreiſe, dem Men⸗ Gentz ein Apoſtat dieſer Bildung war—) wagte ſich aus delsſohn's, hervorgegangen und deshalb ganz von den dem Tempel ſich ſelbſt genügender Beſchaulichkeit und in Tendenzen der praktiſchen, aber etwas trockenen Aufklärung ſich abgeſchloſſener Kunſtgeſtaltung auf das wildbewegte und Moralphiloſophie erfüllt war.
Ueber W. v. Humboldt's Kindheit und Knabenzeit be⸗
Feld der Verfaſſungskämpfe; im preußiſchen Staats⸗ miniſterium, das eben erſt der Graf von Haugwitz ver- richtet R. Haym uns nichts Hervorragendes. Erſt bei den laſſen hatte, im Wiener Congreß gegen die Metternich Conflicten des Jünglings wird ſeine Darſtellung ausführ⸗ und Talleyrand verſuchte er dem Idealismus jener philo⸗ licher. Humboldt's Natur, ſo wird uns erzählt, wie willig ſophiſch⸗äſthetiſchen Weltanſchauung das Terrain zu ero⸗ ſie ſich auch nach ihrer verſtändigen Seite in die„logiſche bern, und wenn er dabei in den Stein und Schön und den Erziehung“ fügte und ſich in dem trockenen und nüchternen, mit ihnen gehenden Patrioten Gleichſtrebende für dieſelben aber ehrlichen und geſunden Berliner Weſen feſtſetzte, hatte praktiſchen Zwecke hatte, keiner von dieſen hatte wie er ſeine noch ganz andere Bedürfniſſe. Er hatte Herzensbedürf⸗ irtig rieleiht Ueberzeugungen von den Grundtiefen menſchlichen Wiſ⸗ niſſe. Und die Wahrheit iſt: auch die Berliner Aufklä⸗ Wirken des ſens, von den Urquellen geſchichtlicher Entwicklung herge⸗ rungshelden gingen nicht ganz in ihrem Verſtandesenthu⸗ ich allgemein leitet. Rudolph Haym, der als junger Gelehrter Hallen- ſiasmus auf. Nicht alle waren ſie ſo ſtoiſche Weiſen wie hſein haupt⸗ ſer Schule zuerſt den erſten vereinigten preußiſchen Land⸗ Mendelsſohn, nicht alle ſo hölzern⸗trockene Geſellen wie det iſt Weſt tag und dann die Frankfurter deutſche Nationalverſamm- Nicolai. Am liebſten machte ſich ihr analytiſcher Scharf⸗ deatung, die lung mit geiſtvollen Charakteriſtiken begleitete, hat dem ſinn mit den Problemen der Pſychologie zu ſchaffen. V ne Fähß der Publicum im letzten Jahre ein Werk geſchenkt:„Wilhelm Dieſe, die Zergliederung der Empfindungen, die Beobach⸗ für die ge⸗ von Humboldt, Lebensbild und Charakteriſtik“ tung des eigenen Ich, war die eigentliche Delicateſſe der zunderts in(Berlin, R. Gaertner, 1856), das umfaſſend und eingehend Popularphiloſophie. Die ſtereotype Verbindung von Kopf
ſchichte ünfter die Verdienſte in dem Leben dieſes eigenthümlichen Mannes und Herz war nicht bloß eine Phraſe. Die Moral und och war, mehl ſchildert und dem wir die folgenden Züge auszugsweiſe ent⸗ Aeſthetik jener Männer beruhte vorzugsweiſe auf ihrem In⸗ Fen, ſein Ein⸗ nehmen. tereſſe für das menſchliche Herz. Mit einem Sprung in ſiſchen Cyoche Karl Wilhelm Freiherr von Humboldt wurde am 22. die Empfindungen des Herzens retteten ſie ſich vor der or ein durc⸗ Juni 1767 zu Potsdam geboren, als der ältere Bruder Kälte ſowohl, wie vor der Oberflächlichkeit ihres Raiſonne⸗
nehr als einem
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des berühmteſten Naturforſchers der Gegenwart, F. H. ments. Hier fanden ſie Abſolution von den Trivialitäten
geweſen. Ha, da fällt mir eben ein— hört rmal,'s ſind keine Jänos, indem er ſeine Beredſamkeit durch einen tüchtigen Schluck vierzehn Tage, da prügelte er drei Dragoner zur Schenke hinaus, aus dem Weinkruge unterſtützte, deſſen Inhalt dadurch ziemlich und der eine hinkt heute noch, der andere kann ſein Bein noch nicht auf die Neige gebracht wurde.„Glaubt mir nur, Gevatter,'s iſt gebrauchen und dem dritten fehlt ſonſt weiter nichts, als daß er halt nicht ſo ſchlimm mit ihm, wie es ausſieht! Ja, es iſt Manches ſom den Kopf halb eingeſchlagen hat;— na, und das wäre kein eine gute Seite von ihm, die Ihr gerade fuͤr was Schlechtes braver Kerl, der ſo etwas zu Stande bringen kann? he?“ haltet!“ „Ja, das iſt's ja aber, was ihn noch an den Strick liefern„Geht mir doch nur, Gevatter!'s iſt Euer Glück, daß mein vird; gerade deshalb mußte er jetzt wieder flüchten, damit er nicht Sohn neulich nicht zu Hauſe war, als Ihr mit Eurem Rößlein leide mochin ¶ durch die Gerichtsdiener auf Rummer Sicher gebracht würde; bei uns über Nacht bliebet! Ihr würdet ſonſt Euer Pferd los⸗ d und ſeitdem ſtreift er Gott weiß wo herum, und noch hab' ich halt geworden ſein, ohne daß Ihr's hättet zu verkaufen brauchen!“
auch nicht das Geringſte wieder von ihm gehört!“ ſeufzte der„Na, Gevatter, ſo viel dürft Ihr mir gewiß glauben,“ be⸗
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— Na, A Vater. 1 gütigte Jänos,„wenn der Janeſi auch ein noch ſo großer Wild⸗ eaae, daßmc„Ihr habt noch nichts wieder von ihm gehört, Gevatter?— fang wäre: ſeinen Taufpathen würde er aber doch ſicherlich nicht 1 3 Geli ne ja, da ſieht man's ja aber ganz deutlich, was für ein grundge⸗ beſtehlen! das wäre bei Gott wahrhaftig ſchon eine Bosheit! Wir biis zu ſcheiter, brader Junge der Jäncſi iſt: er verſteht es, ſich auch aus⸗ wollen es ihm aber nicht ſo hoch anrechnen, wenn er ein Paar rbel 4 V wärts zu erhalten, ohne ſeinen Vater um Unterſtützung oder Zu⸗ Reitpferde zum Roßmarkt bringt, die er vorher nicht baar be⸗
t ngen. ſchuß anſprechen zu müſſen,“ verſetzte Gevatter Jänos, der in zahlte; wie viel ſonſt ganz rechtſchaffene Burſchen ſetzten ſich nicht
fürch, amngen⸗ ſein Taufpathchen nun einmal ſo vernarrt war, daß er was immer dann und wann einmal in einen andern Sattel?“ Feic, daß für ſchlechte Streiche deſſelben zum Guten auszulegen wußte.„Ja, wenn nichts weiter als ein Paar ſolche Streiche! Aber Vethäll⸗„Zum Henker, Ihr ſagt, Gevatter, daß er zu leben und ſich der Musjeh hat ſchon mehr Pferde geſtohlen, als in den Ställen durchzubringen verſteht, ohne ſeinen Vater um Unterſtützung unſeres Grafen ſtehen,“ verſetzte der Vater mit erbittertem
Sorgen, und Zuſchuß anſprechen zu müſſen; hab' aber gleichwohl viele Herzen. fitziger, dl lolche Musjehs gekannt, die auch ihren Vätern nichts koſteten,„Nun, und wenn wirklich, ſo geht eben daraus hervor, was wiar um N deſto mehr aber dem Seckel anderer ehrlicher Leute;— kurz und für ein verdammt ſchlauer Burſch er iſt, denn ſie hab'n ihn halt eheeate de zut: ich ſag⸗ mich los von ihm,— wie er ſich gebettet, ſo wird doch noch nicht dabei erwiſcht!“ krahd er halt ſchlafen; das aber, Gevatter, dürft Ihr dreiſt von ihm„Ja, warum denn nicht,“ entgegnete Gaſtwirth Peter,„da⸗ 166 glauben, daß er nicht krank ſein und dennoch ſterben wird!“ zumal vor dritthalb Jahren auf der Pußta von Zacſär!“ f 111„Weiß gar nicht, wer Euch all' das vertrackte Zeug von„Nun ja, das iſt wohl wahr, aber was will denn das ſagen, 2andel Eurem Sohne in den Kopf geſetzt hat!“ gegenredete Gevatter ſie ſperrten ihn ja nur drei Monate ein!“ j 6’
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