ſie in landſtändiſchen Obligationen in Braunſchweig ange⸗ legt hatte, durch das Schickſal dieſer Papiere faſt völlig verloren. In ihrer Noth hört ſie von dem Miniſter v. Humboldt auf dem Wiener Congreß reden, ſie erkennt den Jugendbekannten darin und wendet ſich an ihn, um durch ihn wenigſtens eine theilweiſe Rettung jener Papiere zu er⸗ langen, ihrem Briefe jenes heilig bewahrte Stammbuch⸗ blättchen beilegend. Sie bekam umgehend ausführliche Nachricht von dem Miniſter. Er redet die Frau, die er vor ſechsundzwanzig Jahren an drei Tagen geſehen, ſo⸗ gleich mit„liebe Charlotte“ an; er beeilt ſich ihr zu ſagen, daß er in dem damaligen Zuſammentreffen mit ihr eine „wunderbare Fügung des Schickſals“ geſehen; er ſchreibt ihr in einer„vertrauten“ Weiſe, von der er gleich anfangs vorausſetzt, daß kein Dritter ſie zur Einſicht bekomme, er dringt ihr, da er anderweitig im Augenblicke nicht ſichere Hülfe zu ſchaffen weiß, Unterſtützung aus ſeiner Schatulle auf und verſpricht ihr, ferner für ſie zu ſorgen, kurz, er of⸗ fenbart in dem Entgegenkommen auf ihre Annäherung eine Herzlichkeit, ja eine Haſt des Zartgefühls, die ausſagen, daß er oft mit Innigkeit, ja vielleicht mit einer leiſen Ge⸗ wiſſensregung an jenes jugendliche Mädchen zurückgedacht hat. Er ruft lebhafter als ſie ſelbſt das glückliche Verhält⸗ niß jener Tage zurück, er erinnert ſich ſogleich, und nicht ganz ohne Befangenheit der Entſchuldigung, an das Ver⸗ ſprechen, das er damals gegeben, die liebenswürdige Char⸗ lotte recht bald im Hauſe ihrer Eltern zu beſuchen,— er fühlt es, daß, nicht durch irgend ein ausgeſprochenes Wort, aber durch ihr beiderſeitiges inneres Weſen eine Pflicht ſeinem Herzen aufgebürdet war, deren Vernachläſ⸗ ſigung er jetzt zu ſühnen verſuchen muß.
Und ſo entſpinnt ſich nun zwiſchen dem weiſen, berühm⸗ ten, im großen Leben ſich bewegenden Manne und der ar⸗ men, einſamen, ungekannten Witwe eine Correſpondenz, die das Schönſte enthält, was zwiſchen edlen Seelen ver⸗
Novellen⸗Zeitung.
handelt werden kann, und unter dem Titel„Briefe von W.
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v. Humboldt an eine Freundin“(Leipzig, F. A. Brockhaus, 1847; fünfte Auflage 1853) durch den Druck dem Pu⸗ blicum übergeben iſt. Wir können wohl die Bekanntſchaft dieſes ſo raſch verbreiteten Buches bei unſern Leſerinnen vorausſetzen und ſind überzeugt, daß in der Lectüre deſ⸗ ſelben bei faſt Allen der Wunſch rege geworden iſt, in die mancherlei myſteriöſen Verhältniſſe, die in der einen vorlie⸗ genden Hälfte der Correſpondenz berührt ſind, tiefere Blicke thun zu können. Wer war dieſe glücklich unglückliche Char⸗ lotte? Welches waren die troſtloſen Schickſale, die ſie ſo mannigfach berührt? Wer war die oft genannte Gattin Humboldt's? In welchem Verhältniſſe ſtand Humboldt zu dieſer? Und vor Allem: wie haben wir uns dieſen ſelbſt zu denken? welches ſind die Schickſale und Beſtrebungen, die ihn von dem jugendlich begeiſterten Studenten zum Mi⸗ niſter, zum berühmten Staatsmann und Gelehrten mach⸗ ten, der Deutſchlands Schickſale in ſeinen entſcheidungs⸗ reichſten Jahren entſcheiden half und der in mehr als einem Zweige der Wiſſenſchaft einen unvergeßlichen Namen ſich erwarb?— Das alles ſind Fragen, die jedem Leſer jener Briefe lebhaft ſich aufdrängen müſſen.
Der Name der Humboldt's iſt gegenwärtig vielleicht der berühmteſte in Deutſchland. Von dem Wirken des jüngeren Bruders Alexander mag wohl ziemlich allgemein ein beſtimmtes Bild feſtſtehen, wie daſſelbe durch ſein haupt⸗ ſächlichſtes Werk, den„Kosmos,“ ſchon begründet iſt. Weit weniger verbreitet iſt die Kenntniß der Bedeutung, die Wilhelm v. Humboldt nicht nur für einzelne Fächer der Forſchung oder der Staatsverwaltung, nein, für die ge⸗ ſammte deutſche Bildung dieſes unſeres Jahrhunderts in Anſpruch nimmt. Sein Name ſteht in der Geſchichte unſrer poetiſchen Literatur nicht oben an, und dennoch war, mehr als wir aus ſeinen Schriften das ahnen könnten, ſein Ein⸗ fluß auf die höchſte Entwicklung unſerer claſſiſchen Epoche durch den unmittelbaren perſönlichen Verkehr ein durch⸗ greifender. Wenn er aber ſolchen Ruhm mit mehr als einem
Feuilleton.
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Der Caufpathe des ungariſchen Betyären.
Nach Joſeph Gaal.
„Nun, macht Euch nur keine Grillen, Herr Gevatter, es wird aus meinem Pathchen gewiß noch ein tüchtiger und recht⸗ ſchaffener Kerl werden.“
„Nun ja, bis zum Galgen wird er's ſchon bringen, wenn er ſo fort wirthſchaftet.“
Alſo wurde ein Geſpräch fortgeſetzt, welches in dem verräucherten Gaſtzimmer einer niederungariſchen Cſärda zwei an einer langen rohgehobelten Tafel ſitzende Bauern führten. Der Eine ohne Ober⸗ rock und Hut, auch übrigens etwas nachläſſig gekleidet, ließ den
Hausherrn errathen, der zugleich mit Schenkwirth war; der An⸗
dere zeigten ſich im vollen Sonntagsſtaate, im Schäferpelz, mit einem großen, breitkrämpigen Hute auf dem Kopfe und die linke Hand auf einen mächtigen Fokoſch(lange Streitaxt) geſtützt. Vor ihnen ſtanden zwei an Hals und Rumpf ziemlich gleichſtarke Wein⸗ krüge, noch zur Hälfte mit einem Weine von ungewiſſer Farbe an⸗ gefüllt. Wenn die Beiden ſprachen, begrüßten ſie außer mit Worten ſich gleichzeitig auch mit mächtigen Tabakswolken; ſie
ſchienen übrigens in gleichem Alter zu ſtehen, und beide mochten bereits ein halbes Jahrhundert hinter ſich liegen haben.
„Was ſchwatzt Ihr, Gevatter Peter, an den Galgen? J lieber gar: Jäneſt, mein Pathchen, an den Galgen!— Na, er ſoll ſich nur einmal recht zuſammennehmen, und ich ſage, daß noch ein rechtſchaffener Kerl aus ihm wird— ſind doch bei Gott nicht umſonſt ſein Vater, wie ſein Taufpathe vom Wirbel bis zur Zehe kreuzbrave Menſchen!“. 4
„Ach, Gevatter Jaͤnos, ich fürchte, ich fürchte, daß der Schuft von Jungen noch Schande auf unſern alten Kopf bringene wird!“ ſeufzte der Schenkwirth und bedauerte ſchmerzlich, daß ſein ungerathener Sohn wegen des gevatterſchaftlichen Verhält⸗ niſſes auch noch ſeinen Freund Janos beſchimpfen würde.
„Ich ſag' nur ſo viel: macht Euch halt nur keine Sorgen,— Janeſi iſt freilich ein hitziger Burſch, vielleicht etwas hitziger, als er ſollte,— aber's gibt doch in der ganzen Pflege hier um die Theiß nicht drei ſolche Mordjungen, wie er! bekräftigte der Taufpathe.
„Sagt lieber: auch keinen ſolchen Galgenſtrick, Herr Ge⸗ vatter!“ verſetzte der betrübte Vater.. „Ach, ſlihi doch nur nicht ſo, ſind wir halt doch nicht anders
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(III. Jahrg.
Nr.
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