Jahrgang 
01-26 (1857)
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Blut, dann fragen ſie den Teufel nach, ob Vater oder Bru⸗ der drüben ſteht. Das Acharnement macht den exacten Soldaten.

Barfuß, ſtehſt Du die Feuerprobe?

Probir's.

So nun der Zorn meiner Väter in mir aufloderte gegen die rechthaberiſchen Junker, die an meiner Souve⸗ rainetät zauſen und rütteln möchten wenn ſie offen die Rebellionstrommel ſchlügen, wie damals in Preußen, und ich ließe in die Trompete blaſen: Aufgeſeſſen, Obriſt Bar⸗ fuß! Eingehauen! Schrickſt Du zuſammen?

Gnädigſter Herr, da würdet Ihr wohl allergnädigſt mein gehorſamſtes Dimiſſionsgeſuch entgegennehmen. Hält die Disciplin nicht Stich vor der Sippſchaft?

Ich glaubte ſchon Deine Küraſſiere raſſeln zu hören.

Nun denn, ſie ſollten raſſeln.

Oder die lutheriſchen Prediger predigen von den Kanzeln Aufruhr gegen mich? Wenn's mir zu Sinne käme, daß ich durch Küraſſiere ſie zur Vernunft bringen wollte? O was kann nicht ſein! Könnte ich nicht den Papſt, den Kaiſer, die ganze katholiſche Chriſtenheit auf meine Seite ziehen wollen? Um Pommern zu erhalten, ließ ich mich von einem Jeſuiten convertiren? Dann hätte ich Freunde vollauf gegen die ketzeriſchen Schweden. Aber auch gegen meine Völker! Wenn allgemeine Rebellion würde, Maſſacre und Bluthochzeiten aller Orten

Du beliebſt zu ſcherzen. Gnädigſter Herr, das könn⸗ teſt Du nicht!

Obriſt Reſpect vor dem General-Majorspatent, was noch nicht unterzeichnet iſt. Die Disciplin geſtattet nicht Zweifel und Hypotheſen. Würdeſt Du mit Deinen Küraſſieren meine Brandenburger in die Meſſe treiben?

Der Oberſt fuhr zuſammen.

Was? Wenn ich commandire? Antwort!

Es brach von ſeinen Lippen wie ein angeſtautes Waſ⸗

Novyellſen⸗Zeitung.

[III. Jahrg. ſer durch die Verſchüttung:Durchlaucht, Ordre muß pa⸗ rirt ſein! Wenn wir dann mit klingendem Spiel, ſechs ge⸗ ſchloſſene Schwadronen, in's ewige Feuer einritten, helf mir Gott, ich glaube die Hölle auch kriegte Reſpect vor der brandenburgiſchen Cavallerie.

Der Fürſt blickte mit einem wehmüthigen Ernſt den Officier an, dann legte er ihm die Hand gutmüthig auf die Schulter:Die Probe haſt Du beſtanden. Bewahre Dir den Glauben, der Berge verſetzt. Meinen Gruß, Herr General-Major, Euren Kameraden in Potsdam!

Nur der alte Derfflinger blieb auf ſeinen Wink zurück. Auch ein großer Geiſt bedarf der Vertrauten, zu Organen, um auf die kleinen zu wirken; danach müſſen guch die Ge⸗ fäße, in die er ſeinen Geiſt gießt, verſchieden ſein. Mit dem Barfuß pflegte der Herr zur Zeit ein ſcherzhaft Wort zu wechſeln, den Feldmarſchall rief er nur, wenn ernſte Dinge ernſte Rückſprache forderten. Am Hofe nannte man jenen ſeinen Günſtling. Viele aber waren froh, wenn Friedrich Wilhelm ihn aufzog; da zog wohl eine Wetter⸗ wolke des Unmuths vorüber, die ſonſt hätte einſchlagen können. Andre meinten, gerade wenn dieſe Wolke aufſtieg, ſpiele er mit dem Liebling nur, um ſie den Augen der An⸗ dern zu verbergen.

Das Spiel war vorüber. Friedrich Wilhelm war wie⸗ der auf den Stuhl geſunken:Guter Barfuß! Hat Gott mit einer Schulmeiſterregel die Welt aus dem Chaos ge⸗ rufen? Simſon und Joſua mit Additionsexempeln erweckt und die Propheten begeiſtert? Wenn das Schaffen und Regieren nur ein Recept wäre, und der es getreu befolgt! O mein Gott, wenn man nach Menſchen verlangt, und wir finden Gliedermänner!

der Verunglückten in England noch nicht das Doppelte derjenigen

in Preußen, ſo daß in England auf 434 Bedienſtete, in Preußen ſchon auf 233 eine Verletzung kam. Unter neun Verletzungsfällen von Bedienſteten in Preußen ſind acht der eigenen Unvorſichtigkeit

und Nachläſſigkeit im Dienſt zuzuſchreiben und nur ein Fall ganz ohne Schuld des Verletzten herbeigeführt. Gegen 1854 hatte je⸗ doch die Zahl der Verunglückten dieſer Claſſe ungeachtet des ver⸗

mehrten Verkehrs um nahe 10 Procent(von 22 auf 118) abgenom⸗ men, und iſt bei der ſich immer mehrenden Controle, Geſchicklichkeit und Aufmerkſamkeit im Dienſt, bei der großen Zahl warnender Bei⸗ ſpiele und den ſtets erneuerten Verwarnungen und Vorſichtsmaß⸗ regeln für die Zukunft auf ein immer günſtigeres Reſultat zu hof⸗ fen. Die Zahl der beim Ueberſchreiten oder Betreten der Bahn verunglückten fremden Perſonen endlich hat ſich in 1855 gegen 1854 von 21 auf 40 vermehrt; 17 hiervon haben den Tod ſelbſt ge⸗ ſucht und 16 ihn wirklich gefunden. 55

Miscellen. general Cottleben.

Der General Tottleben entſpricht durch ſeine äußere Erſchei⸗ nung ſehr wenig der Vorſtellung, die man ſich nach dem, was er in Sebaſtopol leiſtete, von ihm zu machen geneigt ſein dürfte.

Sein Weſen und Benehmen iſt durchaus nicht kriegeriſch; er iſt einfach, ſehr beſcheiden, etwas beſchämt darüber, der Gegenſtand von Aufmerkſamkeit zu ſein, welche man dem Manne, der ſich ſo viel Ruhm erwarb, überall, wo er ſich zeigt, zu zeigen bemüht iſt. Er kommt den Achtungsbeweiſen, die man ihm erzeigt, keineswegs

entgegen iſt in ſeiner Unterhaltung ſchüchtern, beinahe ſcheu undiſcheint noch ſehr an der Wunde zu leiden, die er einige Tage vorſberroberung von Sebaſtopol empfing.

¹ a.

Danton und der Sänger garat.

Der berühmte Sänger Garat, der in allen Hofconcerten ſang, welche am Hofe Ludwig XVI. gegeben wurden, war voll Anhäng⸗ lichkeit und Dankbarkeit für den König und deſſen ganze Familie, ſeitdem die hohe Protection derſelben ſein Fortkommen auf der Laufbahn der Kunſt erleichtert hatte. Schon mehrmals war er durch ſeine Aeußerungen ſtark compromittirt worden, ſeitdem der König Gefangener im Tempel war; da ließ er ſich eines Abends im Foyer der großen Oper hinreißen, die berühmte Romanze aus Richard Löwenherz anzuſtimmen:

In einem dunkeln Thurme Ein mächt'ger König ſaß ac. ꝛc.-2

Sofort wurde er verhaftet und ſchon ſollte er in das Gefäͤng⸗

niß abgeführt werden, als Danton ſich ſeiner annahm, indem er

ausrief:

Laßt doch den Bürger Garat frei. Er iſt ein Dummkopf⸗ ein Einfaltspinſel, aber er ſingt zum Entzücken ſchön. Seine Stimme ſteht im Dienſte der Revolution, wie der alten Herr⸗ ſchaft. Wenn Ihr wollt, wird er Euch die Marſeillaiſe mit eben ſo viel Seele und Feuer ſingen, wie die Romanze, die Ihr eben von ihm hörtet. 8

Garat wurde frei gelaſſen und die Sache hatte keine weitern Folgen. 4

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