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ſchienen ſchlaff, die Augen zurückgeſunken. Ihr Glanz war erloſchen, nur dann und wann zuckte ein Licht darin auf, als irre der Lebensfunke, der die ſterbliche Hülle beſeelt, in dem einſtürzenden Gehäuſe angſtvoll umher, um ihm zu entſchlüpfen. Benjamin ſtand vor den bereits halb offenen Pforten der Ewigkeit.
Nach einigen freundlichen Worten, die ich an ihn rich⸗ tete, erklärte er durch Zeichen, daß er bereit ſei, mich anzu⸗ hören. Ich ſprach ruhig, ernſt, langſam und laut, damit keinem der Anweſenden eins meiner Worte entgehe. Die Frauen waren bald bis zu Thränen gerührt. Sie ſchluchz⸗ ten laut, je verſtändlicher Allen der Sinn meiner Worte ward. Nicht ſtrafen, nur bußfertig machen wollte ich den Verirrten, und ihn dann tröſten und aufrichten. Die Mie⸗ nen des Kranken verriethen mir die Kämpfe ſeiner Seele. Er wechſelte wiederholt die Farbe, immer bebten die Lip⸗ pen, als müſſe er laut aufſchreien, und Thränen entperlten den weit offenen, ſtets tiefer in ihre Höhlen verſinkenden Augen. Es war das tief ergreifende Bild eines Sünders, der, ſchon umrauſcht von den Fittichen des Todes, in hei⸗ ßen Bitten um Vergebung fleht und Minuten in Jahre verwandeln möͤchte, die er achtlos vergehen ließ, ja, in denen er aus geiſtigem Trotz und im Uebermuth ſtrotzender Lebenskraft wiſſentlich fehlte.
Da Benjamins Zuſtand die mündliche Ablegung einer Beichte nicht zuließ, ſprach ich ihm ſelbſt ein kurzes, für ſeine Verhältniſſe paſſendes Formular vor, das er, nur mir verſtändlich, ſtammelnd wiederholte. Demuth drückte ſein ganzes Weſen aus, als ich ihn abſolvirte. Erleichtert,
wie es ſchien, holte er Athem, ſein Auge leuchtete wieder
einen Augenblick lang hoffnungsfroh. Laut und feierlich ſprach ich die Einſetzungsworte des letzten Nachtmahles. Die Zuhörer knieten, wie üblich, während derſelben nieder, und es herrſchte in dem verhältnißmäßig engen Raume eine Stille, wie in einem Gott geweihten Tempel.
Benjamin ward während dieſer ergreifenden Augen⸗
Noveſlen⸗Zeitung.
blicke bleicher und bleicher. Sein Antlitz zeigte deutlich die Spuren, welche als ſichere Vorboten des herannahenden Todes von den Aerzten mit dem Ausdrucke facies hippocra- tica bezeichnet werden. Große Schweißtropfen perlten auf ſeiner Stirn und die erkaltenden Hände flogen wie im hef⸗ tigſten Fieber.
Ich ergriff den ſilbernen Teller mit dem Brode. Mit den Worten:„Nehmet hin und eſſet, das iſt mein Leib“ reichte ich dem in den Kiſſen lehnenden Kranken die Oblate. In einem Halbkreiſe umſtanden mich und das Lager Ben⸗ jamins die anweſenden Nachbarn. Der Kranke empfing das Brod— er röchelte— die Lippe ſchloß ſich— ſein Auge brach! Mit der Oblate auf der Zunge berührte ihn der Engel des Todes. Er ſtarb, ehe er das Brod genießen konnte, das er vor Jahren frevelnd von ſich wies. Alle⸗ Anweſende erbebten. Der Mund des Verſtorbenen ließ ſich nicht ſo feſt ſchließen, daß man zwiſchen den ſchmalen, blei⸗ chen Lippen nicht die Zähne mit der feſt eingeklemmten Oblate erblickt hätte. So bettete man den Armen in den Sarg, ſo ſenkte man ihn ins Grab. Die ganze Gemeinde war tief erſchüttert von dieſem Ende eines als Spötter be⸗ kannten Mannes, und es vergingen Jahre, ehe ich wieder Urſache hatte, über Mangel an kirchlichem Sinn und über Sacramentsverachtung zu klagen.
Der große Kurfürſt und ſeine Disciplin.
Eine der ſchwierigſten Situationen des großen Kur⸗ fürſten von Brandenburg war die vom Jahre 1679. Der Held, der Holland gegen Frankreich und Schweden in
Schutz genommen hatte, ſah ſich nach dem Frieden von
Da ihr Zweck iſt, die Ausbreitung der Selaverei zu verhindern, nennt man ſie auch ironiſch negro worshippers(Negerverehrer), ſowie die entgegengeſetzte, die der Regierung, negro drivers(Reger⸗ treiber).
Die zahlloſen Theilungen und Untertheilungen der Par⸗ teien ſetzen den Ausländer in große Verlegenheit und geben Ver⸗ anlaſſung zu Namen, die oft nur local und temporär ſind, je nachdem ſich hier oder dort eine Frage oder ein Streit erhebt. Dahin gehören die Branntweingeſetz⸗ und die Anti⸗Branntwein⸗ geſetz⸗Partei und unter dieſen unterſcheiden ſich wieder die Mo⸗ ralſuaſioniſten, d. h. die, welche gegen die Trunkſucht nur mora⸗ liſche Mittel, als Predigten u. ſ. w. angewendet wiſſen wollen; die Freiliquoriſten oder Anhänger des freien Verkaufes der Spiri⸗ tuoſen; die Anticocréioniſten ꝛc. Dieſen Benennungen entſprechen wieder Spottnamen, welche von der Gegenpartei beigelegt wer⸗ den, wie rumies(Rumliebhaber), drunkard's party(Partei der Trunkenbolde). Dann kommen zuſammengeſetzte Benennungen, liquor democrats(Demokraten für den freien Verkauf der Spiri⸗ tuoſen), temperance americans(Mitglieder der know-nothing, welche für die Mäßigkeit ſind), rum republicans(Republikaner für den freien Verkehr der Spirituoſen).
Dieſe Spottnamen werden ſowohl bei den parlamentariſchen Verhandlungen als in der Preſſe, bei religiöſen wie bei Wahlver⸗ ſammlungen reichlich gebraucht.
Eine Menge beſonderer Benennungen bezeichnen Fractionen größerer Parteien oder unbedeutende locale Streitigkeiten. Oft gibt ein zufälliger Umſtand dabei Veranlaſſung. So löſchten z. B. bei einem demokratiſchen meeting in Newyork die Verthei⸗ diger eines gewiſſen Candidaten die Lichter aus, weil ſie ſich in
der Minorität fanden und die Verſammlung aufzulöſen wünſch⸗ ten, Die Anhänger des andern Candidaten blieben indeß auf ihren Pläßzen; einer von ihnen zog eine Art Streichhölzchen, loco⸗ foco genannt, aus der Taſche, zündete die Lichter wieder an, und das meeting hatte ſeinen Fortgang. Daher die Benennung loco⸗ foco, welche anfangs einer Fraction der demokratiſchen Partei beigelegt wurde, ſpäter aber eine ungleich ausgedehntere Anwen⸗ gung fand..
Beinahe auf gleiche Weiſe entſtanden die komiſchen Namen
der hard-shells, soft-shells und half-shells(Hartſchuppen, Weichſchuppen und Halbſchuppen), welche die äußerſten Parteien
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und ein juste- milieu der Demokraten von Newyork bezeichnen. Ein Adamantine(Diamanthart) iſt ein Ultra-hard-shell.
Von derſelben Gattung ſind auch die folgenden Namen⸗ hunker, Spottname, der einen reichen, egoiſtiſchen, ſtarrſinnigen, mürriſchen Menſchen bedeutet;— barn-burner(Scheunenbren⸗ ner), wahrſcheinlich dadurch entſtanden, daß eine Partei eine Scheune niederbrannte, um eine Verſammlung ihrer Gegner zu verhindern;— silver gray(ſilbergrau), ein Anhänger des Alten, ein veralteter Conſervativer;— woolly-head(Wollenkopf) be⸗ deutet das Entgegengeſetzte und iſt demnach eine Anſpielung der Sympathie zu Gunſten der Neger;— fogie(Nebelmann), ein Menſch, deſſe Verſtand umnebelt iſt, ſo daß er die Zweckmäßig⸗ keit neuer Zeiterforderniſſe nicht zu faſſen vermag..
Einige politiſche ſſenichr garaiſen durch ſich ſelbſt, z. B. Bentonit und Antibentonit, Pierce⸗Demokrat, Buchanan⸗De⸗ mokrat, Seward⸗Republikaner, Fremont⸗Republikaner, Nord⸗ Amerikaner, Süd⸗Amerikaner u. ſ. w. a.
III. Jahrg.


