(III. Jahrg.
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Dritte wenn er auch Wege wandele, die ich nicht begreifen noch
weniger ſelbſt einſchlagen könne. 3 Benjamin hörte anſcheinend ruhig zu. Er lag mit of⸗
fenen Augen in den Kiſſen und ſchien unverwandt die
Decke zu betrachten, von deren bräunlichſchwarzem Getäfel eine Taube, aus Binſenmark künſtlich geflochten, herab⸗
hing. Dieſe Taube, ein Sinnbild des heiligen Geiſtes, die
man vor längerer Zeit auf allen Jahrmärkten feil bot und die von den Landleuten gekauft wurden, um ihre Wohn⸗ zimmer damit zu ſchmücken, mochte ſchon ſehr alt ſein. Benjamin hatte wohl lange nicht mehr darauf geachtet, noch weniger über die ſymboliſche Bedeutung des künſtli— chen Vogels nachgedacht. Jetzt fiel ihm dieſelbe offenbar ein und ein Kampf widerſtreitender Gefühle entbrannte in ſeiner Seele.
„Darf ich für einen Arzt ſorgen, Benjamin?“ fragte ich nach längerem Stillſchweigen, das Geſangbuch aufneh⸗ mend, das Frau Lisbeth auf den Schemel gelegt hatte. Ein ſtärkeres Röcheln war die Antwort des Kranken, deſ⸗ ſen Lippen ſich ſchmerzhaft bewegten. Er wollte offenbar ſprechen, vermochte es aber nicht, da die gelähmte Zunge ihm dem Dienſt verſagte.
„Thut Euch keinen Zwang an, Benjamin,“ fuhr ich fort,„damit Ihr Eure Schmerzen nicht vermehrt. Ein be⸗ jahendes Zeichen, ein Augenwink, ein Händedruck genügen mir ja.“
Der Kranke ſtreckte mir die feucht-heiße Rechte entge⸗ gen. Ich ergriff ſie mit Wärme und hielt ſie feſt. Sein Puls ſchlug voll und ſchnell, bisweilen ſchien es mir ſogar, als ob er rolle. Auch jenes eigenthümliche Zucken und Vi⸗ briren unter der Haut, das die Aerzte meines Wiſſens Flechſenſpringen nennen und in der Regel für ein Zeichen baldiger Auflöſung halten, konnte ich wahrnehmen.
Benjamins Auge ruhte fragend auf meinem Antlitz. Sein Blick war nicht mehr ſo kalt, ſo durchdringend; es lag beinahe Milde in dem unbeweglichen Stern des grauen
folge.
Auges. Ich ſchlug einige Blätter in dem Geſangbuche um, zog das flackernde Licht etwas näher und begann mit lau⸗ ter, ausdrucksvoller Stimme das Lied zu leſen:
„Wer weiß, wie nahe mir mein Ende,“ ꝛc.
Mutter und Tochter traten mit gefalteten Händen hin⸗ ter mich, die Worte des Liedes leiſe nachſprechend. Die Hand des Kranken zuckte und zitterte in der meinigen, er zog ſie aber nicht zurück, noch zeigte er durch finſtere Mie⸗ nen an, daß mein Thun ihm zuwider ſei. Während der Lectüre hob ſich wiederholt in ſchweren Athemzügen ſeine Bruſt, und das raſſelnde Röcheln löſ'te ſich auf in bange laute Seufzer.
Ich freute mich dieſer Verwandlung, die ich kaum ver⸗ muthet hatte, und jetzt erſt dankte ich im Stillen der weich⸗ müthigen Suſanne, daß ſie es gewagt, mich zu dem ſchwer leidenden Vater zu rufen. Ein Irrender war auf dem Wege, gänzlich umzukehren. Ich durfte dieſen vielver⸗ ſprechenden Moment nicht unbenutzt vorübergehen laſſen, um eine wohlthuende Wirkung auf den Kranken hervorzu⸗ bringen. So ſchlug ich ein anderes paſſendes Lied auf und las auch dieſes langſam und verſtändlich vor.
Der Zuſtand Benjamins erlitt keine Veränderung. Er lag faſt bewegungslos, mit offenen Augen und immerwäh⸗ rend zitternden Lippen. Oft ſuchten mich ſeine Blicke, oft hefteten ſie ſich wieder auf die Decke, zu ſprechen verſuchte er nicht mehr.
Da er ruhig blieb und mir die Hand willig ließ, trug ich ihm noch ein paar Lieder vor. Eine directe Zuſprache hielt ich in dieſem kritiſchen Augenblicke nicht für ange⸗ meſſen. Gern würde ich noch länger an dem Lager des hoffnungslos Erkrankten verweilt haben, hätte ich nicht fürchten müſſen, daß die Aufregung, die ihm mein Beſuch verurſachte, üble Folgen haben könne. Auch that Eile Noth, wenn ärztliche Hülfe überhaupt noch von Nutzen ſein ſollte.
Ehe ich aufbrach, wiederholte ich meine Frage. Benja⸗ min bejahte durch einen matten Händedruck und ſprechen⸗
im Frieden floß unſer Leben dahin. durch ſeine merkwürdigen Mutter und das meinige.“
„Und was ſagte er Dir ſo Merkwürd voll Spannung Ludwig Philipp.
„Einen glänzenden Beſuch, wie ihn in dieſem Lande noch nie zuvor ein Menſch empfing!“ ,„Und was ſagte er Dir noch weiter?“ fragte der Prinz, ent⸗ zückt über das verrätheriſche Erröthen des jungen Mädchens.
„Daß zwei Worte auf immer mein Glück zertrümmern wür⸗ den!— Meine Mutter ſchläft ſeit vier Jahren den ewigen Schlaf auf dem. Gottesacker von Uleaborg, und ſeit der Zeit iſt Tuisko mir Vater geweſen!“
„Ich will Dir mehr ſein,“ rief der Prinz entzückt,„wenn Du einwilligſt, mit mir nach Frankreich zurückzukehren, wenn Du mir nur ein Pfand Deiner Liebe gibſt,— wenn Du mir die Billets überläßt, die das Unglück Deiner Mutter und Dein eige⸗ nes verurſachten!“ „Sie ſind in dieſem Medaillon Erbtheile von meiner Mutter, nem Herzen gekommen iſt. nehmen Sie es hin!“ Saſtig griff Ludwig Philipp nach dem Kleinod, doch kaum hatte er die verhängnißvollen Zettel, von geheimer Ahnung getrie⸗ fen, entfaltet, da taumelte er entſett zuruück. „Mein Vater!“ Schweſter, lebe wohl!“
—
Der alte Tuisko gewann
iges voraus?“ fragte
eingeſchloſſen, dem einzigen das ſeit ihrem Tode nie von mei⸗ Es iſt mein koſtbarſter Schatz;—
Prophezeiungen das Vertrauen meiner
rief er.„Ich fürchtete es!— Toni, meine Geſtalt G deſſelben, die ihn aus ſeinem Schlummer zu wecken berufen waren,
Er riß ſich gewaltſam los von dem weinenden Mädchen und die nächſte Stunde ſchon fand ihn auf dem Rückwege nach Frank⸗ reich, wo die Prophezeiung des Troll ſich an ihm durch ſeine Erhöhung wie durch ſeinen Sturz erfüllen ſollte. a.
Aus der Gegenwart.
Ein dreieckiger Hut und eine Parade unter den Linden.
Kaum hatten ſich die ehrbaren Bewohner Berlins wenigſtens in Etwas an den Anblick einer neuen Kopfbedeckung gewöhnt, die ſie auf den ſchönen Häuptern ihrer weiblichen Mitbürgerinnen erblicken mußten, und die große Frage über die Zuläſſigkeit des modernen Amazonenhutes war aus Zweckmäßigkeitsrückſichten endlich zu Gunſten deſſelben entſchieden— ſiehe, da erſcheint als⸗ bald ein anderer Gegenſtand, der zu unzähligen Für und Widers in allen Kreiſen Veranlaſſung bietet, und zwar diesmal ein dreieckiger Hut!
Er hat ſchon einmal ganz Berlin und auf die Beine gebracht im Jahre 1806— wo er vom k. Schloſſe die Linden hinabritt, um ſich die preußiſche Victoria auf dem Brandenburger Thore mit begehrlichen Blicken anzuſchauen.
Damals ſtanden die Soldaten der großen Armee, die fran⸗ zöſiſchen Grenadiere der Kaiſergarde in Reih' und Glied und präſentirten vor dem kleinen Corporals⸗Hut ihres Kaiſers; und noch ſchaute weder der perſonificirte Kriegsruhm Preußens in der Friedrich des Großen, noch die kräftig kühnen Verrreter
mehr noch ganz Preußen
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