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342 Novellen⸗Zeitung.[III. Jahrg. ob ich wohl Recht gethan. Mein Wille war gut, meine Ab⸗ gleich und lieb, mögen ſie Chriſten, Juden, Mohamedaner ſicht eine lautene, und doch, wie ganz anders zeigte ſich der aber Heiden ſein, wenn ſie nur rechtlich handeln, Niemand Erfolg meines Handelns! verläumden und verfolgen. Wie alſo könnte ich meinem ei⸗ Benjamin ging mir von jetzt an abſichtlich aus dem genen Kinde hinderlich ſein? Iſt es glücklich in ſeinem Wege. Er grollte mir, er haßte mich vielleicht. Ich be- Glauben, ſo lebe es von ihm, bis es ihn aufgezehrt hat. hielt ihn und ſein Thun fortwährend im Auge, ohne per⸗ Manchmal ändert das Leben unſere Anſichten. Als ich ſo ſönlich in irgend eine Berührung mit ihm zu kommen. jung war, wie jetzt meine Suſanne, glaubte ich auch noch Sufanne war inzwiſchen herangewachſen und ſchulfähig ge⸗ Alles und ging demüthig zu Gottes Tiſche. Jetzt weiß ich worden: Ihr Vater legte dem Schulbeſuche des aufge⸗ ſchon laſsge nichts mehr davon. Das, Herr Paſtor, theilte weckten Kindes nichts in den Weg. Er gab ſich den An⸗ ich meiner Tochter mit und darüber hat ſie ſich erſchrocken, ſchein, als wiſſe er nichts davon. Das Mädchen aber lernte das iſt Alles. Ich verſpreche Ihnen, künftig vorſichtiger leicht, begriff ſchnell, zeigte ein weiches bieg- und bildſa- zu ſein.“ mes Gemüth und machte in jeder Beziehung erfreuliche Er gab mir die Hand, die ich feſt in der meinigen hielt. Fortſchritte. Mir hing das Kind ſehr an. Was ich ihm Obwohl er finſter vor ſich hinſah, ſchien es mir doch, als ſagte, das that es. So gelang es mir, Suſanne kirch- ſei er bewegt und ſtelle ſich nur gleichgültig. lich und chriſtlich fromm zu erziehen. Von den Verirrungen„Benjamin,“ ſprach ich,„kehrt um, es iſt beſſer! ihres Vaters war nie die Rede, doch fühlte das denkende Wollt Ihr Euer Kind allein zu Gottes Tiſche gehen laſ⸗ Mädchen frühzeitig, daß das Leben des Vaters den An⸗ ſen und, während alle übrigen Väter, ja die ganze Ge⸗ ſprüchen nicht genüge, welche die Kirche an einen chriſtli⸗ meinde für die jungen Chriſten beten, draußen bleiben vor
chen Lebenswandel mache.
Zur Sprache kam dieſe verſchiedene Anſchauungsweiſe zwiſchen Vater und Tochter erſt, als Suſanne confirmirt werden ſollte. Benjamin hatte ſich Aeußerungen erlaubt, welche das kindlich-gläubige Gemüth des Mädchens gleich⸗ zeitig verletzen und mit Entſetzen erfüllen mußten. Hier gebot mir die Pflicht des Seelſorgers, abwehrend, beſänf⸗ tigend, womöglich verſöhnend einzuſchreiten.
Ich ſuchte, um unggeſtörter zu ſein, den Maurermeiſter auf ſeinem Bauplatze auf und kam, damit er mir nicht etwa entſchlüpfen möchte, ſogleich und ohne alle Umſchweife auf die Sache ſelbſt, die mich zu ihm trieb, zu ſprechen.
Benjamin hörte finſter meine Bemerkungen an. Als ich endigte, opponirte er nicht, wie er wohl früher that, er ſagte nur:„Sie haben Beweiſe, Herr Paſtor, daß ich ſehr duldſam bin. Mir fällt es nicht ein, irgend Jemand ſeines Glaubens wegen zu verdammen. Alle Menſchen ſind mir
dem Hauſe des Herrn? Ihr ſtoßt Euch muthwillig aus,
Ihr brandmarkt Euch ſelbſt!“
„Sie haben mich ja gezeichnet, Herr Paſtor,“ ſagte er dumpf.
„Ich hoffte Euch zu bekehren und meinte es gut mit Euch,“ erwiderte ich.„Führte mich vielleicht der Eifer für das Wort des Herrn zu weit, ſo vergebt mir, Benjamin! Ich halte mich nicht für untrüglich und fehlerfrei.“
„Sie thaten, was Ihres Amtes war. Das konnte ich Ihnen nicht übel nehmen. Mir aber können Sie doch nicht helfen, und weil ich mich nicht immer wieder von Neuem
abkanzeln hören will, bleibe ich fort von„den ſchönen Got⸗
tesdienſten.““ Er lächelte bei den letzten Worten, und ein ſpöttiſcher Blick ſeines hellgrauen, ſcharfen Auges fiel auf mich. „Fürchtet Ihr nicht die Tage des Alters, die letzten Stunden Eures Lebens?“
Reiſenden entgegengehen, denn ihm droht Verderben, und das wäre ein ſchweres Uinglück für das Land Deiner Mutter, Toini.“
„Ihre Worte erinnern mich an meine Reiſegefährten, die in der gröͤßten Gefahr ſchweben.“
„Mein Vater iſt bereits gegangen, ſie zu holen.“
„Ihr Vater, ſo ſcheint es, beſitzt außergewöhnliche Kennt⸗ niſſe?“
Mein Vater iſt ein Troll, und unſere alten Sagas nennen die Weisheit, die er beſitzt, eine Gabe der Götter.“
„So weiß alſo Ihr Vater ziemlich Alles?“ fragte der Prinz, nicht ohne einen Anflug des Spottes.
„So iſt es, wenn Sie dies auch nicht glauben, wie ich aus Ihrem Tone höre; denn alle Männer ſind Ungläubige und Spöt⸗ ter. Doch mein Vater iſt ein wahrer Seher, und wenn Sie ihn in ſeiner Entzückung hören könnten, mein Prinz, würden Sie von Bewunderung ergriffen werden.“
„Ihr Vater ſcheint in der That ein merkwürdiger Menſch zu ſein, aber noch merkwürdiger finde ich es, daß er Ihr Va⸗ ter iſt.“
„Ich bin nicht die Tochter Tuisko's!“
„Sonderbares Weſen,“ rief der Prinz,„das dachte ich mir. Aber wer ſind Sie denn?“
„Was kann S ie das intereſſiren?“
„Ich bitte Dich darum, holder Engel!“
„Mein Vater iſt der ewige Jude; ich ſelbſt habe das dritte Hundert meiner Jahre noch nicht ganz zurückgelegt.“
Der Prinz ſah das junge Mädchen ſtarr an und fragte ſich ſelbſt: Hat ſie auch ihren ungetrübten Verſtand?
In dieſem Augenblicke kehrte der alte Tuisko mit den Reiſe⸗
begleitern des Prinzen zurück. Dieſer begrüßte ſie voller Freuden und Toini trug während deſſen ein reichliches, doch frugales Abend⸗ eſſen auf. So wenig lecker dies auch für die verwöhnten Gaumen der franzöſiſchen Herren ſein mochte, thaten ſie ihm doch alle Ehre an, und als es beendet war, ſagte der Prinz zu dem jungen Mädchen:
„Schoͤne Toini, nach dem Wunſche, Ihre eigene Geſchichte kennen zu lernen, hätte ich kein glühenderes Verlangen, als Ihren Vater in ſeine Seher⸗Ekſtaſe verfallen zu ſehen. Er muß dann in der Vergangenheit wie in der Zukunft leſen können, und über beide Punkte erhielte ich gern einige Aufſchlüſſe.“
„Ich will ihm Ihren Wunſch mittheilen,“ entgegnete Toini, „aber ich kann Ihnen nicht verſprechen, daß er ihn erfüllt; denn es iſt kein Spiel, den Geiſt von den Feſſeln dieſer Welt frei zu machen, daß er ſich in unbekannte Regionen ſchwingen könne.“
Es entſtand hierauf ein längeres Geſpräch zwiſchen der Toch⸗ ter und dem Vater; dieſer widerſtand längere Zeit, endlich aber trug die Tochter den Sieg davon.
Der alte Troll ſchritt hierauf in die Mitte des Naumes vor
und forderte durch eine gebieteriſche Handbewegung die Anweſen⸗ den auf, rings an die Wände zu treten oder auf der Bank Platz zu nehmen. Dann ließ er ihnen durch Toini alle Gegenſtände von Eiſen oder Stahl abfordern, die ſie bei ſich trugen, und nach⸗ V dem er dieſe unter den Fußboden verborgen hatte, begann er ſeine Beſchwörungsformeln. Nach kurzer Zeit ſchon gerieth er in Ek⸗ ſtaſe, und Toini überſetzte getreulich ſeine Worte. „O Ihr Fremden, die Ihr mich hört,“ rief er aus;„was verlangt Ihr von mir?— Hat der Schmerz Eure Herzen zer⸗ triſſen? Habt Ihr ungeheure Schätze verloren? Werdet Ihr vol
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