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überſchreiten mußten, nahm ich eine Leuchte mit und trat vertrauensvoll den eigenthümlichen Gang an, der mir un⸗ terwegs noch viel zu denken gab.
Suſanne trippelte vor mir her und ſprach ſelten ein Wort. Nur wenn eine unſichere Stelle zu paſſiren war, blieb ſie ſtehen und zeigte mir, wo ich gehen müſſe, um keinen Fehltritt zu thun. Sie hielt ſich immer im Schein der Laterne, die ihr Licht mehrere Schritte weit auf die Schneefläche warf. Der Wind heulte unheimlich in den entblätterten Eichen, die uns eine Zeitlang zu Wegweiſern dienten, und pfiff, als wir die Lehde erreichten, mit ſchnei⸗ dender Schärfe über die bereits hart gefrorene Erde.
Einen Krankenbeſuch ähnlicher Art hatte ich noch nie gemacht. Suſannens Vater war von jeher mein Wider⸗ ſacher geweſen. Schon die Antrittspredigt gefiel ihm nicht, und da er ein Mann von hellem Verſtande war und ſich klüger dünkte als alle Uebrigen, nahm er keinen Anſtand, mir ſeine Meinung offen zu ſagen. Ich lobte dieſe Offen⸗ heit, ſprach mich aber zugleich auch eben ſo ruhig als be⸗ ſtimmt gegen ihn aus und gab mir Mühe, ihn zu belehren. Damit jedoch verletzte ich des eingebildeten Mannes Eitel⸗ keit. Benjamin— ſo lautete ſein Taufname— mochte nichts hören von Belehrung. Er lebte der Anſicht, geſun⸗ der Verſtand bringe den Menſchen viel weiter, als alle Wiſ⸗ ſenſchaften zuſammen. Er hatte offenbar viel geleſen, Gu⸗ tes und Schlechtes, wie es ihm gerade in die Hände fiel, nur gebrach es ihm leider an hinreichender Bildung, um ſo viel ſich Widerſprechendes gründlich verarbeiten, das Wahre von dem Irrthümlichen und gänzlich Falſchen ſon⸗ dern zu können.
Ein ſolcher Mann mußte entweder ein Freigeiſt wer⸗ den oder dem blindeſten Pietismus anheimfallen. Da Benjamin wenig Trieb in ſich fühlte, die Vernunft unter den Gehorſam des Glaubens gefangen zu nehmen, ſo über⸗ ſprang er die Grenzen, die der gebildete Forſcher dem ſpü⸗ renden Geiſte aus eigenem Antriebe ſteckt, und aus dem
Noveſſen⸗Zeilung.
denkenden, halb gebildeten Laien entpuppte ſich ein roher Atheiſt. Die Verwandlung ſeiner Pſyche war keine Ver⸗ edlung: ſtatt des beſchwingten Schmetterlinges entſchlüpfte der Chryſalide ein häßlicher Wurm.
Benjamin ward ein Spötter, ſpäter ein Gottesleug⸗ ner aus Princip, und hier war es, wo ich ihm feindlich ent⸗ gegentreten mußte. Die Geburt Suſannens, des zarten Mädchens, das jetzt vor mir den Schnee durchwatete und mir unter bangem Herzklopfen den Weg zeigte zur Woh⸗ nung des ſchwer leidenden Vaters, gab den erſten wirkli⸗ chen Anſtoß zu feindlicher Begegnung. Benjamin ließ achtlos die vom Geſetz beſtimmte Zeit verſtreichen, ohne die Geburt ſeines Kindes mir anzuzeigen, noch Anſtalten zu treffen, dem neuen Weltbürger die Wohlthat der Taufe zu⸗ kommen zu laſſen. Meine Amtspflicht nöthigte mich, den Säumigen zu mir zu beſcheiden und ihn an ſeine Pflichten als Chriſt, Bürger und Vater zu erinnern.
Er hörte mir ruhig zu, dann verſetzte er mit recht häß⸗ lichem Lächeln:
„Was würden Sie wohl thun, wenn ich erklärte, gar keiner Religion anzugehören?“
„Ich würde Euch tief bedauern, mir, wie dies meine Pflicht iſt, Mühe geben, von dieſem traurigen Irrthum Euch zurückzubringen, und wenn dies nicht fruchtete, der Obrigkeit davon Anzeige machen.“
„Ich muß alſo mein Kind taufen laſſen?“
„Thut Ihr es nicht, ſo thut es die Kirche“
„Anſtoß will ich nicht geben und Rebellion mag ich auch nicht machen,“ ſagte er darauf trotzig.„Meinetwegen alſo mögen Sie das Mädel taufen.“
Ich that, als hörte ich das Geſagte nicht, ſondern ſtellte die üblichen Fragen an ihn, die er auch kurz und mürriſch beantwortete. Als ich die Namen der Pathen zu wiſſen begehrte und den Namen von ihm erfahren wollte, den ſein Kind künftig führen ſollte, ſtutzte er und ſchüttelte unwillig den Kopf.
Feuilleton.
— 9. Q8*—
Ludwig Philipp und der finniſche Troll.
Es war gegen Ende März des Jahres 1795, da fuhren über die endloſe Schneefläche von Kareſſuando drei Schlitten dahin. Die Pfade waren verſchneit, die Pferde erſchöpft, und rathlos ſtarrten die Männer, die in den Schlitten ſaßen, in das Weiße, denn mit jeder Minute nahm die Heftigkeit des Schneeſturmes zu und weit und breit war kein Obdach zu finden, ja nicht einmal der geringſte Schutz gegen den ſtets wachſenden Ungeſtüm der Wit⸗ terung, und unvermeidlich ſchien der Untergang der Reiſenden zu ſein.
Da erſchien plötzlich in der Ferne ein Geſpenſt von unbe⸗ ſtimmten Formen. Seine Augen ſchienen wie Kohlen zu glühen und ſeine behaarten Hände den Fremden zu winken, daß ſie nach ſeiner Richtung fahren ſollten. Doch, war es nicht vielleicht einer jener tückiſchen Kobolde, die im hohen Norden ſchadenfroh die Reiſenden verlocken? Dieſe Furcht ſprachen die Wagenlenker aus und zögerten, dem Winke zu folgen.
Der Jüngſte der Reiſenden aber ſprang entſchloſſen aus dem Schlitten und rief ſeinem Gefährten zu:„Komm, Franz! Wie Du ſiehſt, macht man uns von dort Zeichen!“
Der Angerufene folgte nur widerſtrebend, und mühſam ſuch⸗ tten die beiden Fußgänger ihren Weg, der ſie über Felsſtücke und durch tiefe Schneeſchluchten zu einem Berge führte, auf deſſen Gippfel einige verkrüppelte Fichten wuchſen. Als ſie aber die Höhe erreicht hatten, ſchien das Geſpenſt, das bisher vor ihnen herge⸗ ſchritten war, plötzlich in die Erde zu verfinken.
Ueberraſcht, faſt erſchrocken, blieben die Wanderer ſtehen, da verrieth eine ſchwache, aus dem Boden aufſteigende Nauchſäͤule ihnen eine jener unterirdiſchen Wohnungen, wie ſie dergleichen ſchon bei Tornea gefunden hatten und deren Eingang oft ſo eng iſt, daß man auf den Händen hinein kriechen muß.
„Was iſt hier zu thun?“ dachte der junge Reiſende;„vielleicht iſt dies die Höhle von Räubern, die mich hergelockt haben, um mich zu ermorden!“.
Aber kaum hatte er Zeit gehabt, dieſen Verdacht auszuden⸗ ken, da ließ eine liebliche Frauenſtimme die Worte ertönen:
Franz Guilleminot, erſter Kammerdiener Sr. töniglichen Hoheit, des Herzogs von Orleans, ſank voll Entſetzen in de Schnee, umklammerte die Kniee des Prinzen und flehte:
i Sie ohne in!“ „Ludwig Philipp von Orleans, treten Sie ohne Furcht ein’”!
[III. Jahrg.
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